Hodenschwellung

Einleitung

Bei einer Hodenschwellung kommt es in den meisten Fällen zu einer einseitigen Vergrößerung eines Hodens, die sowohl mit als auch ohne Schmerzen einhergehen kann. Da es viele verschiedene Ursachen für eine Schwellung eines oder beider Hoden gibt, ist eine schnelle Diagnostik sinnvoll, um eine geeignete Therapie einleiten zu können.

Ursachen

Die Ursachen einer Hodenschwellung können sehr vielfältig sein. Bei einer Hodenschwellung handelt es sich um ein Symptom, das aufgrund einer Erkrankung auftritt. Meistens stellen Erkrankungen aus dem urologischen Gebiet einen Auslöser dar.

Eine mögliche Ursache stellt eine Verdrehung des Hodens, die Hodentorsion, dar. Durch die Verdrehung kommt es zu einer Eindrehung des Samenstranges und die Blutzufuhr zum Hoden wird gestoppt. Es sollte eine schnelle notfallmäßige Behandlung erfolgen, da starke Schmerzen aufkommen und der betroffene Hoden innerhalb relativ kurzer Zeit absterben kann.

Eine Hodenschwellung kann auch im Rahmen einer Entzündung der Nebenhoden auftreten. Bakterien und Viren, die über die Harnröhre in den Körper eintreten und sich über den Samenstrang bis in den Nebenhoden ausbreiten, können sich dort niederlassen und Infektionen verursachen.

Entzündungen des Hodens verursachen neben starken Schmerzen, Fieber, einem allgemeinen Gefühl der Abgeschlagenheit und einer Rotfärbung des Hodensacks ebenfalls Schwellungen des Hodens.

Neben Infektionen der harnableitenden Wege stellen häufig Infektionen wie Mumps, Windpocken oder das Pfeiffersche Drüsenfieber eine Ursache für eine Hodenentzündung dar.

In Folge traumatischer Ereignisse, wie zum Beispiel eines Unfalls, kann es ebenfalls zu einer sehr schmerzhaften Schwellung des Hodens kommen.

Hodenschwellungen die schmerzfrei verlaufen, kommen relativ selten vor. Ursächlich dafür können eine Zyste des Nebenhodens, eine tumoröse Veränderung, eine Wasseransammlung oder auch ein Leistenbruch sein.


Behandlung

Da eine Schwellung eines oder beider Hoden aufgrund verschiedener Ursachen auftreten kann, stehen therapeutisch verschiedene Optionen zur Verfügung.

Liegt als Ursache der Beschwerden eine Hodentorsion (Hodenverdrehung) vor, ist umgehend eine operative Versorgung indiziert, da die Gefahr besteht, dass der betroffene Hoden in Folge der unterbrochenen Blutversorgung, abstirbt.
Um ein Absterben des Gewebes und weitere Schäden zu verhindern und um die Zeugungsfähigkeit zu sichern, muss innerhalb weniger Stunden operiert werden. Der behandelnde Chirurg öffnet den Hodensack, löst die Verdrehung des Hodens und stellt die normale Durchblutung wieder her. Anschließend wird der Hoden mit dem Hodensack vernäht, um einer erneuten Verdrehung vorzubeugen.

Entsteht eine Schwellung des Hodens aufgrund einer Entzündung des Nebenhodens oder anderen bakteriell bedingten entzündlichen Prozessen, erfolgt eine antibiotische Therapie in Kombination mit der Einnahme von Schmerzmitteln. Außerdem sollte Ruhe eingehalten werden und eine Hochlagerung des betroffenen Hodens mit Hilfe einer Hodenbänkchens erfolgen. Auch eine Kühlung des Hodens wird geraten.
Es sollte eine Kontrolle durch den behandelnden Urologen erfolgen, damit mögliche Abszesse, die sich im Rahmen einer Entzündung bilden können, frühzeitig erkannt werden. Bei erfolgreicher Behandlung klingen die Symptome nach ungefähr 10 bis 14 Tagen vollständig wieder ab. In seltenen Fällen kann sich ein chronischer Verlauf einstellen.

Eine Hodenschwellung bedingt durch einen Wasserbruch (Hydrozeleoder einer mit Wasser gefüllten Zyste, muss nicht zwingend sofort therapiert werden, solange die Schwellung keine Schmerzen oder ein zu starkes Druckgefühl auslöst. Auf Kontrolluntersuchungen sollte aber in diesem Zusammenhang nicht verzichtet werden.

Geht die Schwellung des Hodens von einer Krampfaderbildung im Hoden (Varikozele) aus, gibt es unterschiedliche therapeutische Vorgehensweisen. Zu einer Behandlung wird geraten, da eine Varikozele mit einem Funktionsverlust der Zellen im Hoden und einer fehlerhaften Entwicklung der Spermien einhergehen kann. 

Eine Möglichkeit zur Behandlung stellt eine Sklerosierung der erweiterten Gefäße dar. Hierbei wird ein Katheter eingeführt, über den ein Mittel verabreicht werden kann, welches die Gefäße verödet. 
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist eine Embolisation, die zu einem Verschluss der betroffenen Gefäße führt. Auch operativ kann durch eine Durchtrennung der Gefäße die Varikozele und die damit einhergehende Schwellung des Hodens behandelt werden.

Eine Hodenschwellung, die sich im Rahmen eines Leistenbruches bemerkbar macht, sollte ebenfalls behandelt werden. Bei einem Leistenbruch handelt es sich um keinen akuten Notfall wie bei der Hodentorsion, aber eine operative Korrektur sollte innerhalb der nächsten Zeit vorgenommen werden.

Wird die Schwellung durch eine tumoröse Veränderung im Bereich des Hodens verursacht, sollte eine Gewebeprobe entnommen und analysiert werden. Wird im Rahmen dieser Untersuchung ein Hodentumor diagnostiziert, können weitere Operationen sowie eine Strahlen– oder Chemotherapie indiziert sein.

Schwellungen des Hodens, die nach operativen Eingriffen, wie zum Beispiel einer Leisten– oder Prostataoperation auftreten, sind in der Regel nur von kurzer Dauer und innerhalb weniger Tage rückläufig. In diesem Zusammenhang wird eine Ruhigstellung und Kühlung des Hodens zur Linderung der Beschwerden empfohlen.

Hodenschwellung ohne Schmerzen

Hodenschwellungen, die ohne Schmerzen auftreten, kommen deutlich seltener vor.

Entwickeln sich Krampfadern im Hodensack, eine sogenannte Varikozele, kann dies sowohl mit, als auch ohne Schmerzen auftreten. Hierbei handelt es sich um eine Erweiterung der Venen im Hoden, aufgrund einer Störung beim Abfluss des Blutes. Es kommt zu einem Blutstau, wodurch sich die Gefäße erweitern und sich Krampfadern ausbilden.
Oftmals sind diese Krampfadern schmerzlos und weisen bis auf eine leichte Schwellung keine weiteren Symptome auf, sodass sie lediglich als Zufallsbefund auffallen. Bei manchen Patienten treten neben der Hodenschwellung jedoch starke Schmerzen und ein unter Spannung stehender Hodensack auf.

Auch eine Zyste im Nebenhoden kann zu einer schmerzlosen Schwellung des Hodens führen. Hierbei handelt es sich um eine gutartige Erweiterung, die am Nebenhoden anliegt und mit einer Flüssigkeit gefüllt ist. Da sie meist keine Beschwerden verursacht, handelt es sich auch hierbei meist um eine Zufallsdiagnose, die als Nebenbefund bei einer normalen Ultraschalluntersuchung entdeckt wird.

Bei einem Wasser– oder Leistenbruch kann sich eine massive schmerzfreie Schwellung entwickeln, wenn es zu einer Ansammlung von Flüssigkeit aufgrund einer undichten Stelle im Leistenkanal kommt.
In manchen Fällen kann eine Schwellung auch aus einer tumorösen Veränderung im Bereich des Hodens resultieren.

Hodenschwellung bei Kindern

Eine Hodenschwellung, die sich im Kindesalter manifestiert, tritt am häufigsten in Folge einer Hodentorsion (Hodenverdrehung) auf. In den meisten Fällen sind Kinder und Jugendliche betroffen.
Bei kleinen Kindern stellt die Hodentorsion die häufigste Ursache für akut auftretende und starke Schmerzen im Bereich des Hodens dar. Durch eine Verdrehung des Hodens und des Samenstranges kommt es zu einer Unterbrechung der Blutzufuhr in den Hoden.

Eine Verdrehung des Hodens kann in Folge ungewöhnlicher Bewegungen beim Sport, bei Unfällen oder auch durch Verletzungen auftreten. Bei vielen Patienten liegt im Vorfeld eine angeborener Fehler in der Entwicklung des Samenstranges und der Hodenhülle vor, was eine Hodentorsion begünstigen kann. Dadurch kann es bei Kleinkindern sogar beim Schlafen zu einer Verdrehung des Hodens kommen. Aufgrund der unterbrochenen Blutzufuhr stirbt der Hoden binnen relativ kurzer Zeit ab. Deshalb ist eine sofortige notfallmedizinische Behandlung dringend indiziert. Die Patienten werden aufgrund starker, plötzlich einsetzender Schmerzen, einer Rötung des Hodensackes, sowie Übelkeit und Erbrechen vorgestellt. Nach der Stellung der Diagnose muss eine sofortige Operation erfolgen, um den geschädigten Hoden retten zu können.

Bei Babys und Kleinkindern tritt eine Hodenschwellung häufig auch im Rahmen eines Wasserbruches (Hydrozele) auf.

Auch infektiöse Erkrankungen, wie Mumps oder Windpocken können vor allem bei kleinen Jungen eine Schwellung der Hoden hervorrufen. Eine Hodenschwellung, die im Zusammenhang mit den infektiösen Kindererkrankungen steht, sollte nicht unterschätzt werden, da ein Übergang der Infektion auf den Hoden und zu einer lokalen Entzündung und im schlimmsten Fall zur Unfruchtbarkeit führen kann.

Einseitige Hodenschwellung

Eine einseitige Hodenschwellung tritt in der Regel häufiger als beidseitige Veränderungen auf. Sie kann sowohl bei Kindern, als auch im Erwachsenenalter vorkommen.

Meist wird eine einseitige Schwellung durch eine Verdrehung eines Hodens, die sogenannte Hodentorsion, ausgelöst. Sie tritt bevorzugt im Kindesalter auf.
Auch entzündliche Veränderungen des Nebenhodens können zu einer einseitigen Schwellung führen.
Im Rahmen eines Leistenbruches entsteht in den meisten Fällen ebenfalls eine einseitige Hodenschwellung. Die betroffene Seite ist die, auf der auch der Bruch lokalisiert ist.
Tumoröse Veränderungen manifestieren sich in den meisten Fällen ebenfalls nur an einem Hoden.

Hodenschwellung nach Leistenbruch-Operation

In Folge einer operativen Behandlung eines Leistenbruches entwickelt sich häufig eine Schwellung des Hodens. Bei einem Leistenbruch liegt der Bereich, in dem operativ eingegriffen wird direkt über dem Hoden. Aufgrund eines operativen Eingriffes kommt es immer zu einer Schwellung und Irritation des betroffenen Gewebes und es können sich deutlich sichtbare Blutergüsse ausbilden. Da der Leistenkanal anatomisch bedingt sehr eng ist, breitet sich die durch die Leistenoperation entstehende Schwellung weiter in Richtung Hoden aus, da dort mehr Platz zur Verfügung steht. So kann sich eine massive Schwellung des Hodens, sowie eine deutliche Verfärbungen aufgrund von Blutergüssen entwickeln.

Um einer Hodenschwellung als Folge einer Leisten–OP vorzubeugen, wird den betroffenen Männern oft geraten, nach der Operation sehr eng anliegende Unterhosen zu tragen. Sie sind meist sehr angenehm zu tragen, haben einen schmerzstillenden Effekt und reduzieren das Auftreten einer starken Hodenschwellung. Kommt es trotz dieser vorbeugenden Maßnahme trotzdem zu einer Hodenschwellung, kann man diesem mit einem sogenannten Hodenbänkchen entgegenwirken. Durch dieses Hodenbänkchen kann der Hoden hochgelagert werden, was zu einer Entlastung führt.

Eine Hodenschwellung nach einer Leisten – OP ist eine bekannte Komplikation und ist nicht gefährlich. Nach ein paar Tagen ist die Schwellung deutlich rückläufig und nach ungefähr 2 Wochen verheilt. Sollte die Schwellung nicht rückläufig sein und zusätzlich starke Schmerzen auftreten, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schwellung nach OP

Hodenschwellung nach Prostata-Operation

Das Auftreten einer Hodenschwellung kann im Zusammenhang mit einer Operation an der Prostata stehen. Wird im Rahmen einer Krebserkrankung eine radikale Entfernung der Prostata vorgenommen, werden zusätzlich die lokalen Lymphknoten mit entfernt. Dadurch entsteht eine Unterbrechung innerhalb der Lymphabflusswege. Es kann sich in diesem Zusammenhang ein Lymphstau entwickeln, der zu einer starken Hodenschwellung führen kann. Die Lymphe benötigt etwas Zeit, um einen neuen Abflussweg zu finden. Deshalb dauert es meist 2 bis 3 Tage, bis die Schwellung des Hodens wieder rückläufig ist. Um der Schwellung entgegen zu wirken, sollte der Hoden etwas gekühlt und hochgelagert werden.

Neben einer Hodenschwellung kann es auch zu einer Verteilung der Lymphe im kleinen Becken oder in den Beinen kommen. Auch eine Entzündung, die im Rahmen einer Prostata – OP entstehen kann, kann eine Schwellung des Hodens verursachen. In der Regel dauert die Schwellung nur wenige Tage an und bildet sich von alleine wieder zurück. Sollten Schmerzen oder zusätzliche Symptome wie Fieber oder Abgeschlagenheit auftreten, ist es sinnvoll einen Arzt aufzusuchen.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 14.11.2016
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