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Schwangerschaftsvergiftung

Einleitung

Eine Schwangerschaftsvergiftung, auch als Gestose bezeichnet, ist ein Oberbegriff für alle Erkrankungen, die mit erhöhten Blutdruckwerten während der Schwangerschaft einhergehen.
Sie ist eine der häufigsten Schwangerschaftskomplikationen, neben Blutungen, und führt zu 20% der perinatalen Sterbefälle.

Der Begriff Schwangerschaftsvergiftung ist zwar verbreitet, aber inzwischen veraltet und etwas irreführend, da es sich bei diesem Krankheitsbild nicht um eine Vergiftung in dem Sinne handelt. Daher wird heutzutage eher der Begriff Gestose verwendet.

Die Schwangerschaftsvergiftung tritt vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft auf, und geht mit Wassereinlagerungen in den Beinen, Händen, und im Gesicht, Bluthochdruck und vermehrter Eiweißausscheidung im Urin einher. Von einem erhöhten Blutdruck spricht man bei Werten über 140/90 mmHg. Normal sind Blutdruckwerte unter 130/80 mmHg.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Schwangerschaftsbluthochdruck.

Eine Schwangerschaftsvergiftung kann unter Umständen lebensbedrohlich für Mutter und Kind sein, kann aber meist rechtzeitig erkannt und gut behandelt werden. Nur in seltenen, schweren Fällen ist eine frühzeitige Entbindung des Kindes nötig, meist jedoch nicht vor der 28. Schwangerschaftswoche, ab welcher das Kind bereits lebensfähig ist.

Lesen Sie mehr zum Thema unter Schwangerschaftskomplikationen - Was sind die Anzeichen?


Definition

Die Schwangerschaftsvergiftung (Gestose) ist ein Sammelbegriff für alle Schwangerschaftserkrankungen, die mit erhöhtem Blutdruck einhergehen. Sie äußert sich vor allem in generalisierten Wassereinlagerungen im Körper (Ödeme), Blutdruckwerten über 140/90 mmHg (Hypertonie) und vermehrter Proteinausscheidung über den Urin (Proteinurie).
Die Schwangerschaftsvergiftung wird weiterhin näher unterteilt in fünf Unterformen:

Schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck

Unter schwangerschaftsbedingtem Bluthochdruck (SIH) versteht man erstmals erhöhte Blutdruckwerte, nach der abgeschlossenen 20. Schwangerschaftswoche, ohne Proteinausscheidung.

Präeklampsie

Von einer Präeklampsie spricht man bei Blutdruckwerten über 160/110 mmHg, die nach der 20. Schwangerschaftswoche erstmals aufgetreten sind und mit erhöhter Proteinausscheidung im Urin, Nieren- und Leberschädigung, sowie neurologischen Beschwerden wie Kopfschmerzen und Sehstörungen einhergehen. Unter einer Präeklampsie kann es auch zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen des Kindes kommen.

Eklampsie

Eine Eklampsie ist gekennzeichnet durch die selben Symptome wie die Präeklampsie, plus zusätzlich auftretende Krampfanfälle. Die Eklampsie ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der mitunter zu Koma und Multiorganversagen führen kann. Die Müttersterblichkeit liegt zwischen 8-27%.

HELLP-Syndrom

Das HELLP-Syndrom äußert sich vor allem durch starke Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen und Kopfschmerzen, und geht mit starker Leberschädigung und einer gestörten Blutgerinnung einher, die mitunter lebensbedrohlich verlaufen kann. Das HELLP-Syndrom gilt als eine sehr wichtige, und sehr gefährliche Komplikation der Schwangerschaftsvergiftung.

Pfropf-Gestose

Von einer Pfropf-Gestose spricht man, wenn die Frau bereits vor Eintritt der Schwangerschaft unter chronischem Bluthochdruck oder einer Nierenerkrankung leidet, und dann während der Schwangerschaft Symptome einer Schwangerschaftsvergiftung ausbildet. Frauen mit einer Pfropfgestose haben ein hohes Risiko für eine Präeklampsie.

Ursachen

Die genauen Ursachen einer Schwangerschaftsvergiftung sind bisher nicht geklärt. Es gibt mehrere Hypothesen, in denen der Mutterkuchen (Plazenta) eine wichtige Rolle für die Entstehung der Krankheit spielt. Man geht davon aus, dass es aufgrund einer Minderdurchblutung des Mutterkuchens zu einer Freisetzung von toxischen Stoffen kommt, die einen Gefäßspasmus auslösen, der sich in Form eines erhöhten Blutdrucks bei der Mutter äußert.
Dies wiederum führt unter anderem zu einer Nierenschädigung, mit erhöhter Proteinausscheidung, einer Leberschädigung, mit Ausprägung eines HELLP-Syndroms und zur Schädigung des Zentralen Nervensystems, mit Krampfanfällen als Folge. Die chronische Minderdurchblutung des Mutterkuchens birgt ebenfalls das Risiko für kindliche Wachstums- und Entwicklungsstörungen.

Als sicher erwiesene Risikofaktoren für eine Schwangerschaftsvergiftung gelten jedoch: Fettleibigkeit (BMI >30), Alter über 40 Jahre, bekannter Bluthochdruck, ein vorbestehender Diabetes mellitus, eine familiäre Häufung von Gestosen, bestehende Nierenerkrankungen und bestimmte Autoimmunerkrankungen, unter anderem das Antiphospholipid-Syndrom. Auch eine Mehrlingsschwangerschaft, oder genetische Störungen, wie Trisomien, können das Risiko für die Entwicklung einer Schwangerschaftsvergiftung erhöhen. Frauen, die bereits eine Schwangerschaftsvergiftung erlitten haben, haben ebenfalls ein erhöhtes Wiederholungsrisiko.

Symptome

Symptome einer Schwangerschaftsvergiftung bei der Mutter sind vor allem:

Aufgrund der chronischen Minderdurchblutung und Funktionsstörung der Plazenta, kann es zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen beim Kind kommen, zu einer vorzeitigen Plazentalösung, mit Frühgeburt oder Fehlgeburt als Folge.
Bereits bei einem dieser Symptome für eine Schwangerschaftsvergiftung, sollte schnellstmöglichst ein Arzt aufgesucht werden, um Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Diagnostik

Im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen kann eine Schwangerschaftsvergiftung meist rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Hierbei wird regelmäßig der Blutdruck, sowie das Gewicht der Mutter kontrolliert und der Urin mittels Urin-Stix auf mögliche Harnwegsinfekte, und Proteinurie untersucht.
Weiterhin wird ein Ultraschall durchgeführt, in dem das kindliche Wachstum beurteilt werden kann, sowie die Plazenta und die Fruchtwassermenge.

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Sollten im Ultraschall Auffälligkeiften zu sehen sein, welche auf eine Schwangerschaftsvergiftung hindeuten, wird eine Dopplersonographie durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine spezielle Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter- und Plazentagefäße, sowie der kindlichen Hirngefäße, in der das Präeklampsierisiko beurteilt werden kann, sowie etwaige Minderdurchblutungen und Funktionsstörungen des Mutterkuchens.

Lesen Sie mehr zum Thema: Dopplersonographie

Das CTG überwacht die kindlichen Herzfunktionen. Auch augenärztliche Untersuchungen sind indiziert, um Netzhauteinblutungen und ein Papillenödem auszuschließen, die ein früher Hinweis für einen erhöhten Hirndruck, infolge des erhöhten Blutdruckes, sein können. Mittels einer Blutuntersuchung können ebenfalls erhöhte Leberwerte und Blutgerinnungsstörungen, im Rahmen eines HELLP-Syndroms ermittelt werden.

Therapie

Die leichteste Form der Schwangerschaftsvergiftung, die Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie (SIH) sollte erst ab erhöhten Blutdruckwerten, über 160/110 mmHg, medikamentös behandelt werden. Mittel der Wahl wäre hierbei Alpha-Methydopa in Tablettenform, alternativ auch mit Nifedipin oder Urapidil. Das Wichtigste hierbei ist jedoch die Vermeidung von Stress, sowie ausreichende Bewegung und eine ausgewogene, eiweißreiche Ernährung.
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Bei einer Präeklampsie sollte immer eine stationäre Aufnahme ins Krankenhaus erfolgen, mit Bettruhe, kontrollierter medikamentöser Blutdrucksenkung und vorsichtiger Ausschwemmung der Ödeme.
Bei drohender Frühgeburt sollte eine Lungenreifung bei dem Kind durchgeführt werden. Im Fall einer schweren Form der Präeklampsie erfolgt die Aufnahme und Überwachung auf Intensivstation, mit Dauer-CTG und Thromboseprophylaxe. Je nach Zustand der Mutter, sollte eine schnellstmöglichste Entbindung des Kindes in Betracht gezogen werden, im Notfall auch bei kindlicher Unreife, denn die einzige ursächliche Behandlung der Schwangerschaftsvergiftung ist die Beendigung der Schwangerschaft.

Komplikationen und Folgen

Folgen von jeder Schwangerschaftsvergiftung kann die Eklampsie sein, die mit lebensbedrohlichen Krampfanfällen, bis hin zur Bewusstlosigkeit und Koma, einhergeht und zu Erblindung, Herz- und Nierenversagen, und letztlich zum Tod der Mutter und des Kindes führen kann. Die Sterblichkeitsrate liegt zwischen 8-27%.

Eine weitere Folge der Schwangerschaftsvergiftung kann das HELLP-Syndrom sein, bei der es vor allem zu lebensbedrohlichen Blutgerinnungsstörungen kommen kann, die sich in Form einer Verbrauchskoagulopathie äußern, bei der es zum Multiorganversagen und lebensbedrohlichen Blutungen kommen kann.

Prognose und Gefahr

Die Schwangerschaftsvergiftung ist eine der häufigsten Todesursachen für Mutter und Kind während der Schwangerschaft.
Beim Vollbild einer Eklamspie beträgt das Risiko für die Müttersterblichkeit etwa 8-27%, beim Vollbild eines HELLP-Syndroms liegt das Risiko für die Letalität des Kindes bei ca 30%. Wenn die Erkrankung jedoch rechtzeitig erkannt und behandelt wird, ist die Prognose sehr günstig.

Prävention und Vorbeugung

Das wichtigste um einer Schwangerschaftsvergiftung vorzubeugen sind regelmäßige Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen, routinemäßige Kontrollen von Urin und des Blutdruckes.
Außerdem sollten Schwangere auch selbst darauf achten, ob sich Wasser in ihren Beinen, Händen oder in ihrem Gesicht einlagert. Bei geschwollenen Beinen hilft es oft die Beine hoch zu lagern, sowie sich ausreichend zu bewegen,um die Durchblutung zu verbessern.
Sollte keine Besserung erzielt werden, ist es wichtig sofort den Arzt aufzusuchen. Wichtig ist auch eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Gerade Schwangere, bei denen eine Schwangerschaftsvergiftung droht, sollten darauf achten ausreichend Proteine zu sich zu nehmen. Eiweißhaltige Nahrungsmittel sind zum Beispiel Käse, Milch, Fleisch, Fisch und Nüsse.
Eine weitere wichtige Maßnahme um Bluthochdruck zu vermeiden ist vor allem Stressvermeidung und ausreichende Entspannung.

Weitere Informationen zum Thema Schwangerschaftsvergiftung

Weitere allgemeine Informationen finden Sie unter:

Eine Übersicht aller Themen in der Gynäkologie finden Sie unter Gynäkologie A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.08.2018
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