Augentropfen

Definition Augentropfen

Wässrige oder ölige Arzneimittel zur Anwendung am Auge werden als Augentropfen (Oculoguttae) bezeichnet. Die Tropfen werden in in den Bindehautsack eingetropft und so kann der enthaltene Wirkstoff des Arzneimittels lokal wirken.

Anwendungsgebiete von Augentropfen

Typischerweise werden Augentropfen bei der Behandlung von folgenden Beschwerden angewandt:

Arten von Augentropfen

Augentropfen helfen bei trockenen Augen.

1. Nicht-verschreibungspflichtige, befeuchtende Augentropfen

(= „künstliche Tränen) (z.B. Hyaluronsäure)

Die nicht-verschreibungspflichtigen Augentropfen verschaffen kurzzeitige Linderung für trockene Augen, bei denen keine ernsthafte Erkrankung vorliegt.

Trockene Augen können durch

  • Schlafmangel
  • langes Arbeiten am Computer
  • Fernsehschauen oder
  • Aufenthalt in Räumen mit geringer Luftfeuchtigkeit

entstehen.

Augentropfen, die mit Konservierungsmitteln versetzt sind, verhindern zwar eine Ausbreitung von Bakterien und können auch nach Anbruch eine Zeit lang weiter verwendet werden, jedoch kann es zu allergischen Reaktionen und Überempfindlichkeit auf diese Konservierungsstoffe kommen. Der Großteil der konservierungsmittelfreien Augentropfen ist jedoch nur in Dosen zur Einmalnutzung erhältlich, um Bakterienwachstum zu vermeiden.

2. Nicht-verschreibungspflichtige Augentropfen gegen Rötungen

(z.B. Euphrasia officinalis, Tetryzolin)

Die zweit häufigste Art von rezeptfreien Augentropfen sind die, die bei Schwellungen oder Rötungen verwendet werden können. Diese Rötung kann als Folge von Reizung durch

  • mangelnde Befeuchtung der Augenoberfläche und dadurch vermehrte Reibung des Augenlids
  • Allergien
  • ein allgemein trockenes Klima
  • Müdigkeit

auftreten.

Abschwellende Augentropfen lindern die Rötung durch das Zusammenziehen der Blutgefäße des Auges. Daher können diese Tropfen nur bis zu einem gewissen Grad helfen und oft erfolgt eine Gewöhnung an die Wirkstoffe, sodass das Auge nach einigen Anwendungen nicht mehr so gut darauf anspricht.
Übermäßig verwendet können die Augentropfen auch zu einer Pupillenerweiterung führen.

Augentropfen enthalten zumeist entzündungshemmende Stoffe.

3. Antiallergische Augentropfen

(z.B. Levocabastin, Antazolin, Tetryzolin)

Meist ist eine Allergie die Ursache von Augenproblemen, wenn die Trockenheit und Rötung von Juckreiz und / oder Schwellung begleitet werden.

So schwer es auch ist, die juckenden Augen nicht zu reiben, so muss es doch vermieden werden, da sonst das Augengewebe noch zusätzlich gereizt wird.
Antiallergische Augentropfen werden häufig als Antihistaminika bezeichnet, was bedeutet, dass sie das Juckreiz vermittelnde Histamin (körpereigener Botenstoff bei allergischen Reaktionen) im Augengewebe reduzieren.

4. Rezeptpflichtige, entzündungshemmende Augentropfen

(z.B. Dexamethason, Fluorometholon)

Es gibt bei Entzündungen zwei verschiedene Arten von Augentropfen:

Kortikosteroide werden verwendet, um Entzündung der Regenbogenhaut (Iritis) oder Bindehaut (Konjunktiva) und / oder Hornhautentzündung zu behandeln. Diese Augentropfen sind verschreibungspflichtig, da sie starke Nebenwirkungen haben.

5. Rezeptpflichtige Antibiotika und antivirale Augentropfen

Virale oder bakterielle Bindehautentzündung kann mit speziellen Augentropfen behandelt werden.
Zu den Symptomen der bakteriellen Bindehautentzündung gehören

  • rote, entzündete Augen
  • klebriges, gelbliches, im Schlaf verkrustendes Sekret

Die Symptome der viralen Bindehautentzündung sind

  • rote, feucht aussehende Augen
  • klares bis weißen Sekret

Bakterielle Bindehautentzündung wird oft mit Antibiotika-Tropfen (z.B. Ofloxacin, Chloramphenicol) behandelt.

Mildere Formen der viralen Bindehautentzündung können auch durch regelmäßige Benetzung mit Augentropfen (z.B. Aciclovir )behandelt werden. Dabei muss jedoch strengstens darauf geachtet werden, einen Kontakt zwischen Fläschchen und Auge zu vermeiden, da sich der Virusbefall sonst ausbreitet.

6. Rezeptpflichtige Glaukom-Augentropfen

(z.B. okuläre Betablocker und Prostaglandin-Analoga)

Augentropfen, die speziell für die Behandlung des grünen Stars (Glaukom) entwickelt wurden, haben die Eigenschaft, die Tränenflüssigkeitsproduktion des Auges zu vermindern oder eine Entwässerung des Auges und somit einen Druckausgleich zu induzieren.
Aufgrund der schweren und irreversiblen Schäden, die durch unbehandelte oder falsch behandelte Glaukome entstehen können, ist eine medizinische Überwachung des grünen Stars absolut notwendig.

Häufige Nebenwirkungen, die durch die Verwendung von Glaukom-Augentropfen auftreten können, sind:

Weitere Arten von Augentropfen

Lokalanästhetika-Augentropfen zur lokalen Betäubung:

  • Cocain (Magistralrezeptur)
  • Oxybuprocain-Augentropfen
  • Proxymetacain

Mydriatika zur Pupillenerweitung:

  • Parasympatholytika: Atropin, Scopolamin
  • Sympathikomimetika: Cocain, Ephedrin, Phenylephrin

Desinfektionsmittel zur lokalen Desinfektion:

  • Hexamidin

Diagnostika zur Anwendung am Auge:

  • Fluorescein

Augentropfen gegen rote Auge

Gerötete Augen können viele verschiedene Ursachen haben. Um sie behandeln zu können, muss zunächst festgestellt werden, warum die Augen gerötet sind. Je nach Ursache können dann entsprechende Augentropfen angewendet werden, oder eine andere Behandlung eingeleitet werden. Dies entscheidet der Arzt.

Die Augen können gerötet sein, wenn sie sehr trocken sind, wenn also zu wenig Tränenflüssigkeit den Augapfel bedeckt. (siehe auch: trockene Augen) In diesem Fall sind Tränenersatzmittel als Augentropfen eine geeignete Option.
Auch aufgrund einer allergischen Reaktion können rote Augen auftreten. Hier ist die Verwendung von antiallergischen Augentropfen ratsam und führt zu einer Linderung der Symptome.

Bei einer bestehenden Bindehautentzündung sind die Augen ebenfalls gerötet. Die Bindehautentzündung kann verschieden Ursachen haben. Entweder ist sie auf äußere Reize, wie Zugluft, Rauch, Staub oder Fremdkörper zurückzuführen und kann mit künstlichen Tränen oder Euphrasia Augentropfen behandelt werden, oder aber sie ist auf bakterielle oder virale Erreger zurückzuführen.
Eine virale Bindehautentzündung bedarf in der Regel keiner speziellen Behandlung. Sie kann symptomatisch, also mit künstlichen Tränen oder Euphrasia Augentropfen behandelt werden.
Im Fall einer bakteriellen Bindehautentzündung ist oft ein Antibiotikum notwendig. Dies kann in Form von antibiotischen Augentropfen angewendet werden und führt zu einer Symptomlinderung und verhindert ein weiteres Ausbreiten der Bakterien.

Darüber hinaus können Hornhaut- oder Lidhaut-Entzündungen zu geröteten Augen führen. Auch eine Entzündung der Lederhaut oder der Iris können dies bedingen. Es sollte also auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, bevor Augentropfen irgendeiner Art bei geröteten angewendet werden, da eine ernsthafte Erkrankung dahinter stecken kann.

Lesen Sie mehr zum Thema: Augentropfen gegen gerötete Augen

Augentropfen gegen trockene Augen

Trockene Augen entstehen aufgrund von zu wenig Tränenflüssigkeit im Auge. Dann ist der Tränenfilm über dem Augapfel nicht ausreichend, um das Auge mit Flüssigkeit zu versorgen und es entsteht ein Brennen in den Augen und ein ständiges Fremdkörpergefühl im Auge. Dies kann durch eine zu geringe Tränenproduktion durch die Tränendrüse verursacht werden.

Gegen trockene Augen können Tränenersatzmittel als Augentropfen eingesetzt werden. Sie führen dazu, dass mehr Flüssigkeit im Auge ist und die Tränenflüssigkeit aufgefüllt wird. Tränenersatzmittel enthalten vor allem Wasser, aber auch synthetische Stoffe wie Polyacrylat, Povidon oder Polyvinylalkohol. Auch Hyaluronsäure als Flüssigkeitsspeicher kann enthalten sein.

Tränenersatzmittel sind in der Apotheke erhältlich. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass keine Konservierungsmittel enthalten sind. Durch die dauerhafte Einwirkung von Konservierungsstoffen auf das Auge können sowohl die Tränenflüssigkeit, als auch die Schleimhäute und die Hornhaut geschädigt werden. Da Tränenersatzmittel gegen trockene Augen in den meisten Fällen regelmäßig angewendet werden, besteht hier ein hohes Risiko der Schädigung.

Auch beim Tragen von Kontaktlinsen ist Vorsicht geboten. Manche Produkte vertragen sich nicht mit Kontaktlinsen, das sollte bei der Auswahl eines geeigneten Tränenersatzmittels beachtet werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Augentropfen gegen trockene Augen

Augentropfen bei Allergien

Bei Allergien gegen Polle oder Tierhaare sind häufig die Augen mitbetroffen. Diese sind dann gerötet, geschwollen und brennen oder jucken. Dagegen kann man effektiv mit Augentropfen vorgehen.

Ist die Allergie nicht sehr ausgeprägt, kann man versuchen die Symptome, also juckende oder brennende Augen, mit Euphrasia Augentropfen oder künstlichen Tränen zu lindern. Oft reicht dies aber nicht aus. Antiallergische Augentropfen sind in der Apotheke erhältlich. Es sollte darauf geachtet werden, dass Augentropfen ohne Konservierungsmittel angewendet werden, da diese die Schleimhäute auch bei langfristiger Anwendung schonen.

Eine allergische Reaktion wird im Körper durch die Freisetzung von Histamin aufgrund einer Überreaktion auf bestimmte äußere Reize (z.B. Pollen, Tierhaare) ausgelöst. Histamin führt dann zu den typischen Symptomen. Es gibt antiallergische Augentropfen mit verschiedenen Wirkstoffen. Sie beruhen auf der Hemmung der Histaminfreisetzung.
In vielen Präparaten ist Cromoglizinsäure enthalten. Diese Augentropfen sind eher vorbeugend einzunehmen, wenn noch keine allergischen Symptome aufgetreten sind. Darüber hinaus gibt es Augentropfen mit den Wirkstoffen Azelastin oder Tetryzolin. Diese wirken wesentlich schneller und lindern somit auch akut auftretende Beschwerden. Hier ist allerdings zu beachten, dass diese Präparate nur etwa 5 bis 7 Tage am Stück angewendet werden dürfen, da anderenfalls die Bindehaut geschädigt werden kann. Auch Cetirizin und Loratadin eignen sich als antiallergische Augentropfen.
Sie sind bei jeder Art von Allergie hilfreich und haben eine sehr gute Wirksamkeit. Allerdings kann es hier zu Müdigkeit führen.

Bei langfristig anhaltenden und stark ausgeprägten Allergien sollte über eine Hyposensibilisierung durch den Arzt nachgedacht werden, um die Beschwerden dauerhaft zu lindern.

Augentropfen bei einer Bindehautentzündung

Bei einer Bindehautentzündung ist das betroffene Auge geschwollen, gerötet und oft auch druckempfindlich. Eine Bindehautentzündung kann aufgrund verschiedener Ursachen entstehen. Sie kann allergisch bedingt sein, zum Beispiel bei Heuschnupfen. Je nach auftretenden Beschwerden können feuchtigkeitsspendende Augentropfen zu einer Besserung der Beschwerden führen. Hier können zum Beispiel sogenannte künstliche Tränen oder Euphrasia, auch bezeichnet als „Augentrost“, angewendet werden. Wenn diese nicht zu ausreichender Linderung führen, müssen mit dem Arzt alternative Behandlungsmethoden, wie etwa eine Desensibilisierung, besprochen werden.

Eine Bindehautentzündung kann auch durch äußere Reize, wie Zugluft, Rauch, Staub oder Fremdkörper hervorgerufen werden. Auch hier können feuchtigkeitsspendende Augentropfen die Beschwerden lindern.

Bei einer Bindehautentzündung aufgrund einer bakteriellen oder viralen Infektion können vom Arzt Augentropfen mit anderen Wirkstoffen verordnet werden. Beide erregerbedingten Arten der Bindehautentzündung sind ansteckend und sollten deshalb behandelt werden.
Wenn Bakterien der Auslöser sind, werden antibiotikahaltige Augentropfen oder aber Augensalben eingesetzt. Je nachdem, um welche Bakterien es sich handelt, können verschiedene Antibiotika eingesetzt werden.
Virale Bindehautentzündungen heilen meist von selbst wieder ab und bedürfen meistens nur symptomlindernde Augentropfen, wie Euphrasia oder künstliche Tränen. Ist die Bindehautentzündung aber durch Herpesviren hervorgerufen, so hilft die Gabe von Aciclovir.

Bei der Wahl der Augentropfen sollte immer ein Arzt um Rat gefragt werden, der die Ursache der Bindehautentzündung erkennen kann und eine dementsprechende Therapie einleiten kann.

Lesen Sie mehr zum Thema: Augentropfen gegen eine Bindehautentzündung

Herstellung und Vertrieb

Augentropfen sind nach Vorschrift des Europäischen Arzneibuchs (Ph. Eur.) steril herzustellen und dürfen als apothekenpflichtige Medikamente in Deutschland nur in Apotheken verkauft werden.

Entweder sind die Augentropfen in Einmalampullen aus Kunststoff oder aber in Fläschchen aus speziellem Glas (Braunglas) erhältlich. Die Augentropfen werden neben der industriellen Herstellung auch direkt in der Apotheke nach Rezeptur des verordnenden Augenarztes gemischt.

Augentropfen sollten einen physiologischen pH-Wert von 7,4 (Isohydrie) und einen osmotischen Druck aufweisen, der dem des Hornhautepithels entspricht (Isotonie) damit das Auge nicht unnötig gereizt wird.

Allerdings sind die meisten Wirkstoffe unter diesen pH-Bedingungen chemisch nicht stabil genug. Aus diesem Grund stellt man den pH-Wert der Augentropfen mit Laugen oder Säuren so ein, dass eine optimale Wirkstoffstabilität erreicht wird, der pH-Wert jedoch noch im physiologisch verträglichen (euhydrischen) Bereich liegt (ca. pH 7,3 bis 9,7).

Der pH-Wert wird nach dem Eintropfen in das Auge durch die Pufferwirkung der Tränenflüssigkeit auf den physiologischen pH-Wert angepasst.
Da die Pufferkapazität der sich in der Tränenflüssigkeit befindenden Eiweiß-/Phosphat- und Bicarbonatpuffer nur sehr klein ist, dürfen Augentropfen dann nicht selbst über eine Pufferkapazität verfügen.
Isohydrische Augentropfen können mit einem Puffer ausgestattet werden.

Weitere Informationen zum Thema Augentropfen

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.01.2017
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