Nasenspray

Einleitung

Man unterscheidet in systemisch und lokal wirkende Nasensprays.

Nasensprays gehören zu der Gruppe der sogenannten Aerosole, also Gemische von flüssigen Bestandteilen und Gas. Durch das Sprühsystem werden die flüssigen Wirkstoffe fein in der Luft verteilt und können eingeatmet (inhaliert) werden. Prinzipiell unterscheidet man zwischen lokal wirkenden und systemisch wirkenden Nasensprays. In der Regel ist mit dem Begriff ‚Nasenspray‘ jedoch die erste Variante gemeint.

Hygiene muss bei der Anwendung von Nasenspray generell groß geschrieben werden! Nach jeder Benutzung sollte der Applikator gereinigt werden, um eine Besiedlung mit Bakterien und Keimen vorzubeugen. Zudem sollte das Nasenspray immer nur von einer Person verwendet werden. Um die exakte Dosierung pro Sprühstoß zu erreichen, empfiehlt es sich bei erstmaliger Benutzung den Sprühkopf durch mehrmaliges Pumpen zu füllen, und den ersten Sprühstoß außerhalb der Nase zu betätigen.


Lokal wirkende Nasensprays

Abschwellendes Nasenspray

Schnupfen, z.B. im Rahmen einer Nasenschleimhautentzündung (Rhinitis), Erkältungskrankheiten mit Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) oder auch Infektionen der Ohrtrompete (Tubenmittelohrkatarrh) können die Behandlung mit einem abschwellenden Nasenspray fordern. Bei den genannten Krankheitsbildern, schwillt die Schleimhaut der Nase an. Dadurch kann das vermehrt gebildete Sekret nicht mehr abfließen, die Nasennebenhöhlen werden nicht mehr ausreichend belüftet. So entsteht ein ausgezeichneter Nährboden für zahlreiche Keime.
Um dies zu verhindern, wirken die abschwellenden Nasensprays als sogenannte Sympathomimetika. Vereinfacht ist sich vorzustellen, dass die Wirkstoffe die natürlichen Botenstoffe (Transmitter) des Körpers, in dem Fall Adrenalin und Noradrenalin, imitieren. Die Nasenschleimhaut reagiert darauf hin lokal mit einer Aktivierung des Sympathikus über spezielle Sensoren (Alpha- Rezeptoren), die empfindlich für Adrenalin und Nordadrenalin, bzw. die Wirkstoffe des Nasensprays sind.

Als Reaktion verengen sich die Blutgefäße der Nasenschleimhaut, wodurch diese abschwillt. Das Sekret fließt ab und die Nasennebenhöhlen werden wieder ausreichend belüftet. Zu den Wirkstoffen von abschwellenden Nasensprays gehören Xylometazolinhydrochlorid, Oxymetazolin, Tramazolin, Naphazolin und Tetryzolin.

Die Anwendungsdauer darf einen Zeitraum von etwa 5 Tage nicht überschreiten, da sonst ein massiver Gewöhnungseffekt einsetzt. Im schlimmsten Fall entsteht sogar eine "Nasenspraysucht"! Wendet man das Spray zu lange an, reagiert die Nasenschleimhaut mit vermehrter Bildung von Alpha-Rezeptoren. Schnell reicht die ursprüngliche Dosierung nicht mehr aus, und es muss mehr Nasenspray benutzt werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Letztendlich reagiert die Schleimhaut schon durch das Weglassen des Sprays mit einer reaktiven Schwellung, so dass freies Atmen durch die Nase nicht mehr möglich ist.

Lesen Sie hier mehr über Abhängigkeit von Nasenspray.

Obwohl das Arzneimittel rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist, dürfen folgende Personen abschwellendes Nasenspray in der Regel nicht benutzen:

  • Personen mit einer trockenen Entzündung der Nasenschleimhaut und Borkenbildung (Rhinitis sicca)
  • Betroffene, die sich einer operativen Entfernung der Zirbeldrüse durch die Nase (transsphenoidale Hypophysenektomie) oder anderen Operationen, nach denen die Hirnhaut frei liegt
  • Säuglinge und Kleinkinder

Besondere Vorsicht ist geboten bei:

Je nach Hersteller unterscheiden sich Wirkstoffe und ihre Zusätze. Im Folgenden werden einige Präparate beispielhaft genannt:

  • NasenSpray-ratiopharm® Erwachsene, 0,1% Xylometazolinhydrochlorid
  • Olynth Nasenspray®, 0,1% Xylometazolinhydrochlorid
  • Imidin N Nasenspray®, 0,1% Xylometazolinhydrochlorid.
  • Nasic®

Meerwassernasenspray

Meerwassernasenspray besteht aus sogenannter isotonischer Kochsalzlösung, dass heißt der Salzgehalt des Sprays (0,9% Natriumchlorid) entspricht dem Salzgehalt menschlicher Zellen. In erster Linie befeuchtet es die Nasenschleimhaut und hat durch die Verflüssigung des Nasenschleims einen reinigenden bzw. spülenden Effekt. Bei trockener Raumluft, gerade in den kalten Wintermonaten, kann das Spray einen pflegenden Effekt auf die Nasenschleimhaut haben. Zudem können sich durch die Behandlung harte Krusten, sogenannte Borken, schmerzlos lösen.
Die Anwendung von Meerwassernasenspray hat keine abschwellende Wirkung im eigentlichen Sinne, wird jedoch in der begleitenden Behandlung von Schnupfen als angenehm und Wohlbefinden steigernd empfunden. Es kann bedenkenlos über einen längeren Zeitraum benutzt werden, da kein Gewöhnungs- oder gar ‚Abhängigkeitseffekt‘ zu erwarten ist.

Schwangere und kleine Kinder dürfen ebenfalls gefahrlos Meerwassernasenspray anwenden. Da es nicht zu der Gruppe der Arzneimittel zählt, ist es frei in Drogerien oder Supermärkten erhältlich. Beim Kauf sollte drauf geachtet werden, dass das Produkt frei von Konservierungsstoffen ist.

Antihistaminika-Nasenspray

Antihistaminika-Nasenspray hat antiallergische Eigenschaften. Es eignet sich zur Behandlung von Heuschnupfen (saisonale allergische Rhinitis) und ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Zu den gängigsten Wirkstoffen zählen Levocabastin und Azelastin.

Im menschlichen Körper vermittelt der Botenstoff Histamin allergische Reaktionen. Das Nasenspray blockiert nun die Wirkung von Histamin, so dass eine allergische Reaktion in ihrer Entstehung behindert wird. Die Beschwerden, wie z.B. Jucken und Kribbeln der Nase werden gelindert. Da das Arzneimittel nur lokal verwendet wird, ist nicht mit den üblichen Nebenwirkungen von antiallergischen Mitteln, z.B. Müdigkeit zu rechnen.

Stattdessen berichten Patienten häufig von einem bitteren Geschmack im Mund, gelegentlich kann die Nasenschleimhaut gereizt werden und Nasenbluten durch Nasenpray auftreten. In sehr seltenen Fällen wurden Überempfindlichkeitsreaktionen beobachtet. Schwangere sollten Antihistaminika Nasenspray nicht in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft verwenden, in der Stillzeit darf die Behandlung nur in Rücksprache mit einem Arzt erfolgen.

Im Folgenden werden beispielhaft Präparate genannt:

  • Livocab direkt Nasenspray®, Wirkstoff: Levocabastin
  • Vividrin akut®, Wirkstoff: Azelastin.

Glucokortikoid-Nasenspray

Glucokortikoid-Nasenspray, im Volksmund auch "Kortison-Nasenspray" genannt, wirkt anti-allergisch und anti-entzündlich auf die Nasenschleimhaut. Bei allergischem Heuschnupfen, aber auch bei erkältungsbedingten Schnupfen, kann die Behandlung Symptome lindern.

Im Gegensatz zu Antihistamin-Nasenspray müssen Kortisonprodukte länger angewendet werden, die erzielte Wirkung ist jedoch stärker.

Wenn eine langfristige Behandlung erfolgt, können Nebenwirkungen auftreten, die den ganzen Körper betreffen (systemische Nebenwirkungen). Dazu gehören das Cushing-Syndrom (Vollmondgesicht, Stiernacken, Gesichtsröte), Nebennierenstörungen, Wachstumsverzögerungen bei Kindern und Jugendlichen, Linsentrübung oder erhöhter Augeninnendruck (Glaukom). In seltenen Fällen wurden psychische Veränderungen beobachtet. Eine Dauerbehandlung sollte daher nur mit Absprache des Arztes erfolgen!

Zur rezeptfreien Selbstmedikation bei Heuschnupfen, sind Sprays mit dem Wirkstoff Beclometason in der Apotheke erhältlich.

Systemisch wirkende Nasensprays

Systemisch wirkende Nasensprays entfalten ihre Wirkung nicht lokal in der Nase, sondern wirken im gesamten Körper. Die Nasenschleimhaut ist sehr gut durchblutet, und eignet sich daher hervorragend für die Aufnahme (Resorption) bestimmter Wirkstoffe in den Körperkreislauf. So wird, z.B. im Gegensatz von oraler Darreichungsweise, der Magen-Darm-Trakt umgangen, und die gewünschte Wirkung kann schneller einsetzen.

Zu den beiden verbreitetsten systemisch wirkenden Nasensprays gehören:

Fetanyl-Nasenspray

Fetanyl-Nasenspray zählt zu den sogenannten Opioiden (‚Opiaten‘) und fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Es wird bei starken Schmerzepisoden im Rahmen von Tumorerkrankungen angewendet. Der große Vorteil des Nasensprays besteht in der sehr schnellen Wirkungszeit von etwa 10 Minuten. Vergleichbare Opioide, z.B. eingenommen als Tablette, schlagen deutlich später an.

Desmopressin-Nasenspray

Bei bestimmten Erkrankungsbildern, wie z.B. dem zentralen Diabetes insipidus, liegt eine Störung der Bildung von antidiuretischen Hormon, kurz ADH (auch Vasopressin genannt) vor. Dadurch scheidet der Körper pro Tag bis zu 25 Litern Urin aus (Polyurie) und entsteht ein großes Durstgefühl (Polydipsie). Synthetisch hergestelltes Desmopressin, ähnelt dem körpereigenen Hormon ADH und kann so dessen Wirkung imitieren.
Bis zum Jahr 2007 war das Nasenspray zudem als Therapie für nächtliches Bettnässen bei Kindern zugelassen. Aufgrund gefährlicher Nebenwirkungen darf es für diese Zwecke jedoch nur noch in Tablettenform angewendet werden.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema Nasenspray finden Sie unter:

Eine Liste aller Medikamente, die wir bereits veröffentlicht haben finden Sie unter: Medikamente A-Z.

Haftungsausschluss/ Disclaimer

Wir weisen darauf hin, dass Medikamente niemals eigenständig, ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt abgesetzt, angesetzt oder verändert werden dürfen.
Bitte beachten Sie, dass wir in unseren Texten keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit erheben können. Durch aktuelle Entwicklungen können die Angaben ggf. veraltet sein.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 20.02.2017
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