Ektropium am Auge

Synonyme

Auswärtsdrehung des Lides, herunterhängendes Lid des Auges

Englisch: ectropion

Definition

Wie beim Entropium handelt es sich auch hier um eine Fehlstellung des Lides. Hier aber nicht nach innen (Entropium), sondern nach außen (Ektropium). Außerdem ist beim Ektropium fast immer das Unterlid betroffen. Das Lid ist dabei nach außen gerollt und oft zeigt sich die Innenseite, wie man es nur sieht, wenn man das Unterlid mit dem Daumen nach unten zieht. Auch das Ektropium - wie auch das Entropium - ist eine Erkrankung des Alters.

Das Gegenteil, also das Einwärtsdrehen des Augenlides wird als Entropium bezeichnet.

Symptome

Da das Unterlid des Auges herabhängt, kann die Tränenflüssigkeit nicht mehr auf ihrem normalen Weg abfließen und läuft über den Lidrand (Tränenträufeln). Der Patient wischt sich die Tränen von der Wange, zieht dabei das Lid nach unten und verstärkt somit noch das Ektropium. Das chronisch gereizte Auge ist oft gerötet und auch hier kann es vorkommen, dass der Patient ein Fremdkörpergefühl verspürt.

Zwar führt das Ektropium nicht unmittelbar zu einer Sehverminderung, allerdings ist die Bindehaut die nun nicht mehr vom Lid geschützt wird, leicht entzündbar und damit anfälliger für Infektionen (Bindehautentzündung). Häufig trocknet sie aus und verdickt sich.

Sie leiden an einer Bindehautentzündung?

Diagnose

Die Diagnose Ektropium ist leicht zu stellen, da die Lidfehlstellung auffallend sichtbar ist. Mit einer Spaltlampe (spezielles Untersuchungsgerät in der Augenheilkunde) kann der Augenarzt zusätzlich noch das Ausmaß der Bindehautentzündung feststellen.

Wie wird ein Ektropium behandelt?

In der Regel ist eine Operation das Mittel der Wahl. Dabei wird versucht, das Lid chirurgisch zu straffen und wieder an den Augapfel (Bulbus) anzulegen, z.B. durch Unterlidverkürzung und anschließender Verschiebung.

Was wird bei einer Op gemacht?

Eine operative Behandlung des Ektropiums ist in den meisten Fällen die einzige Methode für eine langfristige Linderung der Beschwerden.
Das Verfahren ähnelt dabei das einer Lidstraffung.

Ziel ist es die Auswärtsdrehung des Lides aufzuheben, um so Binde- und Hornhaut wieder ausreichend zu schützen.
Eine Lidstraffung ist eine sehr häufig durchgeführte Operation.

In dem Verfahren wird das Lid verkürzt und überschüssiges Fett- und Muskelgewebe vorsichtig entfernt.
Der Rest wird etwas auseinandergezogen und dann wieder passend auf den Augenapfel gelegt und fixiert. Dabei werden zumeist sehr dünne Fäden verwendet, sodass am Ende keine große Narbe zurückbleibt. Dieses operative Verfahren wird auch als sogenannte laterale Zügelplastik bezeichnet.

Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant und benötigt keine Vollnarkose, nur eine örtliche Betäubung.
Die Behandlung dauert in der Regel ca. 1-1,5 Stunden.
Die Kosten betragen meist um die 1500-2000€, werden teilweise jedoch von der Krankenkasse übernommen.

Was sind die Ursachen eines Ektropiums?

Als Ursache des Ektropiums kommen verschiedene Faktoren in Betracht. Am häufigsten wird das Ektropium durch eine zu niedrige Muskelspannung (Tonus) des Augenringmuskels (Musculus orbicularis oculi) verursacht, wodurch es zu einem Auswärtsrollen und Herabhängen des Lides kommt. Da dieser Muskel durch den Nervus facialis angesteuert wird, kann auch eine Lähmung dieses Nervens zum Ektropium führen (Ektropium paralyticum).

Aber auch Narben im Lidbereich, die zu Schrumpfungen führen, können Ursache eines Ektropiums sein (Ektropium cicatriceum).
Ferner wurde die Entstehung eines Ektropiums auch nach Lidoperationen, z.B. zu kosmetischen Zwecken, beobachtet.

Prognose

Die Prognose des Ektropium ist bei rechtzeitiger Behandlung gut. Oft sind mehrere Operationen nötig. Auch sollte man es nicht versäumen eine eventuelle bestehende Bindehautentzündung entsprechend mit Augensalben zu behandeln.

Zur Prophylaxe des Ektropium kann dem Patient geraten werden, Tränen nicht nach unten, sondern nach innen oben wegzuwischen.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 20.05.2007 - Letzte Änderung: 22.10.2021
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