Schilddrüsenüberfunktion

Synonyme im weitesten Sinne

Hyperthyreose, Morbus Basedow, immunogene Hyperthyreose,Jodmangelstruma, Struma, heiße Knoten, autonome Knoten in der Schilddrüse.

Definition

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) liegt vor, wenn die Schilddrüse (Thyroidea) vermehrt Schilddrüsenhormone (T3 und T4) bildet, so dass eine überschießende Hormonwirkung an den Zielorganen erreicht wird. Zumeist liegt der Erkrankung eine Störung in der Schilddrüse selbst zu Grunde.

Die Schilddrüsenhormone bewirken eine Steigerung des Gesamtstoffwechsels und eine Förderung des Wachstums und der Entwicklung. Außerdem beeinflussen die Hormone die Muskulatur, den Calcium- und Phosphathaushalt, sie regen die Eiweißproduktion (=Proteinbiosynthese) und die Bildung des Zuckerspeicherstoffes Glykogen an.

Einleitung

Die Schilddrüsenhormone L-Tetrajodthyronin (=T4), auch Thyroxin genannt, und
L-Trijodthyronin (=T3) haben diverse Wirkungen und Wirkorte.

Die Freisetzung der Schilddrüsenhormone wird über einen geschlossenen Regelkreis gesteuert:

Das Hormon TRH (=Thyreotropin Releasing Hormone, Thyreotropin Freisetzungs-Hormon) wird aus dem zentralen Nervensystem freigesetzt und wirkt auf die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die nun vermehrt TSH (=Thyreoidea Stimulating Hormone, schilddrüsenstimulierendes Hormon) produziert und ins Blut abgibt.

TSH wirkt an der Schilddrüse: Die Schilddrüsenzellen werden zur Hormonbildung angeregt, so dass T3 und T4 im Folgenden ausgeschüttet werden.
Außerhalb der Schilddrüse wird T4 in T3 umgewandelt, welches das aktivere der beiden Hormone ist. Die Freisetzung der Schilddrüsenhormone ins Blut bewirkt wiederum, im Rahmen einer Rückkopplungsreaktion im Regelkreis, dass weniger TRH und somit TSH ausgeschüttet werden. Die Konzentration der im Blut vorhandenen Schilddrüsenhormone T3 und T4 ist die Basis dieses Regelkreislaufs.

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Anatomie Hals / Kehlkopf

  1. Rachen
  2. Schildknorpel des Kehlkopfs
  3. Schilddrüse
  4. Luftröhre (Trachea)
  1. Kehldeckelknorpel -
    Cartilago epiglottica
  2. Zungenbein - Os hyoideum
  3. Schildknorpel-Zungenbein-Band -
    Ligamentum thyrohyoideum
  4. Oberer Schildknorpeleinschnitt
    Incisura thyroidea superior
  5. Schildknorpel -
    Cartilago thyroidea
  6. Ringknorpelspange -
    Arcus cartilaginis
    cricoideae
  7. Schilddrüse -
    Glandula thyroidea
  8. Ringband -
    Ligamentum anulare
  9. Luftröhrenknorpel -
    Cartilago trachealis
  10. Nasenhöhle - Cavitas nasi
  11. Mundhöhle - Cavitas oris
  12. Rachen - Pharynx
  13. Lunge - Pulmo

    Luftweg L - L (blau)
    Speiseweg S - S (rot)

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Symptome

Die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion können vielfältig sein. Jedoch wird bei genauerem Betrachten deutlich, dass jedes von ihnen auf einer Überaktivierung des Körpers zurückzuführen ist. In ihrem Gesamtbild werden die folgenden Symptome als Hyperthyreodismus bezeichnet. Zu den typischen Beschwerden einer Hyperthyreose gehören vor allem Schlaflosigkeit, einer verstärkte Reizbarkeit und Nervosität und Zittern. Jedes dieser Symptom kann dabei als Zeichen einer allgemeinen psychomotorischen Unruhe angesehen werden. Neben diesen Beschwerden leidet insbesondere auch das Herz-Kreislaufsystem unter zu hohen Schilddrüsenwerten. Neben gesteigertem Blutdruck und einer erhöhten Herzfrequenz kommt es vermehrt zu Herzrhythmusstörungen. Extrasystolen (Herzschläge außerhalb des normalen Herzrhythmuses) und Vorhofflimmern können dabei sogar lebensbedrohliche Dimensionen annehmen.
Trotz der beschriebenen vermehrten Aktivität des Körpers und einem Heißhungergefühl kommt es ungewollt zu Gewichtsverlust. Dies ist auf eine Mobilisierung der Fett- und Zuckerreserven zurückzuführen. Hiermit einher geht in manchen Fällen ein zu hoher Blutzuckerspiegel, sowie Wärmeintoleranz. Weitere Symptome sind Durchfall, eine Schwäche der Muskulatur, Osteoporoseund Haarausfall. Bei Frauen treten zusätzlich Zyklusstörungen bis hin zur Unfruchtbarkeit auf. Mit der Zeit führt eine Schilddrüsenüberfunktion auch zu einem Wachsen des Schilddrüsengewebes(Struma), welche als Schwellungtastbar wird. Dies kann in späteren Stadien sogar von außen sichtbar werden und derartige Ausmaße annehmen, dass Atem- und Schluckbeschwerden aufgrund einer Kompression der Luft- und Speiseröhre auftreten.
Bei der autoimmun verursachten Schilddrüsenüberfunktion, dem Morbus Basedow, ist zudem das Hervortreten der Augen aus den Augenhöhlen (Exophthalmus) auffällig. Dies ist durch eine entzündliche Schwellung des die Augen umgebenden Gewebes bedingt. Die Kombination aus Exophthalmus, erhöhter Herzfrequenz (Tachykardie) und Struma wird Merseburger Trias genannt.
Alle genannte Symptome treten insgesamt recht häufig auf, in den meisten Fällen sind Patienten jedoch nur von einem Teil der Beschwerden betroffen.

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Gewichtsabnahme

Ein typisches Symptom der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist die Gewichtsabnahme. Die Gewichtszunahme hingegen ist das klassische Symptom einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).
Die Ursache der Gewichtsabnahme liegt in der vermehrten Freisetzung der Schilddrüsenhormone, welche den Grundumsatz des Körpers steigern. Dabei wird der Abbau von körpereigenen Fett- und Zuckerreserven gefördert, um den Organen mehr Energie bereitstellen zu können. Die Folge kann ein erhöhter Blutzuckerspiegel sein. Jedoch werden nicht nur Fett- und Zuckerreserven abgebaut, gleichzeitig wird auch Calcium aus den Knochen freigesetzt (mit der Folge einer Osteoporose) und der Aufbau von Proteinen, beispielsweise in den Muskeln, gehemmt.

Häufigkeit

Frauen sind fünfmal häufiger von einer Schilddrüsenüberfunktion betroffen als Männer. 2% aller Frauen erkranken in ihrem Leben an einer klinisch sichtbaren Hyperthyreose.

Ursachen und Risikofaktoren der Überfunktion

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann zum einen durch eine sogenannte Autonomie der Schilddrüse, Autoimmunerkrankungen oder in seltenen Fällen durch Tumore der Schilddrüse oder der Hypophyse entstehen.
Bei der Autonomie handelt es sich um eine durch die Schilddrüse selbstständig erhöhte Produktion der Schilddrüsenhormone, unabhängig von der hormonellen Regulation durch den normalen Regelkreis. 

Für die genannten Ursachen spielen genetischen Faktoren eine Rolle. Des weiteren gibt es auch eine durch Medikamente verursachte Schilddrüsenüberfunktion, wie durch das iodhaltige Medikament zur Behandlung von HerzrhythmusstörungenAmiodaron.
Ein Risikofaktor für die durch das Immunsystem verursachten Schilddrüsenüberfunktionen wie der Morbus Basedow ist insbesondere das Geschlecht. Frauen sind bis zu 8 mal häufiger hiervon betroffen. Ein vermuteter Zusammenhang besteht zwischen stattgehabten Schwangerschaften sowie Geburten und der autoimmun-induzierten Schilddrüsenüberfunktion.

Immunogene Hyperthyreose und Morbus Basedow

Beim Morbus Basedow existieren Autoantikörper gegen den Rezeptor für das Schilddrüsen-stimulierende Hormon TSH (Thyroides stimulating hormone), d.h. es findet eine gegen körpereigene Strukturen gerichtete Reaktion des Immunsystems statt (=Autoimmunerkrankung).
Die TSH-Rezeptoren übermitteln den Stimulus des zentralen Nervensystems an die Schilddrüse, die Hormone T3 und T4 zu produzieren und in die Blutbahn freizusetzen.
Die Rezeptor-Antikörper bewirken eine Dauerstimulation der Schilddrüse, so dass die entsprechenden Hormone im Überschuss gebildet werden.

Der Morbus Basedow ist charakterisiert durch die Schilddrüsenüberfunktion mit einer Struma (=Schilddrüsenvergrößerung beziehungsweise Schwellung des Organs) und einer Herzfrequenzsteigerung, einer Orbitopathie, d.h. es liegt eine Augenbeteiligung vor, sowie einer Dermopathie (=Hauterkrankung).

Diese typische Dreierkombination von Symptomen (Schilddrüsenüberfunktion mit ihren Folgen, Augen- und Hautbeteiligung) beim Morbus Basedow nennt man Merseburg Trias.

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Hyperthyreose bei einer Autonomie der Schilddrüse

Hierbei erfolgt die Schilddrüsenhormonproduktion abgekoppelt und unabhängig (autonom) von den Prozessen des Regelkreislaufs.

Die häufigste Ursache dieser autonomen Areale ist die Jodmangelstruma.

Eine Struma, die Vergrößerung der Schilddrüse, entsteht bei Jodmangelals Fehladaptation der Stoffwechsellage:
Jod ist wichtiger Baustein der Schilddrüsenhormone. Ist zu wenig Jod im menschlichen Körper vorhanden, können keine ausreichenden Mengen an Schilddrüsenhormonen produziert werden: Die Konzentrationen von T3 und T4 im Blut sinken, so dass vermehrte Stimuli zur Nachproduktion von Hormonen von übergeordneten Zentren, in Form von TRH und TSH, an die Schilddrüse abgegeben werden.
TRH und TSH regen die Bildung von Schilddrüsenhormonen sowie das Wachstum der Schilddrüsenzellen an. Trotz vergrößerter Zellen (=Zellhyperplasie der Schilddrüse) kann die Hormonproduktion nicht gesteigert werden, da Jod fehlt.
Die Schilddrüsenhormonkonzentration bleibt folglich auf geringem Niveau und weiterhin wirken Wachstumsreize auf die Schilddrüse ein.

Die Jodmangelstruma zeigt die gesteigerte Tendenz zur Entwicklung von autonomen Arealen, die nicht in den Regelkreis der Schilddrüsenhormone eingegliedert sind und unabhängig vom Rückkopplungs-Mechanismus Hormone produzieren.
In jeder, auch in der gesunden, Schilddrüse gibt es autonome Areale, in Jodmangelstrumen ist ihr Anteil am Schilddrüsengewebe jedoch erhöht.

Die Menge der autonom gebildeten Hormone ist abhängig von der Masse der unabhängigen Schilddrüsenareale und der Jodzufuhr.
Übersteigt die autonom produzierte Hormonmenge den körperlichen Bedarf, liegt eine Überfunktion der Schilddrüse vor. Dieser Zustand tritt ein, wenn Jod in hohen Dosen verabreicht wird, durch z.B. die Einnahme von jodhaltigen Medikamenten oder bei einer Injektion von jodhaltigem Röntgenkontrastmittel vor einer Röntgenuntersuchung. Die zusätzliche Jodgabe macht eine Mehrproduktion von Hormonen in den vergrößerten Schilddrüsenzellen möglich, so dass die Schilddrüsenüberfunktion manifest wird, d.h. Symptome verursacht.
Die Zufuhr von geringen Jodmengen, wie sie mit der Nahrung aufgenommen werden, löst hingegen keine Überfunktion der Schilddrüse aus.

Primäre Erkrankungen der Schilddrüse

Weniger häufig tritt eine Schilddrüsenüberfunktion bei primären Erkrankungen wie z.B. Schilddrüsenentzündungen, der Schilddrüsenhormongabe oder bösartigen Schilddrüsentumoren auf.

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Auch gutartige Knoten, wie es bei einem autonomen Adenom der Fall ist, führen zu einer Schilddrüsenüberfunktion.

Lesen Sie mehr über dieses Krankheitsbild unter: Autonomes Adenom der Schilddrüse

Schwangerschaft

Die wichtigste Voraussetzung für die gesunde Entwicklung eines ungeborenen Kindes ist eine gesunde Mutter. Vor allem während der ersten Schwangerschaftswochen und -monate ist eine gute mütterliche Schilddrüsenfunktion wichtig. In dieser Zeit hat eine Schilddrüsenüberfunktion der Mutter häufig eine Früh- oder sogar Totgeburt zur Folge.
Vor allem Patientinnen mit einem Morbus Basedow ist von einer Schwangerschaft abzuraten. Zum einen ist die Rate an Frühaborten durch die thyreostatische Therapie deutlich erhöht, andererseits werden die für das Krankheitsbild verantwortlichen Antikörper plazentar auf den Fötus übertragen und können diesen während der ersten Lebensjahre oder sogar lebenslang schädigen.
Zum Thema zu hoher Schilddrüsenwerte und Schwangerschaft ist außerdem zu erwähnen, dass eine Schwangerschaft zu normalen Veränderungen der Schilddrüsefunktionen führen kann. Da die Schilddrüse der Mutter nun auch das Kind mitversorgen muss, kommt es zu einem erhöhten Bedarf an Jod. Die Mutter sollte in dieser Zeit mindestens 200 µg Jod pro Tag mit der Nahrung aufnehmen. Gleichzeitig kann es in dieser Zeit zu einem leichten Wachstum der Schilddrüse kommen. Ein geringes Abweichen der Schilddrüsenwerte ist während einer Schwangerschaft nicht unüblich.
Jedoch sollte eine übermäßige Größenzunahme der Schilddrüse oder eine starke Veränderung der Werte sollte weiter abgeklärt werden, da sich eine bisher nicht relevante Schilddrüsenfunktionsstörung während der Schwangerschaft verstärken und manifest werden kann.

Weitere Informationen hierzu:Schilddrüsenüberfunktion in der Schwangerschaft

Die Schilddrüsenüberfunktion in der Schwangerschaft, was sollte man beachten?

Die Schilddrüsenüberfunktion soll auch in der Schwangerschaft therapiert werden. Allerdings gibt es einige Dinge zu beachten, damit es nicht zu einer Gefährdung des Kindes oder einer durch das Medikament verursachten Schilddrüenunterfunktion des Kindes kommt.
Eine Schilddrüsenüberfunktion kann sich durch die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft auch erstmalig hier äußern oder durch die bestehende Schwangerschaft verschlimmert werden.

Zugelassene Medikamente in der Schwangerschaft zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion sind Propylthiouracil(PTU), Carbimazolund Thiamazol. Ersteres ist das Medikament erster Wahl in der Schwangerschaft.
Es sollte außerdem die möglich niedrigste Dosis gewählt werden, um zum einen eine adäquate Behandlung der Überfunktion und zum anderen eine Minimierung der Risiken für das Kind zu erreichen.
Trotz der minimalen Dosis kann es sein, dass nach der Geburt eine Schilddrüsenunterfunktion des Kindes festgestellt wird oder es in sehr seltenen Fällen zu Fehlbildungen kommt. Diese sind jedoch nicht bei PTU, sondern bei Carbimazol oder Thiomazol beschrieben worden.
Andererseits gefährdet eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion nicht nur die Schwangerschaft, wie durch eine thyreotoxische Krise ausgelöste Fehlgeburt, sondern auch die Gesundheit der Mutter.
Deswegen sind regelmäßige Kontrollen während der Schwangerschaft sowohl des Hormonspiegels als im Rahmen der gynäkologischen Untersuchungen von großer Bedeutung.

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Bei Kindern

Vor allem bei Kindern ist es wichtig, Schilddrüsenfunktionsstörungen rechtzeitig zu erkennen. Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann bei ihnen zu vielfältigen Symptomen führen. Hierzu gehören typischerweise eine vergrößerte Schilddrüse, ein schneller Puls, Bluthochdruck, Zittern der Extremitäten und eventuell ein Hervortreten der Augen.
Die Ursache einer Überfunktion der Schilddrüse bei Kindern können einerseits (in der Regel gutartige) Knoten (Adenome) der Schilddrüse sein, welche, vom normalen Regelkreis der Schilddrüse entkoppelt, Schilddrüsenhormone produzieren. Andere Ursachen können Autoimmunprozesse, eine Überdosierung von Schilddrüsenmedikamenten oder eine Übertragung von Schilddrüsenantikörpern während der Schwangerschaft durch die Mutter sein.
Üblicherweise wird eine Hyperthyreose bei Kindern schnell entdeckt, da entsprechende Blutwerte schon während der ersten Lebenstage im Rahmen der U2 Untersuchung untersucht werden. Gibt es Hinweise auf eine entsprechende Funktionsstörung können Ultraschalluntersuchungen oder in Ausnahmefällen eine Szintigrafiedie Diagnose sichern. Die Behandlung erfolgt anschließend je nach Ursache entweder mittels Medikamenten, oder auch operativ. Auch eine Bestrahlung der Schilddrüse mithilfe von intravenös verabreichtem radioaktivem Jod kann angedacht werden. Die Nachversorgung besteht in einer ausreichenden Jodzufuhr und eventuell durch eine Hormonersatztherapie.

Abbildung Schilddrüsenüberfunktion

Szintigraphie einer Patientin mit Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreodismus). Die Aufnahme des radioaktiv markierten Jods ist über die gesamte Schilddüse / beide Schilddrüsenlappen stark vermehrt.
Hieraus lässt sich ableiten das die Schilddrüsenfunktion übersteigert ist (Schilddrüsen- überfunktion).
Diesen Verdacht kann man durch die Bestimmung der sogenannten Schilddüsenwerte im Blut bestätigen.

Diagnose

In der Erhebung der Krankheitsgeschichte (=Anamnese) muss erfragt werden, ob jodhaltige Medikamente eingenommen oder jodhaltige Salben/Tinkturen auf die Haut aufgetragen wurden oder ob eine Untersuchung mit Röntgenkontrastmittel erfolgte, welches Jod enthielt. Durch diese zusätzliche Jodzufuhr könnte es zu einer Überfunktion der Schilddrüse gekommen sein.
Die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) werden bei der klinischen Untersuchung festgestellt, z.B. eine erhöhte Herzfrequenz und hohe Blutdruckwerte, oder erfragt.

An die körperliche Untersuchung des Patienten schließt sich die Überprüfung der Stoffwechsellage an:
Es erfolgt eine Laborkontrolle, bei der die Höhe Schilddrüsenhormone T3 und T4 sowie die TSH-Konzentration im Blut bestimmt werden: Die Konzentrationen der Hormone T3 und T4 sind erhöht und der TSH-Spiegel ist auf Grund des negativen Feedbacks durch die Schilddrüsenhormone an die übergeordneten Zentren erniedrigt.

Bei einem Verdacht auf das Vorliegen eines Morbus Basedow können die TSH-Autoantikörper im Blut nachgewiesen werden.

Zu den bildgebenden Verfahren, die der Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion dienen, gehören der Ultraschall (=Sonografie) und die Szintigrafie.
Der Ultraschall ist eine unverzichtbare Methode, um Schilddrüsenerkrankungen festzustellen: Aussagen zu Auffälligkeiten in der Struktur des Gewebes und zum Echomuster der Schilddrüse sowie die Bestimmung des Volumens des Organs sind möglich.
Besteht eine Überfunktion, liegen viele echoarme Schilddrüsenareale vor, die im Ultraschallbild schwarz erscheinen. Die Durchblutung der Schilddrüse ist gesteigert, was durch eine Doppler-Untersuchung (=sonografisches Verfahren zur Messung der Fließgeschwindigkeit des Blutes in den Gefäßen) festgestellt werden kann.

Die Szintigrafie ist eine radiologische Untersuchung, mit deren Hilfe hormonproduzierende, aktive Zellen der Schilddrüse dargestellt werden können.
Die Szintigrafie dient vor allem der Diagnose autonomer Schilddrüsenareale.
Zu ihrer Darstellung wird stabiles Jod an radioaktives Technetium gekoppelt und dem Patienten über die Vene verabreicht. Die Aufnahme des Jods in die Schilddrüse ist daher an die Aufnahme des radioaktiven Markers gebunden, so dass das Ausmaß der Jodaufnahme über die Darstellung des Markers im szintigrafischen Bild quantifiziert werden kann. Liegt eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) vor, werden viel Jod und damit eine große Menge Technecium von der Schilddrüse aufgenommen.
Die Areale mit stärkerer Speicherung, die man heiße Knoten nennt, sprechen für das Vorliegen von autonomen Schilddrüsenarealen.

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Prognose

Die Prognose der Schilddrüsenüberfunktion ist zum einen abhängig von der Ursache dieser und zum anderen von der medikamentösen Einstellung. 

Durch Einnahme von Medikamenten zur Hemmung der Schilddrüsenhormonproduktion kann in der Regel eine gute Einstellung erfolgen mit guter Prognose. Bei nicht ausreichender Wirkung können durch einen operativen Eingriff und folgender Einnahme von Schilddrüsenhormonen gute Ergebnisse erzielt werden.
In den selteneren Fällen handelt es sich um eine Krebserkrankung. Die Prognose hier unterscheidet sich ebenfalls nach Art des Schilddrüsenkrebses und Stadium der Erkrankung.
Bei Einnahme von dem Medikament Amiodaron und auftretenden Symptomen sollte ein Arzt kontaktiert werden. Eine Umstellung auf ein anderes Medikament wäre in diesem Fall indiziert und führt durch Absetzen zu einer Behebung der Überfunktion.

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Folgen einer Schilddrüsenüberfunktion

Die Folgen der Schilddrüsenüberfunktion sind meist nur bei schlecht behandelten oder unbehandelten Erkrankungen zu finden.
Eine Komplikation hiervon ist die thyreotoxische Krise, welche durch eine zu große Menge an Schilddrüsenhormonen zu Herzrhythmusstörungen, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen bis hin zumKoma und Kreislaufversagen führen kann. Neben einer schlechten medikamentösen Einstellung kann es auch durch Absetzen der Medikamente oder auch bei Infekten oder Gabe von jodhaltigem Kontrastmittel zu einer solchen Krise kommen.

Zudem kann eine lange bestehende unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion zu Schilddrüsenkrebs führen.

Kann man einer Schilddrüsenüberfunktion vorbeugen?

Einer Schilddrüsenüberfunktion kann man im Gegensatz zur Schilddrüsenunterfunktion nicht vorbeugen. Einer durch Jodmangel verursachte Unterfunktion kann mit ausreichender Aufnahme von Jod durch die Nahrung gegengesteuert werden. Die Ursachen der Überfunktion hingegen sind nicht zu Beeinflussen, da es sich bei den wesentlichen Risikofaktoren um das Geschlecht oder genetische Veranlagungen handelt.
Ein Schilddrüsenkrebs der in seltenen Fällen eine Überfunktion verursacht, kann jedoch durch eine unbehandelte Schilddrüsenschwellung bei Jodmangel, eine hohe Strahlenbelastung wie bei Reaktorkatastrophen sowie vermehrtes Röntgen der Halsgegend im Kindesalter begünstigt werden. Demnach sollte zur Vorbeugung des Schilddrüsenkrebs auf eine ausreichende Jodzufuhr geachtet werden.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 15.09.2007 - Letzte Änderung: 18.07.2021
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