Schilddrüsenbiopsie

Definition - Was ist eine Schilddrüsenbiopsie?

Unter einer Schilddrüsenbiopsie versteht man eine Entnahme von Schilddrüsengewebe zur mikroskopischen Untersuchung. Die Gewebeproben können auf etwaige Krebszellen, Entzündungszellen oder Antikörper untersucht werden und helfen bei der Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen. Bei bösartigen Schilddrüsenerkrankungen sind sie Mittel der Wahl für die Sicherung der Diagnose. Sie wird auch als Feinnadelbiopsie bezeichnet. 

Indikation für eine Schilddrüsenbiopsie

Eine Schilddrüsenbiopsie wird vor allem bei der Tumordiagnostik angewandt. In der Regel ist bei den Patienten eine Ultraschalluntersuchung vorher erfolgt, die einen unklaren oder tumorverdächtigen Befund gezeigt hat. Bei unklaren Befunden in der Schilddrüse, wie zum Beispiel Knoten im Gewebe, werden Gewebeproben entnommen und histologisch untersucht. In der Regel gilt ein kalter Knoten ab 1,5cm in der Ultraschalluntersuchung als verdächtig. Kalt heißt dabei, dass der Knoten keine Aktivität zeigt. Antikörper-produzierende Knoten werden dementsprechend als heiß bezeichnet. Auch Mikrokalk in der Schilddrüse, welcher ebenfalls durch eine Ultraschalluntersuchung entdeckt werden kann, gilt als verdächtig und stellt eine weitere Indikation für eine Biopsie dar.

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Vorbereitung vor der Schilddrüsenbiopsie

Einer Schilddrüsenbiopsie sollte in der Regel eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung voraus gehen. Es sollte eine definitive Indikation für die Biopsie gestellt sein. Tastet der Arzt beim Patienten einen harten, nicht verschieblichen Knoten wird in den meisten Fällen eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt um die Knoten besser zu beurteilen. Handelt es sich um kalte, echoarme Knoten von mehr als 1,5cm im Durchmesser steht die Indikation für eine Biopsie. Zudem wird den Patienten Blut abgenommen. Dies geschieht zur Abgrenzung von harten oder weichen Knoten. Dabei werden die Schilddrüsenwerte (TSH, T3, T4) untersucht.
Ist die Indikation für eine Biopsie gestellt wird der Patient zunächst durch einen Arzt intensiv über den bevorstehenden Eingriff aufgeklärt. Der Patient muss seine Unterschrift zur Einwilligung geben. 

Wie läuft die Schilddrüsenbiopsie ab?

Eine Schilddrüsenbiopsie, oder Feinnadelbiopsie, ist eine kleine und komplikationsarme Untersuchung. Sie bedarf keines stationären Aufenthaltes und keiner Narkose. Sie wird in der Regel ambulant durchgeführt.
Nach erfolgter Aufklärung wird das Hautareal um die Schilddrüse herum desinfiziert, um Infektionen zu verhindern. Mit dem Ultraschallgerät wird nun eine geeignete Stelle zur Biopsieentnahme gesucht. Dabei wird drauf geachtet, dass keine großen Blutgefäße im Weg sind und genug Schilddrüsengewebe vorhanden ist. Ist eine geeignete Stelle gefunden wird nun unter Ultraschallkontrolle mit einer Punktionsnadel in die Haut bis zur Schilddrüse gestochen. Mittels Unterdrucks in der Spritze wird nun etwas Gewebe entzogen. Dieses wird dann auf einen Objektträger abgelegt. Danach erfolgt eine weitere Gewebeentnahme. Danach wird die kleine Wunde versorgt. Die Untersuchung ist kaum schmerzhaft, ähnlich einer Blutentnahme.
Die Gewebeproben werden nun ins Labor geschickt und dort von einem Pathologen untersucht. 

Auswertung einer Schilddrüsenbiopsie

Die Auswertung der Gewebeproben erfolgt durch einen Pathologen. Dieser untersucht die gewonnenen Zellen der Probe auf mögliche bösartige Merkmale. Das Ergebnis wird anhand der gefundenen Tumorzellen eingeteilt. Dabei wird unterschieden, ob Tumorzellen definitiv darstellbar sind oder weiterhin nur der Verdacht besteht. Zudem können auch gutartige Zellen zu finden sein.
In manchen Fällen ist auch eine immunzystochemische Färbung des Materials notwendig, bei der die verschiedenen Bestandteile der Probe unterschiedlich gefärbt werden. 

Folgende 5 Kategorien sind bei der Begutachtung einer Schilddrüsengewebeprobe zu unterscheiden:

  1. unzureichendes Probenmaterial 
  2. Tumorzellen nicht nachweisbar
  3. follikuläre Neoplasie unklarer Dignität (Veränderung der Zellen sind zu beobachten, wobei weder Gutartigkeit noch Bösartigkeit feststeht)
  4. Verdacht auf vorliegende Tumorzellen
  5. Tumorzellen sind nachweisbar

Die eindeutige Diagnosestellung erfolgt anschließend unter Berücksichtigung aller Untersuchungen (körperliche Untersuchung, Laborwerte, Biopsie, Bildgebung usw.).

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Wann sind die Ergebnisse der Schilddrüsenbiopsie da?

Je nach Auslastung des Labors, kann es unterschiedlich lange dauern, bis das Ergebnis wieder beim untersuchenden Arzt ankommt. Üblich sind etwa 1-3 Werktage nach der Probeentnahme. In seltenen Fällen kann es jedoch auch bis zu 2 Wochen dauern bis das endgültige Ergebnis da ist.

Im persönlichen Gespräch wird dann mit dem Patienten zusammen das Ergebnis besprochen und gegebenenfalls die Therapieplanung begonnen.

Welche Risiken gibt es bei der Schilddrüsenbiopsie?

Die Schilddrüsenbiopsie ist eine komplikationsarme Untersuchung. Trotzdem können einige Risiken auftreten, über die der Patient vorher aufzuklären ist.

Mögliche Komplikationen können sein:

  • mäßige Schmerzen
  • eine Schwellung im Bereich der Probeentnahme
  • leichte Blutung
  • selten: Infektionen und Entzündung.

Patienten, die blutverdünnende Medikamente (sogenannte Antikoagulanzien) einnehmen, sollten dies vor dem Eingriff mit dem behandelnden Arzt besprechen. Eventuell muss die Einnahme pausiert oder kurzfristig auf ein anderes Arzneimittel umgestellt werden, um das Blutungsrisiko zu senken.

Ist die Schilddrüsenbiopsie schmerzhaft?

Die Untersuchung ist eher schmerzarm und ähnelt einer Blutentnahme. Wer schon einmal Blut gespendet hat geimpft wurde kennt die leichten Schmerzen. Die Untersuchung ist so schmerzarm, dass sie keine lokale Betäubung benötigt.

Dauer der Schilddrüsenbiopsie

Die Schilddrüsenbiopsie ist eine sehr schnelle Untersuchung. Sie dauert in der Regel nicht länger als 15-30 Minuten. In der Regel sind jedoch mehrere Termine notwendig.

Wird die Untersuchung ambulant durchgeführt ist ein Termin für die Blutuntersuchung und Aufklärung vorgesehen. Am nächsten Tag erfolgt die Gewebeentnahme und ein weiterer Termin ist für das persönliche Gespräch und die Ergebnismitteilung durch den Arzt vorgesehen.

Welche Alternativen zur Schilddrüsenbiopsie gibt es?

In früheren Jahren wurden Gewebeproben mittels einer Stanze oder durch einen Schnellschnitt im OP entnommen. Diese Eingriffe liefen jedoch mit höheren Kosten und mehr Risiken, wodurch sie heute nur noch selten verwendet werden. In manchen Fällen wird eine Probe der Schilddrüse im OP entnommen, wenn zufällig gerade an der Schilddrüse operiert wird. 

Andere Alternativen sind bildgebende Verfahren. Ein guter Ultraschall kann bei einigen Befunden ausreichen. Auch eine Röntgenuntersuchung oder eine MRT kann Aussagen zum Gewebe der Schilddrüse machen. In allen Fällen sollte eine Blutuntersuchung auf Schilddrüsenparameter (TSH, T3, T4) erfolgen, um Aussagen über die Aktivität der Schilddrüse machen zu können.
Häufig erfolgt zudem eine sogenannte Szintigraphie. Dabei wird dem Körper radioaktives Technetium gespritzt, welches die Zellen der Schilddrüse aufnehmen. Durch diese Untersuchung kann zwischen kalten und heißen Knoten unterschieden werden. Heiße Knoten haben eine hohe Stoffwechselaktivität. Sie besitzen sehr viele Zellen, die alle Technetium ansammeln. Demnach leuchten diese in der Untersuchung stärker auf als kalte Knoten.
Dies sind alles Untersuchungsmethoden die einen Verdacht auf einen Tumor verstärken können. Oftmals ist eine Schilddrüsenbiopsie jedoch die einzige Methode zur definitiven Sicherung der Diagnose. 

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Kosten einer Biopsie der Schilddrüse

Die Schilddrüsenbiopsie ist eine sehr kostengünstige Untersuchung. Die Untersuchung selbst bedarf nicht vieler Materialien. Da sie mittlerweile routinemäßig durchgeführt wird sind auch die Kosten im Labor gering. Genaue Zahlen schwanken je nach Eingriff. Allerdings werden die Kosten bei richtiger Indikationsstelle in den meisten Fällen von der Krankenkasse übernommen

Autor: Dr. Gumpert
Veröffentlicht: 12.12.2019 - Letzte Änderung: 02.07.2021
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