Folgen Sie uns auf:


Bindehaut

Synonym

Medizinisch: Sclera conjunctiva
lat.: Konjunktiva

Definition

Die Bindehaut ist ein Teil des Auges. Sie liegt als Schleimhaut einem Teil des Augapfels von außen und den Augenlidern von innen an. Sie kann im Rahmen von Erkrankungen verändert sein, dies erkennt man vor allem an ihrer Färbung.

Anatomie

Die Bindehaut (Conjunctiva) besteht aus zwei Anteilen.

  1. Die Conjunctiva tarsi (der tarsus ist ein Teil der Augenlider) bedeckt als äußerste Schicht das Innere des oberen und unteren Augenlides.
  2. Die Conjunctiva bulbi (der bulbus oculi ist der Augapfel) bedeckt von außen den Teil des Augapfels, der nicht von Hornhaut bedeckt ist, also den oberen und unteren Rand, dort wo die Lederhaut (Sclera) verläuft.

Ein mehrschichtiges, nichtverhornendes Plattenepithel mit schleimproduzierenden Becherzellen bildet die Grundstruktur der Bindehaut. Der Wechsel zwischen verhornenden Plattenepithels der Haut (Epidermis) in das nichtverhornende Plattenepithel der Augenbindehaut liegt an der Conjunctiva tarsi.

An der Fornix superior (aus dem Lateinischen - obere Wölbung) die sich in der Tiefe der Augenhöhle befindet, schlägt die Conjunctiva tarsi vom Augenlid in die Conjunctiva bulbi des Augapfels über. Ebenso verhält es sich an der Fornix inferior, der unteren Wölbung. In diesen Bereichen bildet sich der Bindehautsack aus.

Die Bindehaut ist durchsichtig und sehr gut durchblutet. Mit den Augenlidern ist sie fest verwachsen während sie dem Augapfel nur locker anliegt. Die Bindehaut ist reichlich sensibel innerviert von kleinen Nervenfasern, die alle Äste des Nervus trigeminus (5. Hirnnerv) sind:

  • Nervus frontalis
  • Nervus lacrimalis
  • Nervus infraorbitalis und
  • Nervus nasociliaris

Die arterielle Gefäßversorgung geschieht über Äste der Arteria ophthalmica.

Spezielle Strukturen der Bindehaut des Auges:

  • Die sogenannte Plica semilunaris ist ein Schleimhautduplikatur, die zart, weich und beweglich am inneren Augenwinkel liegt.
  • Als Karunkel wird eine Gewebsaufwerfung zwischen der Plica semilunaris und dem inneren Lidwinkel genannt, sie besteht aus Schleimhaut, Hautanteilen und Talgdrüsen.
  • Überall in dem Epithel der Bindehaut sind die schleimsezernierenden Becherzellen vorhanden.
  • Azessorische Tränendrüsen liefern die wässrige Komponente des Tränenfilms und befinden sich am oberen Ran der sogenannten Tarsalplatte des Oberlids und im Bereich der Fornices.
  1. Hornhaut - Cornea
  2. Lederhaut - Sclera
  3. Regenbogenhaut - Iris
  4. Strahlenkörper - Corpus ciliare
  5. Aderhaut - Choroidea
  6. Netzhaut - Retina
  7. Vordere Augenkammer -
    Camera anterior
  8. Kammerwinkel -
    Angulus irodocomealis
  9. Hintere Augenkammer -
    Camera posterior
  10. Augenlinse - Lens
  11. Glaskörper - Corpus vitreum
  12. Gelber Fleck - Macula lutea
  13. Blinder Fleck -
    Discus nervi optici
  14. Sehnerv (2.Hirnnerv) -
    Nervus opticus
  15. Hauptsehlinie - Axis opticus
  16. Achse des Augapfels - Axis bulbi
  17. Seitlicher gerader Augenmuskel -
    Musculus rectus lateralis
  18. Innerer gerader Augenmuskel -
    Musculus rectus medialis

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Histologie

Die Bindehaut besteht aus einem mehrschichtigen hochprismatischen Zylinderepithel in das Becherzellen eingelagert sind. Das Sekret der Becherzellen ist Bestandteil des Tränenfilms.

Funktion der Bindehaut

Die Bindehaut fungiert als eine Art äußerer Schutzhülle des Auges und trägt durch das Sekret ihrer Becherzellen einen Teil zur Produktion des Tränenfilms bei.
Dieser ist für das Auge überlebenswichtig.

klinische Bewandtnis der Bindehaut

An der Färbung der Bindehaut kann man bei genauem Hinsehen einiges feststellen. Eine Rötung kann ein Hinweis auf eine Konjunktivitis (Entzündung der Bindehaut, siehe unten) sein. Eine gelblich gefärbte Bindehaut ist häufig ein erster Hinweis auf einen Ikterus (Gelbsucht). Dieser entsteht durch vermehrte Ablagerung von Blutabbauprodukten. Diese sind nicht mehr von roter Farbe wie das Blut selbst, sondern haben eine gelbe Eigenfarbe.
Auch eine Blutarmut (Anämie) kann bei etwas genauerem Hinschauen an der Bindehaut erkannt werden. Diese ist dann blasser, also weißlicher als sonst.

Klinische Bedeutung hat auch die Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Sie kann im Rahmen von lokalen Prozessen (z.B. Fremdkörper im Auge) aber auch bei systemischen Reaktionen (z.B. bakterieller Infekt) entstehen. Sehr häufig ist auch die allergische Rhinokonjunktivitis, im Volksmund besser bekannt als Heuschnupfen.

Bindehautentzündung

Symptome für eine Bindehautentzündung:

Zeichen, die auf die Erkrankung der Bindehautentzündung hinweisen, sind:

  • Brennen
  • Jucken
  • leichte Schmerzen
  • weiße oder gelbe Sekretabsonderung
  • Rötung
  • Lichtempfindlichkeit
  • Schwellung
  • Papillen (sieht der Augenarzt mithilfe der Spaltlampe)
  • verklebte Lider

Häufigste Infektion der Bindehaut

Akute bakterielle Konjunktivitis

Eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) kann prinzipiell durch zahlreiche Erreger ausgelöst werden, doch nur wenige sind dazu in der Lage, eine schwere akute Konkunktivitis beim gesunden Menschen zu verursachen (Streptokokken, Corynebacterium diphteriae, Neisserien, Haemophilus).
Staphylococcus aureaus, Streptococcus pneumoniae und Haemophilus aegypticus sind die häufigsten Erreger einer katarrhalischen Konjunktivitis. Zur Infektion kann es über zahlreiche Wege kommen: Luft, Magen-Darm-Trakt und viele mehr.
Typisch für eine Infektion mit Haemophilus influenzae und Corynebacterium diptheriae ist eine ausgeprägte Schwellung der Lider. Membranen entstehen hingegen vor allem bei Infektionen mit Streptococcus pyogenes und Corynebacterium diphtheriae. Die sogenannten petechialen (punktförmigen) Blutungen in den Lidern sind bei Infektionen mit Streptococcus pneumoniae und H. influenzae.

Bei einer Entzündung der Bindehaut tritt in der Regel keine Schwellung der Lymphknoten oder eine Hautbeteiligung auf. Komplikationen sind eine schwere Keratitis (Hornhautentzündung) (besonders bei Corynebacterium diphtheriae, Neisserien, H. aegypticus), Sepsis (Corynebacterium diphtheriae, Neisserien, Haemophilus, Pseudomonas) Dakryozystitis und Narbenbildung.

Die Wahl der geeigneten Therapie ist abhängig vom Schweregrad: Eine leichte Bindehautentzündung (Konjunktivitits) wird meist ohne Abstrich und Bestimmung des genauen Erregers mit lokalen Antibiotika (Gentamycin, Erythromycin, Chloramphenicol, Neomycin, Gatifloxacin, Levofloxacin, Ofloxacin, Ciprofloxacin, usw.) in Form von Augentropfen bzw. antibiotischen Salben behandelt.
Lesen Sie auchFloxal-Augensalbe

Bei schweren Bindehautentzündungen, die mit Lidschwellung, massiver Sekretabsonderung, Membranbildung und eventuell auch Hornhautentzündung (Keratitits) einhergeht, wird der Erreger durch Abstrich, Gram- und Giemsa-Färbung und Kultur der Erreger auf Blut und sogenanntem Schokoladenagar bestimmt. Zu Beginn, wenn der genaue Erreger noch nicht bestimmt ist, wird mit hochkonzentrierten Antibiotika (Gentamycin, Ceftazidim 5%) behandelt und später dann die Behandlung an die genauen Resistenzen des vorliegenden Erregers angepasst. Falls notwendig wird auch eine Spülung oder eine Zykloplegie (Lähmung des Ziliarmuskels, die zur Lähmung der Akkommodation des Auges und zu Mydriasis führt; z.B. medikamentös) des Auges vorgenommen.

Beispiel einer besonderen Infektion der Bindehaut

Gonokokkenkonjunktivitis

Der Erreger dieser Bindehautentzündung ist der aerobe, gramnegative Diplokokkus (N. gonorrhoeae), mit Bevorzugung von Schleimhaut und Genitaltrakt. Die Kultur wird idealerweise bei leicht erhöhtem CO2-Druck auf sogenanntem Schokoladenagar oder Thayer-Martin-Medium durchgeführt. Wichtig ist es, zwischen N. gonorrhoeae und N. meningitidis zu unterscheiden.

Bei Erwachsenen erfolgt die Infektion meist durch Selbstverunreinigung. Die Gonokokkenkonjunktivitis kann sich zu einer schweren Keratitis (Hornhautentzündung), unter Umständen auch mit Perforation, zu Sepsis, Arthritis und Dakroadenitis (Entzündung der Tränendrüse) führen. Neben diversen Prophylaxemitteln wird zur Behandlung der Erkrankung selbst eine Kultur angelegt. Eine stationäre Behandlung sowie eine Isolierung der Betroffenen ist sinnvoll. Das häufige Spülen des betroffenen Auges mit isotonischer Kochsalzlösung erleichtert die Heilung. Zusätzlich wird das Antibiotikum Erythromycin zur topischen Anwendung gegeben und zusätzlich parenteral (als Infusion) das Antibiotikum Ceftriaxon, Penicillin oder Spectinomycin für 7 – 14 Tage. Auch der Sexualpartner muss bei einer Erkrankung mit Gonokokken mitbehandelt werden, um einen möglichen Ping-Pong-Effekt zu verhindern. Ist die Diagnose unsicher, so muss auch gegen Chlamydien mitbehandelt werden.

Weitere Informationen zum Thema Bindehaut

Weitere Informationen zum Thema Bindehaut finden Sie unter:

Folgende Themen könnten für Sie von Interesse sein:

Eine Übersicht aller Themen der Anatomie finden Sie unter Anatomie A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 26.10.2018
Für Sie passende Themen
Ihre Meinung ist uns wichtig

Dr-Gumpert.de ist ein Projekt, das mit viel Engagement vom Dr-Gumpert.de Team betrieben wird. Im Vergleich zu anderen Webseiten ist vielleicht nicht alles so perfekt, aber wir gehen persönlich auf alle Kritikpunkte ein und versuchen die Seite stets zu verbessern.
An dieser Stelle bedanken wie uns bei allen Unterstützern unserer Arbeit.
Wenn Ihnen diese Seite gefallen hat, unterstützen auch Sie uns und drücken Sie: