Carbimazol

Einleitung

Carbimazol ist ein Medikament, das bei einer Überfunktion der Schilddrüse eingesetzt wird. Eine solche Überfunktion kann unterschiedliche Auslöser haben und sich durch verschiedene Symptome äußern.

Zu den Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion gehören:

Carbimazol wird zur Gruppe der „Thyreostatika“ gezählt, was übersetzt in etwa „Hemmer der Schilddrüse“ bedeutet. 

Der Einsatz von Thyreostatika – also auch von Carbimazol – kann verschiedene Ziele haben: beim Morbus Basedow, einer relativen häufigen Erkrankung des Immunsystems, die eine Überfunktion der Schilddrüse auslöst, werden Thyreostatika eingesetzt, bis sich die Erkrankung von selbst zurückbildet. Vor verschiedenen Operationen muss eine Überfunktion der Schilddrüse mithilfe von Thyreostatika behandelt werden, um Probleme während der Operation unwahrscheinlicher zu machen.

Sehr häufig werden Thyreostatika eingesetzt, um die Schwere der Symptome einer Schilddrüsen-Überfunktion zu verringern, bis diese endgültig durch eine Operation (bspw. die Entfernung der Schilddrüse oder eine Behandlung mit radioaktivem Iod) behandelt wird. Nur selten, z.B. wenn Patienten aufgrund von anderen Erkrankungen nicht operiert werden können, werden Thyreostatika als dauerhafte Behandlungsform der Schilddrüsen-Überfunktion genutzt.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Therapie der Schilddrüsenüberfunktion


Wirkung

Carbimazol wird als Tablette eingenommen und entfaltet seine Wirkung an der Schilddrüse. Es hemmt dort die Produktion der Schilddrüsenhormone Thyroxin und Triiodthyronin. Dazu wird es nach der Aufnahme im Magen-Darm-Trakt zunächst in seine wirksame Form Thiamazol umgewandelt.

Die Schilddrüse benötigt zur Herstellung der Hormone Iod, das über bestimmte Enzyme in die Hormonstufen eingebaut wird. Die Schilddrüsenhormone haben Einfluss auf viele Körperfunktionen beispielsweise den Wärme- und Energiehaushalt sowie den Stoffwechsel. Normalerweise unterliegt die Schilddrüse einer genauen Regulierung in ihrer Funktion durch den Körper. Bei manchen Schilddrüsenerkrankungen sind diese Regulationsmechanismen gestört und es kommt zu einer Überproduktion von Schilddrüsenhormone und damit zu einer Überfunktion. Diese kann sich durch eine Vielzahl von Symptomen wie Zittern, innere Unruhe, Herzrasen und Wärmempfindlichkeit äußern.

Carbimazol (bzw. Thiamazol) hemmt nun direkt die Enzyme der Schilddrüse, die den Einbau von Iod in die Schilddrüsenhormone ermöglichen. Dadurch können weniger wirksame Hormone produziert werden und die Überfunktion wird bekämpft. Bei einer ausreichenden Dosierung verschwinden nach einigen Tagen auch die dazugehörigen Symptome. Wenn Carbimazol zu hoch dosiert ist, kann es durch eine zu starke Hemmung der Schilddrüsenfunktion entsprechend auch zu einer Unterfunktion kommen. Entgegengesetzt zur Überfunktion sind typische Symptome dabei Müdigkeit, Frieren und Gewichtszunahme.

Die Wirksamkeit wird außerdem davon beeinflusst, wie viel Iod sich im Körper befindet. Bei Iodüberschuss wirkt es schlechter, bei Iodmangel dagegen besser.

Carbimazol und Alkohol

Carbimazol zählt zu den Medikamenten, bei denen es zu keiner direkten Wechselwirkung mit Alkohol kommt. Vorsicht ist allerdings aufgrund der Tatsache geboten, dass Carbimazol häufig bei der Schilddrüsenerkrankung Morbus Basedow verordnet wird. Leidet man an dieser Erkrankung, verträgt man Alkohol häufig sehr schlecht und dieser kann die Erkrankung negativ beeinflussen. Carbimazol und Alkohol vertragen sich zwar grundsätzlich, aufgrund der der Behandlung zugrunde liegenden Erkrankung sollte es allerdings vermieden werden, Alkohol zu in größeren Mengen zu konsumieren.

Nebenwirkungen

Carbimazol kann verschiedene Nebenwirkungen auslösen.
Bei Überdosierung von Carbimazol kann es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse mit folgenden Symptomen kommen:

Weiterhin kann eine allergische Reaktion auf das Medikament auftreten, bei der es unter anderem zu Hautveränderungen, Fieber, Schwindel, Kopfschmerzen, Durchfall und geschwollenen Gelenken kommen kann. Die schwerste und gleichzeitig sehr seltene Nebenwirkung ist die sogenannte „Agranulozytose“, bei der die Anzahl an bestimmten Abwehrzellen im Blut vermindert ist. Die Agranulozytose führt zu Fieber, Absterben von verschiedenen Bereichen der Haut und Schleimhäuten sowie zur Anfälligkeit für Infektionskrankheiten.

Nebenwirkung an den Augen

Nebenwirkungen an den Augen sind bei einer Therapie mit Carbimazol nicht zu erwarten. Stellt man Veränderungen an den Augen wie Sehstörungen oder ein Hervortreten der Augen fest, so hat dies eine andere Ursache und es sollte ein Augenarzt aufgesucht werden. Patienten, die aufgrund eines Morbus Basedow (eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse) mit Carbimazol therapiert werden, können solche Beschwerden an den Augen entwickeln. Dabei ist die Ursache aber die Erkrankung selbst. Es handelt sich um keine Nebenwirkung von Carbimazol, auch wenn ein zeitlicher Zusammenhang zu Einnahme besteht. Das Medikament sollte deswegen auch nicht einfach abgesetzt werden.

Nebenwirkungen an der Haut

Wenn es bei einer Carbimazoltherapie zu Nebenwirkungen kommt, dann am häufigsten an der Haut. Bei etwa einem von zehn behandelten Patienten kommt es vorrübergehend zu einem meist leicht ausgeprägten Hautausschlag, Juckreiz, Rötung und Quaddelbildung (kleine punktuelle Wasseransammlungen in der Haut wie nach Brennnesselkontakt). Es handelt sich um eine allergische Reaktion des Körpers. Treten solche Beschwerden auf, sollte zeitnah sollte eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen und dieser gegebenenfalls aufgesucht werden. Dieser wird über das weitere Vorgehen und eine mögliche Änderung der Therapie beraten können. Alternativ kann auch ein Besuch beim Hausarzt erfolgen.

Nebenwirkung Haarausfall

Haarausfall ist keine Nebenwirkung von Carbimazol oder anderen Medikamenten aus der Gruppe der Thyreostatika (dazu zählt auch Thiamazol). Tritt im zeitlichen Zusammenhang mit dem Beginn einer Carbimazolbehandlung Haarausfall auf, so muss eine andere Ursache vorliegen. Am häufigsten handelt es sich um eine genetisch oder hormonell bedingte Störungen. Möchte man den Beschwerden nachgehen, sollte man gegebenenfalls einen Hautarzt aufsuchen. Carbimazol sollte weiter eingenommen werden.

Nebenwirkungen der Psyche

Carbimazol wirkt an der Schilddrüse. Auf das Gehirn und auf die Psyche nimmt es keinen Einfluss. Psychische Veränderungen oder Erkrankungen sind also nicht auf Carbimazol zurückzuführen sondern können eine andere Ursache haben. Stellt man Veränderungen wie Antriebslosigkeit oder einen Verlust von Freude im Leben fest, sollte man sich Hilfe holen. Erster Ansprechpartner kann der Hausarzt sein. Ohne ärztliche Rücksprache sollten Carbimazol und alle anderen verordneten Medikamente nicht abgesetzt werden.

Dosierung

Die angemessene Dosierung von Carbimazol kann von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Der Arzt muss verschiedenste Faktoren berücksichtigen und anhand derer eine individuell abgestimmte Dosierung festlegen.

Bei einer Überfunktion wird oft zunächst eine höhere Dosierung gewählt, um eine Normalfunktion zu erreichen. Um diese zu erhalten und einen Rückfall zu verhindern, wird dann meist auf eine niedrigere Erhaltungsdosis gewechselt. Durch eine Kontrolle der Schilddrüsenfunktion über die Bestimmung der Schilddrüsenhormone im Blut stellt der Arzt fest, ob die Dosierung richtig ist oder zu hoch oder zu niedrig angesetzt wurde. Gegebenenfalls wird diese dann korrigiert, bis eine optimale Einstellung gefunden wurde.

5 mg Tabletten

Tabletten mit 5 mg Carbimazol als Wirkstoff sind eher niedriger dosiert. Sie werden vor allem verordnet, wenn eine Normalfunktion der Schilddrüse durch höher konzentriertes Carbimazol bereits erreicht wurde und man diese beibehalten will. Die angemessene Wirkstoffmenge, die ein Patient für eine normale Schilddrüsenfunktion braucht ist jedoch sehr unterschiedlich und von vielen Faktoren abhängig.

10 mg Tabletten

Carbimazol mit einem Wirkstoffgehalt von 10 mg ist verhältnismäßig hoch dosiert und wird vor allem zum Beginn der Behandlung einer Überfunktion eingesetzt. Wenn dadurch eine Normalfunktion wiederhergestellt, wird meist auf eine niedrigere Dosierung zur Erhaltung gewechselt. Besteht die Überfunktion unter 10 mg allerdings fort beziehungsweise lässt sich eine normale Schilddrüsenfunktion nicht erreichen, wird die Dosierung auch länger beibehalten oder gegebenenfalls sogar noch erhöht.

Indikation

Carbimazol wird eingesetzt, um die Schilddrüsenfunktion zu hemmen. Daher ergeben sich die Indikationen grundsätzlich bei allen Erkrankungen, die zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen.

Dazu zählt zum einen der Morbus Basedow. Bei dieser sogenannten Autoimmunerkrankung produziert der Körper bestimme Eiweiße (Antikörper), die an der Schilddrüse andocken und das Signal geben, so viele Schilddrüsenhormone wie möglich zu produzieren. Beim Morbus Basedow wird durch die Behandlung mit Carbimazol in der Regel eine Heilung angestrebt, die in etwa 50% der Fälle auch erreicht wird. Bei ausbleibenden Erfolg wird meist eine andere Therapie wie zum Beispiel die Operation empfohlen.

Eine weitere Erkrankung, die zur Überfunktion führt und bei der eine Indikation für Carbimazol vorliegen kann, ist die Schilddrüsenautonomie. Hierbei hat sich Schilddrüsengewebe von den Kontrollmechanismen des Körpers losgelöst und produziert ungehemmt Schilddrüsenhormone. Bei der Schilddrüsenautonomie wird durch eine Carbimazolbehandlung keine Heilung erreicht. Die Therapie kann aber zur Überbrückung erfolgen, bis zum Beispiel eine Operation erfolgt.

Weitere Indikationen für Cabimazol sind die Vorbereitung der Schilddrüse für eine OP sowie die Vorbeugung einer Überfunktion, wenn iodhaltiges Kontrastmittel für eine radiologische Untersuchung gegeben werden soll.

Carbimazol in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaft ist eine Behandlung mit Carbimazol grundsätzlich möglich und zum Teil sogar zu empfehlen. Liegt eine Schilddrüsenüberfunktion der Mutter vor, kann dies auch gefährliche Folgen für das ungeborene Kind haben und sogar zur Fehlgeburt führen.

Bei der Autoimmunerkrankung Morbus Basedow können die für die Erkrankung verantwortlichen Antikörper sogar in das Blut des Kindes übertreten und dort ebenfalls zur Überfunktion führen. Auf der anderen Seite hat auch Carbimazol auf das Kind einen Einfluss und kann zur Unterfunktion führen. Deswegen sollte die Dosierung in der Schwangerschaft so gering wie möglich gewählt werden und Nutzen und Risiko einer Therapie abgewogen. In der Regel wird die Behandlung einer Überfunktion während der Schwangerschaft dann empfohlen. Meistens wird dabei nicht Carbimazol sondern das zur gleichen Medikamentengruppe gehörende Propylthiouracil bei Schwangeren verschrieben.

Gegenanzeichen

Carbimazol sollte nicht eingenommen werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegenüber einem der Inhaltsstoffe der Tabletten bekannt ist.

Ebenfalls sollte bei einer krankhaften Veränderung des Blutbildes mit einem Mangel an Abwehrzellen (Granulozytopenie) das Medikament nicht verwendet werden.

Ein Gallenleiden, bei dem Abfluss der Galle gestört ist, wie bei manchen Menschen mit Gallensteinen, spricht ebenfalls gegen eine Behandlung mit Carbimazol. Carbimazol wird über die Galle ausgeschieden und kann bei Störung des Abflusses der Gallenflüssigkeit gegebenfalls zu lange im Körper verbleiben.

Eine stark vergrößerte Schilddrüse (Kropf oder auch Struma genannt), die die Luftröhre einengt, kann eventuell gegen eine Einnahme des Medikaments sprechen.

Kein klares Gegenanzeichen ist dagegen eine Schwangerschaft oder wenn eine Patientin aktuell stillt. Im Einzelfall muss der Arzt abwägen, ob Carbimazol verordnet wird. Gegebenenfalls geschieht dies trotz möglicher Gegenanzeichen, wenn die Vorteile einer Therapie überwiegen.

Wirkstoff und Wechselwirkungen

Bei Carbimazol handelt es sich zugleich um die Bezeichnung des Wirkstoffs sowie den Handelsnamen des Medikaments. Über mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sollte der behandelnde Arzt informieren. Wie bei allen Medikamenten können diese auch bei Carbimazol auftreten. Grundsätzlich ist es wichtig, dem Arzt immer alle Medikamente zu nennen, die eingenommen werden. Dazu zählen auch rezeptfreie und pflanzliche Präparate wie zum Beispiel Johanniskraut oder auch Vitaminzusätze. Zu beachten ist auch, dass die Wirkung von Carbimazol in Abhängigkeit von der mit der Nahrung erfolgten Iodaufnahme verstärkt (Iodmangel) oder vermindert (Iodüberschuss) sein kann.

Preise

Wenn eine Indikation für eine Behandlung mit Carbimazol besteht und der Arzt ein Rezept ausstellt, werden die Kosten in der Regel durch die Krankenversicherung übernommen. Das gilt sowohl für gesetzliche als auch für private Versicherungen. Kauft man das rezeptpflichtige Medikament in einer Onlineapotheke liegen die Preise für 100 Tabletten etwa zwischen 15 und 20 Euro. Niemals sollte Carbimazol ohne ärztliche Anordnung eingenommen werden.

Alternativen zu Carbimazol

Alternativen zu Carbimazol sind grundsätzlich ähnliche Medikamente aus der Gruppe der Thyreostatika wie Thiamazol oder Perchlorat. Wer Thyreostatika nicht verträgt, Gegenanzeichen aufweist oder das Medikament aus anderen Gründen nicht einnehmen möchte oder darf, hat verschiedene Alternativen.

Zum einen kann eine sogenannte Radiojodtherapie durchgeführt werden. Dabei erfolgt die Zerstörung der erkrankten Schilddrüse oder Teile davon durch eine gezielte Bestrahlung von innen. Zum anderen führt eine operative Entfernung der Schilddrüse zu einer Heilung der Erkrankung und stellt damit eine mögliche Alternative zur Behandlung mit Carbimazol dar. Allerdings müssen in der Folge lebenslang Schilddrüsenhormone als Tabletten eingenommen werden.

Eventuell kommt auch eine Behandlung mit Betablockern infrage. Sie lindern einige Beschwerden der Überfunktion wie innere Unruhe und Herzrasen. Es handelt sich allerdings um eine sogenannte symptomatische Therapie, das heißt es werden die Symptome behandelt, aber nicht die Ursache.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema Carbimazol finden Sie hier:

Alle Themen zu den verschiedenen Medikamenten unter Medikamente A-Z.

Haftungsausschluss/ Disclaimer

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 31.03.2017
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