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Unerfüllter Kinderwunsch

Synonyme

Unfruchtbarkeit, Zeugungsunfähigkeit, Sterilität (lat. sterilitas), Infertilität

Englisch: infertility, barrenness

Definition

Als Unfruchtbarkeit bezeichnet man das Ausbleiben einer Schwangerschaft über mindestens 2 Jahre, obwohl ein Kinderwunsch besteht und regelmäßiger Geschlechtsverkehr stattfindet. Als primär wird dieser unerfüllte Kinderwunsch angesehen, wenn das Paar noch nie ein Kind zeugen konnte, während der Zustand nach stattgehabter Schwangerschaft in der Vergangenheit als sekundär bezeichnet wird.

Bei der Infertilität kommt es zwar zur Schwangerschaft, diese kann jedoch nicht ausgetragen werden. Das bedeutet, dass die Frau wiederholt Fehlgeburten (Siehe Fehlgeburt) erleidet. Beim Mann bezeichnet die Infertilität einen Befund in der Spermienuntersuchung (Spermiogramm), der auf unzureichende Qualität oder Quantität hindeutet. Beides führt zu einem unerfülltem Kinderwunsch.

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Unerfüllter Kinderwunsch

Bei jedem zehntem Paar ist ein unerfüllter Kinderwunsch vorhanden. Was auch immer die persönliche Motivation für ein Kind war, so kann das der unerfüllte Kinderwunsch die Partnerschaft und Psyche der Betroffenen sehr belasten. Viele Paare wechseln in ihrer Verzweiflung zwischen vielen Ärzten hin und her.

Ursachen beim Mann

  • Spermien-assoziiert
  • Organisch
  • Funktionell

Ursachen bei der Frau

  • Eierstock-assoziierte Ursachen
  • Eileiter-assoziierte Ursachen
  • Gebärmutter-assoziierte Ursachen
  • Gebärmutterhals-assoziierte Ursachen
  • Vaginale Ursachen
  • Psychische Ursachen
  • Weitere Ursachen

Therapie des unerfüllten Kinderwunsches

Therapie beim Mann

In einem Drittel der Fälle liegt die Ursache des unerfülltem Kinderwunsches beim Mann. Eingeteilt werden die Ursachen in Spermien-assoziierte, organische und funktionelle.

  • Spermien-assoziiert
    Die Untersuchung des Ejakulats (Spermiogramm) stellt die einfachste und unkomplizierteste Methode zur Abklärung einer ungeklärten unerfüllten Kinderwunsches dar. An Hand des Normalbefundes (Normozoospermie) können krankhafte Veränderungen recht genau definiert werden: Als Oligozoospermie wird eine zu geringe Spermienkonzentration im Ejakulat bezeichnet, als Asthenozoospermie eine abnorme Beweglichkeit der Spermien. Die Teratozoospermie stellt die anormale Gestalt der Spermien dar. Treten alle drei Abweichungen im Ejakulat gleichzeitig auf, so spricht man vom OAT-Syndrom. Sind überhaupt keine Spermien im Ejakulat vorhanden, handelt es sich um eine Azoospermie, fehlt sogar das Ejakulat, nennt man dies Aspermie. Ist bei einem Mann einer oder mehrere dieser Faktoren vorhanden, so kann das natürlich die Fruchtbarkeit des Mannes stark beeinträchtigen.
    Therapeutisch sollten eventuell vorhandene schädigende Einflüsse wie Nikotin oder Stress vermieden werden. Medikamentöse Versuche werden mit dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron unternommen oder mit Hormonen, die die Hirnanhangdrüse direkt und damit die Testosteronproduktion indirekt stimulieren

Lesen Sie mehr zum Thema: Spermien

  • Organisch
    Jede vorausgegangene Verletzung, Entzündung oder angeborene Missbildung der männlichen Geschlechtsorgane und der Harnröhre kann über eine Beeinträchtigung der Spermienentwicklung die männliche Fruchtbarkeit reduzieren. Die gleiche Wirkung kann auch eine durchgemachte Mumpsinfektion (Siehe Mumps) sowie schädigende Substanzen wie Nikotin, Alkohol und Drogen haben. Entzündungen sollten antibiotisch angegangen und Missbildungen, wenn möglich, operativ behandelt werden.
  • Funktionell
    Darunter bezeichnet man eine Beeinträchtigung in der Funktion der Geschlechtsorgane wie sie eine Erektionsstörungen, Libidostörungen und auch Ejakulationsstörungen darstellen. Neben fortgeschrittenerem Alter macht man auch psychische Konflikte dafür verantwortlich.

Therapie bei der Frau

Bei der Frau können zahlreiche Faktoren, die im Weiteren erläutert werden, die Fruchtbarkeit und somit den unerfüllten Kinderwunsch beeinflussen.

  • Eierstock-assoziierte Ursachen
    Unfruchtbarkeit, die durch Probleme des Eierstocks (Siehe Eierstöcke) entsteht, findet sich bei einem Drittel der betroffenen Paare. Gemeinsam ist den verschiedenen Formen, dass die Heranreifung bzw. der Sprung des Eis und damit eine Grundvoraussetzung für eine Schwangerschaft ausbleibt. Ursache hierfür kann einmal ein Mangel an Hormonen sein, die im Gehirn produziert werden und die Heranreifung und schließlich den Sprung des Eis stimulieren. Grundlage kann hier eine Schädigung im Hirn selber sein oder auch starke körperliche Belastung, wie sie durch Stress, massives Untergewicht (z.B. Magersucht) oder Leistungssport entsteht.
    Die Ursache kann jedoch auch beim Eierstock selbst liegen, wenn Missbildungen, genetische Störungen oder eine Bestrahlung oder Chemotherapie im Rahmen einer Krebstherapie (z.B. Brustkrebs, Eierstockkrebs) vorliegen.
    Auch eine Überproduktion des männlichen Hormons Testosteron oder des Hormons Prolaktin, wie sie bei einer Therapie mit Dopaminantagonisten (in trizyklischen Antidepressiva, Neuroleptika, Methyldopa und MCP enthalten) oder einem Tumor auftritt, beeinträchtigt die Fruchtbarkeit.
    Eine Diagnose kann u.a. per Hormonuntersuchung direkt im Blut und indirekt über die sogenannte Basaltemperaturkurve (bei täglicher Körpertemperaturmessung normalerweise Tempersturanstieg um 0,5 °C in zweiter Zyklushälfte) gestellt werden. Auch invasivere Verfahren kommen zur Untersuchung des Zyklusablaufs zur Anwendung.
    Therapeutisch kommen hier Prolaktinhemmer und sogenannte Ovulationsauslöser (Antiöstrogene) zum Einsatz, wie beispielsweise Clomifen. Führen diese nicht zum Erfolg, so werden andere Hormone (HMG, HCG, GnRH) verabreicht. Bei diesen sehr wirksamen Behandlungsverfahren besteht jedoch die Gefahr eines Überstimulationssyndroms des Eierstocks (s.u.), das sehr gefährlich werden kann sowie die erhöhte Wahrscheinlichkeit von Mehrlingsschwangerschaften.

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  • Eileiter-assoziierte Ursachen
    Die Ursache des unerfüllten Kinderwunsch stellt hier eine Passagebehinderung des Eis bei seiner Wanderung durch den Eileiter Richtung Gebärmutter dar. Diese entsteht durch Verklebungen innerhalb des Eileiters zum einen nach durchgemachten Entzündungen (häufigster Erreger: Chlamydien) oder durch versprengte Gebärmutterschleimhaut (Endometriose).
    Die Diagnose kann hier per Kontrastmittel-gestützter Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung, per Farbstoff-gestützer Bauchspiegelung (Chromopertubation) oder durch eine Pertubation erfolgen. Hierbei wird Kohlendioxid durch die Gebärmutter in die Eileitern geblasen, um die Durchgängigkeit des Gases und damit der Eileitern zu untersuchen.
    Therapeutisch kommt eine Lösung von Verklebungen per Bauchspiegelung oder eine operative Entfernung von verschlossenen Eileiterabschnitten zum Einsatz. Sind diese Verfahren nicht möglich, so ist als letzte Möglichkeit eine künstliche Befruchtung außerhalb des Mutterleibs (In-vitro-Fertilisation) angezeigt.
  • Gebärmutter-assoziierte Ursachen
    Hier können Verklebungen, wie sie durch eine Ausschabung oder Entzündungen entstehen, die Einnistung des Eis verhindern. Auch angeborene Fehlbildungen oder Geschwülste der Gebärmutter (Myome) oder Polypen können ein Hindernis darstellen.
    Eine Diagnose stellt der Arzt hier durch eine Ultraschalluntersuchung, Bauchspiegelung oder Gebärmutterspiegelung. Therapeutisch erfolgt eine Entfernung von Verklebungen oder Geschwülsten sowie die Korrektur von Fehlbildungen.

Lesen Sie mehr zum ThemaGebärmutterspiegelung

  • Gebärmutterhals-assoziierte Ursachen
    Ein unerfüllter Kinderwunsch stellt hier die Behinderung des Spermienaufwärtsstroms dar. Durch Vernarbungen oder Verklebungen nach lokalen Entzündungen und Operationen (Konisation) kann die Passage der Spermien durch den Gebärmutterhals gestört werden. In seltenen Fällen produziert der Gebärmutterhals Schleim, der die Spermien per Antikörper abfängt. Das weibliche Hormon Östrogen bewirkt hingegen bei zu niedriger Konzentration zum Einen, dass der Schleim für die Spermien undurchdringbar ist und zum Anderen, dass das Spermium beim Auftreffen auf ein Ei in dieses schlechter eindringen kann.
    Bei der gynäkologischen Routineuntersuchung kann eventuell bereits eine Diagnose gestellt werden. Oft ist aber auch die Untersuchung des Gebärmutterhalsschleims notwendig (z.B. Kurzrok-Miller-Test).
    Als Therapie kommt je nach Ursache eine Antibiotika- (bei Entzündungen) oder Östrogengabe (Schleimveränderung) in Frage. Kann dadurch keine Schwangerschaft erzielt werden, gibt es die Möglichkeit die männlichen Spermien direkt in die Gebärmutter zu befördern (intrauterine Insemination).
  • Vaginale Ursachen
    Hier ist wieder ein Passagehindernis (durch Entzündungen, Missbildungen etc.) für die Spermien die Grundlage. Schon bei der gynäkologischen Routineuntersuchung kann in der Regel die Diagnose gestellt werden. Eine Korrektur der Missbildung oder eine medikamentöse Behandlung von Entzündungen werden therapeutisch eingesetzt.
  • Psychische Ursachen
    Diese Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch können z.B. massiver Stress oder eine unbewusste Ablehnung einer Schwangerschaft sein. Die Unfruchtbarkeit entsteht dabei durch Störungen im Sexualleben, wie sie z.B. Vaginalkrämpfe (Vaginismus) beim Versuch der Penetration darstellen oder auch hormonelle Ursachen. Diese führen dann zum Ausbleiben der Periode (Amenorrhö) und des Eisprungs (Anovulation). Therapeutisch sollte eine Psychotherapie in Erwägung gezogen werden.
  • Weitere Ursachen
    Hier sind besonders Grunderkrankungen wie Schilddrüsenüberfunktion oder Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes mellitus und Störungen der Nebennierenrinde zu nennen.
    Auch schädigende Substanzen wie Alkohol, Nikotin und Drogen beeinflussen die Fruchtbarkeit negativ. Die Therapie stellt hier die Behandlung der Grunderkrankung dar.

Künstliche Befruchtung bei einem unerfülltem Kinderwunsch

Damit betroffene Paare dennoch nicht auf ihren Kinderwunsch verzichten müssen, dafür gibt es in der modernen Reprodunktionsmedizin die Methoden der Künstlichen Befruchtung

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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