Schilddrüse

Synonyme

Medizinisch: Glandula thyroidea

Schilddrüsenlappen, kalter Knoten, warmer Knoten, heißer Knoten, Zyste, Schilddrüsentumor, Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis

Englisch: thyroid glands

Häufige Tippfehler: Schildrüse

Definition

Die Schilddrüse (Glandula thyroidea) ist eine unpaarig angelegte Drüse, welche am Hals unterhalb des Kehlkopfes gelegen ist.Sie besteht aus zwei über den sogenannten Isthmus miteinander verbundene Lappen, welche sich auf beide Halsseiten ausstrecken. Hierdurch ähnelt sie einem Schild; daher der Name. Als Drüse wird sie bezeichnet, da sie Hormone herstellt und ausschüttet. Ihre primäre Aufgabe dient der Regulation des Energiestoffwechsels und des Wachstums. An der Hinterseite der Schilddrüse anliegend besitzt der Mensch noch sogenannte Nebenschilddrüsen, die jedoch von der Schilddrüse zu unterscheiden sind.

Anatomie der Schilddrüse

Die beim Erwachsenen 20 bis 25g schwere Schilddrüse gehört zu den so genannten endokrinen Organen des Körpers. Ihre (endokrine) Hauptaufgabe besteht also in der Bildung von Hormonen, die ins Blut abgegeben (sezerniert) werden.
Sie ist aus zwei Lappen aufgebaut, die beidseits der Luftröhre (Trachea) und den darüber liegenden Knorpeln des Kehlkopfes (Larynx) liegen. Entsprechend werden diese Kehlkopfknorpel als Schildknorpel bezeichnet. Beim Mann zeigt sie als Vorwölbung am Hals, dem Adamsapfel. Das Verbindungsstück der beiden Lappen stellt der sog. Isthmus dar.

Anatomie Hals / Kehlkopf

  1. Rachen
  2. Schildknorpel des Kehlkopfs
  3. Schilddrüse
  4. Luftröhre (Trachea)


Zusätzlich gibt es noch die sogenannten Nebenschilddrüse. Die Nebenschilddrüsen stellen vier linsengroße, ca. 40 mg schwere Drüsen dar. Sie liegen hinten der Schilddrüse an. Manchmal ist auch eine zusätzliche Nebenschilddrüse zu finden.
Die Nebenschilddrüse produziert ein wichtiges Hormon (Parathormon), dass den Kalzium - Haushalt reguliert.

Anatomischer Aufbau Schilddrüse

  1. Schilddüsenlappen
  2. Verbindungsstück (Isthmus)

Funktion der Schilddrüse

Die Hauptaufgabe der Schilddrüse besteht in der Regulation des Energiestoffwechsels. Dazu produziert sie zwei Hormone, die den Grundumsatz, d.h. die unter Ruhebedingungen erzeugte Energie, regeln: Thyroxin (kurz: T4) und Trijodthyronin (kurz: T3).
Sie werden nicht nur hormonabhängig ins Blut abgegeben, sondern auch innerhalb des Organs in sog. Follikeln gespeichert. Bei den Follikeln handelt es sich um von flachen Oberflächenzellen (Epithelzellen) umschlossene Hohlräumen. Allerdings sind diese nicht mit biologisch aktivem Hormon gefüllt, sondern enthalten eine besser zu speichernde Vorstufe des Hormons, das Thyroglobulin. Selbiges wird auch als Kolloid bezeichnet, von den Schilddrüsenzellen gebildet und anschließend nach innen in den Hohlraum abgegeben. Aus diesen großen Proteinmolekülen (Thyroglobulin) wird dann je nach Bedarf die erforderliche Menge an Hormon mittels Enzymen herausgeschnitten und in die Blutbahn abgegeben.

Aufbau der Schilddrüse unter dem Mikroskop

  1. Epithelzellen (flach)
  2. Gefüllte Follikel (Schilddrüsen- follikel mit Thyroglobulin)


Wichtigster Bestandteil der Schilddrüsenhormone ist Jod, das als negativ geladenes Ion, d.h. als Iodid, in die Epithelzellen der Schilddrüse aufgenommen und die Aminosäure Tyrosin gekoppelt wird.
Dabei werden für das Thyroxin 4 Jodatome benötigt (daher wird es auch Tetrajodthyronin oder T4 genannt; griech. Tetra = vier), hingegen für das Trijodthyronin, T3- Hormon, nur drei Jodatome.
T4 stellt das von der Schilddrüse zunächst überwiegend gebildete Hormon dar, das aber in den Zielgeweben in das zehnfach wirksamere T3 umgewandelt wird. Diese Aufgabe übernimmt ein Enzym namens Dejodase, das jeweils ein Jodatom vom Tyrosin entfernt. T3 selbst wird nur in geringen Mengen von der Schilddrüse selbst gebildet. Die Größe der die Schilddrüsenfollikel umgebenden Zellen sowie der Füllungszustand der Follikel spiegelt die Aktivität des gesamten Organs wieder. In der Kindheit wird viel Hormon benötigt, entsprechend sind die Follikel klein, Kolloid arm und von großen Epithelzellen ausgekleidet. Dafür ist das die Schilddrüse zu Wachstum und Hormonabgabe anregende Hormon (Thyroidea stimulierendes Hormon, kurz TSH) verantwortlich, das vom Hypothalamus (einem Teil des Gehirns) gebildet wird und die Schilddrüse über die Blutbahn erreicht.
Hingegen werden im Alter große Hormonmengen gespeichert und die Schilddrüsenfollikel enthalten viel Kolloid. (Es wird weniger Hormon gebraucht; bei älteren Menschen sinkt der Energiebedarf entsprechend ab.) Aufgrund des erhöhten Energiebedarfs wirken sowohl Kälte als auch Schwangerschaft aktivierend auf die Schilddrüse; Wärme zeigt eher einen inaktivierenden Effekt.

Eine weitere Funktion der Schilddrüse besteht in der Regulation des Calciumspiegels im Blut. Spezialisierte Zellen, die sich eingestreut zwischen den Follikelzellen befinden, bilden dafür das Hormon Calcitonin. Dieses kleine Hormon senkt den Calciumspiegel im Blut, indem es den Einbau von Calcium in die Knochen fördert. Es wirkt somit der Osteoporose entgegen. Außerdem hemmt es die Zellen, die natürlicherweise für den Abbau von Knochengewebe zuständig sind (und somit überschießende Verknöcherung im Körper vermeiden), da auch diese zu einem erhöhten Calciumspiegel im Blut beitragen können. Ein weiterer Mechanismus von Calcitonin besteht in der Förderung der Ausscheidung von Calcium über die Nieren.

Welcher Arzt behandelt die Schilddrüse?

Da die Schilddrüse eine hormonausschüttende Drüse darstellt, ist der Arzt, der sich am besten mit der Schilddrüse auskennt ist der sogenannte Endokrinologe. Er beschäftigt sich besonders mit den Hormonen, deren Regelkreisläufen und deren Drüsen.

Unter Umständen kann der Endokrinologe einen Facharzt für Nuklearmedizin beauftragen, um die hormonproduzierende Aktivität des Gewebes zu bestimmen; die sogenannte Schilddrüsenszintigraphie. Diese ist geeignet, um Bereiche der Schilddrüse zu finden, welche möglicherweise überaktiv bzw. nicht mehr aktiv sind.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Szintigraphie

Sollte jedoch Bedarf bestehen, die Schilddrüse ganz oder teilweise zu entfernen, so ist der Allgemeinchirurg derjenige, der die Operationen durchführt.

Schilddrüsenhormone

Unter den sogenannten Schilddrüsenhormonen versteht man das Trijodthyronin (T3) und das Thyroxin (T4). Diese unterscheiden sich darin, ob drei (T3) oder eben vier (T4) Jodatome an das Hormonmolekül gebunden sind.

Schilddrüsenhormone wirken sich auf den gesamten Körper über die Bindung an spezielle Rezeptoren aus. Generell wirken sie stoffwechselfördernd und Wärme erzeugend (thermoregulierend), indem sie den Energieverbrauch erhöhen und auch die Atemfrequenz erhöhen. Auf das Herz wirken sie ebenfalls stimulierend, wobei der Puls und die Kraft des Herzens zu einem gewissen Grad erhöht wird. Auch aufbauende (anabole) Stoffwechselwege, wie zum Beispiel Muskelaufbau werden angeregt, wobei eine Überdosierung auch wieder einen gegenteiligen Effekt besitzt. In der Phase des kindlichen Wachstums spielen sie außerdem noch eine große Rolle im Körper- und Skelettwachstum und zudem auch eine in der Reifung des Nervensystems.

Auch auf alle anderen Zellen des menschlichen Körpers besitzen die Schilddrüsenhormone eine stimulierende Wirkung, z.B. auf Haut und Haar oder den Magen-Darm-Trakt.

Daraus ergeben sich auch die Symptome bei einem Mangel bzw. einem Überschuss. Ein Mangel, wie er zum Beispiel bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) auftritt, kann sich zum Beispiel an innerliche Schlappheit, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit (durch weniger Wärmeproduktion), einem niedrigen Puls äußern und trockener, spröder Haut äußern. Ein Überschuss, wie beispielsweise bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann sich in einem erhöhten Puls, feuchter und schwitziger Haut, innerer Unruhe und Nervosität äußeren.

In der Schilddrüse sind die werden die Hormone an einem Trägerprotein (Thyreoglobulin) gebunden hergestellt und gespeichert. Bei Bedarf werden diese dann aus den Speicherreserven mobilisiert und in den Blutkreislauf abgegeben.

Da die Schilddrüsenhormone schlecht wasserlöslich sind, werden sind sie auch im Blut an Träger- und Transportproteine gebunden (Serumalbumin, TBG, Transthyretin). Wirklich hormonell wirksam sind jedoch nur die Anteile im Blut die nicht gebunden vorliegen, wobei diese den kleinsten Anteil (weniger als 1%) ausmachen.

Die Ausschüttung der beiden Schilddrüsenhormone ist nicht zu gleichen Anteilen, sondern eher im Verhätlnis von 20% T3 und 80% T4. Biologisch wirklich wirksam ist jedoch überwiegend das sog. T3. Das T4 dient dabei praktisch als vorhandene Reserve, da das T3 wesentlich schneller abgebaut wird (T3 Halbwertszeit: ca. 1 Tag, T4 Halbwertszeit ca. 1 Woche). Das T4 wird dann durch bestimmte Enzyme, sog. Deiodasen, zu dem biologisch aktiveren T4 umgebaut. Das T3 kann daher als eine Art Depotform des T4s angesehen werden.

Bei der Laborbestimmung wird oftmals als Ersatz für die Schilddrüsenhormone das sogenannte TSH bestimmt. Dieser Laborwert ist gut, um den Bedarf und die Deckung des Körpers an Schilddrüsenhormonen abzuschätzen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Schilddrüsenhormone

Ursachen für eine Schilddrüsenvergrößerung / Schilddrüsenschwellung

Die Schilddrüsenvergrößerung kann sehr unauffällig sein, sodass sie nur durch Vermessung im Ultraschall gesehehn werden kann.

Bei 30% der Erwachsenen in Deutschland kann eine zu große Schilddrüse festgestellt werden. Unabhängig von der Ursache der Schilddrüsenvergrößerung spricht man dann von einem Struma, umgangssprachlich auch als „Kropf“ bezeichnet, es kommen aber auch kleine Knoten in der Schilddrüse vor. Die Vergrößerung kann sehr dezent sein, sodass sie nur durch Vermessung im Ultraschall oder bei stark nach hinten gelehntem Kopf zu sehen oder gar in normaler Körperhaltung sichtbar ist und Schluckbeschwerden verursachen kann.

In Extremfällen kann die Vergrößerung sogar die direkt hinter der Schilddrüse liegende Luftröhre einengen und es kommt zu Atemnot. Ist die Vergrößerung auch schmerzhaft, so ist oft zusätzlich eine Entzündung der Schilddrüse (=Thyreoiditis) in Betracht zu ziehen. Wichtig zu wissen ist, dass die Größe nichts über die Hormonproduktion aussagt. Menschen mit großer Schilddrüse haben nicht automatisch eine größere Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut. Ganz im Gegenteil: Es liegt nicht selten sogar eine Unterfunktion vor.

Mit 90% ist der Jodmangel die häufigste Ursache der schmerzlos vergrößerten Schilddrüse. Das Fehlen von Jod im Körper ist meist auf einen Jodmangel in der Ernährung zurückzuführen. Jodmangel führt im Körper zu einem Mangel an Schilddrüsenhormonen, denn Jod ist ein zentraler Bestandteil dieser Hormone. Die Schilddrüse reagiert, wie viele Gewebe des Körpers auf diesen Mangel mit einem Wachstum ihres Gewebes, um effektiver Hormone produzieren zu können. Dieses Wachstum findet jedoch nicht an allen Stellen der Schilddrüse gleich stark statt und es kommt zur Ausbildung verschieden stark aktiver Bereiche, der „Knoten“.

Bei Jodmangel führt die Gabe von Jodtabletten oder selten zusätzlich „fertigen“ Schilddrüsenhormonen oftmals zur Verkleinerung der Schilddrüse und die abnormal gewachsenen Bereiche bilden sich zurück. Neben dem Jodmangel sind Autoimmunerkrankungen seltenere Ursachen des Schilddrüsenwachstums wie z.B. M. Basedow (=Basedowsche Krankheit) oder die Hashimoto Thyreoiditis (nach dem japanische Arzt Hashimoto benannt). Hier reagiert der Körper auf das Schilddrüsengewebe, denn er erkennt es nicht mehr als zu sich gehörend und greift es an. Dieser Angriff verändert den Stoffwechsel der Schilddrüse und führt zum Wachstum des gesamten Schilddrüsengewebes. Auch eine Zyste (Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum) oder bestimmte Medikamente (z.B.:Lithium oder Nitrate) können zur Vergrößerung führen.

Eine vergrößerte Schilddrüse muss auf alle Fälle genau abgeklärt werden, da selten auch ein Tumor die Ursache der Vergrößerung sein kann. Nur wenn die genaue Ursache der Vergrößerung bekannt ist, kann auch die richtige Behandlung der vergrößerten Schilddrüse begonnen werden, die je nach Ursache stark variiert.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Schilddrüsenvergrößerung

Schilddrüsenentfernung

Eine Operation ist nur bei bestimmten Befunden oder bestimmter Kombination von Befunden nötig. Auch hier gibt es Unterschiede wie bei der Operation vorgegangen wird. Man kann entweder nur Teile der Schilddrüse (=Lobektomie) oder auch die ganze Schilddrüse (=Thyreoidektomie) entfernen. Zuständig ist hierfür oft der Hals- Nasen-Ohren- Arzt, da dieser die größte Erfahrung in der Durchführung von Operationen im Halsgebiet mitbringt. Die Operation ist meist mit einem ca. zwei- bis dreitägigen Krankenhausaufenthalt verbunden.

In den meisten Fällen sind es Betroffene mit Knoten in der Schilddrüse, die sich einer Operation unterziehen müssen. Sogenannte „Kalte“ Knoten müssen nahezu immer entfernt werden, da sie zwingend unter dem Mikroskop untersucht werden müssen, weil sie bösartiger Natur sein könnten, auch wenn dies selten der Fall ist. Sollte sich der Verdacht jedoch bestätigen, ist eine komplette Entfernung der Schilddrüse angezeigt, denn nur so kann die komplette Entfernung des Tumors garantiert werden und das Risiko für ein Rezidiv (=Wiederauftreten) möglichst verringert werden. Die „warmen“ oder „heißen“ Knoten werden meist entfernt, wenn sie die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigen und die Schilddrüsenfunktion nicht mehr durch Medikamente kontrolliert werden kann.

Auch wenn die Vergrößerung Beschwerden bereitet beim Schlucken oder wenn sie Nachbarorgane wie die Luftröhre beeinträchtigt, sollte man die Entfernung in Betracht ziehen. Zwang zum Räuspern oder dem ständigen Gefühl eines Fremdkörpers im Hals sind auch nicht selten die Ursache, warum sich Betroffene zur OP entscheiden. Wichtige Alternative zur Operation ist die Radiojodtherapie. Hier wird die Schilddrüse gebremst, indem eine Kapsel radioaktiven Jods geschluckt wird, die vor allem die sehr aktiv produzierenden Zellen schädigt, da diese das Meiste der radioaktiven Substanz aufnehmen. Ob Operation, Radiojodtherapie oder gar alleinige Medikamentengabe in Erwägung gezogen wird, hängt vom Einzelfall ab und muss individuell für jeden Patienten entschieden werden.

Die schwerwiegendste Konsequenz einer Schilddrüsenoperation, vor allem der kompletten Entfernung, ist der Verlust Ihrer Funktion. Da die Hormone der Schilddrüse lebenswichtig sind, müssen sie in Tablettenform ersetzt werden. Werden sie in zu geringem Maße ersetzt, sind sowohl unsere körperliche Entwicklung und Leistungsfähigkeit als auch unser gesamtes seelisches Wohlbefinden beeinträchtigt. Die Hormone müssen für den Rest des Lebens in der richtigen Dosierung eingenommen werden, was regelmäßige Kontrollen durch Blutabnahmen erfordert.

Auch sehr gefürchtet ist die Stimmbandlähmung, denn der für die Stimmbänder zuständige Nerv (lat: Nervus laryngeus recurrens), der diese steuert, läuft genau durch das Operationsgebiet entlang der Schilddrüse. Zwar wird der Nerv während der Operation sehr sorgfältig geschont und genauestens überwacht, dennoch kann man eine Beschädigung nicht ausschließen, die eine vorübergehende oder bleibende Stimmbandlähmung als Folge nach sich ziehen würde. Für den Betroffenen bedeutet dies eine dauerhaft heisere Stimme und der Verlust der Fähigkeit zu singen. In sehr schwerwiegenden Fällen, bei denen beide Nerven (rechts und links am Hals) betroffen sind, kann Atemnot die Folge sein, da sich die Stimmlippen durch die Lähmung nicht mehr öffnen können.

Eine Kehlkopfspiegelung kann dann Klarheit über den Befund bringen. Ebenso sorgfältig bei der Operation zu beachtende Strukturen sind die Nebenschilddrüsen. Diese 4 kleinen Körperchen sitzen nur durch eine dünne Gewebsschicht getrennt auf der Schilddrüse. Sie produzieren das sogenannte Parathormon, welches Einfluss auf den Kalzuiumstoffwechsel unseres Körpers hat. Werden sie bei der Operation mitentfernt, so gerät der Kalziumhaushalt in ein völliges Durcheinander und es kann zu Muskelkrämpfen oder Kribbeln in Armen oder Beinen kommen. Ähnlich wie die Schilddrüsenhormone kann jedoch auch das Parathormon als Tablette eingenommen werden.

Schmerzen (Ursachen)

Abbildung Schilddrüse

Eine Schwellung am Hals, Schmerzen im Bereich der Schilddrüse und Schmerzen beim Druck auf diese, Rötung und Überwärmung: Dies alles können Zeichen einer Schilddrüsenentzündung sein (=lat.:Thyreoiditis; wobei die Endung -itis die Entzündung beschreibt).
Die Entzündung der Schilddrüse gehört zu den seltenen Krankheiten der Schilddrüse. Jedoch sind nicht alle Entzündungen gleich, auch hier gibt es verschiedene Formen. Die Einteilung erfolgt anhand verschiedener Kriterien.

Anhand des zeitlichen Verlaufs unterscheidet man die akute, die subakute oder die chronische Schilddrüsenentzündung. Die akute Entzündung beginnt sehr plötzlich. Ursache sind meist Infektionserreger wie Bakterien oder Pilze , die über die Blutbahn in der gut durchbluteten Schilddrüse stranden und dort zur Entzündung führen. Meist berichten die Betroffenen von einem vorangegangenen Infekt wie einer Mandelentzündung, gefolgt von einer zunehmenden Schwellung und Schmerzen der Schilddrüse. Die betroffenen Stellen am Hals sind gerötet und die Patienten klagen über Schluckbeschwerden, Fieber und das Krankheitsgefühle.

Auch eine Bestrahlung im Rahmen einer Tumortherapie oder bestimmte Medikamente führen zur Entzündung der Schilddrüse. Die weniger plötzliche Form (subakute Thyreoiditis) wird vermutlich durch Viren wie die Mumps- oder Masernviren ausgelöst. Der Verlauf ist variabel und kann von gar keinen Beschwerden bis hin zu Ausmaßen der akuten Form alle Erscheinungsbilder aufweisen. Die Vergrößerung hält sich dabei meist in Grenzen. Der Beginn liegt meist bis zu zwei Wochen nach dem Infekt und die Patienten klagen über Müdigkeit und Abgeschlagen.

Die lang andauernde chronische Form wird meist durch Autoimmunkrankheiten ausgelöst, das heißt der Körper erkennt die Schilddrüse nicht mehr als ein Teil seines Selbst an und beginnt sie wie jeden „Feind“ mit Markern (sog. Antikörpern) zu bekämpfen.
Die Antikörper markieren das scheinbar fremde Gewebe und verschiedene Körperzellen führen dann ihrem Auftrag entsprechend zur Zerstörung dieser als fremd markierten Strukturen. Die bekannteste Erkrankung dieser Autoimmunkrankheiten ist die Hashimoto-Thyreoditis.
Die Entzündung schreitet nur sehr langsam fort und die Betroffenen werden oftmals erst durch den zunehmenden Hormonmangel auf ihre Erkrankung aufmerksam. Sehr selten ist auch eine HIV-Erkrankung Ursache der chronischen Entzündungsreaktion.

Schilddrüsenüberfunktion

Eine Schilddrüsenüberfunktion wird in der Fachsprache auch als Hyperthyreose bezeichnet.

Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die mit einer gesteigerten Produktion der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) einhergeht.

Die Prävalenz einer Schilddrüsenüberfunktion liegt bei 2-3% der Gesamtbevölkerung. In Deutschland sind die häufigsten Ursachen die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow oder eine funktionelle Autonomie der Schilddrüse. Zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr gilt der Morbus Basedow als häufigster Auslöser der Hyperthyreose, ab dem 50. Lebensjahr hingegen die funktionelle Autonomie.

Die Symptome der Schilddrüsenüberfunktion sind sehr vielfältig. Die gesteigerte Hormonproduktion wirkt sich vor allem auf den Stoffwechsel und Kreislauf aus, aber auch das psychische Wohlbefinden und das Wachstum werden beeinflusst.
Patienten klagen im Allgemeinen häufig über Nervosität, Unruhe, Schlaflosigkeit, vermehrtes Schwitzen und eine Gewichtsabnahme. Zusätzlich kann es zum Haarausfall, vermehrtem Appetit und Durstgefühl, einer erhöhten Stuhlfrequenz mit gegebenenfalls Durchfall und Muskelbeschwerden (Myopathie) kommen. In seltenen Fällen kann sich bei männlichen Patienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion eine Gynäkomastie (Vergrößerung der Brustdrüse) ausbilden; Frauen klagen zudem über Menstruationsstörung. Ein charakteristischer Befund der immunologisch bedingten Hyperthyreose ist das prätibiale Myxödem (=Auftreibung der Haut am Schienbein durch Einlagerung von Glykosaminoglykanen).

Die therapeutische Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion erfolgt in der Regel medikamentös mit sogenannten Thyreostatika. Diese Medikamente hemmen durch unterschiedliche Mechanismen die Neusynthese der Schilddrüsenhormone mit dem Ziel eine Euthyreose (=normale Schilddrüsenproduktion) zu erreichen. Die Schilddrüsenüberfunktion kann auch chirurgisch therapiert werden. Voraussetzung ist jedoch die euthyreotische Stoffwechsellage vor Operationsbeginn durch Thyreostatika.

Im Anschluss ist die Nachversorgung mit L-Thyroxin verpflichtend, da durch die Teilresektion (Entfernung von bestimmten Teilen) der Schilddrüse eine Hypothyreose, also eine Unterfunktion, entstehen kann. Eine häufige unerwünschte Komplikation bei einer OP ist die Verletzung des N. laryngeus recurrens (Recurrensparese), da dieser in enger topographischen Beziehung zur Schilddrüse steht.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schilddrüsenüberfunktion

Kalter Knoten

Je nach Diagnose kommt die vollständige Schilddrüsenentfernung oftmals in Frage.

Knoten in der Schilddrüse lassen sich bei über 50% der Bevölkerung nachweisen und der Anteil steigt mit zunehmendem Alter. Studien zufolge kann ab dem 65. LJ bei jedem zweiten Erwachsenen ein Knoten festgestellt werden. Knoten können neben Zysten (Flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen), Wucherungen, Vernarbungen und Verkalkungen auch hormonproduzierendes verändertes Schilddrüsengewebe darstellen. In der medizinischen Fachsprache unterscheidet man in Bezug auf die hormonproduzierenden Knoten „kalte“, „warme“ und „heiße“ Knoten voneinander. Bei der Bezeichnung kalt, warm oder heiß geht es jedoch nicht um die Temperatur des Knotens, sondern um seine Aktivität, ob sie also fleißig Hormone produzieren oder nicht.

Diese Hormonproduktion kann mithilfe der sogenannten Szintigraphie gemessen werden. Dabei wird ein buntes Abbild der Schilddrüse mit Hilfe verschiedener Farben angefertigt. Die Aktivität des Areals bestimmt in welcher Farbe es auf dem Abbild dargestellt wird. So verändern sich die Farben bei den heißen, sehr aktiven Arealen hin zu warmen Tönen wie Rot und Gelb und zu kalten Farben wie Blau und Grün bei verminderter Aktivität. Hinter einem solchen Areal eines kalten Knotens steckt oftmals eine einfache Gewebeveränderung, die nicht mehr in der Lage ist, Hormone zu produzieren. Dies können Zysten (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume), Adenome (gutartige Wucherung der hormonproduzierenden Zellen), Verkalkungen oder Narben im Gewebe sein.

Lesen Sie mehr zum Thema: Kalter Knoten an der Schilddrüse

In seltenen Fällen (max. 5%) kann jedoch auch ein bösartiger Tumor dahinter stecken. Vorab können schnelles Wachstum und eine derbe, unverschiebliche Konsistenz auf ein bösartiges Wachstum hindeuten. Ein kalter Knoten muss aufgrund dieser seltenen Ursache immer behandelt werden. Eine endgültige Diagnose kann die Feinnadelpunktion bringen. Hierbei wird durch eine dünne Nadel eine kleine Gewebeprobe entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Je nachdem, ob es sich dann um eine gute oder bösartige Veränderung handelt, unterscheidet sich das Vorgehen der Behandlung von Beobachtung durch regelmäßige Ultraschallkontrollen bis hin zur kompletten Schilddrüsenentfernung.

Die Radiojodtherapie wirkt bei kalten Knoten nicht. Da das Verfahren auf der Aufnahme der Zellen von radioaktivem Jod beruht und diese Knoten wenig Jod aufnehmen, können die Zellen so nicht bekämpft werden und die Therapie kann keine Wirkung erzielen.

Heißer Knoten

Heiße Knoten sind weit verbreitet in unserer Zivilisation. Sie entstehen oft durch den großflächigen Jodmangel in der Bevölkerung. Dieser Mangel führt zur verminderten Produktion von Schilddrüsenhormonen, denn die Zellen der Schilddrüse sind zwingend darauf angewiesen. Da der Körper die Hormone trotzdem braucht, schüttet er Wachstumsfaktoren aus, damit die Schilddrüse wächst und somit hoffentlich wieder mehr Hormone produziert. Wenn dies über die Schilddrüse verteilt ungleichmäßig geschieht und ein Areal mehr wächst als ein anderes, entsteht ein heißer Knoten.

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Jedoch lassen sich auch durch eine ausreichende Jodzufuhr nicht alle Schilddrüsenknoten verhindern. Dies spricht dafür, dass auch genetische Veränderungen zur Bildung von Knoten führen können. Warme und heiße Knoten sind nur sehr selten bösartig, sie machen den Betroffenen vor allem Probleme durch die übermäßige Hormonproduktion. Die überdurchschnittlich gewachsenen Areale im Knoten sind weniger empfindlicher für die Signale des Körpers und produzieren unabhängig von den Signalen immer einen Überschuss an Hormonen und es kommt zur sogenannten Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) mit einer Autonomie (=Selbstbestimmung) des Knotens.

Zum Teil kann dieser Überfluss noch dadurch kompensiert werden, dass andere Bereiche ihre Hormonproduktion verringern, jedoch hat auch dies seine Grenzen und der Überfluss kann über kurz oder lang nicht mehr kompensiert werden. Dieser Überfluss stellt den Körper auf den Kopf, er arbeitet auf Hochtouren: Der Herzschlag beschleunigt sich und kann unregelmäßig werden, man ist unruhig, nervös und schwitzt, verliert Gewicht und bekommt Verdauungsprobleme. Diese Überproduktion kann man versuchen durch bremsende Medikamente, sogenannte Thyreostatika,, in Schach zu halten. Gelingt dies nicht, ist auch hier eine Operation oder Radiojodtherapie Mittel der Wahl, denn auf Dauer ist dieser Zustand schädlich für den Körper, da dieser nicht ständig auf Hochtouren arbeiten kann, sodass Langzeitschäden an verschiedenen Organen, allen voran das Nervensystem und Herz-Kreislauf-System, folgen können.

Patienten mit heißen Knoten können durch Untersuchungen mit Röntgenkontrastmitteln in eine lebensgefährlichen Situation geraten. In Röntgenkontrastmitteln befindet sich eine enorme Jodmenge. Gelangt diese durch die Verteilung im Blutkreislauf während der Untersuchung zur Schilddrüse, wird das Jod von den sehr produktiven Arealen im Knoten sofort aufgenommen und zu Hormonen umgewandelt. Diese überfluten nun das Blut und es kommt zur lebensgefährlichen Thyreotoxischen Krise, die durch Herzrasen und Herzrhythmusstörungen tödlich enden kann.

Bei notwendigen Untersuchungen, in denen das Kontrastmittel unbedingt nötig ist, können die Betroffenen durch ein schützendes Medikament, Perchlorat, geschützt werden. Dies verhindert die lebensgefährliche Hormonproduktion und die Untersuchung kann sicher durchgeführt werden.

Struma

Die Vergrößerung der Schilddrüse bei regelrechter Hormonproduktion wird als „Struma“ bezeichnet (Synonym: Kropf). Die Schilddrüse gilt dann als vergrößert, wenn sie bei Frauen ein Volumen von 18ml und bei Männern ein Volumen von 25ml überschreitet.

Ein Struma kann aufgrund eines erblichen Defektes, vorliegendem Jodmangel, sogenannten „strumigenen“ Substanzen (beispielsweise Nitrate, Lithium oder Thiocyanat) im Essen oder bestimmten Medikamenten entstehen. Die häufigste Ursache ist der Jodmangel. Da Deutschland als ein Jodmangelgebiet gilt, ist es verständlich, dass mehr als 30% der Bevölkerung an einer vergrößerten Schilddrüse leiden. Frauen sind ungefähr doppelt so oft betroffen wie Männer.

Der Jodmangel induziert in der Schilddrüse die Freisetzung von Wachstumsfaktoren, die daraufhin eine Größenzunahme der Schilddrüsenzellen (=Hyperplasie) und ein Wachstum des umliegenden Bindegewebes bewirken. Je mehr der Jodgehalt den optimalen Wert von 200µg unterschreitet desto stärker wird die Schilddrüse zum Wachstum angeregt.

Neben dem Jodmangel gibt es weitere Faktoren, die ein Struma bedingen können; dazu zählen unter anderem die Autoimmunerkrankungen (M. Basedow und Hashimoto), Schilddrüsenautonomie, Schilddrüsenentzündungen (Thyreoiditis), eine Schilddrüsenüberfunktion und zuletzt ein Schilddrüsenkrebs.

Prinzipiell ist ein Struma konservativ und medikamentös gut therapierbar. Um den Jodmangel auszugleichen erhalten Patienten eine Jod-Substitution (100- 200µg/Tag). Gegebenenfalls erfolgt nach mangelnder Besserung zusätzlich eine Kombinationstherapie mit Thyroxin (50 µg/Tag), da beide den Wachstumsreiz mindern. Die Indikation einer operativen Therapie erfolgt nur bei Krebsverdacht oder Strumen mit Autonomien. Je nachdem wie schwer der Verdacht ist kommt es zur Teil –oder Totalresektion (Entfernung)

Eine Komplikation bei Patienten mit Struma ist die Ausbildung knotiger Substanzen, sogenannte „heiße oder kalte Knoten“. Hierbei kommt es zur Umwandlung des diffusen Strumagewebes mit gleichzeitigem Verlust der Regulierbarkeit durch das Hormon TSH, welches die Schilddrüsenhormonproduktion anstößt.
Um einem Struma vorzubeugen ist es sinnvoll, Risikogruppen (Schwangere, pubertierende Kinder und genetisch vorbelastete Patienten) prophylaktisch (vorsorglich) mit Jodtabletten zu behandeln.

Lesen Sie mehr zum Thema: Struma

Weitere Informationen zum Thema Schilddrüse

Weiterführende Informationen finden Sie auch unter:

Weitere Informationen zur Thema Anatomie finden Sie unter: Anatomie A-Z.

Für weitere Informationen rund um das Thema Schilddrüse können wir auch noch die Seite von Onmeda empfehlen, die viele hilfreiche Informationen zu diesem Thema zusammengetragen hat:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 20.03.2017
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