Altersweitsichtigkeit

latein: Presbyopie

Synonyme im weiteren Sinne

Presbyopie, Alterssichtigkeit, Weitsichtigkeit, Fehlsichtigkeit, Brille, Dioptrien

Englisch: presbyopia

Definition Altersweitsichtigkeit

Mit zunehmendem Alter verringert sich die Elastizität der Linse, wodurch Ihre Brechkraft ebenfalls sinkt.
Durch diesen im Alter physiologischen Mechanismus, entsteht die Altersweitssichtigkeit.
Sie ist dadurch charakterisiert, dass man in der Nähe schlechter sieht. So fällt vor allem das lesen kleiner Schrift schwer.

Zusammenfassung

Die Altersweitsichtigkeit ist ein normaler Prozess, der jeden mit zunehmendem Alter betrifft. Er setzt etwa mit dem 40. Lebensjahr ein. Der Begriff Altersweitsichtigkeit ist eigentlich falsch, da keine Weitsichtigkeit im ursprünglichen Sinne vorliegt. Bei der Weitsichtigkeit nämlich, ist das Auge zu kurz. Die zunehmende Sehschwäche im Alter hat andere Ursachen.

Die Linse wird mit der Zeit weniger elastisch und kann sich schlechter abkugeln. Somit nimmt die Brechkraft ab und Dinge, die nah am Auge gelegen sind, können nicht mehr scharf gesehen werden. Abhilfe schaffen nur Lesebrillen.

Die Altersweitsichtigkeit ist ein langsam fortschreitender Prozess, der völlig physiologisch, also normal, ist und zum älter werden dazugehört.

Ursache der Altersweitssichtigkeit

Das Auge ist aus vielen einzelnen Bestandteilen zusammengesetzt.
Für das scharfe Sehen und dessen Pathomechanismus (Mechanismus, der eine Krankheit herbeiführt und durch den die Entstehung der Erkrankung erklärt werden kann) ist vor allem das Zusammenspiel von Linse und Hornhaut verantwortlich.
Die Linse ist ein Teil des Sehapparates des Auges. Sie ist bikonvex (an beiden Seiten nach außen gewölbt) und besteht hauptsächlich aus Proteinen und Wasser. Durch Änderung ihrer Wölbung kann die Brechkraft so verändert werden, dass Gegenstände in der Nähe (kurzsichtig) oder in der Ferne (weitsichtig) scharf gesehen werden.
Diesen Mechanismus bezeichnet man als Akkommodation. Um in der Nähe scharf zu sehen (beispielsweise beim Lesen) kugelt sich die Linse ab. Dieses Abkugeln mit zunehmender Wölbung beruht auf der Eigenelastizität der Linse.
Zum Sehen in der Ferne wird die Linse von an ihr ansetzenden Fasern in die Länge und Breite gezogen, also abgeflacht. Die Ernährung und Versorgung der Linse erfolgt durch das sie umgebende Kammerwasser, welches sich im Auge um die Linse herum befindet. Die Linse hat also keine Blutgefäße und ist komplett farblos und durchsichtig.

Bei der Altersweitsichtigkeit oder der Weitsichtigkeit ist nun dieser Vorgang des Abkugelns behindert bzw. eingeschränkt. Die Zunahme der Linsenwölbung kann umso stärker erfolgen, je elastischer die Linse ist. Diese Elastizität geht nun aber mit dem Alter verloren und führt somit zur sog. Altersweitsichtigkeit.
Der starre Kern der Linse wird größer, was sich zu Lasten der weichen Rinde vollzieht. So nimmt auch die Akkommodationsfähigkeit immer weiter ab. Dieser Vorgang setzt bereits bei Geburt ein, schreitet aber langsam voran. Bemerkbar macht sich die Altersweitssichtigkeit erst ab einer bestimmten eingeengten Breite der Akkommodationsfähigkeit.

Ab etwa dem 40. bis 50. Lebensjahr lässt sich dieser Prozess feststellen. Menschen mit einer schon im jüngeren Alter bestehenden Weitsichtigkeit bemerken diesen Prozess früher.

Symptome / Beschwerden

Altersweitsichtigkeit

Die Altersweitsichtigkeit äußert sich vor allem in der Tatsache, dass die betroffenen Patienten immer mehr Schwierigkeiten mit dem Lesen bekommen.
Bei einer beginnende Presbyopie (Altersweitsichtigkeit) wird das Lesen als anstrengend empfunden. Der zu lesende Text muss immer weiter vom Auge entfernt gehalten werden, um scharf gesehen zu werden. Es kann bei längerem Lesen ebenso ein dumpfes Druckgefühl im Bereich der Stirn oder den Augen entstehen, teilweise auch zu Kopfschmerzen führen.

Diagnose der Altersweitssichtigkeit

Diagnostiziert wird die Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) meist über die geäußerten Beschwerden des Patienten beim Lesen. Wird dann vom Augenarzt die Sehkraft überprüft, werden Mängel in der Nahsicht festgestellt.

Therapie Altersweitsichtigkeit

die Lesebrille als einzige Therapiemöglichkeit

Therapiert werden kann die Altersweitsichtigkeit nur mit einer Lesebrille. Die Gläser der Lesebrille sind so genannte Sammellinsen. Sie sind also auf mindestens einer Seite, manchmal auch auf beiden Seiten nach außen gewölbt (konvex).
Nach außen gewölbte Brillengläser bündeln die eintreffenden Lichtstrahlen. Somit helfen sie also dem Patient mit einer Altersweitsichtigkeit die fehlende Fähigkeit der Linse sich abzukugeln, auszugleichen. Diese Gläser bündeln die Strahlen schon bevor sie auf die Linse des Auges treffen. Sie helfen der „altersschwachen“ Linse also auch Nahes scharf zu sehen. Erfahren Sie mehr zum Thema Brille.

Altersweitsichtigkeit Lasern

Noch vor nicht allzu langer Zeit war bei der Altersweitsichtigkeit eine Behandlung mit dem Laser, wie es bei anderen Störungen der Akkomodation schon seit geraumer Zeit möglich ist, nicht von Erfolg gekrönt, da bei der Presbyopie eine Elastizitätsabnahme der Linse Ursache für die abnehmende Naheinstellungsfähigkeit des Auges ist.

Doch inzwischen werden auch in Deutschland Patienten mit Presbyopie mittels Laser-Verfahren behandelt, meist handelt es sich hierbei noch um Studien mit denen Erfahrungen gesammelt und Langzeitergebnisse zur Verfügung gestellt werden sollen, sodass der aktuelle Wissensstand auf nationaler Ebene noch keine Aussage über den längerfristigen Erfolg einer Laser-Operation bei Altersweitsichtigkeit zulässt.

Lesen Sie mehr zum Thema: Altersweitsichtigkeit Lasern

Altersweitsichtigkeit Kontaktlinsen

In der Regel ist die Therapie der Wahl bei der Alterweitsichtigkeit (Presbyopie) ersteinmal eine Lesebrille und zwar in Form einer Sammellinse, die die mangelnde Akkomodationsfähigkeit der Augenlinse aufgrund eines Elastizitätsverlusts möglichst gut auszugleichen vermag.

Doch auch Kontaktlinsen sind eine Möglichkeit, bei der Sehminderung Abhilfe zu schaffen.

Sowohl Patienten die zuvor normalsichtig waren als auch solche, die zuvor bereits weitsichtig oder auch kurzsichtig waren, können einer Presbyopie mittels Kontaktlinsen begegnen.
Hierbei müssen die benötigten Dioptrienwerte jeweils speziell berechnet werden.

Ansonsten gilt für das Tragen von Kontaktlinsen bei Presbyopie dasselbe wie bei allen anderen Störungen der Akkomodation auch: Wichtig ist, die passende Linse zu finden und einen hygienischen Umgang zu wahren damit das Tragen ein Komfort bleibt und das Auge nicht geschädigt wird.

Die Kontaktlinsen müssen bei noch fortschreitender Altersweitsichtigkeit hin und wieder neu angepasst werden, wenn der Betroffene merkt, dass er mit dem Sehen auf die Nähe wieder Schwierigkeiten hat.
Dies geschieht jedoch nicht rasch sondern meist eher langsam, sodass eine Neuanpassung alle (paar) Jahre oftmals ausreichend ist.

Was die Wahl zwischen harten und weichen Kontaktlinsen betrifft, so bleibt diese dem Betroffenen selbst überlassen.
Bei einer normalen Altersweitsichtigkeit können beide Typen von Kontaktlinsen Abhilfe schaffen, sodass es eine persönliche Entscheidung ist, welche Kontaktlinse einem eher zusagt und den besseren Tragekomfort verspricht.

Rehabilitation

Eine Rehabilitation ist leider nicht möglich, da die verlorene Elastizität der Linse nicht wieder zurück gewonnen werden kann. Eine gewisse Lesebrille kann Abhilfe schaffen.

Prophylaxe

Vorbeugend kann bei dieser Erkrankung nichts getan werden. Dieser Prozess ist altersbedingt und kann nicht aufgehalten werden.
Dem Verlust der Elastizität kann bis heute nicht entgegen gewirkt werden. Die Linse verliert ihre Fähigkeit sich Abzukugeln jeden Tag ab der Geburt ein Stückchen mehr. Glücklicherweise macht sich dieser kontinuierliche Fortgang erst spät bemerkbar. Bei einem normalsichtigen Patienten wirkt sich die nachlassende Elastizität erst ab dem 45. Lebensjahr auf den Alltag aus.

Prognose

Die Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) ist ein langsam fortschreitender und eigentlich normaler Alterungsprozess der Augen der auf einem Elastizitätsverlust der Augenlinse beruht.

Insofern kann über die Prognose einer Altersweitsichtigkeit gesagt werden, dass in der Regel keine Rückbildung oder Besserung bereits bestehender Symptome eintritt sofern sie nicht über das normale Maß des Alterungsprozesses hinausgehen.

Im Allgemeinen ist es jedoch so, dass die mangelnde Fähigkeit, auf die Nähe zu akkomodieren nicht unendlich zunimmt sondern früher oder später zu einem Halt kommt.

Die meisten älteren Menschen leben mit einer Weitsichtigkeit von etwa +1 bis +3 Dioptrien.
Bei einem zuvor Augengesunden Menschen beginnt die Altersweitsichtigkeit mit etwa 45 Jahren, sich langsam bemerkbar zu machen. So muss beispielsweise die Zeitung oder das Buch weiter weggehalten werden, damit ein scharfes Lesen möglich ist.

Ab einem gewissen Alter braucht praktisch jeder Mensch eine Lesebrille oder eine andere Korrektur, die bei der Naheinstellung, die das Auge allein nicht mehr bewerkstelligen kann, hilft.

Weitere Informationen zum Thema Altersweitsichtigkeit

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 02.10.2016
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