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Antibiotika in der Schwangerschaft

Einleitung

Ein Antibiotikum ist ein Medikament, das Bakterien entweder abtöten kann oder auch so verändert, dass sie zwar nicht absterben, aber sich zumindest nicht mehr vermehren können.
Es gibt dem Körper also Zeit, die Bakterien dann selber zu vernichten.

Meist werden Antibiotika aus Mikroorganismen gewonnen und teilweise synthetisch weiterverarbeitet. Verschiedene Antibiotikaklassen wirken an unterschiedlichen Stellen des Stoffwechsels der Bakterien. 

Manche hemmen die DNA-Synthese, wodurch Bakterien ihre genetischen Informationen nicht mehr ablesen und weitergeben können. Andere hemmen die Zellwandsynthese oder die Protein-Synthese. Ohne Zellwand oder Proteine können die Bakterien nicht überleben und gehen unter.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Antibiotika

Indikationen

Antibiotika können bei bakteriellen Entzündungen, Infekten und Erkrankungen von einem Arzt verschrieben werden.
Das bedeutet, dass sie beispielsweise bei durch Viren verursachten Erkältungen nicht helfen und nicht eingenommen werden sollten.

Lesen Sie mehr zum Thema: Atemwegsinfekt in der Schwangerschaft

Zudem wirken nicht alle Antibiotika gegen alle Arten von Bakterien. Es gibt über hundert verschiedene Bakterien, die sehr unterschiedlich aufgebaut sind und auf Antibiotika unterschiedlich reagieren.
So sind manche Bakterien von Natur aus gegen Penicillin resistent, weil sie ein Enzym besitzen, das dieses Medikament einfach abbaut.
Hier können Sie mehr erfahren zum Thema: Antibiotikaresistenz

Daher muss zunächst herausgefunden werden, welches Bakterium genau die Erkrankung auslöst, die behandelt werden soll, bevor ein Antibiotikum verschreiben werden kann. Andernfalls wären die Nebenwirkungen, die Antibiotika haben können, sehr viel schädlicher als ihr Nutzen.

Welche Antibiotika sind in der Schwangerschaft erlaubt?

Wird eine schwangere Frau durch Bakterien krank, muss genau überlegt werden, ob Antibiotika eingenommen werden sollten oder nicht.

Denn vieles von dem, was die Mutter zu sich nimmt, kann über die Plazenta auch in den kindlichen Körper geraten. Häufig, zum Beispiel im Rahmen von Nahrungsmittelbestandteilen, ist das natürlich gewollt und auch sehr gut.
Im Falle von Medikamenten kann dies allerdings sehr schädlich für das Kind sein, da Ungeborene sehr anfällig gegen jede Art von Gift und eine Menge verschiedener chemischer Substanzen sind, die in Medikamenten enthalten sein können.

Je nach Substanz und je nach dem, zu welchem Zeitpunkt während der Schwangerschaft ein Antibiotikum eingenommen wird, kann es unterschiedliche Folgen auf das Baby haben.
Diese reichen von leichten Symptomen, wie Gelbverfärbungen der Zähne, bis hin zu massiven Störungen in der Entwicklung bestimmter Organe.

Zu den Antibiotika, die sich als sehr verträglich für die Mutter und das Kind herausgestellt haben, zählen Penicilline wie Amoxicillin, Penicillin V, Propicillin, Flucloxacillin und Ampicillin.
Außerdem können Cephalosporine und das Makrolid Erythromycin verschrieben werden. Für diese Antibiotika gibt es keine Studien, die nachgewiesen hätten, dass sie schädlich sind. Damit können sie von schwangeren Frauen bedenkenlos, aber natürlich nur, wenn es wirklich nötig ist, eingenommen werden.

Es gibt allerdings auch Antibiotika, die nur bei absolut strenger Indikationsstellung eingenommen werden sollten. Das bedeutet, dass sie nur genommen werden sollten, wenn die Mutter wirklich sehr schwer oder auch lebensbedrohlich krank ist und die oben genannten Antibiotika nicht helfen würden. Zu dieser Gruppe wird Fosfomycin gezählt.

Welche Antibiotika sind in der Schwangerschaft kontraindiziert?

Wenn Medikamente die Organentwicklung und damit die gesamte Entwicklung des Embryos gefährden, werden sie als teratogene Substanzen bezeichnet.
Möglicherweise teratogen ist das Antibiotikum Cotrimoxazol.

Mit Sicherheit kontraindiziert sind Fluorchinolone, Tetrazykline wie zum Beispiel Doxycyclin, Aminoglykoside, Vancomycin, Carbapeneme und Metronidazol.
Diese Antibiotika sollten während der Schwangerschaft und auch während der Stillzeit auf keinen Fall eingenommen werden, da sie massive Störungen in der Entwicklung eines Embryos beziehungsweise eines Neugeborenen zur Folge haben.
Meistens sind die Knochen, Knorpel und Zähne betroffen, je nach Antibiotikum können aber auch Hörschäden auftreten.

Welche Folgen hat eine Antibiotikaeinnahme für mein Kind?

Werden Antibiotika während einer Schwangerschaft verschrieben, werden solche ausgewählt, die nach momentanem Wissensstand vollkommen unschädlich für das Kind sind.
Denn nur solche unschädlichen Antibiotika dürfen an Mütter ausgegeben werden. Das bedeutet, dass die Einnahme keine Folgen für das Kind hat.

Wenn allerdings ein Antibiotikum verschrieben wird, das theoretisch schädlich für das Kind sein kann, können verschiedenste Folgen für das Kind auftreten.
Das Spektrum an Folgen ist dabei sehr weit und reicht von Verfärbungen der Zähne bis hin zum Schwangerschaftsabbruch. Antibiotika, die während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden sollten, sind unter der Frage „Welche Antibiotika sind in der Schwangerschaft kontraindiziert“ aufgeführt.

Antibiotika bei einer Blasenentzündung in der Schwangerschaft

Wenn von einer Blasenentzündung gesprochen wird, ist meistens ein Harnwegsinfekt gemeint.
Das bedeutet, dass nicht die Harnblase selber, sondern die Harnwege entzündet sind.
Harnwegsinfekte, wie auch tatsächliche Blasenentzündungen, werden von Bakterien verursacht und können daher mit Hilfe von Antibiotika behandelt werden.

Sie sollten allerdings nur im Extremfall zum Einsatz kommen, da die Nebenwirkungen wie Verdauungsprobleme und Resistenzentstehung nicht selten sind.
Resistenzentstehung bedeutet, dass die Bakterien lernen, sich gegen das Antibiotikum zu wehren und dadurch nicht mehr abgetötet werden können.

Im Falle einer Schwangerschaft sollte allerdings frühzeitig über eine Therapie mittels Antibiotika nachgedacht werden, da ein Harnwegsinfekt besonders für Schwangere äußerst unangenehm und schmerzhaft ist. Da die Harnwege bei der Frau kurz sind, besteht zusätzlich die Gefahr, dass die Bakterien in die Harnblase hochwandern. Das ist gefährlich, da sie von dort in die Nieren gelangen können und nur noch sehr schwierig abgetötet werden können.

Daher sollte eine Schwangere, die vermutet eine Harnwegsinfektion zu haben, unbedingt einen Arzt aufsuchen. Dieser wird dann je nach Bakterium das richtige Antibiotikum auswählen. Dieses sollte dann unbedingt regelmäßig und wie vorgeschrieben eingenommen werden, um die Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten.

Antibiotika bei einer Lungenentzündung in der Schwangerschaft

Lungenentzündungen können durch Viren und Bakterien verursacht werden. Solche, die durch Bakterien ausgelöst werden, können effektiv mit Antibiotika therapiert werden.

Dies sollte bei einer so schweren Erkrankung wie einer Lungenentzündung auch getan werden, besonders während einer Schwangerschaft.
Auch hier hängt es wieder davon ab, durch welches Bakterium genau die Lungenentzündung ausgelöst wurde. Je nach dem gibt man dann eines der Antibiotika, die dagegenwirken und keine Gefahr für die Schwangerschaft darstellen.

Antibiotika bei einer Angina in der Schwangerschaft

Eine Angina oder auch Angina tonsillaris ist eine Entzündung der Gaumenmandeln. Sie wird häufig mit einer normalen Erkältung verwechselt, da sich die beiden Erkrankungen von ihren Symptomen her stark ähneln.

So verheilt eine Angina häufig auch ohne größere Therapiemaßnahmen. Dies nennt man Spontanheilung. Handelt es sich um eine hartnäckigere Angina, sollte sie allerdings von einem Arzt abgeklärt werden. Ursache können auch hier Viren oder Bakterien sein. Letztere sprechen auf Antibiotika an.

Während einer Schwangerschaft werden natürlich wieder nur solche verschrieben, die für die Schwangere und das Kind unschädlich sind.

Tritt eine Angina tonsillaris häufig auf, kann darüber nachgedacht werden, die Gaumenmandeln operativ entfernen zu lassen. Dies sollte nach Möglichkeit aber erst nach der Schwangerschaft erfolgen, da Operationen, auch vergleichsweise einfache, immer ein Risiko darstellen.

Erfahren Sie hier mehr zum Thema: Antibiotika bei einer Mandelentzündung

Antibiotika bei einer Erkältung in einer Schwangerschaft

Normale Erkältungen werden in der Fachsprache auch grippale Infekte genannt. Solche Grippalen Infekte ähneln einer normalen Grippe, sind allerdings deutlich harmloser und zeigen auch schwächere Symptome. Eine ausgewachsene Grippe, wie auch ein grippaler Infekt werden in den meisten Fällen durch Viren verursacht.

Das bedeutet, dass Antibiotika hier nicht helfen würden und daher auch nicht eingenommen werden sollten!
Antivirale Mittel können vom Arzt verschrieben werden, helfen allerdings nur in den ersten 48 Stunden nach Auftreten der Symptome. Bis man allerdings zum Arzt geht, sind diese zwei Tage meistens schon verstrichen und man kann die Erkältung nur noch symptomatisch behandeln.

Man versucht also lediglich die Symptome zu lindern. Dies ist im Falle einer Schwangerschaft mit Sicherheit die beste Strategie. Handelt es sich um eine besonders langwierige und schwere Erkältung, sollte natürlich immer ein Arzt eingeschaltet werden, um beispielsweise eine Ausbreitung in die Lunge zu vermeiden.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Erkältung in der Schwangerschaft

Wie schlimm ist es, wenn ich ein Antibiotikum bei einer unbewussten Schwangerschaft eingenommen habe?

Wie schlimm es ist, wenn man während einer unbewussten Schwangerschaft Antibiotika eingenommen hat, hängt stark davon ab, zu welchem Zeitpunkt in der Schwangerschaft es war und natürlich welches Antibiotikum genommen wurde.

Meistens hat es keine Folgen für das Kind, da die meisten der Antibiotika, die für das ungeborene Kind harmlos sind, ohnehin zu den Standard-Medikamenten zählen und daher häufig auch Nicht-Schwangeren verschrieben werden.
Am besten ist es, einmal in der Liste der gut verträglichen Antibiotika nachzuschauen. Wenn man sich weiterhin noch unsicher ist, kann man den behandelnden Frauenarzt fragen und gegebenenfalls die Entwicklung des Babys gut beobachten.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 12.12.2018
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