Adamsapfel

Definition

"Adamsapfel" ist die Bezeichnung für den besonders bei Männern hervorstehende und gut tastbare Abschnitt am Kehlkopf in der Mitte des Halses. Bei den meisten Männern ist der Adamsapfel vorne am Hals gut zu sehen und bewegt sich beim Schlucken und Sprechen auf und ab. Der Adamsapfel ist eine Verdickung an der Vorderseite des sogenannten Schildknorpels, dem größten Knorpels des Kehlkopfes.

Das der Adamsapfel bei Männern deutlicher ausgeprägt ist als bei Frauen, liegt an der unterschiedlichen Entwicklung während der Pubertät. Vor allem die männlichen Geschlechtshormone tragen dazu bei, dass sich der Adamsapfel bildet. Mit der Ausbildung des Adamsapfels in der Pubertät ist die Veränderung der Stimme (Stimmbruch) verbunden. Denn hinter dem Kehlkopf liegen die Stimmbänder, diese werden durch das spitzwinklige nach-vorne-Wachsen des Adamsapfels in die Länge gezogen. Und da Männer eine tiefere Stimme bekommen als Frauen (bis zu einer Oktave tiefer), müssen die Stimmbänder bei ihnen um einiges länger werden.

Auch Frauen besitzen einen Adamsapfel. Jedoch ist er bei ihnen um einiges unauffälliger angelegt und nur etwa fünf bis sechs Millimeter dick. Bei Männern wächst der Kehlkopf durch die erhöhte Produktion des Hormons Testosteron noch zusätzlich um sechs bis sieben Millimeter an. So wird der Knorpel als Adamsapfel sichtbar.

Namensgebung

Die Bezeichnung "Adamsapfel" für den Kehlkopfvorsprung bezieht sich auf die biblische Erzählung vom Sündenfall Adams und Evas. Von der Schlange verführt biss die neugierige Eva die verbotene Frucht und auch Adam probierte davon. Diese verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis wird in der mittelalterlichen Kunst zumeist als Apfel dargestellt. Ein Volksglaube besagt, dass Adam dieser Apfel, weil er gesündigt hatte, als Strafe sprichwörtlich im Halse stecken geblieben sei und als Folge dessen der Mann nun für immer gezeichnet sei – mit dem "Adamsapfel" am Hals. Bis in das 19. Jahrhundert bezeichnete man auch im medizinischen den Kehlkopfvorsprung noch als "Pomum adami", was übersetzt Adamsapfel heißt. Heutzutage ist der lateinische Begriff "Prominentia laryngea" (Kehlkopfvorsprung) gebräuchlich.

Eine andere Erklärung für die Bezeichnung des Adamsapfel findet sich in der hebräischen Sprache. Das althebräische Wort für Schildknorpel ist auch gleichzeitig das Wort für Apfel. Und da der Adamsapfel nur bei Männern sichtbar ist, hat man das althebräische Wort für "Mann" dazu genommen. Mann heißt im hebräischen "Adam" - auch so kann der Begriff Adamsapfel entstanden sein.

Aufbau und Funktion

Der Adamsapfel ist ein knorpeliger Teil des Kehlkopfes. Der Kehlkopf trennt die Atemwege von den Speisewegen. Er schützt die Stimmbänder und den Eingang zur Luftröhre. Der Kehldeckel (die Epiglottis) verschließt beim Schlucken die Luftröhre, sodass Speisen und Getränke nur durch die Speiseröhre in den Magen wandern können und nicht durch die Luftröhre "eingeatmet" werden können und fälschlicherweise in der Lunge landen. Wird ein Fremdkörper "eingeatmet", so nennt man dies "Aspiration" und das kann zu vielen Komplikationen führen, wie Atemnot und Infektionen. Die vordere Wand des Kehlkopfes wird vom sogenannten Schildknorpel gebildet. Am Schildknorpel sind auch die Stimmbänder befestigt. Diese werden durch Luftströme in Schwingung versetzt und machen somit die Stimmbildung möglich. Wenn also nun in der Pubertät bei Männern der Kehlkopf nach vorne wächst und den Adamsapfel ausbildet, wachsen die Stimmbänder mit in die Länge und dies führt zum Stimmbruch. Da sich die Länge der Stimmbänder in etwa verdoppelt (von ca. zwölf Millimeter auf 2,2 Zentimeter) wird die Stimme dunkler. Deshalb klingt die Stimme eines Erwachsenen auch tiefer als die eines Kindes. Das Wachstum der Stimmbänder erfolgt nicht gleichmäßig, so sind zeitweise einige kürzer und andere länger. Deshalb hört man bei pubertierenden Jungen manchmal ein "Piepsen", ein hin- und herspringen zwischen der Kinder- und der Männerstimme, die Stimme "bricht".

Der Adamsapfel gehört außerdem zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen. Dies sind geschlechtsspezifische Merkmale, aufgrund denen ein Individuum dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet werden kann. Die sekundären Geschlechtsmerkmale entwickeln sich in der Pubertät. Sie signalisieren die Geschlechtsreife und vervollständigen das geschlechtliche Erscheinungsbild von Mann oder Frau. Zusammen mit dem Adamsapfel und dem Stimmbruch gehören beim Mann auch eine zunehmende Körperbehaarung und der Bartwuchs dazu.

Erkrankungen rund um den Adamsapfel

Erkrankungen, die den Kehlkopf betreffen können, sind zum Beispiel Fehlbildungen oder Tumoren, wie der Kehlkopfkrebs, eine typische Erkrankung von Rauchern.

Außerdem kann der Kehlkopf entzündet sein, dies tritt insbesondere bei einem Infekt der Atemwege auf. Das wesentliche Symptom für eine Erkrankung des Kehlkopfes ist Heiserkeit. Aber auch Schluckbeschwerden und Atemnot können einen Hinweis auf eine solche Erkrankung geben und sollten von einem Hals-Nasen-Ohren-Facharzt abgeklärt werden. Bei Kindern muss auch an eine virale Entzündung des Kehlkopfes gedacht werden, der sogenannte Pseudokrupp. Das Hauptsymptom des Pseudokrupp ist ein bellender und krampfartiger Husten, der besonders abends auftritt und beim Einatmen eine starke Atemnot verursacht. Der Adamsapfel selbst ist extrem selten von einer Erkrankung betroffen.

Wenn unter dem Adamsapfel eine größere Schwellung am Hals auftritt, sollte immer an die Möglichkeit einer Schilddrüsenerkrankung gedacht werden.
Ein Schilddrüsenkropf beispielsweise wächst sehr langsam und ist schmerzlos, aus diesem Grund wird er häufig erst spät entdeckt.

Untersuchung

Den Kehlkopf kann man sehr gut mithilfe eines Endoskops untersuchen, zB mit einem Bronchoskop oder einem Rachenendoskop. Das sind Geräte, mit denen über eine Spiegeloptik oder eine Videoaufnahme quasi "um-die-Ecke" durch den Mund in den Hals von oben auf die Stimmlippen geschaut werden kann.

Von außen kann man den Kehlkopf gut tastend untersuchen, besonders der Adamsapfel lässt sich gut auf Druckschmerzhaftigkeit untersuchen.

Feminisierung des Adamsapfels (OP)

Der Adamsapfel ist bei Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. So haben manche Männer besonders hervorstehende Adamsäpfel, andere haben einen kaum sichtbaren. Es gibt auch Frauen, die durch ihren Hormonhaushalt während der Pubertät, einen sehr gut sichtbaren Adamsapfel am Hals haben. So gibt es eine Vielzahl von Größen der Adamsäpfel in beiden Geschlechtern.

Da ein besonders großer und prominenter Adamsapfel in ästhetischer Hinsicht für manche Menschen Probleme bereitet, gibt es mittlerweile eine operative Möglichkeit, den Adamsapfel abzuschleifen und damit die Form femininer zu machen.
Dieses Verfahren ist einfach durchzuführen, kann jedoch zu einer Abschwächung der Struktur des Kehlkopfes führen oder die Eigenschaften der Stimmbänder dauerhaft verändern. Deshalb sollte eine Feminisierungs-Operation (Chondrolaryngoplastik) des Adamsapfels nur von einem erfahrenen Chirurgen durchgeführt werden und auch nur, wenn der Leidensdruck des Patienten besonders groß ist.

Adamsapfel bei Frauen

Der Adamsapfel ist ein hervorspringender Teil des Schildknorpels, der zum Kehlkopf gehört. Er ist bei Frauen und Männern vorhanden. Der Adamsapfel entwickelt sich jedoch abhängig vom Hormonhaushalt des Menschen. Da das „männliche HormonTestosteron für ein größeres Wachstum sorgt, ist der Adamsapfel bei Männern ausgeprägter als bei Frauen.

Jedoch gibt es auch Frauen, bei denen der Adamsapfel relativ groß wirkt. Dies kann eine Normvariante sein oder in seltenen Fällen durch Störungen des Hormonhaushaltes verursacht werden.
Bei Frauen kann ein großer Adamsapfel zu ästhetischen Problemen führen, da dieser zu maskulin wirkt. Dadurch kann ein hoher Leidensdruck entstehen. Frauen, deren Adamsapfel ihnen zu groß erscheint, können diesen mit einigen Tricks kaschieren. Zum Beispiel lässt er sich durch einen Kragen, einen Schal oder ein Halstuch, oder auch durch eine schöne Kette kaschieren. Auch mit einer offenen Frisur kann man von dem Hals ablenken.

In manchen Fällen kann man auch eine operative Verkleinerung des Adamapfels in Erwägung ziehen (Chondrolaryngoplastik), wobei die Operations-Indikation nur sehr zurückhaltend gestellt werden sollte.
Die Schilddrüse, die sich unmittelbar unter dem Adamsapfel befindet, könnte bei einer Vergrößerung ebenfalls wie ein großer Adamsapfel imponieren und sollte differentialdiagnostisch untersucht werden.

Verletzung

Leichtere Verletzung am Adamsapfel oder an der Luftröhre benötigen in der Regel keine Behandlung, da sie von selbst wieder ausheilen. Schwere Verletzungen können durch ein Trauma von außen (zB. einen Handkantenschlag) oder einen Verkehrsunfall kann der Kehlkopf oder die Luftröhre ausgelöst werden. Dabei kann es zu einer eventuell lebensbedrohlichen Einengung der Atemwege kommen. Bei einer solchen Verletzung ist die wichtigste therapeutische Maßnahme die Sicherstellung der Atmung, zum Beispiel durch einen Beatmungsschlauch. Danach kann die Verletzung operativ behandelt werden. Zum Glück kommt es zu so schweren Verletzungen der Luftröhre nur sehr selten.

Schmerzen am Adamsampfel

Bei Schmerzen im Bereich des Adamsapfels ist häufig der Kehlkopf entzündet, daher spricht man von einer Kehlkopfentzündung (Laryngitis). Häufig kommt sie im Rahmen von Erkältungen vor, bei dem sich die Viren vom primären Infektionsort (Nase/Rachen) bis in den Kehlkopf ausbreiten. Diese sind vor allem viral verursacht und gehen mit einer Rötung der Schleimhaut im Hals einher. Häufige Symptome sind auch quälender Husten und Heiserkeit.
Beim Anschwellen der Schleimhaut werden die Atemwege verengt, sodass die Atmung leicht beeinträchtigt sein kann. Wenn die Rachenentzündung im Rahmen eines viralen Infektes der oberen Luftwege auftritt, kann sie von Schnupfen, Husten und Fieber begleitet sein. Ein Druckschmerz kann durch geschwollene aktivierte Lymphknoten im Halsbereich bestehen.
Die beste Therapie eines viralen Infekts ist sich warm zu halten und auszuruhen. Spaziergänge an der frischen Luft aktivieren zusätzlich das Immunsystem und sind empfehlenswert. Erkrankte sollten auf das Rauchen verzichten, da Rauch zusätzlich die Schleimhaut reizt und die Abheilung verzögert. Die Symptome lassen sich durch warme Getränke (Tee oder Milch) mit Honig lindern, da dieser den Rachen schmiert. Generell sollte viel getrunken werden. Ähnlich wirksam sind Bonbons, die den Speichelfluss anregen und den Rachen schmieren oder ggf. auch betäubend wirksam sind. Dampfinhalationen oder Gurgeln werden oft als angenehm empfunden. Die Entzündung klingt normalerweise innerhalb einiger Tage ab.
Prophylaktisch empfiehlt es sich warme Kleidung in den Wintermonaten zu tragen und engen Kontakt zu erkrankten Menschen zu meiden. Die Viren verbreiten sich durch Tröpfcheninfektion, das heißt durch Sekrete und Tröpfchen, die beispielsweise beim Husten in die Luft gelangen.
Die Kehlkopfentzündung kann chronisch werden und zu einer fortbestehenden Stimmbandschwäche mit einhergehender Heiserkeit führen. Daher sollte man bei ausgeprägten Symptomen auf jeden Fall die Stimme schonen und einen Arzt aufsuchen. Wenn die Entzündung auf einer bakteriellen Infektion beruht, kann die Anwendung eines Antibiotikums nötig sein.
Bei Kindern ist besondere Vorsicht geboten, da eine Kehlkopfentzündung akut auftreten und gefährlich sein kann. Wenn die Schleimhaut bei Kindern zuschwillt, kann aufgrund der engeren Atemwege die Atmung stark beeinträchtigt werden. Häufig passieren die sogenannten Pseudokrupp-Anfälle nachts und gehen mit bellendem Husten und Heiserkeit einher. Besonders betroffen sind Kinder zwischen 1 und 5 Jahren. Die Erreger sind meist Viren (Parainfluenza-Viren). Die Symptome bessern sich sofort in kalter frischer Luft, sodass es schon hilft mit dem Kind an die frische Luft zu gehen und es zu beruhigen. Beim ersten Pseudokrupp-Anfall oder Atemnot sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden, da die Atemwege so anschwellen können, dass die Gabe von Cortison oder sogar eine künstliche Beatmung mittels Intubation notwendig wird.
Im Gegensatz zum echten Krupp (Diphtherie), der durch die Impfung in Deutschland kaum mehr vorkommt, ist der falsche Krupp/Pseudokrupp (subglottische Laryngitis) häufig.

Eine weitere seltene Differentialdiagnose ist eine Entzündung des Kehldeckels/ Epiglottis (Epiglottitis), die durch die Impfung gegen Hämophilus influenzaTyp B ebenfalls sehr selten geworden ist. Bei der sehr gefährlichen Epiglottitis tritt in der Regel kein Husten auf, sondern eher eine kloßige Sprache und starke Schluckbeschwerden. Zudem ist der Allgemeinzustand des Kindes stark reduziert.

Auch Tumore können durch invasives Wachstum zu Schmerzen führen, indem sie andere Strukturen verdrängen. Diese Raumforderungen können auch von der Schilddrüse, die unmittelbar unter dem Kehlkopf liegt, ausgehen. Auch Schmerzen bei einer Schilddrüsenentzündung können durch die enge Nachbarschaft zum Adamsapfel als von diesem ausgehend gedeutet werden.
Bei Rauchern sollte man bei anhaltender Heiserkeit über 2 Wochen, Schluckbeschwerden und Atemproblemen sofort einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen, da sie ein vielfach erhöhtes Risiko für Kehlkopfkrebs haben.

Eine weitere seltene Ursache können Halszysten/-fisteln sein. Halszysten/-fisteln sind Fehlbildungen, die in der Embryonalentwicklung entstehen und mit Flüssigkeit gefüllt sein können. Diese gibt es als mediane Halszyste (mittig vorne am Hals) oder als laterale (seitliche) Halsfistel. Wenn sich eine solche Struktur infiziert, kann es zu starken Schmerzen und Schluckbeschwerden kommen. Die mediane Halszyste wird häufig im Kindesalter entdeckt, die laterale Halsfistel fällt oft erst im Erwachsenenalter auf. Fisteln haben eine Öffnung zur Hautoberfläche, aus denen sich Sekrete entleeren können. Auch die mediane Halszyste kann einen Fistelgang entwickeln.
Beide Fehlbildungen aus der Embryonalentwicklung lassen sich operativ entfernen.

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Entfernung des Adamsapfels

Bei der Chondrolaryngoplastik wird ein ca. 2-3cm langer Schnitt in einer Hautfalte gesetzt, sodass die Narbe später oft kaum mehr sichtbar ist. Nach der Freilegung des Schildknorpels werden die oberen Anteile des Schildknorpels abgeschliffen. Dadurch reduziert sich das Ausmaß des hervortretenden Teiles des Adamsapfels.

Die Operation wurde bislang vor allem bei transsexuellen Frauen im Rahmen einer Geschlechtsangleichung durchgeführt.

Sie wird vor allem von plastischen Chirurgen durchgeführt und zeigt relativ geringe Komplikationsraten. Trotzdem ist jede Operation ein Risiko und es sollte genau abgewogen werden, ob dieses nötig ist. Da am Hals viele Gefäße und Nerven verlaufen, könnten diese geschädigt werden.
Zudem kann es zu Atem-Problemen nach der Operation kommen, die Stimme ist nach einer solchen Operation in der Regel nicht verändert. Wenn dies aber erwünscht ist, kann man in der selben Operation auch die Stimmlage operativ verändern lassen.
Nach der Operation wird ein Druckverband angelegt und den Schmerzen mittels Kühlen und Medikamenten entgegengewirkt.

Weitere Informationen zum Thema Adamsapfel

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 14.11.2017
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