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Tränenwege

Synonyme im weiteren Sinne

Dakryozystitis, Canaliculitis

Einleitung

Der größte Anteil des Tränenapparats befindet sich jeweils im inneren Augenwinkel. Er ist aus einem Tränen- produzierenden und einem Tränen- abtransportierenden Anteil aufgebaut.

Die immerwährende Befeuchtung der Augenoberfläche ist für die Sehkraft und Funktion unserer Augen von großer Bedeutung.
Besonders profitiert davon die Hornhaut, die auf die Zulieferung der im Tränenfilm enthaltenen Nährstoffe und den in der Luft vorhandenen Sauerstoff angewiesen ist. Neben der äußeren Ernährung verfügt die Hornhaut auch über eine innere Ernährung durch das im vorderen Augenabschnitt enthaltenen Kammerwassers.

Neben der Ernährung und Befeuchtung des Auges, wird auch der reinigenden Funktion große Bedeutung zuteil. Jeder kennt das Phänomen, dass die Augen beginnen stark zu tränen, wenn ein Fremdkörper (z. Bsp. Staubpartikel) in die Augen gelangt.

Funktion der Tränenwege

Die Tränenwege dienen der Befeuchtung des Auges und seiner Strukturen. Zur Erhaltung und Ernährung der Hornhaut ist die Befeuchtung durch den Tränenfilm von großer Bedeutung. Durch die Bestandteile der Tränenflüssigkeit wird die Hornhaut mit den notwendigen Nährstoffen versorgt.
Da die Hornhaut über keine eigene Ernährungsmöglichkeit, wie zum Beispiel Blutgefäße, verfügt, ist der Tränenfilm unabdingbar. Damit das Auge nicht austrocknet wird es kontinuierlich durch die Tränen befeuchtet. Die Verteilung erfolgt über den Lidschlag.
Jeder der schon einmal an „trockenen Augen“ gelitten hat, weiß dass zu wenig Tränenflüssigkeit sehr unangenehm sein kann. Hier gibt es Tränenersatzmittel, die als Augentropfen zur Therapie eingesetzt werden können.
Mehr zu diesem Thema finden Sie unter: Trockene Augen

Außerdem hat der Tränenfluss eine reinigende Funktion, indem er die Augen spült. Gelangt einmal ein Fremdkörper (beispielsweise Staubpartikel) in die Augen, so beginnt das Auge rasch stark zu tränen.
Dies dient der Spülung des Auges und der Entfernung des Fremdkörpers. Dieser Fremdkörper fühlt sich im Übrigen immer größer an, als er in Wirklichkeit ist. Schon das kleinste Staubkorn verursacht starke Schmerzen und ein Fremdkörpergefühl im Auge. Auch der Bindehautsack, in den die Tränenflüssigkeit abfließt, wird so gereinigt.

Tränen enthalten außerdem Enzyme, die bakterizid wirken, also Bakterien töten können.

Aufbau

Der Tränenapparat mit all seinen Bestandteilen liegt zum größten Teil im inneren (medialen) Augenwinkel. Jedes Auge hat einen eigenen Tränenapparat. Diese Tränenwege sind völlig unabhängig voneinander und können durchaus auch einzeln Beschwerden verursachen.

Man unterteilt die Tränenwege in einen Tränen - produzierenden und einen Tränen - transportierenden Anteil.

Tränenproduktion
Die Tränen werden von der Tränendrüse, die sich im oberen äußeren Augenwinkel befindet, produziert. Nicht nur diese Drüsen tragen zur Tränenbildung bei, sondern auch so genannte akzessorische (zusätzliche) Tränendrüsen sind beteiligt.

Die eigentliche Tränendrüse liegt unter dem äußeren knöchernen Rand der Augenhöhle. Durch einen Muskel wird sie nochmals in einen (unteren) Augenlidteil und einen (oberen) Augenhöhlenteil unterteilt. Bei diesem Muskel handelt es sich um den Hebemuskel des oberen Lids (Musculus levator palpebrae).

Die Tränendrüse produziert etwa 5 bis 7 Mikroliter Tränenflüssigkeit pro Minute.

Die akzessorischen Tränendrüsen findet man in der Umschlagsfalte der Bindehaut Also an der Stelle, an der die Bindehaut des Auges in die Bindehaut des Lides umschlägt. Die untere Umschlagsfalte lässt sich einfach durch herunterziehen des Unterliedes sehen. Die obere Falte bleibt verborgen und kommt nur durch Herumdrehen bzw. nach außen klappe des Oberlides zum Vorschein. Sowohl in der oberen, als auch in der unteren Falte befinden sich die akzessorischen Drüsen.

Die verschiedenen Anteile des Tränenfilms werden aus den Drüsen durch so genannte Ausführungsgänge auf die Oberfläche des Auges geleitet.

Tränenabtransport
Vom äußeren oberen Augenwinkel werden die Tränen durch den Lidschlag über das ganze Auge verteilt. Im inneren Augenwinkel werden die Tränen dann von kleinen Tränenpünktchen (Puncta lacrimalia) aufgenommen. Es gibt zwei Tränenpünktchen. Das eine liegt am oberen, das andere am unteren Lidrand. Bei genauem Hinsehen können Sie diese an Ihren Augen sehen. Über ein Tränenkanälchen gelangen die Tränen nun in den Tränensack. Die Tränenkanälchen (Canaliculi lacrimales) wirken durch ihre muskulöse Umschlingung eines Gesichtsmuskels wie eine Pumpe und pressen die Tränen in den Tränensack (Saccus lacrimalis) hinein. Der weitere Weg führt nun über den so genannten Ductus nasolacrimalis (ein Gang, der den Tränensack mit der Nasenhöhle verbindet) in der unteren Nasenmuschel.

All unsere Tränen gelangen also über kurz oder lang in unsere Nase. So lässt sich erklären, warum man beim Weinen immer die Nase putzen muss.

Anatomie Auge

  1. Tränendrüse
  2. Augenmuskel
  3. Augapfel
  4. Regenbogenhaut (Iris)
  5. Pupille
  6. Augenhöhle

Woraus besteht der Tränenfilm?

Wie bereits oben erwähnt, muss die Tränenflüssigkeit viele verschiedene Aufgaben erfüllen. Daher muss der Tränenfilm aus mehreren Komponenten bestehen, um allen Anforderungen des Auges gerecht zu werden.

Der Tränenfilm besteht aus:

  • der äußeren Lipidschicht, die aus den akzessorischen Drüsen stammt
  • der wässrigen Schicht aus der Tränendrüse
  • der innersten Schicht, der Muzinschicht, ebenfalls aus den akzessorischen Drüsen

Die Tränenflüssigkeit dient der optischen Qualitätssteigerung der Hornhaut. Hierzu sind alle drei Bestandteile der Tränen notwendig. Die optische Verbesserung wird vor allem durch die wässrige Phase garantiert. Die Fettphase (Lipidschicht) reduziert die Verdunstung der Tränenflüssigkeit, so dass sie ihre volle Wirkung entfalten kann ohne vorher schon zu verdunsten. Die Muzinphase verbessert die Haftung des Tränenfilms auf der Hornhaut. Alle drei zusammen optimieren die Sehleistung des Auges und haben nebenbei noch reinigende und befeuchtende Wirkung.

Untersuchung der Tränenwege

1. Gestörte Tränenproduktion

1.1 Zu geringe Menge an Tränenflüssigkeit
Leidet ein Patient an „trockenen Augen“ so wird zu wenig Tränenflüssigkeit produziert. Das Problem liegt also bei den Tränendrüsen. Um die Funktion dieser Drüsen zu überprüfen, greift der Augenarzt zu einer relativ einfachen Methode: dem Schirmer- Test.
Dieser Test misst die Tränenproduktion. Hier wird nach einer örtlichen Betäubung des Auges mittels Augentropfen ein schmaler Streifen eines Indikatorpapiers in den unteren Bindehautsack eingehängt. Der Patient schließt locker die Augen. Dieses Papier verändert die Farbe sobald es mit den Tränen in Kontakt kommt, so dass man das Voranschreiten der Tränenflüssigkeit auf dem Streifen ablesen kann. Hier gibt es nun bestimmte Werte die innerhalb einer gewissen Zeitspanne nicht unterschritten werden sollten. So lässt sich feststellen, ob genug Tränen produziert werden.

1.2 Fehlerhafte Benetzung durch den Tränenfilm
Es kann ebenso sein, dass zwar genug Tränenflüssigkeit hergestellt wird, diese aber eine mangelhafte Zusammensetzung hat. Auch kann es sein, dass Unebenheiten der Augenoberfläche eine adäquate Benetzung des Auges verhindern. Um das zu überprüfen, misst man die so genannte Break- up- time, die Aufreißzeit des Tränenfilms. Hierzu färbt man die Tränen an, um mit Hilfe der Spaltlampe zu beobachten wie lange es dauert ehe der Film aufreist. Der Patient sollte möglichst nicht blinzeln. Liegt die Zeit unter 10 Sekunden weist das auf einen zu geringen Muzingehalt der Tränen hin.

2. Gestörter Tränenabfluss

Ein gestörter Tränenabfluss kann viele Ursachen haben. Wenn zu viele Tränen produziert werden, können die Tränenpünktchen und der Tränensack nicht die gesamte Menge transportieren und auffangen und es kommt zum Tränenträufeln. Wenn die Tränenpünktchen sind richtig platziert sind, beispielsweise nach außen ragen, könne sie die Tränen nicht richtig auffangen.

Um nun feststellen zu können, ob eine Abflussstörung vorliegt, können mehrere Methoden herangezogen werden:

  • Zunächst wird Druck auf den Tränensack ausgeübt, um die Tränen auszupressen. Ist der Weg nach unten in die Nase verschlossen, treten die Tränen durch die Tränenpünktchen aus. Sie verfolgen also den Weg in die verkehrte Richtung.
  • Gibt man Augentropfen mit Farbstoff in die Augen, kann man beim Naseputzen den Farbstoff wieder erkennen. Dann sind die Tränenwege frei.
  • Sollte der Farbstoff nicht spontan durch die Tränenwege gelangen, so behilft sich der Arzt mit einer Spülung derselben. Da mit einer Kochsalzlösung gespült wird, sollte der Patient beim Schlucken etwas Salziges schmecken.
  • Ist der Weg versperrt, so muss man die Tränenwege mit einer stumpfen Sonde sondieren und wenn nötig das Hindernis durchstoßen. Oft kommt eine Stenose (Verengung) bei Neugeborenen vor.

Weitere Informationen zum Thema Tränenwege

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 21.06.2018
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