Unfruchtbarkeit beim Mann

Synonyme

Impotenz, Sterilität, Zeugungsunfähigkeit

Definition

Die Sterilität wird in der Regel definiert als das Unvermögen eines Paares Kinder zu zeugen, wenn trotz Kinderwunsch nach mindestens einem Jahr bei Geschlechtsverkehr ohne Verhütung keine Empfängnis stattfindet.

Die Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch können sowohl bei der Frau als auch bei dem Mann begründet liegen. Die Unfruchtbarkeit kommt bei beiden Geschlechtern gleich häufig vor. So ist jedes sechste Ehepaar in den westeuropäischen Ländern kinderlos und suchen nach Ursachen und ärztlichen Rat.

Häufigkeit

Man vermutet, dass circa 10 bis 15 Prozent aller Ehen ungewollt kinderlos sind.
Da die Gründe dafür gleichermaßen bei der Frau oder bei dem Mann liegen können, sollten sich beide Ehepartner einer Untersuchung unterziehen.

Es wird geschätzt, dass ungefähr 40 Prozent der Männer an einer verminderten Unfruchtbarkeit leiden. Demnach liegen auch bei 40 Prozent der Frauen die Gründe. Bei den übrigen 20 Prozent liegen demnach die Probleme bei Mann und Frau gemeinsam.


Ursachen der Unfruchtbarkeit beim Mann

Der Genuss von Nikotin wirkt sich negativ auf die Spermienanzahl und die Spermienproduktion aus und kann somit zu Unfruchtbarkeit führen.

Allgemeine Ursachen:

Von besonderer Bedeutung bei der Zeugung eines Kindes sind die Samenkapazität des Mannes und dessen Qualität.

Schon kurz nach der Geburt eines Jungen ist die Kapazität der Samen bereits festgelegt.
Daher beeinflusst auch die Lebensweise einer Mutter während der Schwangerschaft die Fruchtbarkeit ihres Sohnes.

So kann der Genuss von Alkohol und Nikotin einen erheblichen negativen Einfluss auf die spätere Spermienproduktion des Kindes haben. Auch der Verzehr von Rinderfleisch während der Schwangerschaft soll einen fruchtbarkeitsmindernden Effekt haben. Toxine können die Zellen, die zur Spermienproduktion da sind, beeinträchtigen oder sogar schädigen.
Diese sogenannten Sertoli- Zellen produzieren die Spermien und sind auch für die Ernährung der heranreifenden Spermien zuständig. Je weniger es von ihnen gibt, desto weniger Samenzellen werden im Endeffekt auch produziert.
Eine reduzierte Samen- und Spermienqualität stellt die häufigste Ursache für Unfruchtbarkeit beim Mann dar. Man spricht von einem Oligo- Astheno- Teratozoospermie. Dieser Begriff beschreibt die Spermien als nicht normal beweglich, nicht normal aussehend und in zu geringer Anzahl vorkommend.

Die Spermienqualität kann ebenfalls durch Medikamente, Stress, Alkohol und anderen toxischen Substanzen vermindert sein. Ein weitere Beeinträchtigung wird durch die Verunreinigung von Wasser und Fleisch mit Östrogenen herbei geführt.

Lesen Sie mehr zum Thema: Spermien

Weitere Ursachen können Erkrankungen am Hoden, Nebenhoden, Harnröhre, Samenleiter und der Prostata sein.
Ein Hodenhochstand entsteht wenn der Hoden eines Neugeborenen verzögert oder sogar gar nicht in den Hodensack während der Entwicklung gewandert ist. Diese Fehlbildung sollte bis zu dem 2. Lebensjahr behoben werden. Im manchen Fällen kann es sonst zur Unfruchtbarkeit führen.

Erkrankungen insbesondere Entzündungen an Nebenhoden und Prostata könne auch Auswirkungen auf die Funktion des Hodens haben und eine Sterilität hervorrufen.

Verletzungen an der Harnröhre oder am Samenleiter direkt können durch Unfälle oder auch im Rahmen einer Operation entstehen und zu einem Verschluss oder Funktionsverlust führen woraus schließlich die Zeugungsunfähigkeit resultiert.

Besonders die Prostata spielt eine wichtige Rolle. Ihre Flüssigkeit ist für die Funktion und Beweglichkeit der Spermien sehr wichtig. Entzündungen oder andere Erkrankungen können die Flüssigkeit beeinflussen und haben somit auch einen negativen Effekt auf die Funktion des Spermas.

Auch ein gestörter Transport der Spermien durch den Samenleiter kann dir Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch sein. So können zum einen Verletzungen am Samenleiter selbst in Frage kommen zum Beispiel bei einer Operation aufgrund eines Leistenbruchs.

Entzündungen die durch sexuell übertragbare Krankheiten wie Chlamydien könne auf den Samenleiter übergreifen und diesen schädigen.

Weiterhin können auch andere Nebenerkrankungen zu einem Verschluss des Samenleiters führen. Bei der Mukoviszidose handelt es sich um eine genetisch bedingte Stoffwechselkrankheit, die sich besonders auf Drüsen auswirkt.
Die Drüsen produzieren aufgrund des Gendefekts zähflüssigeres Sekret, dass dann die Drüsenausgänge verstopft.

Mumps:

Mumps oder auch Rubula genannt ist eine Virusinfektion, die häufig bei Kindern zwischen dem fünften und neunten Lebensjahr auftritt.

Sie kann aber genauso noch ältere Kinder und Erwachsenen betreffen. Eine gefürchtete Komplikation einer Infektion mit den Mumps- Viren ist die sogenannte Mumps- Orchitis, eine Entzündung eines oder sogar beider Hoden.
Dies betrifft circa 20 bis 30 Prozent der Betroffenen. Daraus resultiert bei der Hälfte der Betroffenen ein Hodenschwund (Hodenatrophie). Schließlich kann daraus auch eine verminderte Fruchtbarkeit resultieren.

Nach der Entzündung haben die Hälfte der Patienten abnorme Spermien, was das Risiko ebenfalls erhöht, dass diese nicht funktionsfähig sind und die Wahrscheinlichkeit ein Kind zu zeugen, sinkt. Das Risiko der erkrankten Jungen im späteren Alter komplett unfruchtbar zu sein, steigt deutlich an, wenn die Entzündung beide Hoden betrifft.

Kann keine klare Ursache bei dem Mann oder der Frau für die Unfruchtbarkeit gefunden werden, vermuten die Ärzte häufig ein psychisches Problem wie Stress oder zu viel Druck, dass es unbedingt klappen muss. Nicht zuletzt leiden die Männer häufig daran und entwickeln Errektionsstörungen und verlieren an Selbstvertrauen.

Diagnose

Allgemeine Diagnostik:

Für viele Paare ist es zunächst ein Problem, eingestehen zu können, dass womöglich der Grund für die Kinderlosigkeit bei einem von beiden Partner liegen könnte.

Der Weg sich Hilfe zu holen und sich beraten zu lassen, stellt oftmals für beide Ehepartner einer Belastung nicht nur für die Beziehung, sondern auch für die eigene Psyche dar.
Daher es wichtig, mit dem Thema zu einem fachkundigen Arzt zu gehen, zu dem man Vertrauen hat. Da die Ursachen einer Unfruchtbarkeit bei beiden Geschlechtern gleichermaßen liegen kann, ist es sinnvoll, wenn sich beide Partner untersuchen lassen.

Zunächst wird der Arzt eine Anamnese durchführen, in der er Fragen zu den Lebensgewohnheiten, dem Geschlechtsverkehr, Medikamenten und Erkrankungen stellt. So bekommt er einen gesamten Überblick und kann eine erste Einschätzung vornehmen, ob die Ursachen psychischer oder organischer Natur sein können.

Anschließend erfolgt die klinische Untersuchung, die beim Mann mehrere Tests einschließt.

Genitale Untersuchung:

Der Arzt untersucht die männlichen Geschlechtsorgane und achtet dabei auf äußerliche oder spürbare Veränderungen. So können Veränderungen am Penis wie eine Krümmung oder Verhärtungen und Schwellung an einem Hoden einen ersten Hinweis auf eine Störung geben. Die Untersuchung beinhaltet auch die digital- rektale Untersuchung der Prostata.
Hoden und Prostata können zudem mittels eines Ultraschalls genauer dargestellt werden. Dadurch hat der Arzt die Möglichkeit mögliche gewebliche Veränderungen zu entdecken.
Weiterhin kann der Arzt einen Abstrich von der Haut am Penis nehmen um abzuklären ob eventuell eine Infektionskrankheit vorliegt oder auch bereits durchgemacht wurde wie zum Beispiel eine Infektion mit Chlamydien.

Untersuchung des Spermas (Spermiogramm)

Das Spermiogramm stellt die wichtigste Untersuchung dar um Abzuklären wie fruchtbar der Mann ist. Die Untersuchung erfolgt in der Regel nach einer Sex- Pause von drei bis vier Tagen.
Der Patient gibt eine Spermaprobe ab, die durch Masturbation gewonnen wurde.
Die meisten Praxen besitzen gesonderte Räume dafür, denn das Sperma sollte für eine gute aussagekräftige Untersuchung nicht älter als zwei Stunden sein.

Anschließend wird die Probe unter dem Mikroskop betrachtet und in einem Spermiogramm festgehalten. Überprüft wird die Menge der Probe, das Aussehen der Spermien, sprich ob sie eine normale Form und Beweglichkeit besitzen und schließlich noch die Anzahl der normalen Spermien ermittelt.
Das Ergebnis wird mit den Normwerten verglichen. So gilt als normal, wenn mindestens 20 Millionen Spermien auf ein Milliliter Ejakulat kommen. Weiterhin sollten mehr als 50 Prozent normal beweglich sein und mindestens 20 Prozent sich schnell vorwärtsbewegen können.
Da die Qualität des Spermas jedoch sehr unterschiedlich sein kann, wird die Untersuchung in der Regel nach einem Monat wiederholt.

Sind die beiden Ergebnisse vorhanden und abweichend von den Richtwerten und Fehlen die Samenzellen in dem Ejakulat völlig, kann von einer Zeugungsunfähigkeit gesprochen werden. Eine Befruchtung ist zwar auch noch bei abnormen Werten möglich, jedoch sinkt die Wahrscheinlichkeit sehr stark.

Hormonuntersuchungen:

Die Untersuchung der männlichen Hormone wird dann durchgeführt, wenn das Spermiogramm eine verminderte Anzahl an Spermien ergeben hat. Besonders die Hormone FSH (Follikel stimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) sind wichtig für die Produktion und Heranreifung der einzelnen Spermien.
Ihre Werte werden daher bestimmt. Weiterhin wird auch der Testosteronspiegel im Blut bestimmt, da der ausschlaggebend für die Produktion von FSH ist. Hormonstörungen können in der Regel gut behandelt werden. So werden Testosteronspritzen verabreicht, wenn die Spiegel des körpereigenen Testosterons zu niedrig ist.

Therapie

Insemination:

Bei dieser Methode wird das Sperma eines Mannes aufbereitet. Voraussetzung hierfür ist, dass bei dem Mann nur eine leichte Störung der Fruchtbarkeit vorliegt und noch ausreichend Spermien vorhanden sind.
Die aufbereiteten Spermien werden anschließend der Frau während ihres Eisprungs mittels eines Katheters in die Gebärmutter eingeführt. Die Befruchtung kann so dennoch auf dem natürlichen Wege erfolgen.

In Vitro- Fertilisation:

Bei dieser Vorgehensweise wird die Frau zunächst hormonell stimuliert, indem sie sich regelmäßig die benötigten Hormone spritzt. Dadurch werden die Eierstöcke angeregt mehrere befruchtungsfähige Eizellen gleichzeitig zu produzieren, deren Heranreifen mittels Ultraschall überwacht wird.
Anschließend werden meistens zwischen zwei und fünf geeignete Eizellen mit Hilfe einer Nadel abgesaugt. In Deutschland dürfen nicht mehr als drei Eizellen überführt werden. In einer Reagenzschale erfolgt dann die Befruchtung mit aufbereiteten Samenzellen.
Nach zwei bis drei Tagen werden die befruchteten Eizellen wieder in die Gebärmutter überführt. Diese Behandlungsmethode kommt bei Paaren in Frage, bei denen sowohl bei dem Mann als auch bei Frau eine schwere Infertilität vorliegt.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion:

Zunächst erfolgt die hormonelle Stimulation der Frau mit anschließender Absaugung der geeigneten Eizellen. Anschließend wird hier nicht mehrere Spermien mit den Eizellen zusammengeführt, sondern eine Samenzelle wird mit einer feinen Nadel direkt in die Eizelle gespritzt. Eine sehr kostspielige und aufwendige Methode, die daher nur bei sehr starker Störung angewendet wird.

Genetik

Genetische Defekte können ebenfalls als Ursache einer vorliegenden Unfruchtbarkeit in Frage kommen.

Besonders Defekte auf dem Y- Chromosom sind problematisch, weil auf diesem Gen alle genetischen Informationen für eine normale Spermienproduktion liegen.
Demnach kann es durchaus möglich sein, dass ein Vater ein Defekt an seinen Sohn weitervererbt. Wie sich ein Defekt schließlich äußert, hängt maßgeblich von dem Schweregrad des genetischen Defekts ab. So kann es durchaus möglich sein, dass entweder keine Spermien produziert werden oder in geringerer Anzahl, aber ein geringe restliche Fruchtbarkeit möglich ist.

Weitere Informationen zum Thema Unfruchtbarkeit

Eine Übersicht aller Themen der Gynäkologie finden Sie unter: Gynäkologie A-Z

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 07.04.2017
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