Verspannter Nacken

Anatomie

Die Muskeln der Wirbelsäule liegen links und rechts sowie über den Wirbelkörpern der Wirbelsäule und haben ihre Aufgabe in der Haltung, Stabilisierung und Bewegung der Wirbelsäule. Die Nackenmuskulatur ist ebenfalls maßgeblich an der Bewegung, die im Halsbereich durchgeführt werden kann, beteiligt. Zu den Nackenmuskeln zählen der Musculus rectus capitis posterior minor, der M. rectus capitis posterior major, der M. obliquus capitis superior und der M. obliquus capitis inferior. Eine Verspannung dieser Muskelgruppe führt zu sehr häufigen, alltäglichen Beschwerden.


Ursachen

  • Haltung:

Es gibt zahlreiche Ursachen von verspannten Nackenmuskeln. Vor allem bei häufiger sitzenden Tätigkeit mit nach vorne gebeugter Haltung kommt es zu einer Muskelverhärtung in diesem Bereich. Hier sind vor allem büroarbeitende Menschen betroffen, die in sitzender Haltung Bildschirmarbeit durchführen. Werden die Augen und der Kopf über eine längere Zeit auf einen bestimmten Blickbereich (z.B. Monitor) gerichtet, fehlt der notwendige Wechsel von Anspannungsphase und Entspannungsphase. Dieser ständige Wechsel garantiert eine geschmeidige, gut durchblutete und flexibel arbeitende Nackenmuskulatur. Die ersten Nackenmuskelverhärtungen treten bereits nach einer unveränderten Haltung von ca. 15 Minuten auf. Meistens sind die Betroffenen so konzentriert, dass sie nicht merken, wie sich die Muskeln langsam verhärten. Physiologisch kommt es bei einer stetig gehaltenen Blickrichtung zu maximal angespannten Muskeln im Bereich des Halses. Der Grund ist, dass die Schwerkraft auf den gesamten Körper lastet und nach unten zieht. Je länger eine Position gehalten wird, desto mehr müssen die Muskeln arbeitet um diese Position zu halten. Das stetige Halten führt zu einer Verhärtung, die dann zu einer Minimierung der Blutzufuhr führt. Der Muskel schnürt sich sozusagen selbst die notwendige Blutzufuhr ab, was die Leistung des Muskels durch mangelnden Sauerstoff noch weiter herabsetzt. Der Muskel muss daraufhin noch stärker arbeiten, um die immer noch geforderte Leistung zu bringen. Das Ergebnis ist die Entstehung sogenannter Myogelosen, im Prinzip wieder reversible Muskelverhärtungen, die in Form von Schwellungen und druckschmerzhaften Knötchen auf dem Muskel zu Tage treten.

  • Trauma:

Neben den Haltungsschäden, die für die Entstehung von Myogelosen verantwortlich gemacht werden, können auch kleinste akut entstandene Traumen und Verletzungen im Bereich der Nackenmuskeln zu Verspannungen führen. Manchmal kommt es vor, dass das plötzliche unphysiologische Kopfdrehen oder Wegducken zu einem plötzlichen, stechenden Schmerz im Bereich des Nackens führt. Was oft fälschlich als eingeklemmter Nerv bezeichnet wird, sind vielmehr akut verhärtete Muskeln im Bereich des Nackens oder kleinste traumatische Einrisse in den Strukturen der Muskeln, die ähnlich einem Muskelkater zu den genannten Beschwerden führen können. Oft bleiben die Betroffenen nach so einem Ereignis in einer Schonhaltung oder einer Schiefhaltung, die ebenfalls unphysiologisch ist und eine weitere Verspannung im Bereich der Nackenmuskeln fördert. Meistens liegt die Ursache der hier entstandenen Myogelosen in einem Mischbild aus Trauma, Akutverspannung und chronischer Verspannung.

  • Kältereiz:

Eine weitere Theorie in der Entstehung von Myogelosen liegt in einer chronischen Kälte- und Windzufuhr im Bereich der Nackenmuskeln. Der landläufig auch als „Zug“ bezeichnete Zustand, hat seine Ursache wahrscheinlich in einem chronischen Gegensteuern der Nackenmuskeln gegen äußere Reize. Oft bei Autofahrten mit geöffnetem Fenster über längere Zeit klagen die Betroffenen über schmerzende Stellen im Bereich der Nackenmuskulatur, meistens an der Seite, an der das Fenster geöffnet war. Meistens sind die Beschwerden mit kaltem Wind vergesellschaftet.
Eine Theorie dieser Entstehung ist die, dass es zu einem permanenten leichten Druck auf die Nackenmuskeln durch den Seitwind kommt und die Muskeln kompensatorisch dagegen wirken müssen, um entsprechend gewünschte Kopfhaltung beibehalten zu können. Über einen kurzen Zeitraum ist dies ohne Probleme möglich. Kommt es aber z.B. bei langen Autofahrten zu einer permanenten Gegensteuersituation, beginnen die Muskeln sich zu verhärten; es kommt auch hier zu der oben erwähnten Blut- und Sauerstoffverminderung und zur Entstehung vom Myogelosen.
Neben der Gegensteuertheorie wird auch der Temperatursenkung eine entscheidende Beteiligung an Verspannungen der Muskeln im Nackenbereich zugeschrieben. Bei längerer Luftströmung im Bereich des Halses und des Nackens kommt es zu einer Temperaturabsenkung im Bereich der Halsmuskeln. Um entsprechende Halte- und Bewegungsarbeit leisten zu können, muss zum einen eine entsprechende „Betriebstemperatur“ im Muskel vorherrschen und zum anderen entsprechend ausreichend Nährstoffe dem Muskel zugeführt werden. Beides ist bei einer Temperaturabsenkung vermindert, die Hauptursache für Muskelverspannungen in diesem Zusammenhang wird aber in der dadurch verminderten Zufuhr von Nährstoffen gesehen. Je weniger Nährstoffe, Blut und Sauerstoff in den Muskel gelangen, desto schwieriger können die Nackenmuskeln entsprechend geforderte Arbeit leisten. Es kommt zu einer Verhärtung.

Heute sehr verbreitet scheinen psychosomatische Ursachen für verspannte Nackenmuskeln zu sein. Neue und ungewohnte Lebenssituationen lassen die Anspannung im gesamten Körper und die Konzentration steigen. Dies wirkt sich auch auf die Nackenmuskeln aus, die in ungewohnten Situationen maximal angespannt werden, um noch besser unter Kontrolle gehalten werden zu können. Wie bei jedem untrainierten Muskel, der plötzliche ungewohnte Maximalleistungen und Halteleistungen durchführen muss, kommt es zu einer baldigen Erschöpfung der für die Muskelbewegung notwendigen biochemischen Energiemoleküle (ATP).
Der Muskel beginnt nun die geforderte Arbeit zwar weiterhin durchzuführen, aber auf einen sauren Stoffwechsel umzustellen. Er verbrennt zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich Zucker, da die Sauerstoffreserven zunehmend erschöpft sind. Dies führt, ähnlich einem Muskelkater, zu Schmerzen und zu massiven Muskelverhärtungen. Dies führt auch wieder dazu, dass der Muskel sich zudem noch die notwendigen Nährstoffe abschneidet und dadurch ineffizient arbeitet. Die psychische Situation entscheidet darüber, wie langer der Zustand der maximalen Muskelanspannung im Bereich der Nackenmuskeln anhält. In neuen ungewohnten Lebenssituationen sind die entsprechenden Muskelpartien bei jedem Menschen angespannt. Bei einen psychisch ausgeglichenen Menschen beginnt sich diese Anspannungssituation zu bessern, je länger er in dieser Situation bleibt. In anderen Fällen bleibt diese Situation über einen längeren Zeitraum bestehen. Die Ursachen dieser Muskelverhärtungen sind demnach psychosomatisch. Die psychisch belastende Situation geht in einen chronischen körperlichen Anspannungszustand über, der entsprechende langanhaltende Beschwerden auslösen kann.

Symptome

Zunächst verspüren die Patienten mit verspannten Nackenmuskeln einen meist lokalen Druck an den entsprechenden Muskelpartien. Kommt es daraufhin nicht zu einer Entspannung der Muskeln, entsteht recht bald eine Muskelverhärtung, die auch dann die umliegenden Nervenbahnen beeinträchtigen kann. Dies führt dazu, dass mäßige bis starke Schmerzen entstehen. Die Schmerzen werden als beißend oder schneidend beschrieben. Meistens ziehen sie stirnwärts und verursachen Kopfschmerzen. Umgekehrt ist es so, dass Patienten mit immer wiederkehrenden Kopfschmerzen in Betracht ziehen sollten, dass sie an einer massiven Verspannung der Nackenmuskeln leiden. In sehr schweren Fällen sind die Schmerzen so stark, dass die Patienten den normalen Alltag nicht mehr bewältigen könne und krankgeschrieben werden müssen

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Meine Name ist Dr. Nicolas Gumpert. Ich bin Facharzt für Orthopädie und Gründer von Dr-Gumpert.de
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Aber jetzt ist genug angegeben ;-)

Die Wirbelsäule ist kompliziert zu behandeln. Auf der einen Seite ist sie hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt, anderseits hat sie große Beweglichkeit.

Daher erfordert die Behandlung der Wirbelsäule (z.B. Bandscheibenvorfall, Facettensyndrom, Foramenstenosen, etc.) viel Erfahrung.

Ich behandele die unterschiedlichsten Erkrankungen der Wirbelsäule im Schwerpunkt.

Ziel jeder Behandlung ist die Behandlung ohne eine Operation.

Welche Therapie nachhaltig die besten Ergebnisse erzielt, kann nur nach Zusammenschau aller Informationen (Untersuchung, Röntgenbild, Ultraschall, MRT, etc.) beurteilt werden.

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Qualitätssicherung durch: Thorsten Kraut      |     Letzte Änderung: 16.01.2018
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