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Kopfläuse

Definition

Die Kopflaus ist ein graues bis hellbraunes Insekt, welches der Familie der Menschenläuse (Pediculidae) angehört. Bei einem Kopflausbefall (Pediculosis) nistet sich die Kopflaus im menschlichen Kopfhaar ein und ernährt sich dort von Blut.

Eigenschaften der Kopfläuse

Die Kopflaus kann 2,5-3,5 mm lang sein ist somit mit bloßem Auge erkennbar. Eine Temperatur von etwa 28 °C bietet der Kopflaus optimale Bedingungen zum Überleben, sodass die behaarte Kopfhaut einen passenden Lebensraum darstellt. Mit ihrem Fortsatz am Kopf sticht die Kopflaus in die menschliche Haut und ernährt sich so nach dem Prinzip einer Kapillare von dem entnommenen Blut. Dabei sondert die Kopflaus Speichel ab, der die Blutgerinnung aufhält und auf diese Weise das Blut flüssig hält.

Vermehrung der Kopflaus

Die Kopflaus ist in der Lage bis zu 10 Eier (Nissen) pro Tag abzulegen. Dabei werden die Eier ausschließlich an der Haarwurzel plaziert und das vor allem in der Nacken- und hinteren Ohrregion.
So wird den schlüpfenden Larven eine sichere Ernährungsquelle gewährleistet, da an diesen Stellen das Blut besonders einfach zu erreichen ist.
Aus der Nisse schlüpft nach etwa 7-10 Tagen die Larve (Nymphe).
Diese Larve braucht zusätzlich noch ungefähr 10 Tage, bis sie geschlechtsreif ist und somit den Vermehrungszyklus fortführt.
Hierbei ist es für die Larve von Bedeutung in der Nähe einer raschen Blutquelle zu sein, denn ohne Blut stirbt die Larve nach einer bis zwei Stunden ab.
Mit insgesamt 14 bis 21 Tagen ist die Vermehrung der Kopflaus durchaus sehr schnell. Eine männliche Kopflaus lebt um die 15 Tage. Anders als diese, beträgt die Überlebenszeit einer weiblichen Kopflaus etwa einen Monat, vorausgesetzt, sie kommt alle 2 bis 3 Stunden an Blut.

Übertragung

Ein Kopflausbefall wird grundsätzlich und am häufigsten durch einen direkten Kontakt mit befallener Kopfhaut verursacht. Situationen, die einen solchen näheren Kontakt ermöglichen, steigern diese Wahrscheinlichkeit. Besonders Kinder in Schulen und Kindergärten sind davon betroffen.
Eine indirekte Übertragung ist zwar nicht so häufig anzutreffen, aber auch nicht komplett auszuschließen. Dazu gehören vor allem Gegenstände, wie Kissen oder Bürsten, die das befallene Haar auffangen. Da die Kopflaus hierbei jedoch keine Nahrungsquelle findet, stirbt sie schnell ab und bietet keine anhaltende Ansteckungsgefahr.
Generell ist auch bekannt, dass die Kopflaus nicht über Haustiere übertragen wird.
Manchmal können mit der Kopflaus auch Krankheiten übertragen werden, wie Fleck- oder Fünftagefieber oder Tularämie. Wichtig ist dabei auf die Begleitsymptomatik parallel zum Kopflausbefall zu achten und einen Arzt aufzusuchen. Krankheiten, die durch die Kopflaus übertragen werden, sind jedoch, im Gegensatz zu den Entwicklungsländern, in Europa sehr selten anzutreffen.

Vorkommen

Die Vermutung, dass der Kopflausbefall durch den Mangel an Hygiene hervorgerufen wird, ist ein Irrtum, denn die Kopflaus findet sich in gewaschenem als auch ungewaschenem Haar.
Von einem Kopflausbefall kann somit jeder betroffen sein. Allgemein kann man behaupten, dass die Kopflaus bei Kindern öfter vorkommt, als bei Erwachsenen, da dies mit dem altersspezifischen Verhalten in Schulen und Kindergärten zusammenhängt, welches eine Kopflaus-Übertragung erleichtert.
Es wurde festgestellt, dass besonders im Sommer gehäuft Kinder vom Kopflausbefall betroffen sind. Erklärt wird dies damit, dass Sommerferien in beispielsweise Ferienheimen verbracht werden, wo durchaus durch das enge Zusammenleben von verschiedenen Kindern die Kopf-zu-Kopf-Übertragung erleichtert wird.

Diagnose der Kopfläuse

Ist ein auffälliges Kratzen der Kopfhaut festzustellen, so sollte an die Möglichkeit eines Kopflausbefalls gedacht werden und sofort untersucht werden. Den Kopflausbefall kann man direkt und indirekt feststellen.
Als direkte Diagnose versucht man die Kopflaus im Haar zu finden.
Dies ergibt sich jedoch als schwierig, da sich die Kopflaus bei Licht schnell bewegt und versteckt.
Eine Methode wäre es jedoch, das Haar mit einem Shampoo zu waschen, worin sich die Läuse nicht bewegen können. Die Haare werden in Strähnen mit einem speziellen Kamm gekämmt, der auf einem weißen Tuch abgestrichen wird. So kann die Kopflaus, sobald sie vorhanden ist, auf weißem Hintergrund erkannt werden.
Indirekt wird ein Kopflausbefall durch das Vorfinden von Nissen, also den Kopflauseiern, festgestellt. Eine Lupe kann dabei helfen. Nissen charakterisieren sich dadurch, dass sie am Haarschaft an der Haarwurzel festkleben und so nicht abstreifbar sind. Sie haben eine schuppenähnliche braune Form. Findet man Nissen mehr als 1 cm von der Kopfhaut entfernt, sind die Nissen bereits leer oder abgestorben. Es deutet jedoch auf einen Kopflausbefall vor einiger Zeit hin.

Symptome

Der Kopflausbefall verläuft in der Regel asymptomatisch und wird nicht immer unbedingt erkannt oder festgestellt.
Charakteristisch ist jedoch ein unterschiedlich ausgeprägter Juckreiz, besonders in der hinteren Ohr- und Nackenregion, der dann meistens ein Hinweis für den Kopflausbefall ist.
Er kommt zustande als Immunantwort auf den Speichel und die Ausscheidungen der Kopflaus.
Der Juckreiz kann begleitet werden von kleinen rötlichen Punkten in der gleichen Region.
Das Kratzen der juckenden Haut kann zu Entzündungen dieser Stellen führen. Klebende Nissen bei einem hohen Befall können das Haar verfilzen.

Therapie

Eine effektive Therapie des Kopflausbefalls besteht aus mehreren Aspekten. Es sollte nicht nur eine der Therapiemöglichkeiten angewendet werden, da ein Kopflausbefall durch das Anwenden mehrerer Therapien effektiv und wirksam bekämpft werden kann und das Wiederauftreten verringert.

Chemische Therapie

Die chemische Therapie sieht vor, die Kopflaus mit Insektiziden, den Pedikuloziden, zu bekämpfen, die in den Apotheken zu erwerben sind.
Es ist zu empfehlen, dass ein Haus- oder Kinderarzt bei einem Verdacht des Kopflausbefalls aufgesucht wird, der dann entsprechende Mittel verschreiben kann, vor allem, wenn es sich um Säuglinge bzw. Kleinkinder handelt. Die chemischen Substanzen gibt es in verschiedenen Formen: Shampoo, Spray oder Gel. Von Bedeutung ist die genaue Dosierung der Mittel, wenn man eine wirksame Bekämpfung erreichen will. Generell reicht eine einmalige Insektizidanwendung, um die Ansteckungsgefahr herabzusetzen.
Zur Sicherstellung wird jedoch umgehend empfohlen, nach 8 bis 10 Tagen diese Behandlung zu wiederholen, um auch noch eventuell nachgeschlüpfte Kopfläuse zu bekämpfen.

Schwangere Frauen oder auch stillende Mütter sollten sich besonders über ein geeignetes Mittel informieren, denn bei dem häufig verwendeten Mittel Permithrin kann nicht ausgeschlossen werden, dass es eine schädliche Wirkung auf das Kind/Embryo haben kann.

Lesen Sie mehr zum Thema: Medikamente während der Schwangerschaft

Mechanische Therapie

Parallel zu der chemischen Anwendung sollte die mechanische Therapie ausgeführt werden. Mit einem speziellen Nissenkamm sollte das befallene Haar intensiv wiederholt nass gekämmt werden. Wichtig bei dem Kamm ist, dass der Zinkenabstand etwa 0,3mm beträgt, damit auch die kleineren Nissen oder Larven ausgekämmt werden können.

Es sollte mindestens viermal innerhalb von zwei Wochen ausgekämmt werden. Eine häufigere Anwendung schadet aber auch nicht. Am fünften Tag sollte nochmals nass ausgekämmt werden, um sicherzustellen, dass auch nachgeschlüpfte Kopfläuse aus dem Haar beseitigt wurden.

Nach etwa zwei Wochen kann zur Kontrolle wieder nass ausgekämmt werden. Sollte nach dieser Zeit immer noch ein Kopflausbefall festgestellt werden, so kann das an vorkommenden Resistenzen der Kopflaus gegenüber der Insektizide liegen, oder auch an einer abweichenden Dosierung und nicht genauen Verteilung der Substanz im Haar. Eine zu kurze Einwirkzeit der Präparate oder die vergessene Wiederholungsbehandlung führen ebenfalls zu einem zurückkehrenden Kopflausbefall.

Wirkstoffe

Von Behörden geprüfte Arzneimittel zur Bekämpfung der Kopflaus beruhen überwiegend auf der Wirkung des Pyrethrumextraktes aus Chrysanthemenblüten.
Durch die Wirkung dieses Extraktes wird das Nervensystem der Kopflaus angegriffen. Dies macht die Kopflaus unbeweglich und sorgt während der Einwirkzeit, dass das Insekt so stark geschädigt wird, dass es abstirbt. Nebenwirkungen dieses Insektizides werden durch ihre Eigenschaft der Licht- und Sauerstoffempfindlichkeit herabgesetzt. Substanzreste im Haar werden auf diese Weise aus dem Haar schnell eliminiert, sodass dem Haar und der Kopfhaut keine Konsequenzen folgen.
Mischpräparate aus dem Extrakt mit Zusätzen, wie Alkohol, wirken auch auf die Nissen und lassen sie absterben.
Da diese Therapien jedoch generell nicht auf Nissen spezialisiert sind und diese somit nicht effektiv abtöten, ist die Zweitbehandlung, die bereits angesprochen wurde, von enormer Bedeutung.
Neben diesen natürlichen Produkten, gibt es ebenfalls synthetisch hergestellte Substanzen. Sie dienen oftmals einer Langzeitwirkung und zielen weniger auf Nissen ab, als auf lebende Larven und Läuse, die aus ihren Nissen noch einige Tage danach schlüpfen. In der Vielfalt von Arzneimitteln und Medizinprodukten auf dem Markt sollte man sich beim Arzt oder in der Apotheke über das richtige und vor allem geprüfte Mittel informieren.

Nachsorge und Prophylaxe

Ist jemand in einem Haushalt vom Kopflausbefall betroffen, so empfiehlt es sich als Vorbeugung von einem Befall der im Haushalt lebenden Mitglieder und weitere Kontaktpersonen, z.B. im Kindergarten, zu informieren und zu untersuchen.
Hier wird auch vorgeschlagen, prophylaktisch eine Kopflaustherapie durchzuführen.

Die Reinigung von Bürsten und Kämmen bei Betroffenen ist sinnvoll, um auch minimale Ansteckungsrisiken zu vermeiden. Es bietet sich an, dass jedes Familienmitglied eine eigene Bürste und eigenen Kamm besitzt.

Im Prinzip ist es ausreichend, die Wohnung gründlich zu saugen. Eine komplette sterile Grundreinigung ist jedoch nicht nötig.
Haarauffangende Textilwaren, wie Kissen und Stofftiere, können bei 60° gewaschen, tiefgefroren oder auch für einige Tage abgestellt werden. Eventuell darin verfangene Kopfläuse sterben dadurch ab und das Risiko eines Befalls besteht nicht mehr.

Eine Vorbeugung in öffentlichen Einrichtungen ist gesetzlich festgeschrieben. Das bedeutet, dass bei einem Kopflausbefall die Gemeinschaftseinrichtung sofort informiert werden soll, vor allem Schulen und Kindergärten. Diese melden dies dann an das Gesundheitsamt. Dies klingt vielleicht abschreckend, hat aber keine negativen Konsequenzen und muss keine Sorgen bereiten. Der Betroffene sollte öffentliche Einrichtungen meiden, solange er ansteckend ist.

Für diese Zeit besteht keine Attestpflicht. Da nach der ersten Behandlung eigentlich keine Ansteckungsgefahr mehr besteht, reicht es beispielsweise für die Schule aus, eine elterliche Entschuldigung zu schreiben. Nach der Behandlung kann das Schulleben wieder aufgenommen werden. Dies betrifft auch alle anderen Einrichtungen. Eine allgemeine Prophylaxe sollte durch eine Ausweitung von Aufklärung in Form von Elternabenden oder Flyern stattfinden, um das Bewusstsein für die Erkennung und Behandlung des Kopflausbefalls zu stärken. Dies betrifft auch das Wahrnehmen und die Teilnahme an solchen Angeboten.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 12.04.2018
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