Schilddrüsenwerte

Einleitung

Die Schilddrüse ist ein circa 20-60 Gramm leichtes Organ, das unter dem Kehlkopf liegt, und die Speiseröhre sowie die den Kopf versorgenden Gefäße umgibt. Trotz ihrer geringen Größe von nur 3x2x11 cm im Mittel, hat die Schilddrüse eine wichtige Bedeutung für den Körper. Über einen komplizierten Regelkreislauf schüttet die Schilddrüse die Hormone T3 und T4, auch Trijodthyronin und Thyroxin genannt aus. Diese beiden Hormone sind essentiell für die Steuerung der Stoffwechselvorgänge im menschlichen Körper. Werden die „Schilddrüsenwerte“ bestimmt, so ist damit die Bestimmung dieser beiden Hormone gemeint. Die Schilddrüse ist häufiger Auslöser verschiedener, unspezifischer Symptome. An der großen Varietät der Symptome lässt sich erkennen, wie tiefgreifend die Auswirkungen von Schwankungen der Schilddrüsenwerte sind.

Symptome

Die Symptome hängen von der Art der Fehlfunktion ab. Sind die Schilddrüsenwerte zu hoch, spricht man von einer Schilddrüsenüberfunktion, oder auch Hyperthyreose. Sind die Schilddrüsenwerte zu niedrig, ist es eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).

Da die Symptome sehr unspezifisch sind, werden oft andere, typischere Erkrankungen abgeklärt. Allerdings handelt es sich bei Schilddrüsenfunktionsstörungen und Änderung der Schilddrüsenwerte um ein sehr häufiges Krankheitsbild, dessen Diagnostik mittlerweile sehr einfach geworden ist, sodass die Erkrankung meist relativ schnell erkannt wird.

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Welche Schilddrüsenwerte sind normal?

Je nachdem welches der Schilddrüsenhormone man betrachtet, gibt es verschiedene Referenzbereiche, die den normalen Bereich eingrenzen. Es gilt allerdings zu beachten, dass bei bestimmten Patientengruppen, wie Schwangeren oder Kindern, auch abweichende Normbereiche vorliegen können. Das gilt besonders für das Regulationshormon TSH, das zwischen 0,5 und 2,0 mU/L (milli units = tausendstel Einheiten pro Liter) liegen sollte.

Bei Schwangeren können je nach Monat auch Werte zwischen 0,1 bis 3,0 normal sein. Auch bei Kindern sind höhere Werte zum Teil als normal anzusehen.

Das TSH ist zugleich der wichtigste und aussagestärkste Marker der Schilddrüsenfunktion. Leider arbeiten manche Labore noch mit veralteten Referenzwerten. Im Zuge der sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessernden Jodversorgung ist eine Anpassung für das TSH erfolgt. Während früher noch Werte bis 5 oder 6 als normal akzeptiert wurden, sollten diese heute bereits als deutlich überhöht und damit als Anzeichen für eine Funktionsstörung angesehen werden. Leider sind auch nicht alle Ärzte hierbei auf dem neusten Stand. Es ist also bei Bedenken durchaus legitim, den behandelnden Arzt auf dieses Thema anzusprechen.

Über oder unterschreitet das TSH den Normbereich, so werden in der Regel die Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Tetrajodthyronin oder Thyroxin) bestimmt. In der Regel werden diese als freie (das heißt nicht an Transporteiweiße gebunden) Hormone bestimmt. Das freite T3 (fT3) sollte zwischen 2,6 und 5,1 pg/ml (billionstel Gramm pro Milliliter) und das fT4 zwischen 10 und 18 ng/L (milliardstel Gramm pro Liter) liegen. Hierbei gilt allerdings zu beachten, dass teilweise unterschiedliche Einheiten verwendet werden und dadurch die Zahlen für den Normalbereich anders ausfallen können.

Spezielle Werte wie die Schilddrüsenantikörper sollten im besten Fall gar nicht nachzuweisen sein. Allerdings haben auch einige Gesunde diese im Blut, ohne dass sich dies negativ auswirken würde oder eine Behandlung notwendig wäre.

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Zu hohe Schilddrüsenwerte - Woher kommt das und was ist zu tun?

Werden zu hohe Schilddrüsenwerte festgestellt, gilt es als erstes, Ruhe zu bewahren. Die Ursache kann eine Vielzahl möglicher Erkrankungen sein, aber in den meisten Fällen stehen gute Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Eine Erhöhung der üblichen Schilddrüsenwerte spricht generell eher für eine gutartige Erkrankung.

Zunächst kommt es darauf an, welche Schilddrüsenwerte erhöht sind. Bei einer Erhöhung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 (Thyroxin) liegt eine Überfunktion vor. Das Regulationshormon der Schilddrüse, das TSH, ist dann meistens erniedrigt.

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Bei einer Unterfunktion liegt entsprechend in den meisten Fällen eine umgekehrte Konstellation vor, das heißt, dass hier das TSH erhöht ist und T3 und T4 erniedrigt sind. Das liegt daran, dass mehr TSH gebildet wird, damit die Schilddrüse mehr arbeitet, diese kann jedoch nicht genug Hormone nachbilden. Je nach Art der Funktionsstörung können unterschiedliche Erkrankungen die Ursache sein.

Einer Unterfunktion, die im Erwachsenenalter auftritt liegt in den meisten Fällen die Schilddrüsenerkrankung Hashimoto zugrunde. Behandelt wird diese mit dem Ersatz der Schilddrüsenhormone in Form von Tabletten, die täglich eingenommen werden.

Bei einer Überfunktion sind zwei Erkrankungen häufig. Zum einen die sogenannte Schilddrüsenautonomie, die gerade bei älteren Patienten auftreten kann. Es kommt zu einer unkontrollierten Hormonproduktion durch einen Teil der Schilddrüse. Als Therapie kann entweder die Schilddrüsenentfernung durch eine Operation stattfinden oder es erfolgt eine gezielte Bestrahlung von innen durch die sogenannte Radiojodtherapie.

Erhöhte Schilddrüsenhormonwerte können aber auch auf einen Morbus Basedow hindeuten. Diese Erkrankung kann auch bei jüngeren Menschen auftreten. Typische Anzeichen sind hervorquellende Augen. Zudem sind meistens spezielle Schilddrüsenwerte (Antikörper) erhöht, die im Verdachtsfall zusätzlich bestimmt werden. Wird Morbus Basedow diagnostiziert, erfolgt meist zunächst eine Behandlung mit Tabletten, die die erhöhte Schilddrüsenfunktion bremsen (zum Beispiel Carbimazol). In vielen Fällen wird die Erkrankung so nach einigen Monaten geheilt. Andernfalls verbleiben als Therapiealternativen die bereits genannte Radiojodtherapie oder die Operation.

Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion sind allgemein: Rastlosigkeit, Nervosität, starkes Schwitzen, erhöhte Körpertemperatur, Gewichtsverlust oder ein kachektisches, also abgemagertes, Erscheinungsbild. Hinzu kommen Herzrhythmusstörungen, hoher Puls, und gegebenenfalls Haarausfall bis hin zur Glatzenbildung. Es müssen nicht alle Symptome gleichzeitig vorliegen, meist treten nicht alle auf. Zur Beurteilung einer etwaigen thyreotoxischen Krise wird der Burch-Wartofsky-Score verwendet. Er soll, unabhängig von den tatsächlichen Schilddrüsenwerten, Aufschluss geben, ob eine Entgleisung der Schilddrüsensteuerung vorliegt.

Aufgrund der komplexen Zusammenhänge und der Vielzahl möglicher Ursachen wird der Arzt den Patienten entsprechend beraten und gegebenenfalls weitere Untersuchungen anordnen, um die Ursache der erhöhten Schilddrüsenwerte festzustellen. Im nächsten Schritt kann über eine mögliche Therapie und Alternativen gesprochen werden. Experten für Schilddrüsenerkrankungen sind zum einen Nuklearmediziner (Strahlenmediziner) und zum anderen Endokrinologen (Ärzte für Hormonerkrankungen). Der Weg sollte jedoch zunächst zum Hausarzt führen, der gegebenenfalls eine Überweisung ausstellt.

Wie sehen die Werte bei einer Schilddrüsenunterfunktion aus?

Der erste auffällige Wert bei einer sich anbahnenden Schilddrüsenunterfunktion ist meist ein erhöhtes Regulationshormon (TSH). Selbst wenn noch keine Beschwerden vorliegen, kann dadurch schon früh eine Unterfunktion erkannt werden. Der Mediziner spricht dann auch von einer latenten Hypothyreose.

Ist die Schilddrüsenunterfunktion sehr ausgeprägt, sind oft auch die Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Blut erniedrigt. Dann liegt eine sogenannte manifeste Hypothyreose vor. Dies geht in vielen Fällen dann auch mit Symptomen der Unterfunktion wie Frieren, Müdigkeit und Gewichtszunahme einher. Die häufigste Ursache ist dabei die Schilddrüsenerkrankung Hashimoto. Dabei sind meistens auch spezielle Schilddrüsenwerte im Blut erhöht. Es handelt sich um für Hashimoto typische Antikörper wie zum Beispiel TPO-Antikörper und TG-Antikörper.

In seltenen Fällen kann sich eine Unterfunktion auch in einer Erniedrigung des TSH-Wertes zeigen. Diese auch zentrale Hypothyreose genannte Konstellation tritt bei einer Schädigung der Hirnanhangsdrüse, zum Beispiel durch eine Entzündung bei der Mutter nach der Geburt eines Kindes, auf.

Die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion unterscheiden sich von denen einer Schilddrüsenüberfunktion. Ganz grob gesagt, bilden sie ,symptomatisch gesehen, das genaue Gegenteil: Es kommt zu Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme, Depression, Müdigkeit, trockener/rauer Haut und langsamer Puls (Bradykardie). Hinzu können ebenfalls Haarverlust und Kälteintoleranz kommen.

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Welche Schilddrüsenwerte sprechen für eine Hashimoto Thyreoiditis?

Die Schilddrüsenerkrankung Hashimoto führt meistens zu einer Unterfunktion mit entsprechend erniedrigten Werten der Schilddrüsenhormone T3 und T4 (Thyroxin). Das Regulationshormon der Schilddrüse (TSH) ist meist erhöht, da der Körper auf diesem Weg versucht, die Hormonproduktion zu steigern. Es kann allerdings gerade zu Beginn der Erkrankung auch umgekehrt zu einer meist vorrübergehenden Überfunktion mit erhöhten Schilddrüsenhormonwerten und einem erniedrigten TSH kommen. Ausschlaggebend für die Diagnose Hashimoto sind andere spezielle Blutwerte. Diese sogenannten Schilddrüsen-Antikörper werden vom Arzt bestimmt, wenn er eine Hashimotoerkrankung vermutet. Bei den meisten Erkrankten sind diese erhöht.

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Ursache

Die Ursachen einer Überfunktion der Schilddrüse können verschieden sein. Um sie zu verstehen, muss man sich zunächst den Regelkreislauf der Schilddrüse anschauen: Die Hauptaufgabe der Schilddrüse ist es zunächst einmal, die beiden Hormone T3 und T4 zu produzieren. Diese werden dann in den Körper (genauer: in die Blutbahnen des Körpers) ausgeschüttet.

Die Produktion von T3 und T4 wird wiederum durch ein Hormon namens TSH gesteuert. TSH ist das Thyreoidea-Stimulierende-Hormon. Es stimuliert – wie der Name schon sagt – die Thyreoidea, oder zu Deutsch „Schilddrüse“. Ein hoher TSH-Wert bedingt eine hohe Produktion von T3 und T4.

Wie kommt es nun aber zu hohen TSH-Werten? Dazu kann es zum Beispiel auf ganz natürliche Weise kommen, wenn der Körper der Meinung ist, es ist zu wenig T3 und T4 vorhanden. Dies ist der günstigste Fall und kann in bestimmten Lebenslagen oder Situationen durchaus normal sein.

Sind die Schilddrüsenwerte zu hoch, kann dies allerdings auch noch andere, schwerwiegendere Ursachen haben: Man spricht beispielsweise von einer Schilddrüsenautonomie, wenn sich ein Teil der Schilddrüse dem Regelkreislauf entzieht und nicht mehr auf das regulierende TSH reagiert. Einige Drüsenzellen der Schilddrüse produzieren also ganz von selbst Hormone und hören auf keine Signale mehr von außen. Dadurch schießen die T3 und T4 Werte natürlich in die Höhe, die Schilddrüsenwerte sind also viel zu hoch. Um der Überfunktion entgegenzuwirken, wird die Produktion des TSH reflektorisch auf Null gefahren, um die Schilddrüse am der Produktion zu hindern. Im Falle einer Schilddrüsenautonomie, wie sie bei autonomen Adenomen auftritt, ändert dies natürlich nichts an der Überfunktion und den hohen Schilddrüsenwerten. Extrem niedrige TSH-Werte im Labor zusammen mit klinischen Symptomen wie Rastlosigkeit und Nervosität stellen das klassische Bild einer Überfunktion der Schilddrüse, auch Hyperthyreose, dar.

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann allerdings auch andere Ursachen haben: Besonders in Jodmangelgebieten kam es in früheren Jahren zur Entwicklung von riesigen Schilddrüsen, die teilweise das 100fache der normalen Größe erreichten. Umgangssprachlich wurde diese Erscheinung als „Kropf“ bezeichnet, heutzutage kennt man eher den Begriff „Struma“. Doch wie kam es dazu? Die Schilddrüse benötigt zur Produktion ihrer beiden Hormone T3 und T4 Jod. Um genau zu sein 180-200 Mikrogramm pro Tag (also 0,18 – 0,2 Milligramm) für Erwachsene und Jugendliche. Selbst diese geringe Menge konnte früher in vielen Jod-armen Gebieten nicht erreicht werden.

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Als Reaktion darauf muss die Schilddrüse ihr Volumen vergrößern, um mit mehr Zellen die notwendigen Schilddrüsenwerte zu erreichen. Verabreicht man einem Struma-Patienten allerdings plötzlich viel Jod, beispielsweise in Form von Medikamenten oder jodhaltigem Kontrastmittel, so kommt es zu einer Befeuerung aller Schilddrüsenzellen und somit zur sofortigen Schilddrüsenüberfunktion. Daher müssen vor Kontrastmittelgaben auch stets die Schilddrüsenwerte überprüft werden, da sonst eine potentiell lebensgefährliche Stoffwechsellage entsteht. Mittlerweile wird in Deutschland übrigens Jod in vielen Grundnahrungsmitteln künstlich hinzugefügt, um auch in Jodmangelgebieten eine ausreichende Versorgung zu ermöglichen. Bestes Beispiel ist das jodierte Speisesalz.

Die Ursache einer erworbenen Schilddrüsenunterfunktion, oder auch Hypothyreose, ist, wie bereits erwähnt, der Jodmangel. Er stellt weltweit die häufigste Ursache für vermeidbare mentale Entwicklungsstörungen (Retardierungen) bei Kindern dar. Kommt es nämlich zu keiner Substituierung des Jods, so wächst die Schilddrüse immer weiter, mit der Hoffnung mit mehr Gewebe noch ausreichend Schilddrüsenhormone zu produzieren. Allerdings können auch mit Wachstum alleine die niedrigen Schilddrüsenwerte auf Dauer nicht ausgeglichen werden, sodass es zum Mangel bzw. der Schilddrüsenunterfunktion kommt. Ferner kann die Schilddrüse bei Geburt auch komplett fehlen oder nur teilweise angelegt sein. Dies macht sich relativ schnell an zu niedrigen Schilddrüsenwerten des Kindes bemerkbar.

Von einer sekundären Hypothyreose spricht man, wenn mit der Schilddrüse an sich alles in Ordnung ist, aber das stimulierende Hormon TSH nicht ausreichend von der Hypophyse im Gehirn produziert wird. Hyperthyreose und Hypothyreose können also ineinander übergehen und sich gegenseitig bedingen.

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Therapie

Die Therapie einer Überfunktion erfolgt grundsätzlich in erster Linie mittels Thyreostatika. So werden Medikamente bezeichnet, die die Bildung von Schilddrüsenhormonen drosseln, wenn die Schilddrüsenwerte zu hoch sind. Wurde eine normale, sprich „euthyreote“ Stoffwechsellage erreicht, richtet sich die weitere Therapie nach der Art der Ursache: Ein autonomes Adenom, welches durchgehend Schilddrüsenhormone produziert, kann beispielsweise operativ entfernt werden. Die Gefahr besteht allerdings, dass einzelne Teile übersehen werden oder nicht vollständig entfernt werden können.

Generell ist bei Karzinomen eine komplette Entfernung der Schilddrüse indiziert, da diese in Spätstadien eine hohe Mortalität aufweisen. Eine Schilddrüsen-OP kann allerdings nur bei zuvor euthyreoter Stoffwechsellage durchgeführt werden.

Eine weitere Therapiemöglichkeit stellt die Radiojodtherapie dar: Dabei wird - meist oral – ein radioaktives Jod-Isotop verabreicht, welches dann von den Schilddrüsenzellen aufgenommen wird und diese so von innen bestrahlt und zerstört.

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Das besondere an diesem Therapiekonzept ist, dass nur die Schilddrüsenzellen das radioaktive Jod aufnehmen und die restlichen Körperzellen nicht von der radioaktiven Strahlung getroffen werden. Die Halbwertszeit des Jods beträgt nur 8 Tage. Das heißt, in 8 Tagen ist die Strahlung bereits auf die Hälfte gesunken. Dies bedeutet für die Patienten allerdings auch, dass sie nach Einnahme zum Schutz ihrer Mitmenschen für mindestens 48 Stunden in einem Strahlenschutzbunker bleiben müssen.

Eine veraltete Methode, die auf den amerikanischen Endokrinologen Henry Plummer zurückgeht, ist das „Plummern“. Dabei werden bei einer Schilddrüsenüberfunktion große Mengen an Jod gegeben (weit über 200 Mikrogramm pro Tag), was die Hormonsynthese und –ausschüttung sowie die Jodaufnahme für einige Tage zum erliegen bringt. Diese Methode wird heutzutage jedoch nicht mehr angewendet.

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Diagnose

Die Diagnose von Schilddrüsenwerten erfolgt im Labor durch Untersuchung des Blutes. Dazu wird dem Patienten eine geringe Menge Blut (Meist 10-30 Milliliter) abgenommen und innerhalb eines Tages ins Labor geschickt. Dort findet die Bestimmung des TSH statt. Die Bestimmung der Hormone T3 und T4 ist wesentlich kosten- und zeitaufwändiger und erfolgt nur auf besonderen Anlass hin. Da TSH in der Regel den reziproken Wert der Hormone darstellt, ist die Bestimmung einer Unter- oder Überfunktion auch mittels TSH möglich. Die Schilddrüsenwerte schwanken auch bei völlig gesunde Patienten stark, so dass ein Referenzbereich relativ schwierig anzugeben ist. Ein Schilddrüsenwert außerhalb des Referenzbereiches muss nicht zwangsläufig eine Überfunktion oder Unterfunktion bedeuten. Für TSH liegt der Normbereich zwischen 0,2 und 3,1 MikroU pro Milliliter. Die Schilddrüse selbst wird quasi immer vom behandelnden Arzt mittels Ultraschall untersucht, wenn der Verdacht auf eine Unter- oder Überfunktion besteht. Da das Ultraschall ein kostengünstiges, einfach anwendbares und nicht-invasives Verfahren ist, hat sich die Ultraschalluntersuchung in diesem Zusammenhang mittlerweile zum „Goldstandard“ entwickelt. Mittels Ultraschall – oder auch Sonographie – können Volumen, Größe, und etwaige Knoten oder Strukturveränderungen festgestellt werden. Zur weiteren Abklärung erfolgt dann in der Regel eine Szintigraphie, bei der radioaktiv markierte Stoffe, wie Technetium, oder Iod-Isotope gespritzt werden, und dann mit einem Scanner (einer Gammakamera) dargestellt werden. Anreicherungen bestimmter Areale in der Schilddrüse oder komplett leere Felder werden als heiße bzw. kalte Knoten bezeichnet und können Ausdruck eines Adenoms bzw. Karzinoms sein.

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Muss man zur Bestimmung der Schilddrüsenwerte nüchtern sein?

Für die Untersuchung der Schilddrüsenwerte beim Arzt wird eine kleine Menge Blut über eine Vene meist in der Ellenbeuge entnommen. Anders als bei bestimmten anderen Blutwerten muss man dabei für die Bestimmung der Schilddrüsenwerte nicht nüchtern sein, das heißt man kann normal essen und trinken.

Die einzige Ausnahme besteht bei Menschen, die bereits Schilddrüsentabletten einnehmen. Am Tag der Blutuntersuchung müssen diese vor der Blutentnahme weggelassen werden, da sie sonst das Messergebnis verfälschen. Erst danach sollte die Tablette eingenommen werden. Alle anderen Medikamente, wie z.B. für den Blutdruck, sollten wie immer weiter eingenommen werden.

Schwangerschaft und Kinder

Während der Schwangerschaft benötigt die werdende Mutter mehr Jod als sonst. So werden täglich mindestens 230 Mikrogramm Jod empfohlen.
Ferner ist auch eine leichte Vergrößerung der Schilddrüse in dieser Zeit zu erwarten – dies ist jedoch normal und den erhöhten Anforderungen an die Schilddrüse geschuldet.

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In der Schwangerschaft ist eine normale Schilddrüsenfunktion besonders wichtig, um eine gesunde und regelrechte Entwicklung des Kindes zu gewährleisten. Je nach Zeitpunkt der Schwangerschaft gelten leicht unterschiedliche Grenzwerte. Das wichtigste Hormon für die Funktionsbestimmung, das TSH, sollte im ersten Schwangerschaftsdrittel zwischen 2,5 und 0,1 liegen. Im Zweiten Schwangerschaftsdrittel dagegen ist der Referenzbereich mit Werten zwischen 0,2 und 3,0 etwas höher. In den letzten drei Monaten der Schwangerschaft gelten Werte unter 0,3 als zu niedrig. Die Obergrenze liegt auch hier bei 3,0.

Bei abweichenden Werten werden in der Regel auch die Schilddrüsenhormone T3 und T4 bestimmt. Sind diese auch erhöht oder erniedrigt, besteht eine besondere Gefahr für das Kind und es sollte unbedingt eine entsprechenden Behandlung, meist durch Tabletten, erfolgen. Bei zu hohen TSH-Werten werden meistens auch die Schilddrüsenantikörper, die auf die Erkrankung Hashimoto hindeuten (TPO-AK und TG-AK), bestimmt, da es sich um die häufigste Ursache der TSH-Erhöhung handelt. Frauen, bei denen bereits eine Schilddrüsenfunktionsstörung bekannt ist, müssen während der Schwangerschaft regelmäßig die Schilddrüsenwerte im Blut überprüfen lassen.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann bei Kindern schwerwiegende Entwicklungsstörungen hervorrufen.
Auch während der Schwangerschaft kann es als Folge zu niedriger Schilddrüsenwerte zu Frühgeburten oder Fehlgeburten kommen.
Daher sollten die Schilddrüsenwerte stets vom behandelnden Arzt abgeklärt werden.

Bei Kindern ist eine schnellstmögliche Abklärung einer Schilddrüsenunterfunktion essentiell, da es sonst zu Entwicklungsstörungen, wie Kleinwuchs, Fehlbildungen und im schlimmsten Falle zu Retardierungen (nicht altersgerechte geistige Entwicklung) kommen kann.

Der Jodmangel bildet weltweit die häufigste Ursache vermeidbarer Retardierungen im Kindesalter. Kinder müssen bei nicht angelegter Schilddrüse („Aplasie“) eventuell ihr Leben lang täglich L-Thyroxin einnehmen.
Erfolgt die Einnahme über mehrere Tage hinweg nicht, machen sich bei betroffenen Kindern Symptome wie Antriebslosigkeit und Depression breit.
Diese Symptome verschlimmern sich bei weiterer ausbleibender Einnahme. Eine Überwachung der Schilddrüsenwerte ist also in der Schwangerschaft und bei Kindern besonders wichtig, da hier die Weichen für eine gesunde Kindesentwicklung gestellt werden.

Welchen Einfluss haben die Schilddrüsenwerte auf einen Kinderwunsch?

Frauen mit Kinderwunsch und einer Schilddrüsenfunktionsstörung sollten behandelt werden, da sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion dafür verantwortlich sein kann, dass dieser nicht in Erfüllung geht. Kommt es doch zur Schwangerschaft, besteht bei einer gestörten Schilddrüsenfunktion der Mutter die Gefahr, dass es zu Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen des Kindes oder sogar so einer Fehlgeburt kommt. Besteht die Vermutung, dass eine Schilddrüsenstörung vorliegen könnte, sollten Frauen daher deren Funktion durch eine Blutuntersuchung beim Arzt abklären lassen.

Selbst wenn keine Symptome bemerkt werden, wie es häufig der Fall ist, wenn lediglich das Regulationshormon TSH außerhalb des Normbereichs liegt, sind die Risiken erhöht. Die Bestimmung der Schilddrüsenwerte im Blut ist zudem unkompliziert und schnell. Wenn diese in Ordnung sind, kann dies mögliche Sorgen lindern. Falls sie aber nicht im Referenzbereich liegen, ist in den meisten Fällen eine effektive Behandlung möglich. Die Schilddrüsenwerte des Mannes haben im Übrigen keinen direkten Einfluss auf den Kinderwunsch.

Prophylaxe

Zur Prophylaxe kann eine regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenwerte beim Hausarzt erfolgen. Dazu sind nur eine Blutabnahme und eine Untersuchung im Labor notwendig. Die Ergebnisse liegen meist wenige Tage später vor. Speisesalz, Fisch und Milchprodukte enthalten viel Jod und sollten regelmäßig konsumiert werden. Beim Blutspenden werden die Schilddrüsenwerte entgegen landläufiger Meinung nicht überprüft.

Sonstiges

Kropf-Operationen waren Mitte des letzten Jahrhunderts noch viel häufiger als heutzutage. Um die teilweise hässlichen Operationsnarben zu verbergen entwickelten sich in Österreich und Bayern als Teil der Tracht das sogenannte „Kropfband“. Es wurde um den Hals getragen, und sollte die OP-Narbe verbergen. Noch heute kann man es bei manchen traditionellen Trachtenumzügen sehen.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 26.10.2017
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