Erhöhte Temperatur

Einleitung

Die normale Körpertemperatur – gemeint ist damit die Kerntemperatur im Inneren des Körpers – liegt bei gesunden Menschen in etwa zwischen 36,5 und 37,4°C. Der Körper versucht über einen Regelkreis (Thermoregulation im Gehirn/Hypothalamus) diese Normtemperatur weitgehend konstant zu halten, um den Körper in einer optimalen Betriebsbereitschaft in Bezug auf Stoffwechselprozesse, Muskelaktivität, Abwehrsystem und Sauerstofftransport zu versetzen.

Im Verlauf des Tages treten in aller Regel jedoch immer wieder minimale Temperaturschwankungen auf, genauso auch an unterschiedlichen Stellen innerhalb des Körpers, sodass es, je nach Ort der Messung, zu schwankenden Messungen kommen kann. Gemessen wird die Körperkerntemperatur in der Regel mithilfe eines Fieberthermometers über den Mund (sublingual), dem Ohr (aurikulär), die Achselhöhle (axillär) oder dem Mastdarm (rektal), wobei die rektale Messung der tatsächlichen Temperatur des Körperinneren am nächsten kommt. Von einer erhöhten (auch subfebril genannten) Körpertemperatur spricht man bei gemessenen Temperaturen von 37,5-38°C, ab Werten von 38,5°C dann sogar von Fieber (Temperaturen ab 40°C gelten als gefährlich, da es hier zur Zerstörung von körpereigenen Eiweißen und somit zu Organ-/Gewebeschäden kommen kann). Wichtig ist, dass bei Neugeborenen und Säuglingen ab einer (rektal gemessenen) Körperkerntemperatur von 37,8°C bereits schon von Fieber gesprochen wird.

Gerade Temperaturerhöhungen im subfebrilen Bereich können dabei verschiedenste Ursachen haben und müssen nicht zwangsläufig ein Hinweis auf eine beginnende Erkältung bzw. Infektion sein.


Ursachen

Eine der physiologischen Ursachen für leichte Temperaturschwankungen bzw. –anstiege sind Unterschiede in der Stoffwechselaktivität des Körpers im Tagesverlauf.
Dies führt dazu, dass die Körperkerntemperatur zum Beispiel in der Nacht physiologisch tiefer ist, als am Tag, in der zweiten Nachthälfte und am Morgen ihren tiefsten Punkt und am Nachmittag bzw. frühen Abend ihren Höchstwert erreicht. Je nach Zeitpunkt der Temperaturmessungen, können normale Temperaturschwankungen demnach als erhöhte Temperatur interpretiert werden.

Genauso können die Temperaturen auch innerhalb des Körpers an verschiedenen Stellen leicht voneinander abweichen, sodass es zu voneinander abweichenden Messwerten kommen kann, wenn die Temperatur nicht immer an der gleichen Stelle gemessen wird.

Zu den physiologischen Körpertemperaturschwankungen bei der Frau gehört die gerringgradige erhöhte Temperatur in der zweiten Hälfte des Zyklus kurz nach dem Eisprung, die bis zur vor Beginn der nächsten Periode bestehen bleibt.
Hierbei handelt es sich um einen Unterschied von ca. 0,2-0,5°C (z.B. von 36,5 auf 37°C), der durch den Anstieg des Hormons Progesteron verursacht wird.

Gleiches gilt im Falle einer bestehenden Schwangerschaft, bei der es, bedingt durch die dauerhafte Progesteron-Mehrproduktion, zu einer konstanten Temperaturerhöhung um bis zu 0,5°C kommt. Sollte es im Verlauf der Schwangerschaft jedoch zu einer stärker erhöhten Temperatur bis hin zum Fieber kommen, ist ein sofortiges Aufsuchen des Frauenarztes anzuraten, um mögliche Schwangerschaftskomplikationen auszuschließen.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Fieber in der Schwangerschaft

Durch sportmedizinische Untersuchungen ist darüber hinaus bekannt, dass körperliche Aktivität zur einer erhöhten Temperatur führt, sodass es bei sportlichen Höchstleistungen, wie etwa das Laufen eines Marathons, zu einem Temperaturanstieg auf bis zu 39/40°C kommen kann (bei körperlicher Arbeit und normalem Breitensport liegt die Körpertemperatur in der Regel bei 38°C). Der Grund, warum der Körper bei sportlicher Betätigung regelrecht Fieber erzeugt, ist folgender: der Energieumsatz während des Sports oder bei körperlicher Arbeit ist enorm gesteigert, was unter anderem dazu führt, dass reichlich Wärmeenergie freigesetzt wird, die zu einer erhöhten Temperatur führt. Als regulierende Gegenmaßnahme kommt es zum Schwitzen, um den Körper wieder abzukühlen. Auch nach dem Sport kann die Temperatur noch einige Zeit erhöht bleiben, da der Energieumsatz und die Wärmeproduktion noch über die direkte sportliche Aktivität hinaus für einen gewissen Zeitraum gesteigert bleiben.

Aber auch sehr hohe Außentemperaturen und direkte, starke Sonneneinstrahlungen auf den Körper, können zu einer erhöhten Temperatur führen und sogar einen lebensgefährlichen Hitzeschlag auslösen (Überhitzung des Körpers auf über 40°C mit folgendem Hirnödem bzw. Hirnschädigung).

Eine weitere Ursache für eine erhöhte Temperatur ist das sogenannte postoperative Fieber: In vielen Fällen nach größeren operativen Eingriffen, kann es in dem Zeitraum der ersten 10 Tage nach der OP zu einem Temperaturanstieg kommen. Dies liegt an der physiologischen Reaktion des Körpers auf die durch die Operation verletzten Körperstrukturen und das eventuell verwendete Fremdkörpermaterial (z.B. Drähte, Fäden etc.). Steigt die Temperatur jedoch in den Bereich des Fiebers, kann dies auch ein Hinweis auf bestehende postoperative Infektionen sein (z.B. Wundinfektionen).

Neben allen bisher erwähnten, möglichen Ursachen, kommen natürlich auch immer bakterielle oder virale Infektionen infrage, bei denen der Körper durch erhöhte Temperaturen das Immunsystem unterstützt und die Erregerabwehr effizienter werden lässt. In der Regel ist dabei das Fieber bei bakteriellen Infektionen höher, als bei viralen. Aber auch im Rahmen von allergischen Reaktionen (z. B. Heuschnupfen, Pollenallergie, Reaktion auf Lebensmittel oder Medikamente) kann es zu einer erhöhten Temperatur kommen. Genauso können auch rheumatische Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen, bei denen das Abwehrsystem körpereigene Strukturen als fremd erkennt und angreift, Fieber als begleitendes Symptom haben.

Auffallend ist, dass Kleinkinder wesentlich häufiger erhöhte Temperaturen oder Fieber haben als Erwachsene. Dies liegt unter anderem daran, dass das Immunsystem der Kleinen noch nicht voll und ganz ausgereift ist und somit wesentlich häufiger Bakterien oder Viren zu Infektionen führen. Was jedoch keineswegs heißt, dass jede Temperaturerhöhung des Kindes gleichbedeutend ist mit einer Infektion (z. B. Mittelohrentzündung, grippaler Infekt, Magen-Darm-Infekte etc.). So kann es zum Beispiel auch zu Temperaturerhöhungen oder Fieber kommen, wenn beim Nachwuchs die Zähne kommen oder alleine dadurch, dass viel herumgetobt oder zu warme Kleidung angezogen wurde.

Weitere Umstände, die eine erhöhte Körpertemperatur verursachen können, sind erhöhte Stressbelastung oder die Einnahme bestimmter Arzneimittel (z. B. Antibiotika wie Ampicillin, Cephalosporine, Vancomycin; trizyklische Antidepressiva, Atropin u.a.).

Eine weitere, aber im Verhältnis zu den anderen aufgeführten Ursachen seltene Ursache einer erhöhten Temperatur über längeren Zeitraum, kann ein bestehender Tumor sein. Tritt die erhöhte Temperatur zudem zusammen mit einem ungewollten Gewichtsverlust und Nachtschweiß auf (sogenannte B-Symptomatik bei Tumorerkrankungen), ist ein allgemeiner Check-Up auf mögliche Tumorerkrankungen sinnvoll.

Bestehen erhöhte Temperaturen oder sogar ein Fieber über 38,5°C über einen Zeitraum von mindestens 3 Wochen, ohne dass auch nur irgendeine Ursache durch die ärztliche Diagnostik gefunden werden kann, so spricht man von einem Fieber unklarer Genese.

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Symptome

Die typischen Anzeichen für eine erhöhte Temperatur sind vor allem Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Muskel-, Gelenk-, Kopf- und Gliederschmerzen, Schweißausbrüche und Hitzeempfinden, eine beschleunigte Atem- und Pulsgeschwindigkeit, eine trockene oder sogar belegte Zunge, trockene und heiße Haut und glänzende Augen. Besonders in der Phase des Fieberanstieges, als der Zeit, in der subfebrile Temperaturen vorliegen, kommt es oft auch zu Schüttelfrost und einem Kältegefühl, da der Körper noch dabei ist, die Kerntemperatur mittels Muskelzittern zu erhöhen. Hinzukommen können weitere Symptome wie Appetitlosigkeit, Unruhe, Übelkeit, Erbrechen und Verstopfungssymptome. Die Stärke der jeweiligen Symptome hängt vor allem von der Höhe des Fiebers ab, wobei für alle (bis auf den Schüttelfrost) gilt: je höher die Temperatur, desto ausgeprägter die Symptomatik.

Diagnose

Ob eine erhöhte Körpertemperatur vorliegt, wird in der Regel mithilfe eines Fieberthermometers gemessen. Die Genauigkeit der Messung hängt hierbei neben der Geräteeigenschaft auch von dem Ort der Messung ab. Die Temperaturmessung im Po (rektal) gilt als die genaueste, da sie der tatsächlichen Temperatur im Inneren des Körpers am nächsten kommt. Die Messung im Mund, bei der das Fieberthermometer unter die Zunge gelegt wird (sublingual) und die Lippen geschlossen sein müssen, ist auch noch recht genau, weicht aber meist um bis zu 0,3°C von der unangenehmeren rektalen Messung ab. Zuvor zu sich genommene heiße oder kalte Speisen bzw. Getränke können die sublinguale Messung zudem verfälschen.

Desweiteren kann die Körperkerntemperatur auch unter der Achsel gemessen werden (axillär), wobei diese Methode zwar als die angenehmste und am weitesten verbreitete, aber auch ungenaueste gilt (bis zu 0,5°C Abweichung von rektalen Messwerten). Als letztes können erhöhte Temperaturen auch über Infrarotwellen im Ohr gemessen werden, wobei aber auch hier durch Entzündungen oder Gehörgangsverlegungen mit Ohrschmalz falsch niedrige Messwerte verursachen können.

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Liegt nach der korrekten Messung tatsächlich eine erhöhte Körpertemperatur vor, gilt es die Ursache dafür zu finden. In der Regel untersucht der behandelnde Arzt den Patienten zunächst körperlich auf weitere bestehende Anzeichen für beispielsweise Infektionen oder Entzündungen und erfragt im Rahmen der Anamnese möglicherweise zurückliegende Auslandsaufenthalte. Auch eine Blut-, Urin- oder Stuhlprobe kann für die weitere Abklärung genommen werden, um diese auf Entzündungs- und/oder bakterielle Infektionen hin zu untersuchen. Genauso kann eine Ultraschalluntersuchung des Bauches und der Nieren oder eine Röntgenaufnahme des Thorax je nach Fragestellung einer weiterführenden Diagnostik dienen.

Therapie

Da es sich bei dem Prozess der Erhöhung der Körperkerntemperatur um eine sinnvolle und oft notwendige Maßnahme des Körpers handelt, die schädigende Ursache besser und effektiver bekämpfen zu können, sollte in der Phase des Fieberanstiegs nicht gleich unbedingt immer auf fiebersenkende Mittel zurückgegriffen werden. Durch die Erhöhung der Körpertemperatur verschafft sich unser Organismus einen Zustand erhöhter Aktivität, sodass bestimmte Prozesse, wie zum Beispiel auch die Abwehr von Erregern, effizienter ablaufen können. Zudem sollte vor jeder Therapieeinleitung ausgeschossen werden, ob es sich bei den subfebrilen Temperaturen nicht doch nur physiologische Schwankungen handelt. Ist dies nicht der Fall, gelingt die Temperatursenkung am nachhaltigsten durch das Auffinden und Beseitigen der Ursache (z. B. Antibiotikagabe bei bakteriellen Infektionen).

Steigt die Temperatur jedoch in der Zeit weiter in den Fieberbereich an und/oder ist der Patient deutlich durch die Temperaturerhöhung geschwächt, sollte ab einer Temperatur von 38,5°C letztendlich doch auf ärztlich verordnete, fiebersenkende Mittel zurückgegriffen werden, um den Körper zu schonen. Hierbei können zum einen fiebersenkende Medikamente mit gleichzeitiger entzündungshemmender und schmerzstillender Wirkung verwendet werden (sognannte Nicht-steroidale Antirheumatika, wie Ibuprofen oder ASS) oder Präparate, die zusätzlich nur schmerzstillend wirken, ohne dabei eine Entzündung bekämpfen zu können (z. B. Paracetamol). Neben der Einnahme von Medikamenten, helfen oft auch kalte Wadenwickeln oder ein kalter Waschlappen auf der Stirn, um die Wärme aus dem Körper abzuleiten. Wichtig ist zudem immer eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, um das über das Schwitzen verlorengegangene Wasser dem Körper wieder zuzuführen.

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Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 02.11.2017
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