Entropium - Die Einwärtskehrung des Lides

Synonyme im weiteren Sinne

Einwärtskehrung der Lidränder, Lidfehlstellung vom Auge

Englisch: entropion

Definition

Beim Entropium handelt es sich um eine Fehlstellung des Lides, genau genommen um eine Einwärtskehrung dessen, sodass die Wimpern auf der Hornhaut schleifen (sogenannte Trichiasis).
Die Erkrankung tritt vorwiegend in höherem Alter auf (Entropium senile), kann aber auch schon beim Säugling vorkommen.

Das Gegenteil, also eine Auswärtsdrehung des Lides wird als Ektropium bezeichnet.

Was sind die Symptome bei einem Entropium?

Das permanente Schleifen der Wimpern auf der Bindehaut führt beim Patienten zur Rötung des Auges und einem Fremdkörpergefühl. Dies wiederum bewirkt ein häufiges Zusammenkneifen der Lider, welches das Entropium noch verstärken kann.
Das entzündete Auge ist chronisch gereizt und auch normale Einflüsse wie Licht können schon zum Zusammenkneifen des Auges führen.

Des Weiteren beobachtet man oft einen erhöhten Tränenfluss (Epiphora).
Komplikationen sind Einrisse (Erosionen) der Hornhaut bis hin zu Geschwüren der Hornhaut (Ulcera), ein erhöhtes Risiko für Infektionen, Gefäßneubildungen und Narbenbildungen.
Derartige Komplikationen können zu einer Verschlechterung der Sehschärfe führen.
Die Entropium-Erkrankung selbst führt primär nicht zu einer Sehverschlechterung.

Komplikation Wimpernscheuern

Durch die Einwärtsdrehung des Lids beim Entropium scheuern die Wimpern über den empfindlichen Glaskörper.
Dieses Phänomen wird auch als sogenanntes Epiblepharon bezeichnet.

Das führt zu einem Fremdkörpergefühl, fachmännisch auch als Trichiasis bezeichnet. Dadurch kommt es zu einem verstärkten Juckreiz im Auge sowie erhöhten Tränenfluss. Durch häufiges Jucken und Reizen kann es zudem zu Rötungen kommen.
Über das Kratzen des Auges mit den Händen können Erreger ins Auge gelangen und dies kann zu Entzündungen wie einer Konjunktivitis oder zu Sehstörungen führen.

Wie wird ein Entropium diagnostiziert?

Die Lidfehlstellung lässt die Diagnose oft sehr schnell zu.
Zusätzlich kann der Augenarzt mit einer Spaltlampe feststellen, wie stark die Wimpern auf der Hornhaut reiben und ob diese schon beschädigt worden ist.

Entropium beim Baby

Ein Entropium kann auch angeborenen sein, muss jedoch nicht zwangsläufig einen Krankheitswert haben.
Ein angeborenes Entropium ist jedoch sehr selten.

Oftmals sind die Wimpern eines Babys noch sehr weich, sodass die Einwärtsdrehung des Lides keine Schäden am Auge verursacht.
In der Regel verspüren die Neugeborenen nur leichtes Kratzen in den Augen - ähnlich wie bei einem Fremdkörper im Auge, sodass sie sich häufiger am Auge jucken.
Das Entropium beim Neugeborenen tritt häufig zusammen mit der sogenannten Distichiasis auf, einer zweiten Wimpernreihe.

Eine Behandlung ist in den meisten Fällen jedoch nicht notwendig, da sich ein Entropium beim Baby oftmals innerhalb der ersten Lebensjahre zurückbildet.
Bei vollständiger Rückbildung ist nicht mit weiteren Folgen zu rechnen.

Wie wird ein Entropium behandelt?

Bei einem leichten Entropium, dass nur zeitweilig auftritt, kann man mit einem Heftpflasterklebestreifen am Unterlid das Lid unter Zug setzen, sodass sich der Rand nach außen kehrt und wieder in die richtige Stellung gebracht wird.

Eine andere nur minimal operative Möglichkeit wären die sogenannten Schöpfer-Nähte oder Snellen-Nähte, bei denen eine Naht durch das Lid gezogen wird, die dann über Perlen geknüpft wird und nach ungefähr einer Woche wieder entfernt wird.

Wann wird eine Operation bei einem Entropiums notwendig?

In schwereren Fällen kann operativ einige lidrandnahe Muskelfasern des Musculus orbicularis oculi und gegebenenfalls auch ein schmaler Lidhautstreifen entfernt werden.

Das Entropium spasticum kann unter bestimmten Umständen mit dem Nervengift Botulinumtoxin durch Einspritzung in den Musculus orbicularis oculi therapiert werden. Eine Dauerwirkung lässt sich aber häufig nicht erzielen, sodass anstelle regelmäßiger Einspritzungen (circa alle acht Wochen) grundsätzlich eine Operation vorzuziehen ist.

Bereits eingetretene Komplikationen, wie Entzündungen oder Narben auf der Hornhaut können mit Augentropfen oder Augensalben behandelt werden.

Wie läuft eine OP ab?

Eine operative Behandlung des Entropiums ist in den meisten Fällen die einzige Methode für eine langfristige Linderung der Beschwerden. Das Verfahren ähnelt dabei dem einer Lidstraffung. Zeil ist es die Einwärtsdrehung des Lids aufzuheben.
Eine Lidstraffung ist eine sehr häufig durchgeführte Operation. In dem Verfahren wird das Lid verkürzt und überschüssiges Fett- und Muskelgewebe vorsichtig entfernt. Der Rest wird etwas auseinandergezogen und dann wieder passend auf den Augenapfel gelegt und fixiert. Dabei werden zumeist sehr dünne Fäden verwendet, sodass am Ende keine große Narbe zurückbleibt. Die Naht wird auch als Schöpfer-Naht bezeichnet.

Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant und benötigt keine Vollnarkose, sondern nur eine örtliche Betäubung.
Die Operation dauert in der Regel ca. 1-1,5 Stunden.
Die Kosten betragen um die 1500-2000€, werden teilweise jedoch von der Krankenkasse übernommen.

Was sind die Ursachen eines Entropiums?

Ursache ist meist ein Missverhältnis zwischen der Zugkraft der Lidschließmuskeln und der Lidöffner. Beim Entropium senile besteht eine erhöhte Muskelspannung (Muskeltonus) des Musculus orbicularis oculi. Andere Ursachen können aber auch ein chronischer Lidkrampf (Blepharospasmus) und Narben der Bindehaut (z.B. durch bakterielle Infektionen; Bindehautentzündung) sein. Auch bei einer Reizung der Bindehaut, infolge einer Entzündung des Auges oder nach einer Operation, kann es zum Entropium (Entropium spasticum) kommen. Durch Narbenbildung der Bindehaut, beispielsweise infolge einer Infektion, kann es durch Schrumpfung zu einem Narbenentropium kommen.

Was ist die Prognose bei einem Entropium?

Ist die Lidfehlstellung frühzeitig korrigiert worden und die Hornhaut entsprechend behandelt worden, ist die Prognose gut. Rückfälle (Rezidive) kommen vor und können eine erneute Operation erforderlich machen.
Das Säuglings - Entropium bildet sich oft von selbst zurück.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert Veröffentlicht: 20.05.2007 - Letzte Änderung: 19.05.2022