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Trachom

Synonym

Griechisch: trachôma, trachus - „rau“
Konjunktivitis (granulosa) trachomatosa, trachomatöse Einschlusskonjunktivitis, ägyptische Körnerkrankheit, ägyptische Augenentzündung, Körnerkrankheit der Bindehaut
engl.: trachoma

Definition Trachom

Das Trachom ist eine durch das Bakterium Chlamydia trachomatis verursachte, chronisch verlaufende Bindehautentzündung (Konjunktivitis), die häufig zu Erblindung führt.

Häufigkeit

Das Trachom gibt es in Europa nur noch sehr selten und ist hier meldepflichtig. In Indien, Afrika und den Entwicklungsländern des südlichen Mittelmeers ist es jedoch nach wie vor eine der häufigsten Ursachen der Blindheit, ca. 4% der Bevölkerung sind dort betroffen, und die häufigste infektiöse Erblindungsursache weltweit. Allein in Ägypten, China und Indien gibt es ca. 500 Mio. Erkrankte.

Historie

Der Begriff Chlamydien leitet sich von chlamys (gr. der Mantel) ab.
Eine Beschreibung einer trachomähnlichen Erkrankung (Trachom) des menschlichen Auges findet sich bereits in Überlieferungen aus dem Altertum. 1907 erfolgte die Erstbeschreibung von Chlamydia trachomatis durch Ludwig Halberstadter (*1876 in Beuthen, Oberschlesien, † 1949 in New York City) und Stanislaus von Prowazek (*1875 Tschechische Republik, † 1915 in Cottbus). Sie konnten zeigen, dass das Krankheitsbild des Trachoms vom Menschen auf Menschenaffen experimentell übertragbar ist: Mittels einer bestimmten Färbetechnik, der Giemsa-Färbung, identifizierten sie in Zellen aus Abstrichen der Bindehaut (Konjunktiva) Vakuolen, die sie als Ursache des Trachoms interpretierten. In den Folgejahren wurden ähnliche Einschlusskörper in Konjunktivalabstrichen von Neugeborenen mit Konjunktivitis, in Gebärmutterhalsabstrichen ihrer Mütter sowie in Harnröhrenabstrichen von Männern gefunden. Aufgrund ihrer mangelnden Kultivierbarkeit auf künstlichen Nährböden, ihrer geringen Größe und ihrer rein intrazellulären Vermehrung wurden die Erreger damals fälschlicherweise als Viren eingestuft. Dank der Zellkulturtechniken und Elektromikroskopie wurde Mitte der 1960er Jahre klar, dass Chlamydien keine Viren, sondern Bakterien sind. So wurden sie 1966 als eigene Ordnung Chlamydiales der Bakterien erkannt.

Ursache

Der Erreger des Trachoms ist das gram-negative Bakterium Chlamydia trachomatis, das zu der Familie der Chlamydien gehört. Es kommt in zwei verschiedenen Formen vor:
Außerhalb einer Wirtszelle existiert es als sehr widerstandsfähiges Elementarkörperchen (EK) mit einem Durchmesser von 0,25-0,3 ?m. In dieser Form infiziert das Bakterium die Wirtszelle. Bei der Aufnahme durch die Zelle werden die Elementarkörperchen in Vakuolen eingeschlossen, die sie vor dem zelleigenen Abbau schützen. In diesen Einschlüssen wandeln sich die Elementarkörperchen in Retikularkörperchen (RK) um, die einen eigenen Stoffwechsel besitzen, und fangen an sich durch Teilung zu vermehren. Nach 2-3 Tagen geht die Wirtszelle unter, die mittlerweile wieder zu Elementarkörperchen gereiften Chlamydien werden frei und können anschließend wiederum andere Zellen befallen.
Die Übertragung der Chlamydia trachomatis erfolgt häuptsächlich durch Schmierinfektion, eine direkte Übertragung von Krankheitserregern durch Berührung, innerhalb enger Lebensgemeinschaften zum Beispiel bei gemeinsamer Benutzung von Handtüchern. Auch durch Fliegen und Insekten, die sich in den inneren Lidwinkel setzen, können sie übertragen werden und bei mangelernährten, geschwächten Kindern und Erwachsenen eine Entzündung auslösen. Mangelnde Hygiene spielt eine entscheidende Rolle. In den Bevölkerungsgruppen tropischer Länder, die durch eine ausreichende Wasserversorgung unter guten hygienischen Bedingungen leben, kommt das Trachom praktisch nicht mehr vor.
Im Narbenstadium ist die Krankheit kaum noch ansteckend. Eine dauernde Immunität entsteht nicht.
Chlamydia trachomatis (Trachom) ist der Erreger zweier Formen von Konjunktivitis:
In Ländern mit guten hygienischen Bedingungen, wie z.B. Mitteleuropa, rufen die Serotypen D–K die Chlamydienkonjunktivitis des Erwachsenen („Einschlusskörperchenkonjunktivitis“), in Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen rufen die Serotypen A–C das oft im Kindesalter beginnende Trachom hervor.

Symptome

Nach der Erstinfektion mit C. trachomatis, die in Endemiegebieten vor allem Kleinkinder betrifft, entwickelt sich innerhalb von 5-7 Tagen eine unspezifische nässende (seröse) Konjunktivitis mit Fremdkörpergefühl. Bald darauf bilden sich auf der Bindehaut (Konjunktiva) des Oberlids große körnerartige Ansammlungen von Entzündungszellen (Follikel), die gallertig aussehen, sich massiv vergrößern und schließlich aufplatzen. Auf diese Weise entleert sich die in den Follikeln eingeschlossene infektiöse Flüssigkeit (Sekret) nach außen. Nach dem Aufplatzen der Follikel entstehen Narben, was zu einer Schrumpfung der Bindehaut des Oberlides führt, wodurch die obere Wimpernreihe nach innen gezogen wird (Entropium). Durch die genannten Follikel wirkt die Oberfläche der Bindehaut des Oberlides rau, woher die Bezeichnung Trachom stammt.
Die Entzündung betrifft die Lidbindehaut und die Übergangsfalte, aber nicht die Bindehaut über dem Augapfel (bulbäre Bindehaut). Die knotenförmige Erhebung (Karunkel) und die Bindehautfalte im nasenseitigen Augenwinkel (Plica semilunaris) sind oft deutlich geschwollen. Vom oberen Hornhautrand aus wächst eine gallertige, mit Follikeln durchsetzte Trübung über die Hornhaut (Cornea). Diese Trübung wird „Pannus von oben“ oder Pannus am Auge genannt.

Durch das Entropium scheuern die Wimpern auf der Hornhaut (Trichiasis) und erzeugen ein Hornhautgeschwür (Hornhautulkus).
Das Endstadium eines schweren Trachoms ist eine porzellanartige Hornhautnarbe, die aus entarteten (metaplasierten) Bindehaut- und Hornhautzellen mit wenigen Blutgefäßen besteht. Sie entsteht durch Austrocknung der Augapfeloberfläche und wiederkehrende (rezidivierende) Erosionen. Die fortgeschrittenen Stadien sowie das Endstadium der Erkrankung entwickeln sich im Lauf von mehreren Jahren.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt basierend auf der Ausprägung der Symptomatik die Einteilung des Trachoms in 5 klinische Stadien vor:

  • follikuläre trachomatöse Entzündung bei 5 oder mehr Follikeln der Bindehaut des Oberlides,
  • starke trachomatöse Entzündung bei ausgeprägter entzündlicher Verdickung der Bindehaut des Oberlides,
  • trachomatöse, konjunktivale Vernarbung bei sichtbaren Narben der Bindehaut des Oberlides,
  • trachomatöse Trichiasis bei Reiben von mindestens einer Wimper auf dem Augapfel,
  • kornealeTrübung.

Zusätzlich kann es immer auch zu einer Superinfektion durch Bakterien wie Haemophilus, Moraxella, Pneumokokken und Streptokokken kommen, die beim Trachom sowohl primär als auch im chronischen Stadium jederzeit das Krankheitsbild verschlimmern kann.

Diagnose Trachom

Die Diagnose des Trachoms wird anhand der Symptomatik, also des klinischen Bildes, gestellt.
Zusätzlich kann eine mikrobiologische Diagnostik durchgeführt werden: Ein direkter mikroskopischer Nachweis ist mittels Immunfluoreszenz möglich. Dabei werden die Chlamydien mit fluoreszenzmarkierten Antikörpern angefärbt und so sichtbar gemacht. Aufwendiger und teurer, dafür sicherer, ist der DNA-Nachweis durch DNA-Vervielfältigung mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Das Untersuchungsmaterial besteht aus Bindehautzellen, deren Gewinnung für den Patienten sehr schmerzhaft ist.

Therapie

Zur Therapie des Trachoms werden systemische oder lokale, intrazellulär wirksame Antibiotika angewandt. Die WHO empfiehlt eine lokale Therapie mit Tetrazyklinen. Möglich ist auch eine Therapie mit Azithromycin, die jedoch teurer ist.
Im Narbenstadium sollte ein chirurgischer Eingriff erfolgen, um das Entropium und die Trichiasis zu beseitigen. Eine operative Wiederherstellung der Hornhaut (Keratoplastik) hat im Endstadium eines schweren Trachoms kaum noch Erfolgsaussichten.

Meist sind aber die Therapiemöglichkeiten des Trachoms aufgrund des sozioökonomischen Standards in den betroffenen Ländern sehr eingeschränkt.

Prophylaxe

Die Übertragung durch Schmierinfektion (Trachom) kann durch entsprechende Hygienemaßnahmen, z. B. hygienische Händedesinfektion mit 70%igem Alkohol, weitgehend unterbunden werden. Kontaktlinsenträger müssen über die möglichen Gefahren durch die Kontaktlinsen (Hornhautverletzungen mit Superinfektion) aufgeklärt und in sachgemäße Reinigung und Lagerung eingewiesen werden.
Fehlende Hygienemöglichkeiten in unterentwickelten Landern begünstigen das Auftreten des Trachoms. Nur durch Verbesserung der Infrastruktur, eine ausreichende Wasserversorgung und verbesserte hygienische Bedingungen (z.B. einmal täglich das Gesicht waschen) kann die Häufigkeit des Trachoms verringert werden.

Prognose

Die Prognose des Trachoms hängt von dem Krankheitsstadium ab. Die Prognose ist gut, wenn in einem frühen Stadium mit der Behandlung begonnen wird. Eine Erblindung tritt erst dann auf, wenn die Erkrankung jahrelang nicht behandelt wird und es häufig zu erneuter Infektion kommt.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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