Glomerulonephritis - Was steckt dahinter?

Die Glomerulonephritis ist eine Entzündung (daher die Endung -itis) des Filtersystems (bzw. der Gefäßknäuel = Glomeruli) der Nieren (nephr-) mit Einwanderung von Entzündungszellen.
Glomerulonephritiden sind in Europa die zweithäufigste Ursache für eine chronische Niereninsuffizienz (Nierenversagen). Ein charakteristisches Merkmal ist, dass die Entzündungen immer in beiden Nieren gleichzeitig auftreten.
Die Glomerulonephritis ist eine häufige Ursache eines nephrotischen Syndroms.

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Symptome & Diagnose

Symptome der Glomerulonephritis

Durch die Zerstörung des Filtersystems werden nun Komponenten der Blutzusammensetzung filtriert, die bei gesunder Nierenfunktion nicht in den Harn gelangen.
Dazu gehören:

  • Blut (Hämaturie)
  • Eiweiße (Proteinurie)
    und
  • Zylinder (Zylindrurie).

Das Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels Kreatinin, welcher als Funktionsmarker für die Filterfunktion eingesetzt wird, ist im Blut erhöht. Manche Patienten zeigen zusätzlich einen Bluthochdruck (Hypertonie). Den Symptomenkomplex aus Eiweißverlust über den Harn, zu wenig Eiweiße im Blut (Hypoproteinämie), erhöhte Blutfette mit Ausscheidung von Fetten mit dem Urin (Hyperlipidämie mit Lipidurie), Wassereinlagerungen (Ödeme) und der Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln (Hyperkoagulabilität) bezeichnet man als nephrotisches Syndrom. Dieses Syndrom zeigt sich oft bei der Glomerulonephritis.

Weitere Symptome der Glomerulonephritis können Entzündungszeichen wie erhöhte Temperatur und veränderte Blutparameter sein.

Dazu gehören beispielsweise:

  • die Vermehrung von Abwehrzellen (Leukozytose)
  • Vermehrung von Akute-Phase-Proteinen (Eiweiße, die im Rahmen einer Entzündung ihre Ausgangskonzentration um mehr als 25 % steigern, z.B. der CRP-Wert)
  • erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG).

Weitere Informationen finden Sie unter: Flankenschmerzen rechts

Da die Glomerulonephritis die häufigste Ursache eines nephrotischen Syndroms ist, empfehlen wir Ihnen auch unsere Seite: Was ist das nephrotische Syndrom?

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Diagnose einer Glomerulonephritis

Bei einem Verdacht auf eine Glomerulonephritis ist neben der körperlichen Untersuchung eine ausführliche Anamnese (Krankheitsgeschichte) zu erheben.
Im nächsten Schritt wird neben einer Urinuntersuchung und einer Untersuchung der Blutzusammensetzung ein Ultraschall der Nieren (Sonographie) durchgeführt. Zeigen sich im Ultraschallbild normal große Nieren, spricht dies für eine akute Verlaufsform. Bei einer längeren, chronischen Form sind die Nieren verkleinert.

Neben der Bestimmung der Standard-Laborparameter wird im Blut (bzw. Serum) nach bestimmten Antikörpern gesucht. Erniedrigte Komponenten der allgemeinen Abwehr (Komplemensystem) können ebenfalls Hinweis auf eine immunolgische Verlaufsform sein.

Zur Sicherung der Diagnose kann eine Probeentnahme von Nierengewebe (Nierenbiopsie) eingesetzt werden.

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Einteilung nach Mikroskopie

Bei den Glomerulonephritiden gibt es verschiedene Einteilungen. Sie kann nach den Symptomen erfolgen oder nach den mirkoskopischen Merkmalen (histopathologisch oder elektronenmikroskopisch). Auch die Einteilung anhand immunhistochemischen Merkmalen (Verhalten des Nierengewebes) ist gebräuchlich.

Die hier verwendete Einteilung erfolgt anhand der Merkmale, die unter dem Lichtmikroskop zu finden sind (histologisch):

  • Minimal-Change Glomerulonephritis
  • Endokapillär-prolieferative Glomerulonephritis (= Post-Streptokokken-GN)
  • Mesangioproliferative Glomerulonephritis vom IgA-Typ
  • fokal-segmentierte Glomerulosklerose
  • Membranöse Glomerulonephritis
  • Membranprolieferative Glomerulonephritis
  • Nekrotisierende intra-/extrakapillär-prolieferative (= rapid progrediente) Glomerulonephritis

Der Befall kann alle Filter betreffen (diffus) oder nur bestimmte Glomeruli (fokal). Sind zusätzlich die Blutgefäßschlingen betroffen, wird dies als semgentaler Befall bezeichnet.

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Ursachen & Prophylaxe

Ursache der Glomerulonephritis

Die genaue Ursache einiger Formen ist bis heute unklar. Lediglich bei den Formen, die nach einer Entzündung auftreten (postinfektiös = durch eine Entzündung ausgelöst), scheint der Zusammenhang zum den auslösenden Faktoren klar. Bei den anderen Formen werden ebenfalls Zusammenhänge mit Infektionen nur vermutet.

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Aufbau und Funktion des Nierenfilters

Um diese Erkrankung und die verschiedenen Formen besser zu verstehen, ist es hilfreich, sich kurz mit dem Aufbau und Funktion des Nierenfilters zu beschäftigen.
Die Nieren werden in Rinde und Mark eingeteilt. Die Filter liegen in der Nierenrinde. Die zentrale Funktionseinheit ist das Nephron.
Jede Niere besitzt ca. 1 Millionen Nephrone. Sie enthalten die Glomeruli, welcher auch Malphigi-Körperchen genannt werden und je ca. 30 kleinste Blutgefäßschlingen zur Filtration des Blutes enthalten.
Beteiligt am Filtersystem sind von innen nach außen:

  • die gefensterte Endothelzellschicht (eine Schicht der Blutgefäße)
  • eine Basalmembran
    und
  • sog. Füßchenzellen (Podozyten).

Die Größe der „Poren“ sind so gewählt, dass nur bestimmte, relativ kleine Komponenten des Blutes filtriert werden können. Unterstützt wird dies durch die Ladung des Filters (er ist negativ geladen). Da sich gleich geladenes abstößt, werden nur neutrale und positiv geladene Substanzen filtriert.
Mehr zur Funktion der Nieren erhalten Sie unter unserem Thema: Niere.

Was passiert, wenn die Niere ihre Aufgaben nicht mehr vollständig erfüllen kann? Lesen Sie mehr dazu unter:  

Krankheitsentstehung (Pathogenese)

Der genaue Entstehungsverlauf der Glomerulonephritis ist bei den meisten Formen noch immer spekulativ.
Bisher hat man herausgefunden, dass immunologische Prozesse, zumindest bei einigen Formen, ein wichtiger Faktor darstellen. Bei diesen immunologischen Prozessen werden bei einer Infektion mit bestimmten Erregern (z.B. Streptokokken) vom Körper zur Bekämpfung gegen diese Keime (man nennt sie auch Antigene) Antikörper gebildet. Es bilden sich im Verlauf der Abwehrreaktion ganze Antigen-Antikörper-Komplexe, die sich in den kleinen Nierengefäßen ablagern können. Dort kommt es dann zu einer Entzündung, was die Filterfunktion stört oder zerstört.
Bei einer anderen Form werden vom Körper Antikörper direkt gegen das Filtersystem (z.B. gegen die Basalmembran) gebildet, was oft neben den Nieren auch die Lungen betrifft (Goodpasture-Syndrom = renopulmonales Syndrom). Beim Goodpasture-Syndrom wird derzeit eine vorausgehende Entzündung in der Lunge oder des luftleitenden Systems diskutiert.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 26.09.2010 - Letzte Änderung: 20.01.2022
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