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Schilddrüsenentfernung

Definition

Die Schilddrüse liegt im vorderen Halsbereich direkt vor der Luftröhre. Sie besteht aus 2 Lappen und ist hauptsächlich für den Stoffwechsel des Menschen sowie für die Calciumbereitstellung für die Knochen zuständig. Dies wird durch die Produktion bestimmter Hormone reguliert.

Verschiedene Erkrankungen, die die Schilddrüse betreffen, können entweder zu einer Schilddrüsenüberfunktion oder aber zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen. Diese machen sich vor allem durch Änderungen des Gewichts, des Wärme- und Kälteempfindens, der Herzfrequenz und des Aktivitätsniveaus bemerkbar. Es gibt unterschiedliche Ursachen, die eine operative Entfernung der Schilddrüse, eine sogenannte Thyreoidektomie, notwendig machen. Eine Entfernung der Schilddrüse kann entweder einseitig oder beidseitig durchgeführt werden, je nachdem ob nur ein Lappen oder beide für die Beschwerden verantwortlich sind.

Ursachen für eine Schilddrüsenentfernung

Es gibt viele verschiedene Ursachen, die für die Entfernung der Schilddrüse sprechen. Dies können sowohl gutartige (benigne) als auch bösartige (maligne) Veränderungen sein. Je nachdem, ob nur eine Seite oder beide Seiten betroffen sind, wird eine totale Schilddrüsenentfernung (Thyreoidektomie) durchgeführt oder es wird nur eine Seite der Schilddrüse entfernt (Hemithyreoidektomie).

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Knoten in der Schilddrüse

Eine Vergrößerung der Schilddrüse bezeichnet man als Struma. Ist die Schilddrüse durch knotige Veränderungen gekennzeichnet, so kann der befallene Teil oder aber die ganze Schilddrüse entnommen werden, um ein Wiederauftreten zu verhindern. Auch bei der Autoimmunerkrankung Morbus Basedow ist die Schilddrüse vergrößert und eine Entfernung kann bei schwerem Verlauf notwendig sein.

Häufige Ursache für eine Schilddrüsenentfernung sind bösartige Tumore der Schilddrüse. Es gibt verschiedene Arten von Schilddrüsenkarzinomen, die unterschiedlich aggressiv sind. Die Schilddrüse wird aber bei allen Arten teilweise oder sogar ganz entfernt, um eine Heilung des Patienten zu erreichen.

Viele gutartige Tumore müssen trotz Vergrößerung der Schilddrüse nicht entfernt werden, solange sie zu keinen Beschwerden führen. Wenn allerdings Probleme zum Beispiel in Form von Atemnot, wenn die Luftröhre eingeengt wird, oder Schluckbeschwerden auftreten, sollte operiert werden. Auch wenn es sich bei der Vergrößerung um ein sogenanntes Adenom handelt, kann eine operative Entfernung der Schilddrüse notwendig sein. Bei einem Adenom handelt es sich um einen Tumor, der selbst Hormone produziert. Dadurch kann es zu einer Stoffwechselentgleisung kommen, die für den Betroffenen sehr gefährlich werden kann. Durch die Operation wird eine Überproduktion verhindert.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Erkrankungen der Schilddrüse

Operationsablauf

Die Operation einer Schilddrüsenentfernung kann entweder einseitig oder beidseitig erfolgen. Diese Operationen geschehen in Vollnarkose. Der Patient wird in Rückenlage operiert und der Kopf wird dabei nach hinten überstreckt, damit das Operationsgebiet besser zugänglich ist. Nach gründlichem Desinfizieren wird zunächst ein vier bis fünf cm langer Schnitt an der Vorderseite des Halses gemacht, sodass die Schilddrüse von den Operateuren gut dargestellt werden kann. Bei der anschließenden Entfernung der Schilddrüse muss besonders der Rekurrensnerv beachtet werden, der nahe der Schilddrüse liegt. Es kann ein sogenanntes Neuromonitoring-System zur Hilfe gezogen werden, das Warngeräusche aussendet, sobald der Nerv vom Operationsbesteck berührt wird. Wird der Rekurrensnerv verletzt, so kann dies zu vorübergehender Heiserkeit nach der Operation führen. Bei beidseitiger Verletzung können Atemgeräusche oder Atemnot nach der Operation auftreten.
Außerdem muss auf die sehr kleinen Nebenschilddrüsen, die der Schilddrüse anliegen, während der Operation geachtet werden. Diese sollten möglichst erhalten bleiben, da sie mit der Produktion des Parathormons eine wichtige Rolle in der Calciumregulation übernehmen.

Die Blutgefäße der Schilddrüse werden bei der Entfernung elektrisch verödet, damit es keine Nachblutungen gibt. Nachdem ein oder beide Lappen der Schilddrüse entfernt wurden, kann die Wunde wieder verschlossen werden. Bei starken Blutungen kann es nötig sein, Drainagen in die Wunde einzulegen. Das sind dünne Schläuche, die das Blut und das Wundsekret nach außen befördern, wo es von kleinen Beuteln aufgefangen wird.

Die eigentliche Operation dauert bei einer totalen Entfernung der Schilddrüse etwa zwei Stunden. Zusammen mit der Vorbereitung, der Narkoseeinleitung und der Lagerung können allerdings etwa drei Stunden eingerechnet werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter Therapie Schilddrüsenkrebs

Krankheitsdauer

In der Regel muss man nach einer Schilddrüsenentfernung etwa zwei bis drei Tage im Krankenhaus bleiben. Es darf sofort nach der Operation aufgestanden werden. Die Länge der Krankschreibung richtet sich nach der Art des Berufes. Während Büroarbeiten schon einige Tage nach der Operation wieder aufgenommen werden können, muss auf körperliche Arbeit etwa zwei Wochen verzichtet werden. Bei Beschwerdefreiheit und einer guten Heilung kann sich die Arbeitsunfähigkeit möglicherweise um einige Tage verkürzen.

Hashimoto

Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, bei der der Körper Antikörper gegen das eigene Schilddrüsengewebe produziert und hierdurch die Schilddrüse zerstört. Hierdurch entstehen häufig die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion, wie langsamer Herzschlag (Bradykardie), Verstopfung, Müdigkeit und Gewichtszunahme. In einigen Fällen verläuft die Erkrankung jedoch auch symptomlos.
Die Schilddrüse kann durch die Zerstörung keine oder weniger Schilddrüsenhormone bilden, weshalb die Einnahme der Hormone in Tablettenform notwendig sein kann. Oftmals hilft dies, die Stoffwechsellage des Patienten zu stabilisieren. In der Regel ist dafür eine lebenslange Einnahme von L-Thyroxin notwendig.

Morbus Basedow

Bei Morbus Basedow handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass der Körper Antikörper produziert, die gegen Strukturen des eigenen Körpers gerichtet sind. Beim Morbus Basedow werden Antikörper produziert, die an einen Rezeptor des Schilddrüsengewebes binden und dort zu einer Aktivierung führen. Daraufhin werden von der Schilddrüse Hormone freigesetzt, die in den Stoffwechsel eingreifen. Dies führt zu einer Steigerung des allgemeinen Aktivitätsniveaus und äußert sich oft in Herzrasen, hohem Blutdruck, vermehrtem Schwitzen und Gewichtsabnahme. Dazu kommt eine allgemeine Unruhe. Die Patienten fallen häufig durch hervorstehende Augen (Exophthalmus) auf.

Als Therapie können thyreostatische Medikamente eingenommen werden, die dafür sorgen, dass die Aktivität der Schiddrüse gedrosselt wird. Unter dieser Therapie bildet sich die Krankheit oftmals wieder zurück. Ist dies nicht der Fall und führt der Morbus Basedow zu Beschwerden, so kann eine Schilddrüsenentfernung notwendig und sinnvoll sein.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Therapie bei Schilddrüsenüberfunktion

Schilddrüsenentfernung in der Schwangerschaft

Eine Schilddrüsenentfernung sollte, wie jede andere Operation, möglichst nicht während der Schwangerschaft durchgeführt werden. Es kann immer zu unerwarteten Komplikationen kommen, die das Baby möglicherweise gefährden.

Besteht eine Basedow-Erkrankung, so sollte Frauen grundsätzlich von einer Schwangerschaft abgeraten werden, da es durch die notwendige Medikamenteneinnahme häufiger als normal zu Frühaborten kommt. Außerdem werden die Antikörper auf das ungeborene Baby übertragen, welches schwere Auswirkungen auf das Wachstum des Kindes haben kann.

Nach einer erfolgten Schilddrüsenentfernung gibt es bei guter Einstellung der Ersatzhormontherapie keine Bedenken bezüglich einer Schwangerschaft. Lediglich wenn die Entfernung aufgrund eines bösartigen Tumors durchgeführt wurde und sich eine Therapie mit radioaktivem Jod anschließt, sollte in den nächsten 6 Monaten keine Schwangerschaft eintreten.

Folgen einer Schilddrüsenentferung

Nach einer Schilddrüsenentfernung müssen einige Untersuchungen gemacht werden, um den Erfolg der Operation beurteilen zu können. Als erstes sollte überprüft werden, ob der sogenannte Rekurrensnerv (Nervus laryngeus recurrens) während der Operation beschädigt wurde. Eine Schädigung würde sich in einer eingeschränkten Sprechfunktion als Heiserkeit bemerkbar machen. Allerdings kann eine Heiserkeit nach der Operation auch vorübergehend als Folge der Reizung durch den Beatmungsschlauch auftreten. Auch der Calciumspiegel im Blut sollte nach der Operation überwacht werden, um die Funktion der Nebenschilddrüsen kontrollieren zu können. Wenn der Calciumspiegel sehr stark abfällt, so deutet dies auf eine Schädigung der Nebenschilddrüsen hin.

Da die Schilddrüse für den Körper wichtige Hormone produziert, müssen diese nach einer kompletten Entfernung ersetzt werden. Es handelt sich dabei um Trijodthyronin und Thyroxin. Diese sollten nach der Operation in Tablettenform eingenommen werden. Nach etwa fünf Wochen wird mithilfe einer Blutuntersuchung die Hormondosis angepasst und individuell eingestellt. Wenn nur ein Teil der Schilddrüse entfernt wurde, so ist dies in der Regel nicht notwendig.

Nach der Operation sollten in den ersten zwei Wochen starke körperliche Aktivitäten möglichst vermieden werden, um eine optimale Heilung der Wunde zu gewährleisten. Nach etwa zwei bis drei Tagen kann das Krankenhaus verlassen werden und nach ungefähr einer Woche werden die Fäden gezogen.

Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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