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Entzündung der Schilddrüse

Einleitung

Die Schilddrüsenentzündung, auch Thyreoiditis genannt, ist ein Oberbegriff für eine Gruppe von Erkrankungen verschiedener Ursachen, Prognosen und Verläufe, die alle auf einer Entzündung der Schilddrüse basieren.

Die deutsche Gesellschaft für Endokrinologie differenziert die Schilddrüsenentzündung in drei Klassen:

  • die akute Thyreoiditis
  • die subakute Thyreoiditis (de Quervain)
  • die chronischen Thyreoiditiden

Sämtliche Formen der Schilddrüsenentzündung sind jedoch heute gut behandelbar und bei besitzen bei rechtzeitiger Diagnose ein sehr geringes Risiko für Komplikationen und Folgeschäden.

Akute Thyreoiditis

Die akute Thyreoiditis ist eine sehr seltene Form der Schilddrüsenentzündung. Sie wird noch einmal klassifiziert in die eitrige und nicht eitrige akute Thyreoiditis.

Symptome

Die Symptome der akuten Thyreoiditis unterscheiden sich in ihren Subtypen nicht.

Generell erscheinen die typischen Symptome entzündlicher Krankheiten. Der Körper reagiert mit Fieber auf den Infekt, der Bereich der Schilddrüse am Hals ist geschwollen und gerötet.

Es bestehen außerdem Schmerzen an der Schilddrüse, diese ist aufgrund der Schwellung auch von außen tastbar.

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Ursache

Die akute Schilddrüsenentzündung wird anhand ihrer Ursache klassifiziert.

Die eitrige Thyreoiditis wird durch bakterielle Erreger hervorgerufen. Meist geht der Schilddüsenentzündung eine Entzündung nahe gelegener Strukturen, wie z.B. der Mandeln voran, auch wenn sich Bakterien im Blut befinden kann dies zu einer Schilddrüsenentzündung führen.

Die nicht eitrige Thyreoiditis wird meist strahlenbedingt verursacht. So kommt es in ca. 1% der Fälle nach einer sogenannten Radiojodtherapie zu einer akuten Entzündung der Schilddrüse, ebenso kann hier eine Strahlentherapie eines Tumors o.ä. ursächlich sein.

Therapie

Die akute Thyreoiditis wird symptom- und ursachenorientiert behandelt. Erster Ratschlag ist natürlich das Einhalten einer Bettruhe zur Stärkung des Körpers und Unterstützung des eigenen Immunsystems.

Zur Schmerzlinderung kann von außen eine „Eiskrawatte“ aufgelegt werden, außerdem wird mit sogenannten Antiphlogistika behandelt, Medikamenten die sowohl schmerz- als auch entzündungshemmend wirken. Zur Bekämpfung der bakteriellen Erreger wird zudem noch antibiotisch behandelt.

In seltenen Fällen kommt es zur einer begleitenden Hyperthyreose (überschießende Hormonproduktion der Schilddrüse), welche durch eine Gabe von sogenannten Beta-Rezeptoren-Blockern gut in den Griff zu bekommen ist.

Diagnose

Die Diagnose der akuten Thyreoiditis wird anhand der körperlichen Untersuchung und der Laborwerte des Patienten erstellt. Sehr typisch für die akute Schilddrüsenentzündung sind die Entzündungszeichen Fieber, Rötung, Schwellung und Schmerzen über der Schilddrüse.

Im Labor fällt eine Erhöhung der Blutsenkegeschwindigkeit auf, eine Erhöhung des Entzündungsparameters C-reaktives-Protein, sowie eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukozytose) mit vermehrt sehr jungen weißen Blutkörperchen (Linksverschiebung).

Der Goldstandard zur Diagnosesicherung ist hier die Feinnadelpunktion, es wird ein minimales Stück Gewebe der Schilddrüse entnommen und im Mikroskop untersucht. Wird zusätzlich noch ein Blutausstrich angefertigt, fallen hier insbesondere eine erhöhte Anzahl von Granulozyten, spezialisierte weiße Blutkörperchen, und Bakterien auf.

Prognose

Die akute Thyreoiditis hat eine sehr gute Prognose, bei rascher und adäquater Diagnose und wirksamer Antibiotika-Therapie zeigt sich ein Rückgang mit vollständiger Ausheilung der Krankheit innerhalb von wenigen Tagen.

Subakute Thyreoiditis (de Quervain)

Die nach dem Schweizer Fritz de Quervain (1868-1941) auch Quervain-Thyreoiditis oder Thyreoiditis de Quervain genannte Entzündung der Schilddrüse ist ebenfalls eine entzündliche Gewebeerkrankung der Schilddrüse, die allerdings einen etwas langsameren Krankheitsverlauf (subakut) und andere Symptome zeigt als die akute Schilddrüsenentzündung. Auch ist die Entstehung der Krankheit im Detail noch nicht geklärt.

Symptome

Die subakute Thyreoiditis beginnt mit lokalen, starken Schmerzen der Schilddrüse, die im weiteren Verlauf der Erkrankung in Richtung Kopf und Ohr bzw. in Richtung Brust ausstrahlen können. Typischerweise tritt ein begleitendes allgemeines Krankheits- und Schwächegefühl auf, welches bei zunehmender Krankheitsschwere immer stärker wird.

Mögliche Symptome sind desweiteren Kopfschmerzen, Fieber, Muskelschmerzen und klinische Zeichen einer Schilddrüsenüberfunktion (Unruhe, Schwitzen, Schlafprobleme, Zittern, Gewichtsverlust).

Ursache

Der Entstehungsmechanismus der subakuten Schilddrüsenentzündung ist noch nicht richtig verstanden. Allerdings tritt sie gehäuft in Verbindung mit viralen Infekten, z.B. nach virusbedingter Lungenentzündung, Mumps o.ä. auf und wird daher als parainfektiös bezeichnet.

Therapie

Die Therapie der subakuten Thyreoiditis ist rein symptomatisch und ist abhängig von der Schwere der Symptome. Bei leichteren Verlaufsformen wird die Krankheit mit sogenannten nicht-steroidalen Anti-Rheumatika (Entzündungshemmer) wie Ibuprofen behandelt.

Bei schwereren Verläufen therapiert man mit Glukokortikoiden (Prednison, Cortison) zur Bekämpfung der systemischen Entzündung. Hier wird eine hohe Einmalgabe von Glukokortikoiden angewendet, die anschließend alle 1-2 Wochen um 20% bis zur vollständigen Ausschleichung reduziert wird.

Auch hier kann es im Krankheitsverlauf zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommen, wiederum mit Beta-Rezeptoren-Blockern therapiert wird.

Diagnose

Auch bei der subakuten Thyreoiditis erfolgt die Diagnose meist anhand des Erscheinungsbild und der Beschwerden des Patienten wie das allgemeine Krankheitsgefühl mit zunehmder Schwäche in Kombination mit den von Schilddrüse in Richtung Kopf und Brust ausstrahlenden Schmerzen.

Zur Diagnosesicherung wird wiederum eine Blutuntersuchung angeordnet, hier zeigt sich eine erhöhte Blutsenkegeschwindigkeit und eine Erhöhung des C-reaktiven-Proteins. Im Vergleich zu einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse liegen keine körpereigenen Antikörper gegen die Schilddrüsenzellen vor.

Meist wird zusätzlich eine Schilddrüsen-Sonografie durchgeführt, hier zeigt sich diese fleckig und inhomogen.

Ist die Diagnose immer noch unklar, lässt sich wiederum eine Feinnadelpunktion heranziehen, diese zeigt im Mikroskop typische Langhals-Riesenzellen, spezialisierte Fresszellen des Körpers.

Prognose

Die Dauer der subakuten Schilddrüsenentzündung ist länger als bei der akuten Thyreoiditis und kann sich über mehrere Monate bis hin zu einem Jahr ziehen.

Je nachdem, wie viel Gewebe der Schilddrüse durch die Entzündung zerstört wurde, kommt es zu einer vorübergehenden Schilddrüsenunterfunktion, die aber bei abnehmder Krankheitsschwere auch wieder zurück geht und nur in 2-5% der Fälle vorübergehend mit Medikamenten behandelt werden muss.

Trotz der Langwierigkeit der Entzündung ist die Prognose sehr gut und die Thyreoiditis heilt wieder vollkommen aus.

Die chronische Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis)

Bei der chronischen Thyreoiditis nach Hashimoto handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, also um eine Erkrankung bei der körpereigene Zellen fälschlicherweise andere funktionale Zellen angreifen. Dieser Prozess findet bei der Schilddrüse langsam statt und ist unumkehrbar, allerdings lässt sich die Funktion der Schilddrüse sehr gut und ohne großen Aufwand medikamentös ersetzen.

Symptome

Die chronische Schilddrüsenentzündung vom Hashimoto-Typ verläuft lange Zeit ohne wirkliche Symptome, da der Untergang der Schilddrüsenzellen langsam von statten geht und der Funktionsverlust erst ab einer großen Anzahl von Zellen manifest wird. Sind zu viele Zellen untergegangen, um eine normale Funktion der Schilddrüse aufrecht zu erhalten, kommt es zu einer Schilddrüsenunterfunktion mit ihren typischen Symptomen wie allgemeine Müdigkeit und Schwäche, Gewichtszunahme, Verstopfung, verstärktes Kältegefühl, Verlangsamung der Reflexe, rheumatische Beschwerden, Schwellungen der Haut, besonders gut an den Augenlidern zu sehen, Muskelkrämpfen und Potenzabnahmen.

Ursache

Bei der chronischen Thyreoiditis nach Hashimoto wird die Schilddrüse durch körpereigene Zellen des Immunsystems (T-Lymphozyten und Plasmazellen) befallen, diese bewirken den Untergang der funktionsfähigen Schilddrüsenzellen (Thyreozyten).

Der genaue Grund für den Befall körpereigener Zellen ist wie bei anderen Auto-Immun-Erkrankungen (Morbus Basedow et.al.) noch nicht genau verstanden.

Therapie

Aufgrund verschiedener Faktoren ist bei der chronischen Thyreoiditis bis zum Auftreten der Schilddrüsenunterfunktion keine spezielle Therapie indiziert.

Der Krankheitsverlauf ist hier symptomlos, es ist keine symptomorientierte Therapie notwendig. Auch kann der Untergang der Schilddrüsenzellen nicht medikamentös behandelt werden, da die Nebenwirkungen auf das allgemeine Immunsystem zu gravierend wären. Zudem ist das finale Stadium, die Hypothyreose, mit einer einmal täglichen Gabe von Levo-Thyroxin in Tablettenform sehr patientenfreundlich, nebenwirkungsarm und einfach einzustellen.

Die Therapie besteht also in einer Therapie der aus der chronischen Entzündung resultierenden Schilddrüsenunterfunktion.

Diagnose

Die Diagnose wird bei der chronischen Schilddrüsenentzündung aufgrund der ausbleibenden Symptome erst relativ spät im Krankheitsverlauf gestellt. Sie erfolgt dann anhand des Erscheinungsbildes des Patienten, der die oben beschriebenen Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) aufweist. Anhand des Blutbildes, hier wird gezielt nach Schilddrüsenhormonen und Antikörpern gegen die Schilddrüse gesucht, erfolgt die Diagnosesicherung. Die Schilddrüsenhormone sind hierbei erniedrigt trotz erhöhtem Schilddrüsen-Antriebshormon „TSH“, desweiteren liegen sogenannte Anti-TPO-Antikörper vor.

Zusätzlich kann eine Diagnosesicherung auch via Ultraschall der Schilddrüse erfolgen, hier erscheint diese echoarm, es liegt also nur noch wenig funktionsfähiges Gewebe vor.

Prognose

Trotz des gefährlich klingenden „Finalen Verlaufs“ der chronischen Thyreoiditis ist deren Prognose sehr gut, und nur bei unbehandelter Schilddrüsenunterfunktion für den Patienten gefährlich.

Unter Ersatz der Schilddrüsenhormone in Tablettenform sind die Patienten als gesund zu betrachten.

Prophylaxe

Eine allgemeine Prophylaxe der Schilddrüsenentzündung ist leider nicht möglich. Bakterielle und virale Infekte der Schilddrüse sind nicht zu verhindern, und auch der auto-immune Befall der Thyreozyten kann nicht willentlich verhindert oder beeinflusst werden.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 23.11.2018
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