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Therapie des Wasserkopfes

Einleitung

Ein Hydrozephalus/ Wasserkopf bezeichnet eine Erweiterung der Ventrikel des Gehirns, in welchen sich das Nervenwasser, der Liquor cerebrospinalis, befindet.

Je nach Ursache klassifiziert man einen Hydrozephalus näher; es können entweder der Abfluss, die Produktion oder aber die Resorption des Liquors abnormal verändert sein. Hinweise auf einen Hydrozephalus können Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Übelkeit, psychische Veränderungen, Bewusstseinsstörung oder bei Kindern Zunahme des Kopfumfanges sein.

Therapie bei einem Wasserkopf

Ein Wasserkopf wird in der Regel operativ therapiert. Wichtig ist jedoch im Falle einer Grunderkrankung, wie beispielsweise einem Tumor, dass diese vordergründig therapiert wird. Die operative Versorgung des Wasserkopf besteht in der Liquorableitung mit Hilfe eines Shunts. Hierbei existieren zwei verschiedene Möglichkeiten der Shuntanlage, nämlich entweder mit Ableitung in den Herzvorhof (ventrikulo-atrialer Shunt) oder in die Bauchhöhle (ventrikuloperitonealer Shunt).

Etwas anders sieht die Therapie des Wasserkopf aus, wenn ein akuter Wasserkopf als Notfallsituation auftritt. In solch einem Falle legt man zuerst eine Ventrikeldrainage mittles einer sogenannten Ventrikulozisternostomie und erst später einen Shunt an, um den Wasserkopf zu behandeln. Bei einer Ventrikulozisternostomie erfolgt die Ableitung des Liquors in eine Zisterne des Subarachnoidalraumes (Cisterna magna).

Postoperativ schließen sich regelmäßige Kontrollen des angelegten Systems an und es werden gegebenenfalls Medikamente gegen Übelkeit (Antikonvulsiva) verabreicht.

Bei diesen ableitenden Systemen zur Therapie eines Wasserkopf kann eine Reihe von Komplikationen auftreten. Dazu zählen eine Ventilinsuffizienz mit unzureichender oder überschießender Drainage, die Verlegung des Shuntvolumens, Infektion des Liquorraumes mit nachfolgender Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Hirnentzündung (Enzephalitis). Außerdem können epileptische Anfälle (Epilepsie), Hirninfarkte oder Blutungen entstehen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Postoperative Komplikationen

Was ist ein Shunt?

Unter einem Shunt versteht man in der Medizin eine natürlich oder künstlich angelegte Verbindung zwischen zwei normalerweise voneinander getrennten Körperhöhlen. Durch die Verbindung wird ein Übertritt der Körperflüssigkeiten zwischen den beteiligten Kompartimenten ermöglicht.

Im Rahmen eines Wasserkopfes wird im Ventrikelsystem des Gehirns zu viel Hirnflüssigkeit gebildet. Da diese nicht ausreichend abfließen kann, erhöht sich der Hirndruck und kann zu schwerwiegenden Symptomen, wie einer Verformung des Kopfes, Übelkeit, Kopfschmerzen, Sehstörungen und Krampfanfällen führen.

Um den Hirndruck auf einem Normalwert zu halten, wird die überschüssige Gehirnflüssigkeit über einen Shunt in eine andere Körperhöhle, wie zum Beispiel den Bauchraum abgeleitet.

Bei einem solchen Shunt handelt es sich um einen besonders dünnen Plastikschlauch. Unter Zwischenschaltung eines Ventils verläuft der Schlauch unter der Haut, ausgehend vom Kopf, hinter den Ohren und entlang des Halses bis in den Bauchraum oder in manchen Fällen in den Vorhof des Herzens. Hier kann das Hirnwasser dann aufgenommen werden. Über das Ventil, welches im Verlauf des Shunts zwischengeschaltet wird, kann eine nachträgliche Regulation des Hirnwasserabflusses erfolgen.

Wie läuft eine Shunt – OP?

Zur Therapie eines Wasserkopfes wird in den meisten Fällen ein sogenannter VP – Shunt (ventrikulo-peritonealer Shunt) angelegt. Hierbei handelt es sich um einen flexiblen Plastikschlauch, der von einer Hinterkammer im Ventrikelsystem des Gehirns, unter der Haut bis in die Bauchhöhle abgeleitet wird.

Im Vorfeld der Operation wird eine genaue Planung des Shuntverlaufs vorgenommen und die Länge des Katheters, sowie die Größe des Ventils werden individuell auf den Patienten abgestimmt. Der Eingriff wird durch einen erfahrenen Neurochirurgen in Vollnarkose vorgenommen.

Es werden drei präzise Hautschnitte angelegt. Einer oberhalb der Stirn im rechten Haaransatz, einer hinter dem Ohr und ein dritter circa zwei bis drei Zentimeter neben dem Bauchnabel. Anschließend wird der Schlauch von einer Hinterkammer im Ventrikelsystem bis in den Bauchraum vorgeschoben und mit dem Ventrikelsystem verbunden. Anschließend wird noch im Operationssaal die korrekte Lage des Katheters, sowie der Abfluss des Hirnwassers überprüft, bevor die Hautschnitte wieder verschlossen werden. Die Operation dauert  ungefähr 45 Minuten, in manchen Fällen auch mal etwas länger.

Steht Ihrer Familie eine Shunt-Operation vor? Bereiten Sie sich darauf mit unseren nächsten Artikeln vor: 

Welche Risiken bestehen bei einer Shunt-OP?

Die Anlage eines Shunts zur Therapie eines Wasserkopfes ist in der Neurochirurgie als Routineeingriff anzusehen, dennoch bestehen postoperative Komplikationen, die man beachten sollte.

Akute Komplikationen, wie eine Hirnblutung oder eine Verletzung von Gefäßen, treten sehr selten auf.

Ist das Ventil nicht korrekt eingestellt, kann es im Verlauf zu einer sogenannten Überflussdrainage kommen. Hierbei läuft über den Shunt zu viel Hirnwasser ab, sodass ein Unterdruck entsteht. Dieser Zustand kann mit Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Sehstörungen einhergehen.

Da es sich bei einem Shunt um einen Fremdkörper handelt, besteht immer eine Gefahr für Infektionen. Bei starken Infektionen kann es zu Fieber, Rötungen oder Schwellungen im Wundverlauf, erhöhten Entzündungswerten, Bewusstseinstrübung oder auch zu Krampfanfällen beim Baby kommen. Wird eine Infektion des Shuntsystems vermutet und lässt sich keine andere Ursache für die Symptome nachweisen, ist in den meisten Fällen eine operative Entfernung notwendig.

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Wie sieht die Nachbehandlung aus?

Nach einer Shunt – OP ist eine komplexe und regelmäßige Nachbehandlung der Patienten notwendig. Nach der OP muss der Patient zunächst stationär beobachtet werden.

Es erfolgt eine Kontrolle des Hirnwasserabflusses und wenn notwendig eine Korrektur des Ventils und der Abflussstärke. Nach der OP wird eine Röntgenaufnahme angefertigt, um den Shuntverlauf zu kontrollieren. Bei Babys kann man zusätzlich zum Röntgen auch eine Ultraschalluntersuchung des Schädels vornehmen, um den Shuntverlauf zu begutachten. Zudem sollten in den ersten Tagen regelmäßige Wundkontrollen in der Klinik und anschließend beim Hausarzt erfolgen.

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Welche Kontrollen muss man danach machen?

Die Kontrollen nach einer Shunt – OP sollten alle 3 – 6 Monate in der neurochirurgischen Ambulanz des Operateurs erfolgen, damit eine umfassende körperliche Untersuchung, sowie weitere Shunt – und Wundkontrollen erfolgen können.

Bei Auffälligkeiten im Shuntverlauf oder der Wunde können weitere Untersuchungen, wie eine Laborprobe oder auch eine Röntgenaufnahme notwendig werden. Eine außerplanmäßige Vorstellung des Patienten sollte erfolgen, wenn Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Sehstörungen oder Krampfanfälle auftreten. Diese Symptome können auf einen erhöhten Druck im Gehirn oder auch auf das Vorliegen einer schweren Infektion hindeuten.

Zudem sollte jeder Patient einen Ausweis erhalten, auf dem alle Informationen bezüglich des Shunts stehen und auf dem die vorgenommenen Kontrollen und gegebenenfalls erfolgten Änderungen eingetragen werden können.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 31.05.2019
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