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Epiglottitis

Einleitung

Die Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) ist eine akut auftretende meist bakteriell bedingte lebensbedrohliche Erkrankung. Vor allem Haemophilus influenza Typ B kann den Kehldeckel besiedeln. In seltenen Fällen kommen auch andere Erreger in Frage.

Die massive Schwellung des Kehldeckels kann die Atmung behindern und eine intensivmedizinische Betreuung erfordern. Eine Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) muss als Notfall behandelt werden.

Symptome

Die Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) tritt akut auf. Sie geht mit Schmerzen beim Schlucken, einem pfeifenden Geräusch beim Einatmen (inspiratorischer Stridor) durch die Engstelle der Luftwege, erhöhter Speichelproduktion und meist mit hohem Fieber einher. Der Luftnot folgt eine schlechte Sauerstoffversorgung was sich durch eine Blaufärbung (Zyanose) des Gesichts zeigen kann. Der Arzt kann bei der Untersuchung eine Rötung des Kehldeckels sowie eine Schwellung desselben feststellen. Atemnot kann Todesangst verursachen. Patienten vor allem Kinder verhalten sich panisch und ringen nach Luft – Es ist sehr wichtig beruhigend auf den Erkrankten (Epiglottitis) einzuwirken, da die Aufregung die Atemnot noch verschlimmert. Um dem Patienten das Atmen zu erleichtern ist eine sitzende Position günstig.

Fieber

Die Epiglottitis beginnt typischerweise plötzlich und mit ausgeprägten Symptomen. Fieber ist neben Hals- und Schluckschmerzen, sowie trockene Atemgeräusche beim Einatmen ein klassisches Symptom. Das Fieber tritt plötzlich auf und kann auf hohe Temperaturen steigen.

Kloßige Sprache

Die kloßige Sprache, welche eines der typischen Symptome bei der Epiglottitis darstellt, wird durch die Schwellung im Bereich des Rachens ausgelöst. Durch die geschwollene Schleimhaut im Bereich der Stimmbänder verändert sich der Luftstrom beim Sprechen, welches dann als kloßig wahrgenommen wird.
Weiterhin entsteht, ähnlich wie beim Schlucken eine Reizung der entzündeten Schleimhaut. Durch die höhere Empfindlichkeit der Schmerzfasern kann das Sprechen, genauso wie das Schlucken, schmerzhaft sein.

Schmerzen beim Schlucken

Halsschmerzen und damit einhergehend die Schluckbeschwerden werden durch die akute Entzündung und die Schwellung im Bereich des Rachens ausgelöst. Die Entzündung der Schleimhaut in diesem Bereich bewirkt auch, dass die Schmerzfasern der Schleimhaut empfindlicher gegenüber Reizen werden. Somit wird der Schluckakt sehr schmerzhaft.
Neben den Schmerzen beim Schlucken ist eine erhöhte Speichelproduktion typisch für die Epiglottitis. Da das Schlucken schmerzhaft ist, läuft der Speichel beim Kind häufig aus dem Mund heraus, da dieser nicht geschluckt werden kann oder das Kind aufgrund der Schmerzen nicht Schlucken kann.

Verlauf

Das Einsetzen der Epiglottitis kann, unabhängig vom Alter, sehr plötzlich auftreten und einen raschen Verlauf nehmen.
Am Anfang stehen vor allem das schnell steigende Fieber mit bis zu 40°C, schwere Schluckbeschwerden und ein starker Speichelfluss im Mittelpunkt der Symptomatik.

Infolge der Schwellung des Kehldeckels leiden die Patienten unter schweren Atembeschwerden, die durch typische Ein- und Ausatemgeräusche zu erkennen sind.

Zudem ist die Entzündung nun auch von außen zu sehen. Der Kehlkopf stellt sich prall und rot dar und kann kleine weiße Punkte, sogenannte Abszesse, aufweisen. Diese Abszesse sind Ansammlungen von Eiter und Ausdruck einer starken Entzündung. Oft lehnen sich die Patienten mit ihrem Oberkörper weiter vor und legen ihre Ellbogen auf ihren Oberschenkeln ab, um ihre Atmung zu unterstützen.

Wird die Epiglottitis nicht behandelt kann es in schweren Verläufen zur akuter Luftnot und Sauerstoffmangel kommen. Diese Situation stellt nun einen absoluten Notfall dar. Wird nun nicht adäquat therapiert, kann es in Extremfällen zum Tod kommen.

Eine Epiglottitis stellt sich somit als eine sehr rasch auftretende Krankheit dar, die innerhalb von wenigen Stunden zu einer massiven Verschlechterung des Zustands des Patienten führen kann und deshalb in der Medizin als Notfall angesehen wird.

Ansteckungsgefahr

Während einer akuten Epiglottitis besteht eine hohe Gefahr andere Menschen anzustecken, da es sich hier um eine Tröpfcheninfektion handelt.

Vor allem bei Kleinkindern ist deswegen auf eine strikte Händehygiene zu achten. Da es sich hierbei um eine schwere Erkrankung handelt, hat man sich darauf geeinigt, dass alle Familienmitglieder des Patienten als Prophylaxe ein Antibiotikum einnehmen sollen, um einer Ansteckung vorzubeugen.

Bei Kindern, die den Kindergarten besuchen, ist eine Meldung an diesen sehr zu raten, damit bei den anderen Kindern ebenfalls vorbeugende Maßnahmen getroffen werden können.

Therapie

Eine Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) gehört sofort in ärztliche Behandlung. Sie kann sich plötzlich zu einem intensivmedizinischen Notfall entwickeln.
Es besteht die Gefahr der vollständigen Verlegung der Luftwege und damit Erstickungsgefahr. Daher sollten die Betroffenen sofort ins Krankenhaus transportiert werden. Häufig ist es nötig, dass die Betroffenen einen Schlauch in die Luftröhre eingeführt bekommt (Intubation) oder die Luftwege durch einen Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) gesichert werden.

Die bakterielle Besiedelung des Kehldeckels wird durch eine intravenöse Antibiotikatherapie bekämpft.

Wann benötigt man eine Intubation?

Eine Epiglottitis sollte immer stationär also im Krankenhaus behandelt werden. Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist die Gabe von Sauerstoff. Sollte dies nicht ausreichen, muss eine Intubation in Betracht gezogen werden. Dies ist so wichtig, da die Atemwege plötzlich so stark anschwellen können, dass die Atmung unmöglich wird.
Somit gilt auch, dass eine Intubation eher frühzeitig zu erwägen ist, bevor es am Ende zu spät ist. Faktoren, die für eine Intubation sprechen sind unter anderem eine Kurzatmigkeit mit erhöhter Atemfrequenz, ein trockenes Atemgeräusch beim Einatmen, eine erhöhte Herzfrequenz oder ein sehr abrupter Symptombeginn.
Die Entscheidung zur Intubation wird aber individuell am gesamten klinischen Bild des Patienten gestellt.

Prognose

Wird eine Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) nicht behandelt ist die Prognose sehr schlecht. Der Patient erstickt, da die Luftwege verschlossen sind. Mit Hilfe der antibiotischen Therapie und der intensivmedizinischen Betreuung allerdings ist die Chance einer folgenlosen Heilung sehr gut. Wichtig ist eine aktue medizinische Versorgung. Bei dieser Erkankung (Epiglottitis) darf man keine Zeit verlieren.

Prophylaxe

Es gibt verschiedene Typen des Bakteriums – am häufigsten ist Typ B gegen den man impfen kann. In der Impfung sind ungefährliche Kapselbestandteile des Bakteriums enthalten gegen die das Immunsystem Antikörper bildet. Die Hämophilus influenzae (HiB) - Impfung übrigens dient in erster Linie dem Schutz vor einer Hirnhautentzündung (Meningitis) die nur durch den bekapselten Typ B ausgelöst wird. Diese Impfung wird bei allen Kindern ab dem dritten Lebensmonat empfohlen (Epiglottitis).

Epiglottitis trotz Haemophilus influenzae Typ B- Impfung

Dank der Einführung der Hib-Impfung ist das Auftreten von Epiglottiden stark zurückgegangen.
Die wenigen Fälle, die noch beschrieben werden, gehen vor allem auf Patienten zurück, die entweder nicht geimpft wurden oder unter einer Schwächung des Immunsystems leiden.

So gibt es andere Erreger, die eine ähnliche Symptomatik wie Hib hervorrufen können. Zu diesen gehören vor allem Streptokokken, Staphylokokken, Pneumokokken, Varizella zoster, Klebsiella pneumoniae und Neisseria menigitidis. Doch auch manche Formen von Pilzen wie der auf vielen Körperoberflächen vorkommende Candida albicans kann eine Epiglottitis verursachen.

Ursachen

Der Kehldeckel ist eine knorpelige Struktur am Zungengrund, der die Luftröhre abdichten kann. Dies ich sehr wichtig beim Schluckvorgang: Es muss verhindert werden, dass Flüssigkeiten oder Nahrungsbestandteile in die Luftröhre und über diesen Weg in die Lungen eintreten. Dies kann sonst zu einer Lungenentzündung (sogenannte Aspirations-Pneumonie) führen. Eine Entzündung des Kehldeckels (Epiglottitis) wird vor allem durch das Bakterium Haemophilus influenzae verursacht. Es kommt zur Schwellung der Schleimhaut des Kehldeckels was die Atmung behindert und bis zum Ersticken führen kann (Epiglottitis).

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Kehlkopfentzündung beim Kind

Häufigkeit

Die Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) tritt vor allem bei Kleinkindern auf. Seit der Impfung für Haemophilus influenzae Typ B ist die Inzidenz der Erkrankung deutlich zurück gegangen.

Typisches Erkrankungsalter

Das typische Erkrankungsalter einer Epiglottitis liegt zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr.
Da sie damit im klassischen Kindergartenalter liegt, zählt sie zu den gefürchteten Kindergartenkrankheiten.
Doch auch Jugendliche und Erwachsene können betroffen sein, wenn auch deutlich seltener.

Epiglottitis beim Erwachsenen

Eine Epiglottitis tritt am häufigsten bei Kleinkindern zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr auf.
Trotzdem kommt es gelegentlich auch bei Erwachsenen zum Auftreten einer Epiglottitis.
Hier kommen vor allem Pneumokokken und Streptokokken als Erreger in Betracht.

Hauptsächlich betroffen sind in diesem Alter immungeschwächte Patienten, bei denen das Immunsystem diese Erreger nicht mehr ausreichend eindämmen kann. Epiglottiden können aber auch bei Erwachsenen durch Haemophilus influaenza Typ b verursacht werden, sofern die Impfung in der Kindheit ausgeblieben ist.

Hinsichtlich des Verlaufs gibt es bei Erwachsenen ebenfalls Unterschiede im Vergleich zu Kindern. Die Symptomatik zeigt zwar einen ähnlichen raschen Verlauf am Anfang, doch unterscheidet sie sich deutlich in ihrer Stärke. Dies liegt darin, dass die Atemwege von Erwachsenen in ihrem Durchmesser viel größer sind, als die von Kleinkindern und daher kann bei einer Entzündung des Kehldeckels noch relativ lange ausreichend Luft die Atemwege passieren.
So ist die Rate von schweren Komplikationen und Verläufen infolge einer Epiglottitis bei Erwachsenen deutlich geringer als es bei Kleinkindern der Fall ist.

Unterschiede zum Pseudokrupp

Manchmal kann es sich im ersten Moment als durchaus schwierig darstellen eine Epiglottitis von Pseudokrupp zu unterscheiden, da bei beiden Erkrankungen vor allem Kleinkinder zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr betroffen sind.

Betrachtet man hingegen die einzelnen Krankheiten genau, können große Unterschiede in der Schwere und dem Verlauf festgestellt werden.
Der Begriff Pseudogrupp bezeichnet eine akute Entzündung der oberen Atemwege unter den Stimmbändern. So besteht hier bereits ein großer Unterschied in der Lokalisation der zwei Erkrankungen.

Weiter wird Pseudokrupp, im Gegensatz zur Epiglottitis, in der Regel durch Viren verursacht und stellt sich im Verlauf deutlicher schwächer dar. Das Fieber ist hier oft schwächer ausgeprägt und auch die charakteristischen starken Schmerzen beim Schlucken bleiben aus. Oft ist hierfür jedoch ein trockener, starker Husten zu erkennen, der auch als Krupphusten bezeichnet wird. Zudem verläuft die Krankheit insgesamt langsamer, als es bei der Epiglottitis der Fall ist. Zu schweren Fällen, die mit akuter Luftnot einhergehen, kommt es nur sehr selten.

Ein weiterer Unterschied stellt die folgende Therapie dar. Da es sich hier um eine viral verursachte Entzündung handelt, würden Antibiotika in diesem Fall keine Wirkung zeigen. Der Körper wird die Krankheit alleine in den Griff bekommen und kann dabei eventuell mit entzündungshemmenden Medikamenten unterstützt werden. Im Gegensatz hierzu wird bei einer Epiglottitis ein hochdosiertes Antibiotikum gegeben.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Pseudokrupp

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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