Recurrensparese

Synonyme

Stimmbandlähmung, Stimmlippenlähmung, Dysphonie
Englisch: vocal cord paresis/paralysis

Definition

Die Recurrensparese (Stimmband- oder Stimmlippenlähmung) bezeichnet die Schwäche oder den Ausfall der Kehlkopfmuskulatur und der Stimmbänder infolge einer Schädigung des Stimmbandnerven (Nervus laryngeus recurrens).

Der Begriff setzt sich aus dem Namen des Nervens (Nervus laryngeus recurrens), der geschädigt ist, und dem griechischen Begriff für Lähmung (Parese), zusammen.

Einleitung

Die Stimmlippen oder Stimmbänder gehören zum stimmbildenden Apparat des Kehlkopfes.
Es setzt sich zusammen aus:

  • einem linken und
  • einem rechten Stimmband.

Durch den Nervus laryngeus recurrens werden Bewegungsanweisungen an die innere Kehlkopfmuskulatur gegeben, was wichtig für die Stimmbildung ist.

Der Nervus laryngeus recurrens hat seinen Namen aufgrund seines speziellen anatomischen Verlaufes, da er zuerst den Halsbereich bis in den Brustkorb verlässt, dann aber kehrt macht und zum Kehlkopf zurückkommt (von lateinisch: recurrere).

Bei der Stimmbildung (Phonation) werden die von der Kehlkopfmuskuslatur entsprechend vorgespannten Stimmbänder aus der Lunge angeblasen, in Schwingungen versetzt und erzeugen so die Stimme eines jeden einzelnen.

Fällt einer dieser Nerven aus, so können die Stimmbänder nicht mehr adäquat vorgespannt werden und somit auch nicht richtig in Schwingungen gebracht werden. Tritt dies auf, so kann es zu typischen Symptomen einer Recurrensparese kommen.
Diese entstehen dadurch, dass sich die Stimmbänder für eine einwandfreie Stimme bis auf wenige Millimeter annähern müssen, gleichzeitig aber auch bei der Atmung soweit wie möglich voneinander entfernt sein müssen, damit Luft ungestört ein- und ausgeatmet werden kann. Diese beiden wichtigen Funktionen sind bei einer Recurrensparese gestört.

Lesen Sie mehr zum Thema: Stimmlippenlähmung links oder rechts


Symptome

Bezüglich der Symptome einer Recurrensparese muss man zwischen einer einseitigen und einer beidseitigen Recurrensparese unterscheiden, je nachdem, ob nur ein oder gleich beide Stimmbänder durch die Nervenschädigung ausfallen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Stimmlippenlähmung

Bei der einseitigen Recurrensparese durch den Ausfall des Stimmnervs auf dieser Seite steht das Stimmband auf der betroffenen Seite in der sogenannten Paramedianstellung. Dies bedeutet, dass die Beweglichkeit dieses Stimmbandes eingeschränkt ist. Durch diese Fehlstellung kann es bei den betroffenen Patienten zu einer mäßig ausgeprägten Heiserkeit sowie eines Lautstärkeverlusts in der Stimme kommen. Häufig verlieren die Patienten auch die Fähigkeiten, zu schreien oder zu singen.

Bei der beidseitigen Recurrensparese, also einem Ausfall der kompletten Kehlkopfmuskulatur kommt es zu schwerwiegenderen Symptomen.
Die Patienten klagen unter anderem über:

  • Atemnot,
  • starke Heiserkeit sowie
  • Stridor, was ein starkes Zischen oder Pfeifen beim Atmen bezeichnet.

Die Atemnot entsteht dadurch, dass beide Stimmlippen in der sogenannten Paramedianstellung stehen und dadurch das Fenster für ein- und ausströmende Luft soweit verkleinern, dass es zu Atemnot kommen kann.
Zusätzlich wird der Abtransport von Schleim aus den Bronchien und der Lunge durch die enge Stellung der Stimmbänder erschwert, sodass es in der Folge häufiger zu viralen und bakteriellen Infektionen kommen kann.

Lesen Sie mehr zum Thema: Heiserkeit

Ursachen

Da der Nerv in direkter Nähe zur Schilddrüse (Glandula Thyroidea) verläuft, ist die Operation an der Schilddrüse, zum Beispiel wegen eines Tumors oder eines Strumas, die häufigste Ursache für eine Recurrensparese.

Allerdings kann es auch zu einer Recurrensparese kommen durch:

  • einen großen Schilddrüsentumor,
  • durch ein Tumor aus einem anderen benachbarten Bereich,
  • durch eine Metastase oder
  • durch eine Virusinfektion mit Beteiligung der Nerven.

Generell gelten alle operativen Eingriffe im Hals- und Schilddrüsenbereich, wie beispielsweise Operationen an der Halswirbelsäule oder aber auch Operationen am Herzen, als Risiko für eine Recurrensparese.

Seltener Ursachen für eine Recurrensparese können auch eine große Aussackung in der Hauptschlagader (Aortenaneurysma), Parkinson sowie verschiedenen Formen von Nervenentzündungen (Neuritis) sein. Neben diesen Ursachen gibt es auch Medikamente, die als Nebenwirkungen Symptome machen können, die einer Recurrensparese ähnlich sein können.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt meisten durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder den Phoniater, die aufgrund der klassischen Befunde wie Heiserkeit und Atemnot die Stellung der Stimmlippen in einer Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie) überprüfen können. Dadurch kann sich vergewissert werden, ob die Beschwerden auf eine Stimmbandlähmung zurückzuführen sind oder andere Gründe möglich sein können.

Therapie

Auch bei der Therapie muss zwischen einer einseiten und einer beidseitigen Recurrensparese unterschieden werden.

Bei einer einseiten Recurrensparese kann die volle Stimmbildungsfähigkeit häufig bereits durch gezieltes Stimmtraining wieder hergestellt werden.

Bei einer beidseitigen Recurrensparese steht bei der Therapie in der Regel die Beseitigung der Atemnot im Vordergrund. Häufig muss daher ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) gemacht werden und anschließend ein Atemstück (Tracheostoma) in diesen Schlitz gesetzt werden, damit der Patient besser atmen kann.
In dieses Tracheostoma kann eine Sprechkanüle eingesetzt werden, sodass sich der Patient trotz vollständiger Recurrensparese wieder verständigen kann.

Ist der Stimmbandnerv nur teilweise geschädigt, so kann die Nervenfunktion durch gezielte Elektrostimulation wieder hergestellt werden. Tritt nach einem Jahr keine Besserung der Funktion auf, so ist eine Operation indiziert, um die dauerhafte Verwendung eines Tracheostomas wegen Infektionen zu vermeiden. Bei den dann möglichen Operationen wird die Stimmritze operativ durch einen Laser erweitert, sodass die Atmung wieder leichter fällt und das quälende Gefühl der Atemnot verschwindet.

Lesen Sie mehr zum Thema: Therapie bei einer Stimmlippenparese

Prophylaxe und Prognose

Da die Recurrensparese besonders häufig bei Operationen auftritt, ist besonders große Vorsicht und die Expertise des Operateurs entscheidend für die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient nach der Operation an einer Recurrensparese leidet.

Heute können viele Schädigungen dadurch vermieden werden, dass während der Operation eine genaue Überwachung der beiden Nervi laryngei recurrens (Neuromonitoring) stattfindet, sodass der Operateur sofort durch ein akustisches Signal bemerkt, wenn er dem Nerven zu nah kommt.

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Qualitätssicherung durch: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 02.11.2017
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