Erhöhter Hirndruck

Einleitung und Definition

Im Schädel befindet sich das Gehirn, das außerdem von Flüssigkeit umgeben ist. Diese Flüssigkeit befindet sich auch in den Räumen zwischen den beiden Hälften des Gehirns. Die Räume bezeichnet man als Liquorräume, die Flüssigkeit wird Liquor (deutsch: Hirnwasser) genannt. Das Hirnwasser schützt das Gehirn vor Erschütterungen und soll die Gehirnzellen ernähren, was jedoch nicht ausreichend erforscht ist.

Das Hirnwasser fließt mit einem bestimmten Druck durch die Liquorräume. Dieser Druck wird als Hirndruck (englisch: intracranial pressure, also ICP) bezeichnet. Der Hirndruck ist definitionsgemäß also der im Schädelinneren herrschende (intrakranielle) Gehirnflüssigkeitsdruck. Das Hirnwasser wird als Ultrafiltrat des Blutes gebildet. Daher steht der Hirndruck mit dem Blutdruck, der in den Blutgefäßen im Gehirn herrscht, in Verbindung.

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Nachdem der Liquor durch die Liqourräume geflossen ist, wird er resorbiert und dem venösen Blutkreislauf zugeführt. Normalerweise ist der Hirndruck bei Werten von 5 bis 15 mmHg angesiedelt. Steigen die Werte darüber hinaus an, ist der Hirndruck erhöht und geht mit diversen Beschwerden und Symptomen einher.

Abbildung Ursachen erhöhten Hirndrucks

Erhöhter Hirndruck

  1. Seitliche Hirnkammer -
    Ventriculus lateralis
  2. Oberer venöser Blutleiter
  3. Arachnoidalzotten
    (Ausstülpungen)
    Liquorabfluss ins venöse Blut
  4. Großhirn = Endhirn -
    Telencephalon (Cerembrum)
  5. Schädeldach -
    Calvaria
  6. Dritte Hirnkammer
    (dritter Ventrikel)-
    Ventriculus tertius
  7. Wasserleiter - Aqueductus
    (Aquädukt)
  8. Vierte Hirnkammer
    (vierter Ventrikel) -
    Ventriculus quartus
    Ursachen:
    I - Abflussbehinderung im
    Bereich des Aquädukts

    (Abflussweg wird versperrt
    durch Tumor, Abszess, Hirnblutung)
    II - Flüssigkeitsvermehrung -
    zu viel Hirnwasser (Liquor)
    durch Hirnödem (Hirnschwellung)
    Abhilfe durch externe Ventrikeldrainage
    Symptome:
    A - Übelkeit, Erbrechen,
    Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen,
    Müdigkeit, Dekortikationsstarre
    Therapie:
    B - Kopf muss gerade gelagert werden
    C - Medikamentös
    (Diuretika) um die
    Flüssigkeitsausscheidung zu erhöhen
    D - Punktion der äußeren
    Liquorräume (z.B. Lumbalpunktion)
    E - Externe Ventrikeldrainage -
    Ableitung des Gehirnwassers

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Ursache

Allgemeine Ursachen

Eine Erhöhung des Hirndrucks kann viele verschiedene Ursachen haben. Grob kann man die verschiedenen Ursachen zwei Kategorien zuordnen. Einerseits steigt der Hirndruck an, wenn eine Abflussbehinderung vorliegt, andererseits steigt der Hirndruck an, wenn zu viel Hirnwasser gebildet wird oder durch bestimmte Prozesse zu viel Wasser im Gehirn ist.

1) Erhöhung des Hirndrucks durch eine Abflussbehinderung:

  • Der Abflussweg des Hirnwassers kann durch einen Tumor versperrt sein, der unkontrolliert wächst. Er erreicht daher nach einer gewissen Zeit wichtige Strukturen und infiltriert diese, d.h. er wächst in Körperstrukturen hinein und zerstört diese damit. Dies kann auch im Liquorsystem passieren. Wenn ein Tumor in die Liquorräume hinein wächst, sind diese irgendwann versperrt. Der Körper bildet aber kontinuierlich neues Hirnwasser, sodass es zu einer Art Stau kommt und somit logischerweise der Druck ansteigt.

  • Das Hirnwasser kann auch durch einen Abszess am Abfließen gehindert werden. Ein Abszess ist eine abgekapselte Eiteransammlung in einer durch Gewebseinschmelzung entstandenen Körperhöhle. Abszesse können viele verschiedene Ursachen haben und entstehen oft ohne klar erkennbaren Grund. Auch hier staut sich das Hirnwasser, was eine Hirndruckerhöhung verursacht.

  • Eine weitere Ursache für eine Abflussbehinderung kann eine Hirnblutung sein. Diese kann durch einen bestehenden Bluthochdruck entstehen. Das Blut, das aus dem Gefäßsystem austritt, verdrängt das umliegende Hirngewebe und kann das Gehirn komprimieren. Außerdem kann die Blutung in das Ventrikelsystem (Liquorräume) einbrechen. Dies kann zu Zirkulationsstörungen des Hirnwassers führen.

2) Erhöhung des Hirndrucks durch eine Flüssigkeitsvermehrung:

Die Flüssigkeitsvermehrung tritt bei dem sogenannten Hirnödem (Hirnschwellung) auf. Es kommt durch eine Beschädigung der Blut-Hirn-Schranke zum Einstrom von Wasser und zum Hirnödem. Das Hirnödem und damit das Ansteigen des Hirndrucks kann wiederum einige verschiedene Ursachen haben:

  • Das durch einen Unfall entstandene Schädel-Hirn-Trauma kann die Entstehung eines Hirnödems zur Folge haben. Jede Verletzung des Kopfes beziehungsweise des Schädels mit Beteiligung des Gehirns wird als Schädel-Hirn-Trauma bezeichnet. Da es also immer die Gefahr eines Hirnödems, einer Hirnblutung und anderer Komplikationen besteht, sollte man jeden Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma zur Beobachtung ins Krankenhaus aufnehmen.

  • Die Entstehung eines Hirnödems kann auch toxisch (giftig) bedingt sein. Das heißt, dass ein Hirnödem durch bestimmte Gifte ausgelöst werden kann.

  • Außerdem kann ein Hirnödem eine metabolische Ursache haben, d.h. dass ein Stoffwechselprozess der Auslöser (Metabolismus=Stoffwechsel) sein kann.

  • Ein weiterer Grund für ein Hirnödem kann eine Hypoxie sein. Als Hypoxie bezeichnet man einen Mangel an Sauerstoff im Gewebe. Wenn also das Gehirn unterversorgt ist, kann es mit einem Anschwellen reagieren. Eine wichtige Ursache für einen Sauerstoffmangel ist der Hirninfarkt (ischämischer Insult). Beim Hirninfarkt wird aus verschiedenen Ursachen die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen. Da das Gehirn und der gesamte Körper generell über das Blut mit Sauerstoff versorgt werden, kommt es zu einem akuten Sauerstoffmangel.

  • So wie bei dem Hirninfarkt das arterielle Gefäßsystem verschlossen wird, kann auch der venöse Abfluss des Blutes gestört sein. Dies nennt man generell Thrombose, im Gehirn bezeichnet man dies als Sinusvenenthrombose. Durch diese Sinusvenenthrombose ist der Abfluss des Blutes verschlossen. Da das Hirnwasser auch über das venöse Blut abfließt, ähnelt dies einer Abflussbehinderung in den Liquorräumen. Der Druck steigt und das Gehirn schwillt an, was den Hirndruck ansteigen lässt.

  • Das Hirnödem kann außerdem entzündliche Ursachen haben. Zum Beispiel kann es eine Komplikation einer bakteriellen Infektion sein (Beispielsweise einer Meningoenzephalitis durch Meningokokken, also einer Hirnhautentzündung).

  • Schlussendlich können auch raumfordernde Prozesse ein Hirnödem und damit einen Anstieg des Hirndrucks auslösen. Ein häufiger raumfordernder Prozess ist das Wachstum eines Tumors. Weiterhin kann ein Abszess Druck auf die umliegenden Gewebe auslösen. Auch Blutungen und Hämatome können als Auslöser eines Hirnödems und im Folgenden eines erhöhten Hirndrucks in Frage kommen.

  • Ein Hirnödem kann auch durch Kontakt mit Starkstrom entstehen. Das heißt, nach einem Starkstromunfall ist Vorsicht geboten.

Durch L-Thyroxin

Zu den möglichen, aber dennoch eher untypischen Nebenwirkungen einer überdosierten L-Thyroxin-Therapie bei einer Schilddrüsenunterfunktion, gehört neben Fieber und Erbrechen auch ein erhöhter Hirndruck, der insbesondere bei Kindern beobachtet werden kann.

Das Vorkommen eines L-Thyroxin-induzierten erhöhten Hirndrucks wird auch als idiopathische intrakranielle Hypertension bezeichnet, die zwar am häufigsten bei Frauen um das 30. Lebensjahr vorkommt, in 37% der Fälle jedoch auch Kinder insbesondere zwischen dem 5. und 15. Lebensjahr betrifft (Jungen und Mädchen sind dabei gleichermaßen betroffen).

Wie der Name „idiopathisch“ sagt, ist die genaue Ursache für die Entstehung des erhöhten Hirndrucks noch unbekannt, Studien zeigten jedoch bestimmte Risikofaktoren wie die Einnahme von L-Thyroxin im Kindesalter, die eine Entstehung der idiopathischen intrakraniellen Hypertension begünstigen.

Andere hormonelle Störungen

Auch andere hormonelle Störungen (abseits der Schilddrüse) können zur der Symptomkonstellation führen. Diese können im Rahmen von endokrinologischen Erkrankungen oder Tumorerkrankungen entstehen. Das Cushing-Syndrom ist ein Beispiel hierfür. Dabei handelt es sich um eine Erhöhung des Kortisonspiegels im Blut.

Durch Stress

Stress ist ein körperlicher Zustand, bei dem der Körper über Hormone den Energieverbrauch steigert, das Herz-Kreislauf-System anregt und zu verschiedenen Symptomen führen kann. Die Auslöser für Stress können physisch und psychisch zu erklären sein. Ein erhöhter Hirndruck kann in vielen Situationen gemeinsam mit Stress auftreten. Dabei muss der Stress jedoch nicht die Ursache für den erhöhten Hirndruck sein. Vielmehr ist der Stress oft ein weiteres Symptom einer zugrundeliegenden Erkrankung.

Stress kann hierbei vor allem bei Kindern mit einem erhöhten Hirndruck einhergehen. Weitere Symptome sind Schwitzen, Herzrasen, Gewichtsverlust und Schlaflosigkeit.

Häufig kann auch ein bereits bestehender erhöhter Hirndruck zu einem leichten Gefühl von Stress führen. Bei leichten Anstiegen des Hirndrucks um etwa 10mmHg kann es zu Unruhegefühlen, Nervosität und subjektiv empfundenem körperlichen Stress kommen.

Symptome

Die typischen Symptome, die Patienten mit erhöhtem Hirndruck entwickeln, sind zu Beginn meist schwach ausgeprägt und können leicht mit einer gastrointestinalen (Gastrointestinaltrakt=Magen-Darm-Trakt) Ursache in Verbindung gebracht werden. Übelkeit (Nausea) kann bei erhöhtem Hirndruck auftreten, zusätzlich kann es zu Erbrechen kommen. Als weiteres gastrointestinales Symptom kann der Patient eine Appetitlosigkeit entwickeln. Ein weiterer Symptomenkomplex bezieht sich auf den Bereich des Kopfes und auf den ganzen Körper. Der Patient mit Hirnödem hat oftmals Kopfschmerzen und leidet unter Müdigkeit. Weiterhin sind die Aufmerksamkeit und die Konzentrationsfähigkeit herabgesetzt (Vigilanzstörung). Außerdem kann der Patient unruhig sein.

Weiterhin sind spezielle Symptome möglich. Hier ist die Dekortikationsstarre zu nennen. Als Dekortikationsstarre bezeichnet man die spastische Beugehaltung (Flexionshaltung) der Arme und die gleichzeitige Streckstarre der Beine. Die Dekortikationsstarre tritt als Folge von Veränderungen im Gehirn (Enthemmung bestimmter Regionen) durch den erhöhten Hirndruck auf. Ein anderes spezielles Symptom ist die Dezerebrationsstarre: dies bezeichnet eine spastische Streckung der Arme und Beine, ebenfalls als Folge von Störungen des Gehirns durch den erhöhten Hirndruck.

Leitsymptome für den erhöhten Hirndrucks sind Kopfschmerzen, Erbrechen und eine Stauungspapille. Die Stauungspapille muss augenärztlich durch eine Spiegelung des Augenhintergrundes festgestellt werden. Kopfschmerz, Erbrechen und Stauungspapille bezeichnet man zusammen als Hirndruck-Trias. Wenn der erhöhte Hirndruck als Auslöser der Symptomatik nicht erkannt wird, kann es zur Steigerung der Symptome mit Schwindel und Augenmuskellähmungen kommen. Außerdem kann das Bewusstsein mehr und mehr eintrüben und der Patient schließlich ins Koma fallen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Hirnblutung Koma

Anzeichen eines erhöhten Hirndrucks

Ein erhöhter Hirndruck wird in der Regel sehr schnell symptomatisch (ab einer Drucksteigerung von >22mmHg; physiologisch ist ein Hirndruck von 5-15mmHg), jedoch handelt es sich anfänglich häufig zunächst um milde, eher allgemeine Beschwerden, die leicht fälschlicherweise dem Magen-Darm-Trakt zugeordnet werden können.
So kann neben Übelkeit und Erbrechen auch eine Appetitlosigkeit auffallen.
Häufig anzutreffen sind auch

  • eine gesteigerte Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • ein Unruhegefühl
  • Schwindel und
  • Aufmerksamkeitsstörungen

Charakteristisch und wegweisend in der Diagnostik ist ein Ödem im Gewebe des Sehnervs (sogenannte Stauungspapille), die in einer Augenuntersuchung (Ophthalmoskopie) auffallen kann. Weitere Symptome können eine Augenmuskellähmung mit Sehstörungen sowie und Atmungsstörungen (Biot-Atmung) sein, darüber hinaus kann es durch den Cushing-Reflex zu einem Anstieg des Blutdrucks und einer Abnahme der Herzfrequenz kommen.
Bleibt der Hirndruck unbehandelt und steigt weiter an, kommen Bewusstseinsstörungen hinzu, die mitunter bis zum Koma reichen können.

Lesen Sie mehr dazu unter Was sind die Anzeichen einer Hirnblutung?

Wie stellt man die Diagnose?

Um einen ersten Verdacht auf einen erhöhten Hirndruck lenken zu können, müssen die Symptome genau erfragt werden. Eine gewisse Steigerung des Drucks kann der Körper ausgleichen. Individuell verschieden kommt es bei einem weiteren Anstieg zu Übelkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Nervosität. Im weiteren Verlauf kommen ein erhöhter Blutdruck, eine verminderte Herzfrequenz und leichte Atemnot dazu. Spätestens in diesem Stadium muss der Betroffene auf bestimmte Hirndruckzeichen untersucht werden.

Ein beliebtes Testverfahren hierzu ist die Untersuchung des Auges. Im Augenhintergrund lässt sich häufig bereits eine Wassereinlagerung erkennen, eine sogenannte „Stauungspapille“. Ergibt sich der Verdacht auf einen erhöhten Hirndruck, kann dieser mithilfe vieler Testverfahren ermittelt werden.

Invasiv kann hierzu nach einer Bohrung im Schädel eine Messsonde an verschiedenen Stellen des Gehirns eingeführt werden. Diese kann den Druck permanent messen, sodass er an einem Überwachungsmonitor abgelesen werden kann. Die invasive Methode birgt immer ein Risiko einer Infektion. Auch Ultraschalluntersuchungen des Sehnervs können eine Alternative zur invasiven Messung bieten.

Bei einem starken Verdacht auf einen erhöhten Hirndruck kann auch unmittelbar eine CT oder MRT Aufnahme angefertigt werden. Bestimmte Zeichen im radiologischen Bild deuten auf den erhöhten Druck hin. Falls ein Tumor oder eine andere strukturelle Veränderung im Schädel für den Druck verantwortlich ist, kann dieser ebenfalls hierbei diagnostiziert werden.

MRT bei einem erhöhtem Hirndruck

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist – wie auch die Computertomographie vom Kopf (CCT) – eine Möglichkeit der bildgebenden Diagnostik bei einem erhöhten Hirndruck.

Die Vorteile des MRTs gegenüber dem CCT sind dabei die fehlende Strahlenbelastung und die bessere Erkennbarkeit von Details des Gehirns, auch wenn die Untersuchungsdauer im Vergleich deutlich länger ist.

Neben den typischen Zeichen eines erhöhten Hirndrucks, können gleichzeitig auch Ursachen für den gesteigerten Hirndruck ausfindig gemacht werden, wie z.B. Blutungen oder raumfordernde Prozesse (beispielsweise Tumore im Gehirn).

Je nachdem, welche Ursache dann für den erhöhten Hirndruck zugrunde liegt (z.B. Raumfordernder Prozess, Hirnödem, Liquorabflussstörung etc.), können sowohl im MRT als auch im CCT unterschiedliche Anzeichen in der Bildgebung festgestellt werden:
entsteht der Druck durch eine Liquorabflussstörung, kann dies oftmals anhand von erweiterten Liquorräumen erkannt werden, ein Hirnödem hingegen an verschmälerten Ventrikeln und Liquorräumen sowie an einem verstrichenen Oberflächenrelief des Gehirns.
Raumfordernde Prozesse können anhand von einer Mittellinienverlagerung oder Verschiebungen bzw. Einklemmung von Gehirngewebe detektiert werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: MRT vom Gehirn

Therapie

Wenn ein Patient einen erhöhten Hirndruck hat, muss er grundsätzlich intensivmedizinisch überwacht werden. Der Kopf muss gerade gelagert werden, damit der Abfluss des Blutes nicht behindert wird. Der Patient soll leicht hyperventilieren, da dies zu einer Verengung der Blutgefäße führt, den Blutfluss verringert und auf den Hirndruck senkend wirkt. Medikamentös kann man dem Patienten Diuretika geben, um die Flüssigkeitsausscheidung zu erhöhen und so das Hirnödem zu verringern. Neben den an der Niere wirkenden Diuretika kann man osmotisch wirkende Diuretika wie Mannitol geben. Diese ziehen das Wasser aus dem Gewebe ins Blut und wirken so insbesondere bei kritischen Hirnödemen kurzfristig abschwellend. Außerdem sollte man den Patienten sedieren, da eine Sedierung den metabolischen Bedarf des Gehirns senken kann. Dies senkt dann die Durchblutung des Gehirns, was sich senkend auf den Hirndruck auswirkt. Falls der Druck zu stark ist, kann eine Ableitung des Hirnwassers mittels externer Ventrikeldrainage notwendig sein. Ein letztes Mittel kann eine Dekompressionskraniektomie sein.

Kontraindiziert kann eine Punktion der äußeren Liquorräume sein, da die Gefahr einer Hirneinklemmung besteht.

Therapie durch Hyperventilation

Die Hyperventilation ist nach neuen Erkenntnissen eine Therapiemöglichkeit des erhöhten Hirndrucks in kurzanhaltenden Krisensituationen. Bei schweren Anstiegen in kurzer Zeit kann die Hyperventilation aufgrund ihrer einfachen Durchführbarkeit einen wichtigen Beitrag leisten. Durch das Abatmen des Kohlendioxids verengen sich die arteriellen Gefäße, was zu einem leichten Absinken des Hirndrucks führt. Dieser Effekt hält jedoch nur etwa 4-6 Stunden an. Die Hyperventilation darf auch keineswegs als alleinige Therapie dienen. Sie wirkt lediglich zur Unterstützung bei rapiden Druckanstiegen.

Erhöhter Hirndruck im Alter

Hinter einem erhöhten Hirndruck, der vor allem im höheren Alter auftritt (auch Altershirndruck genannt; Häufigkeitsgipfel über 60 Jahre) steckt häufig ein Ungleichgewicht zwischen Nervenwasserproduktion und Nervenwasserresorption im Rahmen eines sekundären oder idiopathischen Normaldruckhydrozephalus.

Entweder wird dann zu wenig Nervenwasser aus den Hirnkammern zurück ins Blut aufgenommen oder der Körper bildet zu viel davon.

Diese Begebenheit führt zu Symptomen, die sehr plötzlich auftreten und häufig eine Trias aus Gangstörungen bzw. Gangunsicherheiten, Gedächtnisschwierigkeiten und einer Harninkontinenz darstellen.

Diese Symptome im höheren Alter lassen jedoch nicht immer gleich an einen Altershirndruck denken, sondern vor allem auch an beginnende Parkinson- oder Demenzerkrankungen, sodass der Altershirndruck oftmals auch leicht übersehen werden kann. Doch im Gegensatz zu diesen Erkrankungen, kann der Altershirndruck bzw. der Normaldruckhydrozephalus durch rechtzeitige Behebung der Hirndruckerhöhung geheilt werden.

Erhöhter Hirndruck beim Baby

Bei Säuglingen kann es häufig zu Anstiegen des Hirndrucks kommen. Hierfür können normale Entwicklungsprozesse, der Stress durch den Geburtsvorgang, der „Wasserkopf“ oder ein offener Rücken verantwortlich sein. Wichtig ist es, auch bei Babys die Anzeichen und Symptome frühzeitig zu erkennen und richtig zu deuten.

Anfänglich kann es zu Erbrechen, Unruhe und Weinerlichkeit kommen. Auch eine vermehrte Schreckhaftigkeit und Berührungsempfindlichkeit sind typisch. Häufig zu erkennen ist das „Sonnenuntergangsphänomen“. Dabei rollt sich der Augapfel des Kindes stark nach unten, so dass die Iris verschwindet und lediglich weiß in den Augen zu sehen ist. Da sich der Kopf noch im Wachstum befindet, können ein Vorwölben der noch offenen Schädelnähte („Fontanellen“) und eine Vergrößerung des Kopfes festgestellt werden.

Erhöhter Hirndruck bei Kindern

Einem erhöhten Hirndruck bei Kindern liegt häufig ein Hydrozephalus (Erweiterung der mit Nervenwasser gefüllten Flüssigkeitsräume/Ventrikel des Gehirns) zugrunde der entweder angeboren oder erworben sein kann. Der angeborene Hydrozephalus liegt dabei meist schon im Mutterleib bzw. bei Geburt vor und begründet sich häufig durch eine genetische Anomalie, Fehlbildungen den knöchernen Schädels, der Flüssigkeitsräume oder des Hirn selbst, wobei alle Umstände zu einer Abflussstörung des Nervenwassers führen können.

Zu den Ursachen, die zu einem erworbenen Hydrozephalus führen, gehören unter anderem Infektionen (z.B. Toxoplasmose), Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhäute, Hirnblutungen, Hirntumoren, vorangegangene Traumata oder Operationen am Gehirn.

Besonders an einem erhöhten Hirndruck bei Kindern ist, dass es zu einer charakteristischen Schädelverformung kommen kann, wenn dieser auftritt, noch bevor sich die Schädelnähte und Fontanellen knöchern verschlossen bzw. verwachsen haben.

Erhöhter Hirndruck bei Hirntumoren

Ein Hirntumor kann zu einem erhöhten Hirndruck führen. Dabei ist nicht entscheidend, ob der Tumor gutartig oder bösartig ist. Das Problem dabei ist die Geschwulst selbst, die in die sogenannten „Liquorräume“, welche die Hirnflüssigkeit beherbergen, vordringt. Die Liquorräume unterliegen einem Kreislauf, bei dem ständig neue Flüssigkeit produziert wird und die alte Flüssigkeit in eine bestimmte Richtung abfließen kann. Wird dieser Abfluss durch einen großen Tumor blockiert, steigt der Hirndruck.

Langfristig stellt eine Operation die einzige nachhaltige Maßnahme zur Behebung des erhöhten Hirndrucks in diesen Fällen dar.

Erhöhter Hirndruck nach einem Schlaganfall

Bei einem Schlaganfall handelt es sich um eine akute Verstopfung eines blutführenden Gefäßes im Hirn. Das Hirnareal, das von diesem Gefäß versorgt wird, erhält für einen bestimmten Zeitraum wenig bis gar keinen Sauerstoff und kann Schaden nehmen oder absterben.

Eine häufige Komplikation nach einem Schlaganfall ist der Anstieg des Hirndrucks. Dieser entsteht dadurch, dass sich um das geschädigte und infarzierte Hirnareal Wasser in das Gewebe einlagert. Dabei können akut lebensbedrohliche Hirndruckanstiege entstehen. Um die Schwellung zu entlasten und weiteren Schaden vom Gehirn abzuwenden, können über Drainagen oder Schnitte im Schädel Teile der Schwellung abgeleitet oder offengelegt werden.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.01.2018
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