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Herzrasen in der Schwangerschaft

Allgemeines

Herzrasen kennt fast jeder Mensch: man fühlt wie das Herz in einem schlägt, es klopft und pocht und man spürt den Puls deutlich bis in die Halsschlagader. In stressigen Situationen, bei Aufregung, Vorfreude oder starker körperlicher Belastung ist Herzrasen eine normale Reaktion des Körpers und geht nach kurzer Zeit wieder vorüber.

In Ruhe pumpt unser Herz bei einem erwachsenen Mann zwischen 70 und 100 Milliliter Blut pro Herzschlag in den Körperkreislauf (bei Frauen beträgt dieser Betrag etwas weniger). Wird der Körper belastet, zum Beispiel durch Sport, besteht ein höherer Sauerstoffbedarf im Körper und folglich ein höherer Bedarf an Blut. Da die Menge an Blut, die pro Zyklus aus dem Herzen gepumpt wird nicht in großen Mengen erhöht werden kann, steigert der Körper die Frequenz, mit der er das Blut in den Kreislauf pumpt, also den Herzschlag.

Wann ist Herzrasen normal, wann nicht?

Herzrasen in der Schwangerschaft kann zu jedem Zeitpunkt auftreten und ist gehäuft zwischen der 28. und 32. Schwangerschaftswoche zu beobachten. Insbesondere in Ruhephasen fällt ein verstärktes Herzklopfen bis hin zum Herzrasen auf. Wenngleich die genauen Ursachen für gelegentliches Herzrasen noch nicht geklärt sind – man vermutet einen hormonellen Zusammenhang – so ist dieses in den meisten Fällen nicht als krankhaft zu werten.
Tritt das Herzrasen sehr häufig auf und wird es von einem Herzstolpern und Unregelmäßigkeiten begleitet, sollte Rat von ärztlicher Seite erfolgen.

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Möglicherweise liegt eine Herzrhythmusstörung zugrunde. Herzrasen kann auch in Verbindung mit einer Schilddrüsenüberfunktion stehen und dann gemeinsam mit einem sogenannten Struma am Hals auftreten. Hierbei handelt es sich um eine abnorme Vergrößerung des Schilddrüsengewebes. Wird das Herzrasen von anderen Symptomen, wie Blässe, Haarausfall, Muskelkrämpfen etc. begleitet, handelt es sich möglicherweise um einen Mangel an Elektrolyten.

Arztbesuch notwendig?

Ein Arztbesuch ist bei unkompliziertem Herzrasen nicht unbedingt notwendig. Auch eine medikamentöse Therapie kommt bei dieser Symptomatik nicht in Frage, am besten ist in diesem Fall dem Körper Ruhe und Zeit zu geben sich an die neue Situation zu gewöhnen und anzupassen.

Schlägt das Herz allerdings unregelmäßig, „stolpert oder ist eine Herzrhythmusstörung bekannt, sollte es vom Arzt mithilfe eines EKGs abgeklärt werden.

Auch wenn eine Erkrankung der Schilddrüse bekannt ist, sollte ein Herzrasen während der Schwangerschaft vorsorglich vom Arzt abgeklärt werden.

Ebenfalls abklärungs- und behandlungsbedürftig wird Herzrasen, wenn sich neben der Herzfrequenz auch der Blutdruck stark erhöht. In diesem Fall sollte dringend ein Arzt aufgesucht und eine Therapie begonnen werden. Symptome für erhöhten Blutdruck sind Kopfschmerzen oder ein Druckgefühl im Kopf, Sehstörungen, Schwindelgefühl und Übelkeit. In manchen Fällen kann es aufgrund des erhöhten Gefäßdrucks zur vermehrten Ausscheidung von Urin (Polyurie) kommen.

Auftreten in der Schwangerschaft - Ursachen

Während der Schwangerschaft wird der gesamte Körper auf die Bedürfnisse des heranwachsenden Kindes umgestellt. Hierzu gehört auch, dass der Körper mehr Blut bildet, um die Versorgung des Kindes zu gewährleisten. In manchen Fällen geht mit dieser Umstellung das Auftreten von Herzrasen einher. Dies ist dadurch bedingt, dass das Herz durch die gesteigerte Blutmenge in der Schwangerschaft fast 50% mehr Blut transportieren muss und dementsprechend seine Leistung erhöht. Das Herz schlägt stärker und schneller als zuvor und dies nehmen die Frauen als unangenehmes Herzrasen wahr.

Auch starker Stress kann Herzrasen auslösen oder ein leicht vorhandenes Herzrasen verstärken. Jedoch ist das Herzrasen fast immer harmlos und kein Grund zur Besorgnis.

In den meisten Fällen legt sich das Herzrasen nach einiger Zeit wieder von alleine, wenn sich der Körper an die neuen Bedingungen der Schwangerschaft gewöhnt hat.

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Magnesiummangel

Der Bedarf an Magnesium in der Schwangerschaft steigt, insbesondere nach der 22. Schwangerschaftswoche. Magnesium ist an vielerlei Stoffwechselvorgängen im menschlichen Körper beteiligt und ist an der nervalen Steuerung der Muskelaktivität beteiligt.
Zu den Symptomen eines Magnesiummangels zählen neben Kribbelgefühlen der Hände und Füße, vermehrte Nervosität und Bluthochdruck, auch Muskelkrämpfe. Typischerweise treten Wadenkrämpfe auf und Verspannungen im Rückenbereich.
Herzrthythmusstörungen in Form von Herzrasen können ebenfalls Ausdruck eines Magnesiummangels sein.

Eisenmangel

Der Eisenbedarf ist in der Schwangerschaft erhöht. Erfolgt kein Ausgleich des gesteigerten Bedarfs von Seiten der Ernährung und sind die Eisenspeicher erschöpft, so tritt ein Mangel auf.
Ein leichter Eisenmangel macht sich mit Symptomen wie Blässe, Abgeschlagenheit und Konzentrationsschwierigkeiten bemerkbar. Ein weiter fortgeschrittener Mangel tritt mit Herzrasen, Atemnot und Stimmungsveränderungen in Erscheinung. Da Eisen auch ein Bestandteil der roten Blutkörperchen ist, welche den Sauerstoff transportieren, muss das Herz bei weniger Sauerstofftransportern für eine ausreichende Versorgung aller Organe mehr pumpen.

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Schwangere zählen in die Risikogruppe für Eisenmangel und sollten deswegen auf eine ausreichende Zufuhr achten.

Schilddrüse

Die Größe der Schilddrüse nimmt infolge eines gesteigerten Hormonbedarfs in der Schwangerschaft leicht zu. Übersteigt die Größenzunahme allerdings ein gewisses Maß, spricht man von einem Struma, welches bei einer Hyperthyreose auftreten kann. Eine Hyperthyreose bezeichnet eine Überaktivität der Schilddrüse und ist ein möglicher Auslöser des Herzrasens. Der autoimmunbedingte Morbus Basedow verursacht eine Schilddrüsenüberfunktion und muss umgehend behandelt werden. Eine schwangerschaftsinduzierte Hyperthyreose kann darüber hinaus durch das während dieser Zeit produzierte Hormon Choriongonadotropin ausgelöst werden. Es ähnelt dem Schilddrüsenhormon TSH und regt die Schilddrüse zu vermehrter Aktivität an. Diese Form der Überfunktion ist jedoch meist nach der 20. Schwangerschaftswoche nicht mehr zu finden.
Eine Schilddrüsenüberfunktion geht meist mit einem unspezifischen Beschwerdebild aus Herzrasen, Schlafstörungen, Nervosität, Schweißausbrüchen, Haarausfall und gesteigertem Angstempfinden einher.
Bei einer Schilddrüsenüberfunktion liegt ein gesteigertes Risiko für eine sogenannte Präeklampsie, ein verfrühtes Ablösen de Plazenta, vor. Auch die Wahrscheinlichkeit für Früh- und Fehlgeburten sowie Fehlbildungen steigt.
Eine Hyperthyreose in der Schwangerschaft sollte demnach in aller Regel medikamentös behandelt werden.

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Herzrasen in der Nacht

Tritt Herzrasen während der Schwangerschaft nachts auf, hat dies nicht automatisch einen krankhaften Wert.
Das Herz der werdenden Mutter wird in der Schwangerschaft vor die Herausforderung gestellt, eine um bis zu 40% vermehrte Blutmenge nicht nur durch den eigenen Körper, sondern auch durch den des heranwachsenden Kindes zu pumpen.
Neben dem Blutvolumen spielen aber auch die veränderten Druckverhältnisse auf Organe und Gefäße infolge der Schwangerschaft eine Rolle. Dies kommt insbesondere im Liegen zum Tragen und führt vor allem in weiter fortgeschrittenen Schwangerschaftswochen zum Abdrücken der unteren Hohlvene, der sogenannten Vena cava inferior. Das große Gefäß führt das Blut der unteren Körperhälfte zurück zum Herzen. Ist der Widerstand auf diesem Weg erhöht, muss das Herz vermehrt pumpen und erhöht seine Schlagfrequenz. Es handelt sich demzufolge um einen natürlichen Mechanismus des menschlichen Körpers.
In Rückenlage wird das Gefäß am meisten abgedrückt, deswegen empfiehlt sich zur Entspannung am besten eine Position in Seitenlage.

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Therapie

In der Therapie des Bluthochdrucks in der Schwangerschaft stellt die symptomatische Behandlung das Mittel der Wahl dar, also Bettruhe, körperliche Schonung, sowie ausgeglichene Ernährung.

Bei komplizierteren Verläufen und anhaltendem Bluthochdruck kann eine medikamentöse Therapie mit Alpha-Methyldopa, Betablockern oder Hydralazinen in Betracht gezogen werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Therapie von Herzrasen in der Schwangerschaft

Viele weitere allgemeine Informationen diesem Thema finden Sie unter: Therapie von Herzrasen

Vena-cava-Kompressionssyndrom

Ein weiterer möglicher Auslöser für das Herzrasen in der Schwangerschaft ist das sogenannte Vena-Cava-Kompressionssyndrom.

Hierbei handelt es sich um eine Schwangerschaftskomplikation, welche zu Kreislaufstörungen der Mutter hervorgerufen durch den Druck, den das Kindes in der Gebärmutter auf die untere Hohlvene (Vena cava inferior) ausübt.

Das Syndrom tritt vor allem gegen Ende der Schwangerschaft, wenn das Kind bereits eine gewisse Größe und Gewicht erreicht hat, auf. Es kann dazu kommen, wenn sich die Mutter längere Zeit in Rückenlage befindet und die Gebärmutter auf die Hohlvene drückt, welche das Blut aus der unteren Extremität zum Herzen transportiert; somit wird der Rückstrom des Blutes zum Herzen vermindert. Das Herz registriert, dass weniger Blut bei ihm ankommt und versucht das verminderte Blutvolumen durch Maßnahmen wie eine erhöhte Herzfrequenz zu kompensieren, um weiterhin eine ausreichende Blutversorgung zu gewährleisten. Jedoch kann das Herz diesen Zustand nicht dauerhaft kompensieren. Bleibt die Kompression der Hohlvene durch die Gebärmutter lange bestehen kann es zu schweren Kreislaufproblemen, wie Blutdruckabfall und Schwindel bis hin zum Schock und Bewusstlosigkeit kommen.

Das Vena-Cava-Kompressionssyndrom und die damit einhergehenden Syndrome lassen sich sehr schnell und einfach beheben, indem sich die Schwangere in Seitenlage begibt. Am besten auf die linke Seite, da in dieser Position die Vena cava am meisten geschont wird. Die Vena cava verläuft auf der rechten Seite vor der Wirbelsäule entlang zum Herzen, dementsprechend kann es in Seitenlage rechts noch immer zur Kompression der Vene kommen. In Linksseitenlage sollten binnen weniger Minuten alle Symptome und Beschwerden verschwinden. Längeres Liegen auf dem Rücken ist zur Vorbeugung des Syndroms zu vermeiden.

In extremen Fällen kann das Vena-Cava-Kompressionssyndrom zu lebensbedrohlichen Situationen für Mutter und Kind führen und aufgrund der verminderten Blutversorgung des Kindes eine Frühgeburt auslösen. Deswegen sollte nach einmaligem Auftreten der Symptome im Verlauf der weiteren Schwangerschaft auf die richtige Liegeposition insbesondere in der Nacht geachtet werden.

Mehr Informationen zu diesem Thema erhalten Sie unter dem dazu gehörigen Leitartikel: Vena-Cava-Kompressionssyndrom

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 25.12.2018
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