Augenflimmern

Definition

Augenflimmern oder auch Augenrauschen ist ein bis heute medizinisch nicht erklärbares und in der Fachliteratur kaum beschriebenes visuelles Phänomen. Eine genaue Definition des Augenflimmerns ist deshalb kaum möglich. Verlässliche Angaben zu möglichen Ursachen, Begleitsymptomen und Häufigkeit bzw. Verteilung in der Bevölkerung existieren nicht. Nach eigenen Angaben nehmen Betroffene hierbei dauerhaft, also auch mit geschlossenen Augen, viele kleine, rasant flimmernde Punkte am Rand des Sichtfeldes wahr.

In der Fachsprache werden diese Flimmerwahrnehmungen je nach Quelle als Szintillationen oder Flimmerskotome bezeichnet. Die genaue Erscheinung der Szintillationen kann individuell in Farbe, Größe und Anzahl variieren. In den meisten Fällen wird diese, im Englischen als „visual snow“ beschriebene Wahrnehmung, mit dem schneeartigen Bildrauschen eines Fernsehers verglichen.

Aus medizinischer Sicht wird dieses Krankheitsbild zumeist als persistierende Wahrnehmungsstörung angesehen und ist damit von der sogenannten Augenmigräne (ophthalmische Migräne) abzugrenzen, unter welcher man ebenfalls beidseitig auftretende, jedoch vorübergehende und in vielen Fällen mit Kopfschmerzen einhergehende Sehstörungen versteht.

Der nachfolgende Artikel setzt sich mit der Wahrnehmungsstörung des Augenflimmerns auseinander, welche medizinisch noch kaum erfasst ist. Meist liegen dem Augenflimmern keine gefährlichen Erkrankungen zugrunde. Sollte es jedoch häufiger zum Augenflimmern kommen, sollte ein Arzt aufgesucht werden, der eine Ursache feststellen und behandeln kann.

Augenflimmern am Augenrand

Augenflimmern tritt zu Beginn typischerweise am Augenrand (Peripherie des Gesichtsfeldes) auf. Von hier aus kann es sich weiter ausbreiten und dadurch zu einer zunehmenden Einengung des Gesichtsfeldes oder sogar vollständigen Gesichtsfeldausfällen führen. Je nach zugrundeliegender Ursache und generell von Mensch zu Mensch individuell sehr unterschiedlich, können sie jedoch auch am Augenrand persistieren.

Ursachen

Wie oben bereits erwähnt, konnten bis heute keine Ursachen für das Augenflimmern mit Sicherheit ausgemacht werden. Als mögliche Auslöser kommen unter anderem psychischer Stress, der Konsum der Drogen LSD und Cannabis sowie ein Aminosäuren- und / oder Vitaminmangel in Frage.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Was sind die Folgen von Kiffen?

Des Weiteren könnten Nebenwirkungen bestimmter Antidepressiva (insbesondere aus der Gruppe der SSRI), Pilzerkrankungen des Darms und Infektionskrankheiten wie etwa die Borreliose eine Rolle in der Entstehung des Augenflimmerns spielen. Auch der übermäßige Genuss von Alkohol oder Kaffee könnten hier von Bedeutung sein. Augenflimmern geht in vielen Fällen mit psychischen Störungen, allen voran Angst- und Panikstörungen einher. Unklar ist dabei, inwiefern hier ein kausaler Zusammenhang besteht, also ob die Flimmerwahrnehmungen den psychischen Störungen vorangingen und diese eventuell verursachten oder umgekehrt.

Viele Betroffene berichten jedoch tatsächlich, dass das Augenflimmern schon ihr ganzes Leben lang bestehe, weshalb eine genetische Ursache ebenfalls nicht unwahrscheinlich ist.

Einer der weitverbreitetsten Erklärungsansätze geht hingegen von Gefäßspasmen der Netzhaut aus, vergleichbar mit dem vermuteten Entstehungsmechanismus der Migräne.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Durchblutungsstörung der Netzhaut.

Ein wiederum anderer Erklärungsansatz geht von einem Mangel des Neurotransmitters GABA in bestimmten Hirnregionen aus. So kann der Okzipitallappen, der im hinteren unteren Bereich des Gehirns liegt und das Sehzentrum enthält, von GABA-Mangel betroffen sein. Dadurch kann es zu Funktionsstörungen kommen, die ein Augenflimmern hervorrufen. Letztere Theorie wird durch die bei einigen Patienten symptomlindernde Wirkung bestimmter, am GABA-Rezeptor ansetzenden Medikamente gestützt.

Für besonders Interessierte mehr zum Thema unter: Aufbau des Gehirns.

Augenflimmern durch Stress

Wie schon erwähnt, wird unter anderem auch Stress als Ursache des persistierenden Augenflimmerns vermutet. So wird teilweise beschrieben, dass Betroffene durch Anpassungen ihres Lebensstils Besserungen ihrer Beschwerden erreichen konnten. Auslöser des Augenflimmerns könnten demnach unter anderem der starke Genuss von Alkohol und Kaffee gehören, der wiederum mit psychischem Stress in Verbindung gebracht werden kann. Des Weiteren scheinen Entspannungsübungen (siehe: Entspannung) und autogenes Training eine positive Wirkung auf die Intensität des Augenflimmerns zu haben.

Betroffenen, welche in ihrer Freizeit oder berufsbedingt viel Zeit vor einem Computer-Monitor verbringen, wird außerdem empfohlen, regelmäßig Pause einzulegen. Angemessen ist beispielsweise eine viertelstündige Pause nach zwei Stunden Arbeit vor dem PC.

Augenflimmern durch Nackenverspannungen

Ebenso wie langanhaltender Stress sind auch Nackenverspannungen und andere Beschwerden der Wirbelsäule ein weitverbreitetes Problem unserer Gesellschaft. Sie sind meist die Folge einer ungesunden Körperhaltung, wie sie durch sitzende Tätigkeiten und Bewegungsmangel hervorgerufen werden.

Neben allgemeinhin bekannten Erkrankungen wie dem Bandscheibenvorfall kann Fehlbelastung auch das sogenannte HWS-Syndrom zur Folge haben. Unter diesem für sich genommen sehr vagen Begriff wird eine Vielzahl neurologischer und orthopädischer Symptome und Symptomkomplexe zusammengefasst, welche die Schulter-Nacken-Region betreffen. Das häufigste Symptom sind dabei Schmerzen und Muskelverspannungen der jeweiligen Region, welche zusätzlich mit einer Reihe von Begleiterscheinungen einhergehen können. Dies können unter anderem Kopfschmerzen, Ohrgeräusche, Schwindel oder auch Sehstörungen sein.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Symptome des HWS-Syndroms.

Als Ursache wird ein Einengen von Nervenbahnen beschrieben, was letztlich zu Durchblutungsstörungen und Ausfallerscheinungen derselben führt. Neben Lichtblitzen und verminderter Sehkraft kann in der Folge auch Augenflimmern auftreten.

Zur Behandlung von Augenflimmern im Rahmen von Nackenverspannungen stehen verschiedene Therapieansätze zur Verfügung. Neben physiotherapeutischen Übungen unter Anleitung und allein zu Hause ist das Erlernen rückengerechten Verhaltens im Alltag unabdingbar. Daneben ist eine medikamentöse Schmerztherapie wichtig. Medikamente wie Ibuprofen und Diclofenac wirken dabei nicht nur schmerzlindernd, sondern auch entzündungshemmend und können den gereizten Nerven so zur Erholung verhelfen. Weiterhin können eine lokale Schmerz- und Thermotherapie hilfreich sein.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Behandlung eines HWS-Syndroms.

Symptome

Augenflimmern während des und nach dem Sport

Jeder, der regelmäßig intensiv Sport treibt, wurde wahrscheinlich schon mit Symptomen wie Zittern, Schwindel, Kopfschmerzen, Schwächegefühl und Augenflimmern konfrontiert. All dies sind Symptome von Überlastung und einem deutlichem Überschreiten der eigenen Leistungsgrenzen.

Zurückzuführen sind die Symptome am ehesten auf einen niedrigen Blutdruck und eine Unterzuckerung (Hypoglykämie). Dies hat eine vorübergehende leichte Unterversorgung an Glucose und Sauerstoff des Hirngewebes zur Folge und führt letztlich zu den oben beschriebenen Symptomen.

Ein oft verantwortlich gemachter Vitamin- und Mineralmangel durch starkes Schwitzen während des Sports ist hingegen eher unwahrscheinlich als Ursache für Augenflimmern beim oder nach dem Sport. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, den Wasser- und Elektrolythaushalt des Körpers - etwa durch das Trinken isotonischer Getränke - im Gleichgewicht zu halten. Um einer Unterzuckerung entgegenzuwirken, können bei Augenflimmern schnell resorbierbare, kurzkettige Kohlenhydrate - etwa in Form von Traubenzucker - im Mund aufgelöst werden.

Lesen Sie mehr zum Thema Was tun bei einer Unterzuckerung?

Im Übrigen sind allgemeine Verhaltenstipps während des Sports zu empfehlen. Zu diesen gehören eine ausreichende Kalorienzufuhr im Alltag und das Einlegen ausreichend langer Pausen während der Übungseinheiten.

Augenflimmern nach dem Aufstehen

Treten Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Augenflimmern oder auch andere Sehstörungen morgens nach dem Aufstehen auf, lässt sich dies meist auf den Kreislauf zurückführen: Über Nacht, in welcher das Herz vergleichsweise wenig Arbeit leisten muss und die Gefäße des Körpers geweitet und entspannt sind, ist ein niedriger Blutdruck ausreichend, um alle Organe mit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Stehen wir dann morgens zu schnell auf, kommt es zu einem Versacken des Blutes in die großen Venen der Beine. Dies hat eine vorübergehende Unterversorgung des Gehirns zur Folge, welche sich in den oben genannten Symptomen bemerkbar macht. Vor allem Menschen mit generell niedrigem Blutdruck benötigen daher morgens mehr Zeit, damit sich die Herzaktivität und Spannung der Gefäßwände den plötzlich gestiegenen Anforderungen anpassen kann. Sport zu treiben und genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen können hierbei in gewissem Maße Abhilfe schaffen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Schwindel beim Aufstehen.

Für besonders Interessierte lesen Sie mehr zum Thema unter: Herz-Kreislaufsystem.

Augenflimmern und Kopfschmerzen

Augenflimmern kann im Zuge eines HWS-Syndroms in Kombination mit Kopfschmerzen auftreten.

Flimmerskotome können im Rahmen verschiedener Krankheitsbilder auftreten und Ausdruck einer Reihe von Störungen sein. Aus diesem Grund ist es wichtig, auf das Augenflimmern begleitende Symptome zu achten. Häufig sind diese z.B. eine erhöhte Lichtempfindlichkeit oder auch Kopfschmerzen.

Treten Kopfschmerzen in Kombination mit Augenflimmern auf, kann dies auf eine sogenannte ophthalmische Migräne oder auch Augenmigräne hindeuten: Hierbei handelt es sich laut Definition um vorübergehend auftretende, beidseitige Sehstörungen, welche oft (jedoch nicht immer) von Kopfschmerzen begleitet werden.
Neben Sehstörungen in Form eines Augenflimmerns, welches auch bei geschlossenen Augen persistiert, können auch Lichtblitze wahrgenommen werden. Zusätzlich werden auch Gesichtsfeldausfälle und ein allgemeiner Schwindel beobachtet. Die Symptome halten zumeist einige Minuten, selten jedoch auch eine halbe bis eine ganze Stunde an. Vor allem junge Erwachsene sind gehäuft betroffen.
Die Ursachen der Augenmigräne sind nicht geklärt, es wird jedoch von einer Zirkulationsstörung des Hirngewebes der Sehrinde, welche sich im Okzipitallappen befindet, ausgegangen.
Da die Augenmigräne an sich recht harmlos ist und keine Folgeschäden nach sich zieht, ist eine Behandlung kaum erforderlich. Von vielen Betroffenen als angenehm und hilfreich empfunden, ist eine ruhige und abgedunkelte Umgebung während der Attacke. Schmerzmedikamente wie etwa Ibuprofen oder Aspirin bringen in der Regel Linderung. Sollten bestimmte Attacken-auslösende Faktoren bekannt sein, ist es ratsam, diese zu meiden.
Es sollte ein Augenarzt konsultiert werden, wenn die Augenmigräne wiederholt auftreitt, da in diesem Fall schwerwiegendere Erkrankungen ursächlich für das Augenflimmern und die Kopfschmerzen sein könnten.

Augenflimmern, Kopfschmerzen und Nackenschmerzen können auch beim HWS-Syndrom in Kombination auftreten (siehe: Symptome eines HWS-Syndroms)

Diagnose

Betroffene, die sich bemühen, der Ursache ihres Augenflimmerns auf den Grund zu gehen, stoßen hierbei häufig auf Ratlosigkeit von Seiten der Ärzte.

Diagnosestellungen reichen von der Migräne, über psychosomatische Ursachen bis hin zu psychiatrischen Krankheitsbildern sowie Depressionen und Angststörungen. Teilweise werden auch entopische Phänomene für die Sehstörung verantwortlich gemacht. Das „entoptische Phänomen“ ist dabei eine Bezeichnung für visuelle Effekte, die durch Lichtbrechungen innerhalb des Auges entstehen.

Diese Diagnosen werden von den Patienten oft nur als unzureichend angesehen, sodass der Gang zum Arzt sowohl für die Betroffenen, als auch den behandelten Arzt oft sehr frustrierend ist.

Am vielversprechendsten erscheinen bei der Vielzahl weit gestreuter Erklärungsversuche letztlich zwei Diagnosebilder: die Halluzinogen induzierte Sehstörung (engl. Hallucinogen persisting perception disorder, HPPD), welche jedoch Halluzinogenmissbrauch vorausetzt, und die als „Persistierende Migräneaura ohne Hirninfarkt“ bezeichnete Sehstörung.

Therapie

Da der Entstehungsmechanismus hinter dem Augenflimmern ebenso wenig wie seine Ursachen geklärt sind, beruhen jegliche Therapieansätze auf Erfahrungswerten und den vermuteten Ursachen.

So kommen bei der medikamentösen Therapie verschiedene Präparate aus der Gruppe der Antikonvulsiva (bzw. Antiepileptika) wie etwa Valproinsäure, Lamotrigin und Topiramat, ebenso wie das Benzodiazepin Xanax® zum Einsatz. Jedes dieser vier Medikamente entfaltet seine Wirkung zumindest in Teilen über seine Bindung an den GABA-Rezeptoren des Hirns. Den Ursprung des Augenflimmerns in einer Störung des GABA-Haushalts des menschlichen Gehirns zu suchen, scheint daher naheliegend und wird in Fachkreisen diskutiert.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema "Augenflimmern" finden Sie unter:

Eine Übersicht aller Themen der Augenheilkunde finden Sie unter: Augenheilkunde A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 24.03.2017
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