Schmerzen am Hinterkopf

Einleitung

Fast jeder Mensch leidet in seinem Leben mehr oder weniger häufig an Kopfschmerzen (Cephalgie).
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Definition

Die Ursache von Kopfschmerzen (Cephalgie) liegt in der Reizung von schmerzempfindlichen Kopforganen wie dem Schädel, den Hirnhäuten, den versorgenden Blutgefäßen oder Hirnnerven. Die eigentliche Hirnsubstanz, das zentrale Nervensystem, hingegen ist nicht schmerzempfindlich.

Ursache

Es werden über 250 Arten von Kopfschmerzen definiert, wobei die Ursachen in den meisten Fällen eher harmlos einzustufen sind und eher selten auf eine gefährliche oder bösartige Erkrankung hinweisen.
Es wird unterschieden zwischen einem primären Kopfschmerz, zu dem Migräne, Cluster-Kopfschmerzen, trigemino-autonome Kopfschmerzen, sowie Spannungskopfschmerzen gehören und den sekundären Kopfschmerz.

Sekundären Kopfschmerzen liegt eine andere Erkrankung oder ein bestimmter Auslöser zu Grunde, wie beispielsweise ein Trauma, ein Hirntumor oder eine Blutung im Gehirn. Desweiteren können verschiedenste Medikamentenklassen als Nebenwirkung Kopfschmerzen verursachen.
Eine ernstzunehmende Ursache von Kopfschmerzen kann auch eine Hirnhautentzündung (Meningitis) darstellen, die durch verschiedenste Bakterien und Viren ausgelöst werden (z.B. Herpes, FSME, Mumps, Meningokokken) und zum Teil dramatisch verlaufen kann.

Auch Halswirbelsäulenerkrankungen oder Halswirbelsäulentraumata sind ursächlich für Kopfschmerzen. Daneben können bei einer Nebenhöhlenentzündung Kopfschmerzen auftreten, ebenso kann es nach dem Geschlechtsverkehr (postkoital) zu Kopfschmerzen kommen, hierbei sind vor allem Männer betroffen.

Prinzipiell können Schmerzen am gesamten Kopf auftreten. Menschen, die häufig mit Kopfschmerzen zu kämpfen haben, leiden meist unter sogenannten Spannungskopfschmerzen. Spannungskopfschmerzen sind definitionsgemäß leichte bis mittelschwere Schmerzen, die sich drückend-ziehend äußern und nicht pulsierend sind.

Desweiteren treten Spannungskopfschmerzen am gesamten Kopf (bilateral/holocephal) auf und nicht ausschließlich in einzelnen Regionen wie am Hinterkopf. Als Ursachen werden Verspannungen der Nackenmuskulatur oder auch der Kaumuskulatur, nächtliches Zähneknirschen, Stress und Überlastung, sowie eine Sensibilisierung von Schmerzrezeptoren beschrieben, welche dafür sorgen, dass Schmerz häufiger und bei nicht adäquater Reizung wahrgenommen wird.

Das Auftreten von Übelkeit und Lichtscheue (Photophobie) ist typisch für den Migränekopfschmerz und tritt bei Spannungskopfschmerzen in der Regel nicht auf. Dass sich Spannungskopfschmerzen als isolierte Kopfschmerzen am Hinterkopf äußern, ist zwar prinzipiell möglich, jedoch sehr selten der Fall.


Verschiedene Ursachen, Diagnose und Therapie von Kopfschmerzen am Hinterkopf

Schmerzen am Hinterkopf treten in den meisten Fällen als sekundäre Schmerzen auf, das heißt sie treten im Rahmen anderer Erkrankungen als begleitende Symptome auf.

Die wohl naheliegendste Ursache für Schmerzen am Hinterkopf sind traumatische Verletzungen wie Schläge oder Stürze auf den Hinterkopf, die nicht selten auch mit einer Gehirnerschütterung einhergehen. Lassen diese Schmerzen auch nach längerer Zeit nicht nach, ist ein Arztbesuch auf jeden Fall angezeigt, um Verletzungen des Gehirns und Blutungen im Gehirn oder unter dem Schädelknochen auszuschließen. Auch wenn Sehstörungen oder Symptome wie Übelkeit, Schwindel oder Krampfanfälle auftreten, sollten Sie in jedem Fall ärztlichen Rat einholen.

Kopfschmerzen am Hinterkopf werden auch häufig durch Nackenverspannungen oder Rückenprobleme ausgelöst. Eine Massage und Entspannungsübungen können hier Abhilfe schaffen. Auch zu langes und falsches Sitzen am Schreibtisch kann Hinterkopfschmerzen auslösen. Menschen, die berufsbedingt viel sitzen, sollten deshalb immer auf ausreichend Bewegung Wert legen und permanent auf eine korrekte Sitzposition, sowie optimale Bedingungen am Arbeitsplatz achten.

Eine weitere mögliche Ursache für Hinterkopfschmerzem stellt die so genannte Okzipitalneuralgie dar, die teilweise auch als Okzipitalsyndrom bezeichnet wird. Der Okzipitallappen ist der hintere Teil des Großhirns. Bei dieser Krankheit beschränken sich die Schmerzen also tatsächlich nur auf den Hinterkopf. Ursächlich ist ein chronischer Nervenschmerz, der sich in vor allem einseitigen Schmerzen an der Rückseite des Kopfes und des oberen Nackens äußert. Der Schmerz kann außerdem dem Verlauf des betroffenen Nerven folgen und so in Richtung des Auges ausstrahlen.

Auch möglich ist, dass der Schmerz bei Bewegungen des Kopfes verstärkt wird und dass die Kopfhaut eine deutlich verstärkte Berührungsempfindlichkeit aufweist. Betroffene Patienten beschreiben den Schmerzcharakter als scharf, einschießend und stechend, was typisch ist für Nervenschmerzen (neurogene Schmerzen). Der Schmerz kann hierbei nur wenige Minuten anhalten oder für mehrere Tage bestehen.

Eine weitere mögliche Ursache für Schmerzen am Hinterkopf stellt das Halswirbelsyndrom (Zervikocephalgie) dar. Hierunter versteht man von der Halswirbelsäule ausgehende Schmerzen, die bis zum Kopf ausstrahlen. Auch eine Ausstrahlung in Kiefer oder Gesicht ist möglich. Desweiteren kann es seltener zu Seh-, Hör- oder Schluckbeschwerden kommen. Die Zervikocephalgie ist jedoch keine Diagnose, sondern lediglich eine Symptombeschreibung.

Ursächlich können Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule, deformierende Erkrankungen der Wirbelsäule wie Spondylosen, Spondylarthrosen, Uncovertebralarthrosen oder ein Muskelschwund (Atrophie) der Nackenmuskulatur sein. Auch denkbar ist ein Neurinom der versorgenden Nerven, ein gutartiger Tumor der Zellen, die als Markscheiden die Nervenfortsätze umgeben.

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In der Diagnostik kommen neben der körperlichen Untersuchung durch den Arzt auch bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie vom Kopf / MRT der HWS zum Einsatz. Die Behandlung besteht in der Behebung der ursächlichen Erkrankung.

Ein weiterer Auslöser von Kopfschmerzen am Hinterkopf kann Geschlechtsverkehr sein. Vor allem Männer leiden unter dieser Art des postkoitalen Kopfschmerzes, der durch Anstrengung ausgelöst wird. In den meisten Fällen hält der Schmerz nur wenige Minuten an, kann sich jedoch in einzelnen Fällen über Tage erstrecken. Der Schmerz tritt hierbei meist beidseitig auf und hat einen dumpfen, pulsierenden Charakter.

Eine wichtige Differentialdiagnose hierzu ist die Subarachnoidalblutung. Die Arachnoidea (Spinnenhaut) ist die äußere der beiden inneren, weichen Hirnhäute (Leptomeninx). Eine Blutung in den Subarachnoidalraum ergießt sich somit in den Raum zwischen Hirnhaut und Gehirn, wobei dir Arachnoidea dem Gehirn eng anliegt. Ursache dieser arteriellen Blutung ist meist der Riss eines Aneurysmas. Wie beim postkoitalen Kopfschmerz kommt es zu pulsierenden Kopfschmerzen, die meist sehr plötzlich einsetzen und eine sehr starke Intensität haben, sodass sie auch als Vernichtungskopfschmerzen bezeichnet werden.

Desweiteren treten Nackenschmerzen und Nackensteife (Meningismus) auf und es kann zu einem kurzzeitigen, vorübergehenden Verlust des Bewusstseins kommen. Symptome, die den Verdacht auf eine Subarachnoidalblutung verhärten, sind außerdem Hirndruckzeichen, Erbrechen, Blutdruckabfall und eine Veränderung der Atem- und Pulsfrequenz.

Langfristig können schwerwiegende neurologische Ausfälle die Folge sein, die Subarachnoidalblutung stellt letztenendes eine spezielle Form des Schlaganfalls dar. Insofern ist eine Subarachnoidalblutung immer ein medizinischer Notfall, der einer sofortigen Behandlung bedarf.

Die Diagnose wird bildgebend durch eine Computertomographie-Aufnahme gestellt, bei unklarem Befund kann eine Liquorpunktion durchgeführt werden. Entscheidend ist in der Therapie die Vorbeugung (Prophylaxe) einer erneuten (Rezidiv-) Blutung. Dies wird neurochirurgisch durch ein sogenanntes Clipping oder Coiling des Aneurysmas erreicht.

Zuletzt muss man bei Kopfschmerzen unklarer Genese auch einen Tumor ausschließen. Tumoren des Kopfes und Gehirns gehören zu den seltenen Ursachen der Kopfschmerzen. Werden andere Ursachen von Kopfschmerzen ausgeschlossen, muss man bei länger anhaltendem Kopfschmerz eine Tumorerkrankung in Betracht ziehen und diagnostisch abklären. Ein Tumor im hinteren Bereich des Kopfes kann mit wachsender Größe andere Strukturen verlegen und empfindliche Nervenfasern reizen, sodass Schmerzen am Hinterkopf entstehen.

Die Diagnostik besteht in der Regel aus bildgebenden Verfahren, hierbei ist die Magnetresonanztomographie die Methode der Wahl. Desweiteren kann die Diagnose durch eine Hirnbiopsie bestätigt werden. Hirntumore können zum einen als Absiedlung von Krebszellen (Metastasen) im Rahmen von anderen bösartigen Krebserkrankungen entstehen. Ausgangsturmore sind hierbei häufig Lungenkrebs, Brustkrebs, Nierenzellkarzinom oder das maligne Melanom, ein hochgradig bösartiger Tumor der Pigmentzellen. Neben Kopfschmerzen können Krampfanfälle, neurologische Ausfallserscheinungen und Wesensveränderungen auftreten.

Die Prognose und Heilungschancen hängen von vielen Faktoren und vor allem von der Grunderkrankung und dem Allgemeinzustand des Patienten ab, sind jedoch generell eher ungünstig. Andere Tumore im Kopf können entweder als Hirntumore direkt vom Nervengewebe oder als intrakranielle Tumore (lat. Cranium=Schädel) von anderen Kopforganen ausgehen. Dazu gehören beispielsweise Tumore der Hirnhäute (Meningen), die Meningiome, oder Tumore der Blutgefäße oder Nervenscheiden im Gehirn. Je nach Art und Lokalisation des Tumors ist die Prognose von Hirntumoren sehr unterschiedlich.

Auch die Therapie hängt stark von der Art, der Fortgeschrittenheit und Lokalisation des Tumors ab, wobei die chirurgische Entfernung des Tumorgewebes, Chemotherapie und Bestrahlung oft auch in Kombination die Grundlage stellen.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.01.2018
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