Fieber in der Schwangerschaft

Definition

Meist wird ab einer Temperatur von über 38°C von Fieber gesprochen. Auch in der Schwangerschaft gilt dieser Grenzwert. Temperaturen zwischen 37,1 und 37,9 °C hingegen werden häufig als subfebrile Temperaturen oder als leicht erhöhte Temperatur bezeichnet. Fieber in der Schwangerschaft kann ganz verschiedene Ursachen haben und ist ein sehr allgemeines Symptom. Es ist nicht einer spezifischen Ursache zuzuordnen und meist vielmehr Ausdruck einer Abwehrreaktion des Körpers.

Ab wann wird es gefährlich für mein Baby?

Fieber ist für schwangere Frauen – verständlicherweise – eine sehr heikle Angelegenheit. Unweigerlich kommt die Frage auf, ob und wie gefährlich die erhöhte Temperatur für das Kind ist. Fieber in der Schwangerschaft ist per se nicht gefährlich für das Kind. Anders als oft angenommen wird, ist die Rate für Fehlgeburten – insbesondere während der ersten 16 Schwangerschaftswochen – nicht durch Fieber erhöht. Dabei spielt weder die Höhe noch die Dauer des Fiebers eine Rolle. Gefährlich wird es vor allem dann, wenn plötzlich hohes Fieber von einem vorzeitigen Blasensprung begleitet wird. In diesem Falle sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden, da der Verdacht auf ein Amnioninfektionssyndrom besteht. Diese bakterielle Infektion des Fruchtwassers kann zu erheblichen Komplikationen wie einer Blutvergiftung der Mutter oder einer Frühgeburt führen. Banale grippale Infekte sind ungefährlich für Mutter und Kind, klassische Kinderkrankheiten wie Röteln oder Windpocken sind jedoch dafür umso gefährlicher. Bei Verdacht auf eine solche Krankheit sollte daher ebenfalls umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Gefährlich ist jedoch hier nicht das Fieber, sondern der Erreger als solcher, der zu schweren Fehlbildungen beim Kind führen kann. Auch andere Krankheiten wie Hepatitis, Herpes oder Toxoplasmose können mit Fieber einhergehen. Sie zeigen jedoch auch andere charakteristische Symptome, die den Verdacht auf die jeweils passende Differentialdiagnose lenken. Solche Krankheiten können ebenfalls gefährlich für das Baby werden. Wie bei den klassischen Kinderkrankheiten ist jedoch auch hier nicht das Fieber der ausschlaggebende Faktor, der eine Gefahr für das Kind bildet.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Infektionen in der Schwangerschaft


Ab wann muss ich zum Arzt?

Generell empfiehlt es sich, in der Schwangerschaft lieber einmal zu viel als einmal zu wenig einen Arzt aufzusuchen. Bei einer leichten Erkältung, einem grippalen Infekt oder Ähnlichem können Sie ihren Hausarzt aufsuchen. Auch wenn keine Gefahr für das Kind besteht, so kann der Hausarzt eine symptomatische Behandlung einleiten und vor allen Dingen für etwas Beruhigung sorgen. Das ist in der Schwangerschaft sehr wichtig. Man muss jedoch bei leichtem Schnupfen und Fieber bis 39°C nicht unbedingt einen Arzt aufsuchen. Höheres Fieber sollte jedoch ärztlich abgeklärt werden. Bei zusätzlichen gynäkologischen Symptomen wie vaginalem Ausfluss, Juckreiz im Intimbereich, Schmerzen im Bereich der Gebärmutter oder Blutungen sollten Sie Ihren Frauenarzt aufsuchen. Falls der Verdacht auf eine Rötelninfektion besteht, sollten Sie ebenfalls unverzüglich Ihren Frauenarzt aufsuchen.

Ab wann sollte ich direkt ins Krankenhaus gehen?

Wenn plötzlich sehr hohes Fieber – über 39°C – auftritt, ohne erkenntlichen Grund und ohne weitere Begleitsymptomatik sollten Sie unverzüglich die Klinik aufsuchen. Es besteht die Gefahr für einen vorzeitigen Blasensprung im Zuge eines Amnioninfektionssyndroms. Ein weiteres Indiz können vorzeitige Wehen oder Druckschmerzen im Bereich der Gebärmutter sein. Auch ein übelriechender Ausfluss ist ein typisches Symptom des Amnioninfektionssyndroms. Da es sich um ein hochakutes Krankheitsbild handelt, das sowohl Mutter als auch Kind gefährdet, sollten Sie keine Zeit verlieren und sich vertrauensvoll an eine Klinik wenden.

Was sind die Folgen von Fieber in der Schwangerschaft?

Fieber in der Schwangerschaft zieht in der Regel keine negativen Folgen nach sich. Leichte grippale Infekte sind unbedenklich und gehen mit mäßigem Fieber einher. Meistens empfinden werdende Mütter das Fieber als sehr stressig, weil sie sich um das Wohl ihrer ungeborenen Kinder sorgen. Aus medizinischer Sicht geht das Fieber jedoch nicht mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko für das Kind einher. In manchen Fällen ist Fieber ein Symptom einer schweren Erkrankung, wie eines Amnioninfektionssyndroms. In diesem Falle besteht ein erhöhtes Risiko für das Kind. Es kann zu einer Frühgeburt oder einer schweren Infektion, sowohl der Mutter als auch des Kindes kommen. Bei sehr hohem Fieber, über 39°C, schweren Begleitsymptomen oder übelriechendem, vaginalem Ausfluss sollte unmittelbar ein Arzt aufgesucht werden, da dies Hinweise auf eine Infektion des Fruchtwassers sein können. Auch ein vorzeitiger Blasensprung ist als negativ zu werten und sollte sofortiges Handeln nach sich ziehen.

Was kann ich tun, um das Fieber zu senken?

Schwangere Frauen sollten Temperaturen ab 39°C senken. Eine gute Maßnahme zur Fiebersenkung sind lauwarme Wadenwickel. Sie sind besser geeignet als sehr kalte Wickel, da diese nur eine zusätzliche Belastung für den Kreislauf darstellen. Wadenwickel sind eine physikalische Möglichkeit der Fiebersenkung. Parallel sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 2 Litern täglich geachtet werden. Bei unzureichender Fiebersenkung durch Wadenwickel sollten sich schwangere Frauen nicht davor scheuen, Paracetamol einzunehmen. Das fiebersenkende Medikament ist in der Schwangerschaft gut verträglich und birgt kein gesundheitliches Risiko für das ungeborene Kind.

Weitere Information zu diesem Thema finden Sie unter: Wie kann man Fieber senken?

Welche Medikamente sind erlaubt?

Fiebersenkende Medikamente dürfen auch in der Schwangerschaft verwendet werden. Bevorzugt kommt der Wirkstoff Paracetamol zum Einsatz, der effektiv das Fieber senkt. Der Wirkstoff Ibuprofen, der sonst gerne zur Fiebersenkung eingesetzt wird, ist in der Schwangerschaft als eher kritisch anzusehen. Im letzten Schwangerschaftsdrittel darf er gar nicht angewendet werden, in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln nur unter strenger Risiko-Nutzen-Abwägung. Dasselbe gilt auch für Diclofenac. Daher sollte Paracetamol bevorzugt werden, sofern keine Gegenanzeigen bestehen. 

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Medikamente während der Schwangerschaft

Kann Fieber ein Schwangerschaftsanzeichen sein?

Fieber ist kein typisches Anzeichen für eine Schwangerschaft. Anders als die Symptome Übelkeit und Erbrechen, welche in der Frühschwangerschaft auch als Hyperemesis bekannt sind, gehört Fieber nicht zu den charakteristischen Anzeichen für eine Schwangerschaft. Selbstverständlich kann Fieber auch zu Beginn einer Schwangerschaft auftreten, es steht jedoch nicht in Zusammenhang mit den hormonellen Umstellungen der Schwangerschaft.

Ursachen für Fieber in der Schwangerschaft

Der häufigste Grund für Fieber in der Schwangerschaft ist ein leichter viraler Infekt, wie er auch außerhalb der Schwangerschaft vor allem in den Wintermonaten gehäuft auftritt. Meist handelt es sich um leichte Atemwegsinfekte, die die Temperaturerhöhung verursachen. Selbstverständlich kann Fieber auch im Rahmen eines Magen-Darm-Infektes auftreten. Das ist für das Kind nicht weiter gefährlich. Natürlich sollte die Schwangere sich jedoch ausreichend körperlich schonen und auskurieren. Fieber ist aber in seltenen Fällen Ausdruck einer ernst zu nehmenden Erkrankung, wie einer Toxoplasmose, der Röteln oder einer Syphilis. Begleitend zu dem Fieber treten weitere Symptome auf, die für die Erkrankung charakteristisch sind, sodass der Verdacht in der Untersuchung auf eine mögliche Differentialdiagnose gelenkt wird.

Dauer von Fieber in der Schwangerschaft

Die Dauer des Fiebers ist nicht pauschal vorherzusagen. Bei leichten Infekten dauert Fieber meist nicht länger als wenige Tage an. Eine medikamentöse Fiebersenkung – beispielsweise mit Paracetamol – verkürzt die Fieberdauer oft auf weniger als 4 Tage. Einige Erkrankungen gehen jedoch mit einer längeren Fieberdauer oder mehreren Fieberepisoden mit Unterbrechungen einher. Beispiele dafür sind die Syphilis oder das Amnioninfektionssyndrom. Diese Erkrankungen sind jedoch vergleichsweise selten.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.02.2018
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