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Augenzucken

Einleitung

Beinahe jeder hat es schon mal bei sich beobachten können: Ein unregelmäßiges Zucken des Ober oder Unterlides, besser bekannt als Augenzucken. Von Zeit zu Zeit müssen wir uns mit diesem Phänomen, das nicht wirklich störend, aber doch ein bisschen nervend ist herumschlagen. Doch was ist die Ursache dafür, und wie kann man es wieder webgekommen, wenn es dann doch mal zu lange dauert? Für das Augenzucken gibt es eine Menge von Ursachen, die im überwiegenden Großteil der Fälle absolut harmlos sind. In seltenen Fällen kann es sich jedoch auch um schwerwiegendere Krankheiten handeln, die von einem Neurologen abgeklärt werden sollten.

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Anatomie

Um genau zu verstehen, was “Augenzucken“ eigentlich ist, sollte man zuerst die anatomischen Verhältnisse klären: Der Augapfel liegt in der knöchernen Augenhöhle. Zur Polsterung ist er von Fettgewebe umgeben, und dadurch weich eingebettet. Nach hinten hin läuft die Augenhöhle konisch (also wie bei einem Zylinder) zu, so dass am Ende nur noch eine kleine Öffnung für den Sehnervenaustritt bleibt. Nach vorne hin wird das Auge durch die Augenlider geschützt.
Die Augenlider bilden nach vorne hin einen Schutz- und Schließmechanismus. Im Augenlid ist eine Knorpelplatte eingewachsen, der sogenannte Lidknorpel. Er verhindert bei Schlägen oder stumpfen Gewalteinwirkungen eine Verletzung des darunterliegenden Augapfels, indem er die Kraft absorbiert und verteilt. Die Augenlider werden aktiv über den oberen und unteren Lidhebermuskel geöffnet. Der Augenschluss erfolgt durch den Musculus orbicularis oculi, oder auch Augenringmuskel genannt. Er liegt ringförmig um das Auge herum, und verengt die Augenöffnung bei Kontraktion.

Man kann dies sehr gut im Spiegel beobachten: Schließt man ein Auge, so stellt man fest, dass sich Ober- und Unterlid nicht senkrecht aufeinander zubewegen, sondern sich eher in einer leicht Kreisförmigen Bewegung aufeinander zuschieben. Das Zusammenspiel oben genannter Muskeln verursacht bei Fehlfunktion das Augenzucken.

Ursache für Augenzucken

Die häufigste Ursache für Augenzucken ist eine Überlastung im weitesten Sinne. Diese kann sowohl physischer, als auch psychischer Natur sein. Eine stressreiche Woche, oder ein Burnout Syndrom können genauso gut zu Augenzucken führen, wie schwere körperliche Betätigung, oder Sport. Vor allem im Sommer kann es durch starkes Schwitzen zu einem Ungleichgewicht im Salzhaushalt des Körpers kommen. Mit dem Schweiß werden auch Natrium, Kalium, und Chlorid ausgeschieden, Minerale, die der Körper zur Signalübertragung seiner Nervenimpulse dringend benötigt. Die Impulsweiterleitung der Nerven erfolgt beispielsweise über die feine Steuerung von Natrium/Kalium Kanälen. Diese Übertragung kann beeinträchtigt sein, wenn der Körper zu viel Flüssigkeit und Mineralien verloren hat. Die Impulse können nicht entsprechend weitergeleitet werden, es kommt zum Muskelzucken.

Da sowohl oberes, als auch unteres Augenlid durch Muskeln geöffnet werden, kommt es in Folge dessen zum Augenzucken. Ähnliches kann man dann übrigens auch an anderen Muskeln des Körpers beobachten, vor allem die Wadenmuskulatur zuckt nach langen Wanderung gerne mal. Neben dem Mineralienverlust können aber auch Stress und das sogenannte Burn-Out-Syndrom zu Augenzucken führen. Hier liegt eine Übererregbarkeit der Nerven zu Grunde, ganz ähnlich dem Sprichwort "die Nerven liegen blank". Durch ständige Nervenimpulse und zu wenig Schlaf, kommt es zu einer Übererregung der Nervenleitbahnen. Hier hilft nur beruflich und körperlich kürzer zu treten, da das Augenzucken bei weitem nicht das schlimmste Symptom ist, welches von einer dauerhaften Stressbelastung hervorgerufen wird. Ohnehin ist ein zuckendes Auge im Regelfall kein Symptom, über welches man sich übermäßig Sorgen machen müsste. Meist verschwindet es innerhalb von Minuten bis Stunden genauso plötzlich, wie es aufgetreten ist. Sollte es jedoch über längere Zeit (Tage) nicht abklingen, sollte ein Besuch beim Neurologen oder Hausarzt erfolgen. Neben oben genannten, leicht therapierbaren (mehr dazu unter "Therapie") Ursachen, kann ein Augenzucken dann auch auf einer schwerwiegenderen Erkrankung basieren.

Multiple Sklerose

In sehr seltenen Fällen kann Augenzucken auch bei der Multiplen Sklerose auftreten.
Bei dieser seltenen Erkankung des Nervensystems kommt es entzündungsbedingt zu einer fortschreitenden Abnahme der Nervenleitfähigkeit.
Der Sehnerv ist hiervon relativ häufig betroffen, was sich auch in einem Augenzucken außern kann.

Dies ist jedoch eher unwahrscheinlich: Zu den typischen Symptomen einer Sehnerventzündung gehören Einschränkungen im Sehvermögen selbst, wie Verschwommensehen oder Störungen im Farbensehen.

Es bleibt festzuhalten:
Das Auge ist bei einer Vielzahl der Fälle bereits in Frühstadien einer Multiplen Sklerose betroffen, Augenzucken ist hierfür jedoch eher untypisch - Dennoch liest man in einigen Internetforen und Informationsseiten gegenteiliges.

Bei vorliegendem Augenzucken ist die Multiple Sklerose lediglich eine Ausschlussdiagnose, also eine Diagnose, die erst gestellt wird, wenn alle anderen in Betracht kommenden Ursachen sicher ausgeschlossen wurden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Sehnerventzündung bei Multipler Sklerose

Augenzucken durch Alkoholkonsum

Eine weitere Ursache für Augenzucken kann erhöhter oder unverhältnismäßig langer Alkoholkonsum über Tage hinweg sein. Dabei handelt es sich in gewisser Weise ebenfalls um eine körperliche Belastungssituation, die von einer Entgleisung des Elektrolythaushaltes begleitet wird. Falls in den letzten Tagen ein hoher Alkoholkonsum stattgefunden hat, kann Augenzucken durchaus als Folge davon auftreten. Nicht nur auf Grund der zuckenden Augen ist es dann sinnvoll den Alkoholkonsum vorerst einzuschränken. Um die Symptome akut zu behandeln empfehlen sich Elektrolytlösungen wie Elotrans.

Diese sind zwar eigentlich für Elektrolytentgleisungen nach Durchfallerkrankungen gedacht. Allerdings liegt einem mehrtägigen Alkoholkonsum mitunter das gleiche Problem zu Grunde, eine übermäßige Ausscheidung von Elektrolyten.
Sollte es sich nicht um mehrtägigen sondern mehrjährigen starken Alkoholkonsum handeln, spricht man vom Alkoholismus. Für Alkoholiker ist ein Zucken nicht nur der Augen, sondern des gesamten Körpers (sogenannter Entzugs-Tremor) vor allem in den Entzugsphasen sehr typisch. Oftmals decken Alkoholiker ihren gesamten Kalorienbedarf über den Alkohol, und nehmen ansonsten keine Nahrung zu sich. So kommt es zum Vitamin B1- oder auch Thiamin-Mangel. Dieser zeigt sich ebenfalls durch Muskelzucken und Sensibilitätsverlust.

Auch die Augen können hiervon betroffen sein. Man kann das Zucken in diesem Fall wegbekommen, indem man Thiamin subsituiert. Das ist in diesem Fall sogar absolut überlebensnotwendig, da auf kurz oder lang ein Ausfall aller Muskeln - auch des Herzmuskels - entsteht. Der Entzugstremor ist dabei selbstlimitierend, gibt sich also meist innerhalb von einer Woche von selbst. Unterstützend kann das Medikament Distraneurin verabreicht werden. Um die Ursache zu bekämpfen ist jedoch ein abstinentes Konsumverhalten des Patienten unabdingbar.

Augenzucken durch die Schilddrüse

Augenzucken kann seine Ursache auch in einer Fehlfunktion der Schilddrüse haben. Die Schilddrüse ist ein circa 20 ml kleines Organ, welches im Bereich unter dem Kehlkopf liegt. Seine Hauptaufgabe ist die Produktion von Hormonen, genauer den Hormonen T3, und T4. Beide sind für den Energieumsatz im Körper, und gewissermaßen für den Antrieb zuständig. Eine übermäßige Produktion der Hormone T3 und T4 führen beispielsweise zu Nervosität, Schwitzen, Herzrasen, aber auch Muskelzucken. Von diesem Muskelzucken kann auch das Auge betroffen sein. Ein Augenzucken kann somit auch ein Anzeichen für eine Hyperthyreose, also eine Schilddrüsenüberfunktion sein. Allerdings müssen zur Diagnosestellung noch einige andere Fragen abgeklärt werden. Die einfachste Methode zur Abklärung einer Hyperthyreose ist die Diagnostik mittels "kleinem Blutbild". Dabei wird das Steuerhormon für die Hormone T3 und T4, das TSH gemessen. Ist es zu niedrig, spricht das für einen übermäßig hohen Spiegel der Hormone T3 und T4. Schließlich fährt der Körper bei hohen T3 und T4 Spiegeln die Produktion dieser Hormone runter, was eben über ein Absenken des TSH-Spiegels geschieht. T3 und T4 werden übrigens nicht direkt bestimmt, da ein Nachweis mehrere hundert Euro kosten würde, während die TSH Messung im Bereich weniger Euro liegt. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann bei Augenzittern vorliegen, muss allerdings nicht automatisch die Ursache sein. Man kann das Augenzittern in diesem Fall wegbekommen, indem man den T3 und T4 Spiegel senkt. Dies geschieht medikamentös durch die Einnahme entsprechender Präparate (sogenannte Thyreostatika), und ist eine relativ häufige und unkomplizierte Therapie. Eine Abklärung der TSH Werte in regelmäßigen Abständen muss allerdings im weiteren Verlauf durch den Hausarzt regelmäßig erfolgen.

Sonstige Ursachen

Sollte ein Fremdkörpergefühl im Auge auftreten, kann das Zucken auch von einer Verletzung der Hornhaut herrühren. Ursächlich kann hierfür jegliche übermäßige Beanspruchung des Auges sein. Typischerweise weißt die Hornhaut nach Kontakt mit Ästen oder kleinen Zweigen kleine Abschürfungen auf. Man spricht dann von einer sogenannten Erosio Cornae. Da die Hornhaut sich binnen weniger Tage wieder regeneriert, ist dies nicht weiter schlimm. Bis dahin kann es allerdings zur Rötung, Schmerzen, und einem vermehrten Blinzeln bzw. Zucken des Auges kommen. Andere Ursachen für eine Verletzung der Hornhaut können Schweißarbeiten ohne Schutzbrille sein (sogenannte „Verblitzung“), oder Kontakt mit Säuren oder Laugen, wie sie teilweise in Reinigungsmitteln enthalten sind. Letztere stellen allerdings einen absoluten Notfall da, und sollten sofort durch Spülung und Vorstellung bei einem Augenarzt behandelt werden. Es droht der Verlust des Augenlichtes. In der Abheil- oder stellenweise auch noch Akutphase kann es zu Augenzucken kommen, da das Auge ständigen Schmerzreizen ausgesetzt ist. Bei Verletzungen der Hornhaut hilft neben simplem Abwarten in Extremfällen auch eine kortisonhaltige Salbe, oder Bepanthen Salbe. Diese werden auf das Auge aufgetragen und beschleunigen den Heilungsprozess.

Therapie von Augenzucken

Für oben genannte Krankheitsbilder wurde die Therapie bereits erläutert. Grundsätzlich helfen Entspannung, eine ausgewogene vitaminreiche Ernährung und zur Akuttherapie Magnesium. Magnesium ist in Tabletten- oder Pulverform zur oralen Einnahme verfügbar, und in jeder Apotheke erhältlich. Als Entspannungsverfahren kommen Massage, Meditation oder Yoga in Frage. Prinzipiell sind hier der Fantasie keine Grenzen gesetzt, manchmal reicht auch schon ein Abend in der Badewanne. Bei der Ernährung ist vor allem frisches Obst, Gemüse und spurenelementreiche Kost zu empfehlen. Falls sie übermäßigen Stress im Verdacht haben, der Auslöser ihres Augenzuckens zu sein, hilft es auch beruflich kürzer zu treten, und nach Möglichkeit Urlaub zu nehmen. Es gilt zu bedenken, dass Augenzucken in einem Großteil der Fälle auf Stress zurückzuführen ist, und damit einhergehend auch Bluthochdruck und Arteriosklerose auftreten können. Diese Komorbiditäten stellen hohe Risikofaktoren für wesentlich gefährlichere Erkrankungen wie Hirnblutungen und Herzinfarkt dar.

Prognose

Im Normalfall verschwindet das Augenzucken binnen weniger Stunden bis maximal Tage. Sollte es länger bestehen, ist ein Gang zum Haus- oder Nervenarzt anzuraten. Bei Verletzungen des Auges, oder jeglichen Sehminderungen/ Beeinträchtigungen des Sehfeldes sollte sofort der Augenarzt konsultiert werden. Erkrankungen des Auges sind besonders bei schneller und akuter Verschlechterung sehr ernst zu nehmen, und haben oft eine schlechte Prognose. Entscheidend ist hierbei ein schnelles Handeln, um die Folgeschäden möglichst gering zu halten. Epidemiologisch nimmt die Zahl der Burnout-Patienten in den Industriestaaten seit Jahren zu. Symptome wie Augenzucken oder Stressreaktionen werden daher in den kommenden Jahren in ihrer Prävalenz ebenso weiter zunehmen.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.08.2018
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