Erkältung in der Schwangerschaft

Einleitung

Erkältungen zählen zu den häufigen Erkrankungen und so verwundert es auch nicht, dass eine Erkältung in der Schwangerschaft durchaus nicht ungewöhnlich ist.

In der Regel ist eine einfache Erkältung zwar ärgerlich und belastend, aber ungefährlich. Sie kann nahezu jeden erwischen. Vor allem in den kalten, nassen Wintermonaten, in denen die allermeisten Menschen Virusträger sind, besteht eine hohe Ansteckungsgefahr. Diese macht dann auch vor werdenden Müttern nicht halt.

Zusätzlich tritt bei bis zu 20% aller Schwangeren ein chronischer, langdauernder Schnupfen (Rhinitis in der Schwangerschaft) auf, den einige ebenfalls zu den Erkältungskrankheiten im weiteren Sinne zählen.

Aber wie genau verhält es sich mit einer Erkältung während der Schwangerschaft? Was sollte man tun? Welche Dinge und Medikamente könnten gefährlich werden? Und welcher Arzt ist in dieser besonderen Situation der richtige Ansprechpartner? All diese Fragen rund um die Erkältung in der Schwangerschaft sollen hier beantwortet werden.

Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Erkältung beziehungsweise eines grippalen Infektes gehören Müdigkeit und Abgeschlagenheit, eine geschwollene, verstopfte Nase, die übermäßig viel Schleim produziert, der dann herausläuft und das Atmen schwieriger werden lässt.

Auch Kopfschmerzen, unter Umständen begleitet von einem Druckgefühl auf Schläfen, Stirn oder Wangen, sowie eine Verminderung der Leistung des Geruchs- und Geschmacksinnes, die häufig mit Appetitlosigkeit einhergeht und leichter Reizhusten mit Halsschmerzen und geröteten, gereizten Mandeln im Rachenraum zählen zu den körperlichen Anzeichen. Nicht zuletzt machen sich häufig schmerzhaft angeschwollene Lymphknoten und unter Umständen Fieber oder eine ungewöhnlich starke Kälte-empfindlichkeit (frieren bis zu Schüttelfrost) bemerkbar.


Ursachen

Der Grund für eine Erkältung in der Schwangerschaft ist – wie bei anderen Erkältungen auch – meist ein viraler Infekt, der je nach Saison und Gebiet ein anderer sein kann.

Die Infektion gestaltet sich als sogenannte Tröpfcheninfektion, das heißt in der Atemluft oder in feinsten Tröpfchen, die beim Husten oder Niesen aus Nase, Mund und Rachen geschleudert werden, befinden sich die Viren. Diese haften auch an Händen und im Folgenden dann an Türklinken, Haltegriffen im Bus oder Ähnlichem und gelangen von da zu den Händen anderer, zu den Schleimhäuten und siedeln sich dort schließlich ebenfalls an.

Häufig kommt es zu wiederholten Reinfektionen, die entweder kreisend über den Partner, eigene Kinder oder andere nahestehende Personen verlaufen oder sogar zu einer wiederholten „Selbstinfektion“ führen - beispielsweise über gebrauchte Taschentücher, die auch in der ersten Phase der Heilung weiterhin benutzt werden.
Jegliche Tröpfcheninfektion geht deswegen immer mit einer schnellen Ansteckung vieler Menschen im gleichen Zeitraum einher, da häufig eine sehr große Streuung der Viren und damit eine schlechte Kontrollierbarkeit zu beobachten ist.

Therapie

https://www.dr-gumpert.de/?id=11765Eine ursächliche, also das Problem behebende, Therapie ist leider bei Erkältungen im Allgemeinen, wie auch in der Schwangerschaft, nicht möglich. Weil es sich um virale Krankheitserreger handelt, haben auch Antibiotika keinen Nutzen (diese wirken nur gegen bakterielle Erreger).

Was kann man nun also tun? Die einzige Möglichkeit zur Behandlung besteht darin, die Symptome der Erkältung zu mindern und damit die Erkrankung erträglicher zu machen. Eine hohe Flüssigkeitszufuhr ist hierbei extrem wichtig.

Ist der Hals nicht betroffen und gereizt, empfinden die meisten Patienten heißen Tee am angenehmsten. Bei einer Mitbeteiligung und Entzündung des Hals- und Rachenraumes empfehlen sich eher lauwarme Getränke, um das Gebiet nicht noch zusätzlich zu reizen.

Gegen starke Atemeinschränkung und Luftnot bei angeschwollenen Nasenschleimhäuten hilft das Inhalieren von Dampf, welches man mit einem speziellen Inhalationsapparat mit Nasenaufsatz aus der Apotheke, aber auch über einem einfachen Topf mit heißem Wasser, dem einige Tropfen Teebaum- oder Kamillenöl zugefügt wurden, durchführen kann.

Ist das alles nicht im Haus hilft es häufig auch schon zwei bis drei Kräuterteebeutel in das Wasser, dessen Dampf inhaliert werden soll, zu legen. Durch den heißen Wasserdampf kommt es zum Abschwellen der Nasenschleimhäute, was die Atmung erheblich erleichtert, und zu einer Verstärkung des Schleimausflusses, was viele Viren aus dem betroffenen Gebiet entfernt.

Eventuell kann man auf leichte Schmerzmittel zurückgreifen (besondere Aufmerksamkeit während der Schwangerschaft nötig, detaillierte Informationen in den Beipackzetteln der jeweiligen Medikamente!); am zielführendsten ist jedoch Bettruhe. Sämtliche Ressourcen des Körpers werden zur Virenabwehr benötigt, deswegen ist viel Schlaf und Entspannung die beste Überbrückung bis der Organismus sich selbst geholfen hat.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schmerzmittel in der Schwangerschaft

Nasenspray

Nasensprays sollte man in jedem Erkältungsfall, besonders aber in der Schwangerschaft äußerst sparsam und vorsichtig verwenden. Am besten sollte man nur dann auf sie zurückgreifen, wenn es keine anderen Möglichkeiten mehr gibt und die Atemeinschränkung zu stark geworden ist.
Abschwellende Nasensprays (mit chemischem Wirkstoff) wirken meist gefäßverengend. Da diese Wirkung nicht auf die Schleimhäute der Nase beschränkt bleibt, sondern im ganzen Körper zu beobachten ist, besteht die Gefahr der Sauerstoffunterversorgung des ungeborenen Kindes. Aus diesem Grund raten Ärzte und Apotheker während der gesamten Schwangerschaft, vor allem aber im ersten Drittel, von der Verwendung solcher Medikamente ab.
Bei Nutzung der Sprays über einen Zeitraum, der länger als 10 Tage andauert, ist außerdem die Gefahr der Abhängigkeit gegeben.

Im Ausnahmefall kann eine Therapie mit einem Nasenspray durchaus auch mal gerechtfertigt sein, beispielsweise wenn die Schwangere auf Grund der zugeschwollenen Nase nachts gar keinen Schlaf mehr findet. In diesen Fällen sollte man sehr streng auf die Dosierung des Medikamentes achten und nach Möglichkeit auf ein Nasenspray für Kleinkinder zurückgreifen, welche deutlich geringer dosiert sind.

Im ersten Drittel der Schwangerschaft oder wenn man auf Nasensprays mit gefäßverengenden Wirkstoffen gänzlich verzichten möchte bieten sich Nasensprays auf Meersalzbasis oder eine reine Dampfinhalation (siehe Therapie) als Maßnahmen, auf die man bedenkenlos zurückgreifen kann, an.

Alternativ sind auch pflanzliche Wirkstoffe, sogenannte Phytopharmaka, oder homöopathische Mittel möglich. Sie sind im Allgemeinen nebenwirkungsarm und auch für schwangere Frauen geeignet. Selbst über einen längeren Einnahmezeitraum verursachen sie keine Schäden an der Nasenschleimhaut.

Die Diagnosestellung Erkältung erfolgt meist schon klinisch, also durch eine körperliche Untersuchung, die Beurteilung des Gesamtzustandes des Patienten und eine spezifische Befragung (Anamnese).

Der Arzt wird dabei nach typischen Symptomen fragen und sich auch für den Zeitraum interessieren, während welchem diese schon bestehen.

Von großer Bedeutung ist immer auch der Ausschluss einer bakteriellen Infektion, die dann im Folgenden auf andere Art behandelt werden muss und gerade für Schwangere mit einer eventuellen Antibiotikatherapie andere Konsequenzen hat.

Zwar gibt es einige gute und sehr sichere Antibiotika, die auch während einer Schwangerschaft problemlos vertragen werden und verschrieben werden können, ohne dass eine Gefahr für das ungeborene Kind bestünde, dennoch sollte man sämtliche medikamentöse Eingriffe so gering wie möglich halten.
Lesen Sie hier mehr zum Thema: Antibiotika in der Schwangerschaft

Wichtig ist die richtige Diagnose zudem zum Ausschluss einer richtigen „echtenGrippe, die durch Influenzaviren hervorgerufen wird und deutlich schwerer sowie komplikationsreicher für den Patienten verläuft. Gerade Kleinkinder, ältere Menschen und Schwangere sind hier im Besonderen gefährdet und benötigen eventuell intensive ärztliche Betreuung bis hin zu einer zeitweiligen stationären Überwachung im Krankenhaus.

Ansprechpartner

Wie bei jeder Erkältungskrankheit ist auch für den Fall einer Erkältung während der Schwangerschaft der Hausarzt der erste Ansprechpartner.

Er kennt die momentane Erkrankungslage in der betreffenden Region und weiß, wodurch typische Erkrankungsfälle zur Zeit verursacht werden und was man zur Linderung der akuten Symptome tun kann.
Auch kann er in Hinblick auf andere Krankheiten untersuchen und somit wichtige Ausschlussdiagnosen (s.o.) stellen.

Sollte er nicht sowieso schon von der Schwangerschaft wissen, kann es hilfreich sein, ihn oder sie noch einmal gesondert darauf hinzuweisen.

In aller Regel ergeben sich daraus aber (bis auf den Verzicht auf einige Medikamente) keine Konsequenzen, weil die Therapie einer Erkältung für Schwangere und Nicht-Schwangere gleich gestaltet ist und von der Erkältung per se keine akute Gefahr für das Kind ausgeht.

Nichtsdestoweniger ist im Zweifelsfall immer zu einem Arztbesuch zu raten, auch weil en Arzt die Schwere der Erkrankung richtig einschätzen kann und ein eventuell nötiges weiteres Vorgehen (beispielsweise das Hinzuziehen des Gynäkologens oder ein weiterer Kontrolltermin nach ein paar Tagen, …) mit Ihnen planen kann.

Prognose

Nicht zuletzt stellt sich die Frage, ob eine Erkältung in der Schwangerschaft für Mutter und/oder Kind gefährlich sein kann. Dazu ist zu sagen, dass eine normale unkomplizierte Erkältungskrankheit zwar ärgerlich und anstrengend ist und eine zusätzliche Belastung für den Körper der Schwangeren darstellt, aber in keiner Weise als akut bedrohlich einzuschätzen ist.

In der Regel sind sämtliche Symptome nach 3-5 Tagen von alleine wieder abgeheilt. Erwachsene ziehen sich im Schnitt circa dreimal im Jahr eine Erkältung zu, Kinder sogar noch häufiger, weil ihr Immunsystem sie noch nicht vollständig vor allen Viren schützen kann. Gefahr besteht immer dann, wenn man eine bakterielle Superinfektion (zusätzlich zu den Viren, die den Körper befallen haben, kommen nun noch Bakterien dazu) vermutet, Fieber mit Temperaturen über 39 Grad auftritt oder sich nach mehr als einer Woche noch keine Besserung einstellt.

Bei diesen Symptomen, aber auch bei ungewöhnlichen Schmerzen (beispielsweise bei starken Ohrschmerzen oder Schmerzen im Stirnbereich und unter den Augen) sollte man einen Arzt zu Rate ziehen. Auch im Falle einer ungefährlichen, sich selbst limitierenden Krankheit sollte man bei einer ausgeprägten Erkältung in jedem Fall darauf achten, dass die Erkrankung vollständig kuriert wird: bei Verschleppung oder einer zu schnellen Belastung des Körpers drohen weitere Entzündungen wie zum Beispiel im Mittelohr, der Lunge oder im Bereich des Rippenfelles oder aber eine dauerhafte Belastung des Herzens auf Grund einer Herzmuskelentzündung.

Prophylaxe

Zur Verhinderung einer Erkältung von Beginn an bietet sich eine allgemeine Stärkung des Immunsystems an. Man sollte auf ausreichend warme Kleidung achten und Zugluft vermeiden. Nach Möglichkeit sollte man nie ins Frieren geraten. Vor allem die Hände und Füße sollten warm gehalten werden, weil die Temperatur dieser Körperteile sich direkt auf die Temperatur der Schleimhäute und damit auf deren Abwehrstärke auswirkt.

Kalte, angeschlagene Schleimhäute sind im Folgenden eine schwächere Barriere gegen Viren. Zudem ist frische Luft sehr förderlich; am besten eignen sich regelmäßige, kurze Spaziergänge. Genau wie Bewegung im Freien, können auch eine vitaminreiche, ausgewogene Ernährung und viel Flüssigkeit helfen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Ernährung während Schwangerschaft

Während der bekannten Erkältungssaison sollte man sich häufiger als im Normalfall die Hände waschen und nach Möglichkeit das Händeschütteln auf ein Minimum reduzieren.

Nicht zuletzt sind auch regelmäßige Entspannungsphasen und ausreichend guter Schlaf wichtig gegen Erkältungen, weil der menschliche Körper in Stresssituationen und bei Schlafmangel und Übermüdung auf Grund einer leichten körpereigenen Unterdrückung des Immunsystems wesentlich anfälliger für Krankheiten aller Art ist.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Schlafstörungen in der Schwangerschaft

Besonders Patienten, die häufiger zu Infekten neigen, können sich zudem überlegen, ob sie auf ein pflanzliches Präparat zur Stärkung des Immunsystems zurückgreifen möchten. Die meisten dieser Wirkstoffe sind auch für Schwangere ohne Einschränkungen zu empfehlen. Eine gute Empfehlung zu solchen Produkten kann der Hausarzt aussprechen.

Weitere Informationen

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Eine Übersicht immer unter: Gynäkologie A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 21.01.2018
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