Autonomes Adenom der Schilddrüse

Definition

Unter einem autonomen Adenom der Schilddrüse versteht man einen gutartigen Knoten (=Adenom) bestehend aus Schilddrüsengewebe, der unkontrolliert (=autonom) Schilddrüsenhormone produziert. Durch die übermäßige Produktion von Schilddrüsenhormonen leiden die Patienten deshalb häufig an einer Schilddrüsenüberfunktion, auch Hyperthyreose genannt. Was die Ursachen für ein solches autonomes Adenom sein können und wie dieses therapiert werden kann, erfahren Sie in dem folgenden Text.

Ursachen eines autonomen Adenoms

Für das Entstehen eines autonomen Adenoms gibt es zwei Hauptursachen: Jodmangel und genetische Faktoren. Die Schilddrüse ist bei der Produktion ihrer Hormone auf Jod als Baustein angewiesen. Kommt es nun zu einem ernährungsbedingten Mangel an Jod, kann die Schilddrüse nicht ausreichend Hormone produzieren. Dieses bringt den gesamten Regelkreislauf durcheinander.

Folge ist, dass die Schilddrüse von unserem Gehirn dazu angeregt wird, mehr Hormone zu produzieren. Als Folge wachsen nun Knoten aus neuem Schilddrüsenzellen, die anschließend bei besserer Jodversorgung nun übermäßig viele Hormone produzieren – Folge ist eine Schilddrüsenüberfunktion. Auch wenn die Jodversorgung in Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert wurde, bleibt sie eine der häufigsten Ursachen für das autonome Adenom.

Auch genetische Faktoren können dazu führen, dass sich Schilddrüsenknoten bilden, die sich nicht vom körpereigenen Regelkreislauf kontrollieren lassen. Auch hier produziert die Schilddrüse folglich zu viele Schilddrüsenhormone. Steckt eine genetische Ursache hinter einem autonomen Adenom, sind häufig mehrere Mitglieder einer Familie betroffen, die sich jedoch in der Ausprägung der Symptomatik stark unterscheiden können. Ein Endokrinologe kann bei der Ursachenbestimmung helfen.

Hashimoto Thyreoiditis

Unter der Schilddrüsenerkrankung Hashimoto Thyreoiditis versteht man eine chronische Entzündung der Schilddrüse ausgelöst durch eine fehlgeleitete Reaktion unseres körpereigenen Immunsystems. Hierbei greifen unsere Abwehrzellen fälschlicherweise das körpereigene Schilddrüsengewebe an. Man spricht in diesem Rahmen auch von einer Autoimmunerkrankung.

Auch bei einer Hashimoto Thyreoiditis kann es zwischenzeitlich zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommen. Hierbei entstehen jedoch keine autonomen Knoten in der Schilddrüse. Zudem ist der Zustand der Überfunktion nur kurzzeitig, die meisten Patienten mit Hashimoto leiden im Verlauf an einer Schilddrüsenunterfunktion, da so viel Schilddrüsengewebe zerstört wurde. Damit ist ein autonomes Adenom gut von einer Hashimoto Thyreoiditis zu unterscheiden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Hashimoto Thyreoiditis

Diagnose eines autonomen Adenoms

Der erste Verdacht auf ein autonomes Adenom wird häufig klinisch gestellt, das heißt, dass sich der Arzt aufgrund typischer Symptome (wie z.B. Schwitzen, Herzrasen, Kloßgefühl im Hals) ein erstes Bild machen kann. In manchen Fällen ist das autonome Adenom von außen an der Schilddrüse tastbar – dies ist jedoch keinesfalls üblich, da oft auch sehr kleine Knoten zu starken Symptomen führen können.

Für die weitere Diagnostik wird nun häufig Blut entnommen. Hier können die wichtigen Schilddrüsenwerte bestimmt werden. Eine typische Konstellation bei einer Schilddrüsenüberfunktion bei einem autonomen Adenom wären erhöhte Schilddrüsenhormone (sog. fT3 und fT4) bei einem erniedrigten Regulationshormon, welches im Gehirn gebildet wird (sog. TSH).

Im Folgenden kann der Knoten bildgebend mit einem Ultraschall der Schilddrüse dargestellt werden. Um zwischen einem autonomen Adenom oder dem Morbus Basedow, eine Erkrankung, die ebenfalls mit einer Schilddrüsenüberfunktion einhergeht, zu unterscheiden, kann eine Schilddrüsenszintigraphie nötig werden. Dies ist eine radiologische Untersuchung, die stark aktives Schilddrüsengewebe kennzeichnet und so den Knoten indirekt darstellen kann.

Laborwerte

Die wichtigsten Laborwerte in der Schilddrüsendiagnostik sind die eigentlichen Schilddrüsenhormone fT3 und fT4, sowie das Regulationshormon TSH. TSH wird im Gehirn gebildet und regt die Schilddrüse an ihre Hormone (fT3 und fT4) zu produzieren. Die Schilddrüsenhormone hingegen wirken folgend hemmend auf das Gehirn und senken die Ausschüttung von TSH. So entsteht ein Regelkreislauf, bei dem die Hormone in einem kontinuierlichen Niveau gehalten werden können.

Produziert jetzt unsere Schilddrüse unkontrolliert Schilddrüsenhormone verändern sich unsere Laborwerte: die Konzentration von fT3 und fT4 nehmen zu, da sie vermehrt produziert werden. Zusätzlich hemmen diese Hormone die Ausschüttung von TSH – folglich sinkt dieser Laborwert. Somit ist die klassische Laborkonstellation bei einer Schilddrüsenüberfunktion im Rahmen eines autonomen Adenoms: ↓TSH, ↑fT3, ↑fT4.

An diesen Symptomen erkennt man ein autonomes Adenom

Ein autonomes Adenom kann sich auf zwei Arten bemerkbar machen. Einerseits kann es durch das Wachstum der Schilddrüse zu einem Kloßgefühl im Hals kommen. Damit einhergehend können Schluckbeschwerden auftreten. Anderseits und häufig deutlich ausgeprägter, sind die Symptome, die auf die Schilddrüsenüberfunktion zurückzuführen sind. Hierzu zählen beispielsweise übermäßiges Schwitzen, Zittern und Haarausfall. Herzrasen und Herzstolpern bis hin zu Herzrhythmusstörungen können auftreten.

Warme Räume werden nicht mehr gut toleriert, die Patienten sind sehr gereizt und unruhig, haben Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen. Viele Patienten berichten auch von Durchfällen und ungewollter Gewichtsabnahme. Das gemeinsame Auftreten vieler dieser Symptome ist sehr typisch für eine Schilddrüsenüberfunktion, die Ausprägung der Beschwerden kann jedoch individuell sehr unterschiedlich sein. Berichten Sie Ihrem Hausarzt von Symptomen dieser Art, können eine Blutentnahme und ein Ultraschall Klarheit schaffen.

Therapie des autonomen Adenoms

Für die Therapie des autonomen Adenoms gibt es mehrere Behandlungsmöglichkeiten. Dabei ist zunächst anzumerken, dass nur symptomatische Patienten überhaupt therapiert werden müssen. Viele Patienten mit einem autonomen Adenom sind oftmals für lange Zeit ganz ohne Beschwerden und brauchen dementsprechend auch keine Therapie. Treten jedoch Symptome wie Herzrasen oder ungewollter Gewichtsverlust auf, ist es sinnvoll, die Schilddrüsenüberfunktion therapeutisch einzudämmen.

In der Regel ist hierbei die Behandlung der ersten Wahl die Einnahme von Tabletten. Die sog. Thyreostatika hemmen hierbei die Jodaufnahme in die Schilddrüse und verringern somit den neuen Aufbau der Schilddrüsenhormone. Die gängigen Wirkstoffe sind Thiamazol, Carbimazol oder Propylthiouracil. Reicht die medikamentöse Therapie nicht aus oder ist vom Patienten nicht erwünscht, gibt es noch die Möglichkeit der Radiojodtherapie und der operativen Entfernung der Schilddrüse.

Beiden Optionen ist gemein, dass sie durch eine Zerstörung bzw. Entfernung von Schilddrüsengewebe in der Regel zur dauerhaften Heilung der Schilddrüsenüberfunktion führen. Jedoch verbleibt häufig nur sehr wenig oder kein gesundes Schilddrüsengewebe mehr, weshalb die Patienten in der Folge lebenslang Schilddrüsenhormone in Tablettenform einnehmen müssen. Welche Therapieform gewählt wird, sollte individuell mit einem Facharzt abgewogen werden.

Wann braucht man eine Radiojodtherapie?

Die Radiojodtherapie ist eine gängige Behandlungsmöglichkeit eines autonomen Adenoms. Hierbei macht man sich zu Nutze, dass in unserem Körper ausschließlich die Schilddrüse Jod anreichern kann und jeglicher Jodüberschuss über den Urin wieder ausgeschieden wird. So gibt man dem Patienten radioaktives Jod, welches in die Schilddrüse aufgenommen wird und dort eine lokale Zerstörung der Schilddrüsenzellen bewirkt. So kann auch das autonome Adenom entfernt werden.

Ob ein Patient eine Radiojodtherapie benötigt, ist mit einem Facharzt gründlich abzuwägen. Die erste Therapiewahl sind häufig die sog. Thyreostatika, die als Tabletten eingenommen werden und die Schilddrüsenhormonproduktion herunterschrauben. Erst wenn diese Therapie die Symptome der Schilddrüsenüberfunktion nicht ausreichend unterdrücken kann oder der Patient eine endgültige Therapieoption sucht, kann man über eine Radiojodtherapie nachdenken.

Prognose eines autonomen Adenoms

Die Krankheitsdauer bei einem autonomen Adenom ist bei jedem Patienten sehr individuell. Viele Patienten mit einem autonomen Adenom sind symptomfrei, ihre Schilddrüsenwerte liegen im Normbereich und der Knoten wird nur als Zufallsbefund z.B. im Ultraschall nachgewiesen. Diese Patienten benötigen selbstverständlich keine Therapie und sollten nur regelmäßige Laborkontrollen in Anspruch nehmen.

Liegt eine symptomatische Schilddrüsenüberfunktion vor, sollte diese therapiert werden. Hierbei sind die sog. Thyreostatika-Tabletten über mindestens 8-12 Monate einzunehmen, bevor ein Auslassversuch gestartet werden kann. Entscheidet sich der Patient für eine Radiojodtherapie oder eine operative Entfernung der Schilddrüse, ist die Erkrankung endgültig geheilt. Dafür müssen die Schilddrüsenhormone lebenslang in Tablettenform eingenommen werden.

Die Prognose eines autonomen Adenoms ist somit gut, da es mehrere Therapieoptionen gibt. Das autonome Adenom ist dazu ein gutartiger Knoten und zeigt keine Tendenzen sich zu Schilddrüsenkrebs zu entwickeln.

Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf bei einem autonomen Adenom kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein, verläuft aber grundsätzlich oft nach dem selben Muster. Viele Patienten sind zu Beginn der Erkrankung symptomlos. Das autonome Adenom entsteht durch vermehrte Wachstumsreize bei Jodmangel. Erst wenn der Patient wieder vermehrt Jod zu sich nimmt, kann es zu einer Schilddrüsenüberfunktion mit den typischen Symptomen wie Herzrasen, Schwitzen und Gewichtsverlust führen.

Je nach Ausprägung der Symptome wird die Diagnose oft schnell durch eine Laboruntersuchung gestellt. Befinden sich die Patienten unter einer angemessenen Therapie, sollten die Schilddrüsenwerte wieder im Normbereich sein und jegliche Krankheitssymptome verschwinden.

Weiterführende Informationen

Weiterführende Informationen zum Thema Autonomes Adenom der Schilddrüse finden Sie unter:

 

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 27.02.2019 - Letzte Änderung: 22.10.2021
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