B-Symptomatik

Definition

Unter dem Begriff B-Symptomatik versteht man das Vorliegen spezifischer Allgemeinsymptome, die auf eine konsumierende Erkrankung hinweisen. Konsumierend bedeutet dabei, dass es sich um eine für den Körper sehr belastende Erkrankung handelt, die ihm viel Energie raubt und den Stoffwechsel auf Dauer überstrapaziert. Damit zählen Fieber > 38°C, Nachtschweiß und ungewollter Gewichtsverlust zu den B-Symptomen.

Der Buchstabe „B“ weist dabei nach der "Ann-Arbor-Klassifikation für maligne Lymphome" auf das Vorliegen von Symptomen hin, wogegen „A“ für Symptomfreiheit steht. Klinisch wird der Begriff heute aber nicht nur für bösartige, sondern auch für infektiöse Krankheiten verwendet.


Ursachen

Die Ursachen für das Vorliegen von B-Symptomen können sich sowohl in einer infektiösen Erkrankung als auch einem bösartigen Tumor begründen. Beiden großen Erkrankungsgruppen ist in diesem Fall gemeinsam, dass es schwerwiegende Erkrankungsverläufe sind.
Die Krankheitserreger oder mutierten Zellen greifen immens in den Stoffwechsel des Betroffenen ein und brauchen nahezu alle Energiereserven auf. Bei einer infektiösen Erkrankung mit B-Symptomatik läuft das Immunsystem des Betroffenen auf Hochtouren. Mit einer erhöhten Körpertemperatur versucht der Körper die Krankheitserreger abzutöten. Gleichzeitig führt dies zu vermehrtem Schwitzen.
Der Nachtschweiß lässt sich aber nicht allein durch diesen Abwehrprozess erklären. Ein Erklärungsversuch ist, dass nachts der Stoffwechsel normalerweise reduziert wird und der Körper sich in eine Erholungsphase begibt. Bei einer konsumierenden Erkrankung ist eine Erholung nicht vollständig möglich und weder Stoffwechselprozesse noch die Körpertemperatur können herunter reguliert werden.
Bösartige Tumoren manipulieren dagegen das Immunsystem und unterdrücken die körpereigene Abwehr gegen die schädlichen Zellen. In der Tat nutzen maligne Tumoren körpereigene Versorgungsstrukturen und Blutgefäße um sich selbst zu ernähren und vergrößern zu können. Der Körper muss also mehr leisten als zuvor und zusätzliches Gewebe versorgen. Das wiederum fordert einen höheren Grundumsatz. Körperlich zeigt sich die gesteigerte Verbrennung von Kalorien in einem Gewichtsverlust (für die B-Symptomatik > 10% des Körpergewichtes in den letzten 6 Monaten). Die erhöhte Körpertemperatur und der Nachtschweiß sind teilweise hierdurch erklärbar, aber genauso wie bei den infektiösen Erkrankungen noch nicht ausreichend untersucht.

Diagnose

Die Diagnose einer vorliegenden B-Symptomatik wird hauptsächlich durch die Anamnese gestellt. Der Arzt fragt in diesem Untersuchungsschritt spezifisch nach dem Vorliegen und der Dauer der Symptome. Es ist dabei entscheidend, dass die Ausprägung der bereits beschriebenen Symptome stark genug ist und wenn möglich auch objektivierbar ist.
Daher wird der untersuchende Arzt auch nach dem Erstgespräch die Temperatur und das Körpergewicht messen. Zusätzlich wird häufig noch eine Blutprobe (siehe auch: Blutuntersuchung) entnommen und eine körperliche Untersuchung vorgenommen, um einen möglichen ersten Hinweis auf Veränderungen zu bekommen.
Die absolute Ehrlichkeit des Betroffenen ist im Rahmen einer solchen Untersuchung unabdingbar. Schon kleine Details können nämlich B-Symptome erklären oder sie sogar entschärfen und damit Entlastung herbeibringen.

Begleitende Symptome

Eine vorliegende B-Symptomatik wird oft noch von anderen Symptomen unbemerkt begleitet. Es sind vor allem banale Symptome wie Müdigkeit und Leistungsminderung, die die Betroffenen häufig auf den Stress bei der Arbeit oder Schlafstörungen zurückführen. Aber auch Übelkeit oder Appetitlosigkeit können parallel zur B-Symptomatik auftreten und fälschlicherweise mit einem nervösen Magen oder einem Magen-Darm-Infekt begründet werden.
Psychische Veränderungen sind zwar selten, können aber auch ein Hinweis auf eine ernst zu nehmende Erkrankung sein. Zeigt sich also eine enge Bezugsperson wesensverändert, indem sie auffallend aggressiv oder ängstlich ist, kann dies ein wegweisendes Symptom sein. Nicht selten ist diese Charakterveränderung aber auch auf chronische Schmerzen zurückzuführen, die entweder in ihrer Ursache noch ungeklärt sind oder im Rahmen einer sich verschlechternden Erkrankung zunehmen.
Es ist tückisch, dass es wirklich oft Symptome sind, die normalerweise harmlosen Infekten oder Ereignissen zugeordnet werden können. Beim Erstkontakt mit dem Arzt findet sich häufig noch nicht der richtige Auslöser und ein Abwarten wird empfohlen. Deswegen sollten selbst nahezu unbedeutende Symptome kritisch beobachtet und bei längerem Anhalten als ein paar Wochen eine weitere Abklärung eingeleitet werden.

Therapie

Die B-Symptome können nur mit der Behandlung der Grunderkrankung erfolgreich therapiert werden. Die Erkrankung ist nämlich der Auslöser und wird die Symptomatik solange hervorrufen wie sie selbst vorliegt. Meistens handelt es sich leider um Erkrankungen, die eine lange Therapiezeit benötigen. Daher wird die B-Symptomatik bei starker Ausprägung auch direkt von Anfang an mitbehandelt. Das Ziel ist dabei den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und den subjektiven Leidensdruck zu vermindern. Den eigentlichen Erfolg bringt aber die Heilung der Erkrankung.
Medikamente sind nur bedingt zur Therapie der B-Symptome einsetzbar. Lediglich die erhöhte Körpertemperatur kann mit ihnen gesenkt werden. Vielmehr sind es pflegerische Maßnahmen wie regelmäßiges Wechseln der Kleidung und angepasste Körperpflege, die eine Linderung bringen können. Bei einer starken Gewichtsabnahme ist eine Ernährungsberatung sehr sinnvoll. Hier wird darauf geachtet, dass die Kalorienzufuhr dem Krankheitszustand angemessen ist und ausreichend Nährstoffe zur Verfügung gestellt werden. Je nach Grunderkankung kann auch eine ausgeglichene Säure-Basen-Bilanz angestrebt werden, um die Therapie optimal zu unterstützen.

Dauer

Die Dauer der B-Symptomatik richtet sich nach der Dauer der auslösenden Erkrankung. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die B-Symptome ungefähr solange vorliegen werden wie die Erkrankung selbst. Allerdings nehmen sie im Verlauf einer wirksamen Behandlung ab und spiegeln damit den Therapieerfolg wider. Da es viele verschiedene Erkrankungen gibt, die die B-Symptomatik auslösen, ist eine genaue Angabe der Dauer nicht möglich und muss individuell abgeschätzt werden.

B-Symptomatik bei Tumor/Krebs

Ein Tumor kann mit B-Symptomatik einhergehen, muss es aber nicht. Im Umkehrschluss heißt dies, dass eine B-Symptomatik eine bösartige Erkrankung nicht beweist. Bei einem bösartigen Tumor, der umgangssprachlich als Krebs bezeichnet wird, ist das Vorliegen einer B-Symptomatik jedoch häufig der erste Hinweis auf das Vorliegen eines Tumors.
Betroffene haben andere unspezifische Symptome wie zum Beispiel Übelkeit oder Leistungsminderung oft auf andere Ursachen geschoben und bemerken erst im weiteren Verlauf, dass sich ihr Allgemeinzustand zusehends verschlechtert bzw. verändert hat. Gerade bei bösartigen Tumoren, die keine großen Raumforderungen im Körper wachsen lassen oder insgesamt sehr langsam wachsen, ist die Ausprägung von B-Symptomen oft das erste Anzeichen.
Nicht selten ist es auch der Fall, dass die Symptomtrias der B-Symptomatik „Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust“ über den meist langen Zeitraum sich einem Gewöhnungseffekt unterzieht, sodass Betroffene erst im Rückblick ihre Symptome richtig deuten. Klinisch gesehen ist das Vorliegen einer B-Symptomatik prognostisch als eher ungünstig zu sehen, was aber im Einzelfall eventuell korrigiert werden muss. Als positiv ist zu sehen, dass die Suche nach einem unbekannten Tumor hierdurch begonnen und die Therapie somit schnellstmöglich gestartet werden kann.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Tumor

B-Symptomatik bei Rheuma

Rheuma zählt zu den Autoimmunerkrankungen und kann nicht als spezifische Krankheit bezeichnet werden. Vielmehr ist es ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen.
Typisch für diese Erkrankungen ist, dass sie mit Entzündungen und Stoffwechselstörungen einhergehen. Genau diese Kombination kann bei schweren Krankheitsverläufen eine B-Symptomatik verursachen. In den meisten Fällen gehen Betroffene schon vorher zum Arzt, sodass die B-Symptome dann häufig zu einem Schub gezählt werden beziehungsweise als Krankheitsverlauf des Rheumas zu sehen sind.
Nichtsdestotrotz sollte eine neu aufgetretene B-Symptomatik immer abgeklärt werden, da das Risiko für Lymphome beim Vorliegen einer rheumatischen Erkrankung erhöht ist.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Rheuma

B-Symptomatik bei Tuberkulose

Die Tuberkulose gehört zu den infektiösen Erkrankungen, die durch Bakterien verursacht wird. Bei schwerwiegenden Krankheitsverläufen kann sie zu Fieber und einer Gewichtsabnahme führen. Ärzte sprechen bei sehr starker Symptomausprägung dann vom Vorliegen einer B-Symptomatik.
Da sich die Tuberkulose sehr vielfältig ausprägen kann, ist die Bezeichnung B-Symptomatik bis zur genauen Diagnose als Arbeitshypothese zu sehen. Eine Tuberkulose prägt sich nämlich nicht immer nur in der Lunge aus und kann theoretisch jedes beliebige Organ befallen. Gelangen die Erreger in den Darm, kann dies eine Stoffwechselstörung zur Folge haben. Eine Gewichtsabnahme über einen langen Zeitraum könnte dann die Folge sein und einen weiteren Teil der Symptomtrias widerspiegeln.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Anzeichen einer Tuberkulose

B-Symptomatik bei Sarkoidose

Die Sarkoidose ist eine Systemerkrankung, die prinzipiell im ganzen Körper zu entzündlichen Veränderungen des Bindegewebes führen kann. Prägt sich die Sarkoidose nicht wie zu 90% in der Lunge aus und macht die für diese Erkrankung spezifischen Lungenveränderungen, kann sie durchaus das klinische Bild einer B-Symptomatik beim Patienten hervorrufen.
Gerade weil sie in den meisten Fällen chronisch verläuft, kann sie innerhalb verschiedener Entzündungsschübe zu einer dauerhaft erhöhen Körpertemperatur und Gewichtsabnahme führen. Durch eine genaue Anamnese und körperliche Untersuchung sollten aber die für die Sarkoidose typischen knotigen Veränderungen des Bindegewebes die Diagnose dieser Systemerkrankung sichern.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Symptome der Sarkoidose

B-Symptomatik bei Lymphom

Zur genaueren Einteilung der Lymphome wurde die Ann-Arbor-Klassifikation entwickelt. Sie unterscheidet die malignen Lymphome nach ihrem Befallsmuster in Stadien und zusätzlich mit den Buchstaben „A“ und „B“ nach dem Vorliegen von Allgemeinsymptomen. Das Ziel dieser Einteilung ist die Prognose des Patienten zu bestimmen und seine Therapie optimal auf sein Krankheitsstadium abzustimmen.
Patienten mit einem Lymphom leiden zu Beginn ihrer Erkrankung häufig an einer erhöhten Infektanfälligkeit, die fast immer von Lymphknotenschwellungen begleitet wird. Es ist auffällig, dass die Infekte sich zeitlich sehr häufen und sehr belastend für den Körper sind. Beim Patienten zeigt sich dann das Vorliegen einer B-Symptomatik, die typisch für diese Erkrankung ist. Gerade das Vorliegen der kompletten Symptomtrias aus „Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust“ weist auf ein Lymphom hin.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Symptome eines Lmyphoms

Weitere Informationen zum Thema

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 02.11.2017
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