Papillenödem

Definition

Bei der Papille handelt es sich um die Stelle im Auge, an der der Sehnerv in das Auge eintritt. An dieser Stelle kann es zu einer Flüssigkeitsansammlung kommen, diese bezeichnet man als Ödem. Ein Papillenödem daher eine Aufstauung in der Papille des Sehnervs. Meist kommt es zu dieser „Stauungspapille“ aufgrund eines erhöhten Drucks im Kopf. In der Folge tritt eine verschlechterte Sehleistung auf. Typischerweise kann das Papillenödem in der Untersuchung des Auges an einem Anschwellen oder einer Vorwölbung der Papille erkannt werden.

Welche Ursachen gibt es?

Ein Papillenödem kann auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein. Meist kommt es zu Problemen in der Durchblutung, wodurch es zu einem Flüssigkeitsaufstau in der Papille des Auges kommt. Je nachdem ob nur ein Auge oder ob beide Seiten betroffen sind können Rückschlüsse auf die unterschiedlichen Ursachen gezogen werden. Tritt das Papillenödem gleichzeitig auf beiden Seiten auf, handelt es sich meist um sogenannte zentrale Ursachen, die ihren Ursprung im Schädel (meist im Gehirn) haben. So kann beispielsweise ein erhöhter Hirndruck zu einer Stauungspapille führen. Doch auch Entzündungen im Gehirn (Meningitis, Enzephalitis) oder Hirntumoren können den Druck im Schädel erhöhen und so eine Stauungspapille in beiden Augen verursachen. Dagegen können Durchblutungsstörungen wie beispielsweise ein Zentralarterienverschluss oder Zentralvenenverschluss auch einseitige Papillenödeme hervorrufen. 

Arteriitis temporalis

Die Arteriitis temporalis (mittlerweile offiziell Riesenzellarteriitis genannt) ist eine entzündliche Erkrankung der Schläfenarterie. Dabei sammeln sich Entzündungszellen in der Schläfenarterie (Arteria temporalis) an. Diese können den Blutfluss in der Schläfenarterie stören und so auch die Blutversorgung des Auges durcheinanderbringen. In der Folge kommt es zu einer verschlechterten Durchblutung des betroffenen Auges. Aufgrund der veränderten Durchblutungssituation kann eine Stauungspapille (Papillenödem) entstehen. Außerdem können starke Sehstörungen auftreten. Eine Arteriitis temporalis sollte schnellstmöglich behandelt werden, da es bei einer länger anhaltenden schlechten Durchblutung des Auges zu dauerhaften Sehschäden kommen kann.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Riesenzellarteriitis

Zentralarterienverschluss

Die Zentralarterien sind Gefäße, die die Netzhaut des Auges versorgen. Da das Auge an sich ein abgeschlossener Bereich ist, müssen die Gefäße des Auges ebenso wie der Sehnerv an der Papille ins Auge hinein und aus dem Auge heraus gelangen. Ein Papillenödem führt in der Regel zum Vorwölben der Sehnervenpapille. Dies hat nicht nur auf das Sehvermögen einen Einfluss, sondern auch die Durchblutungssituation der Gefäße, die an der Papille ins Auge gelangen, ist verschlechtert. So kann ein Papillenödem die Durchblutung der Netzhaut stören. Außerdem verändern sich die Strömungsverhältnisse in einem Gefäß, das aufgrund des Papillenödems zusammengedrückt wird. So kann an der betroffenen Stelle schnell ein kleines Blutgerinnsel (Thrombus) entstehen, welches anschließend die Arterie komplett verschließt (Zentralarterienverschluss). In der Folge ist die Netzhaut des betroffenen Auges nicht mehr ausreichend durchblutet, es kommt zu Schädigungen der Netzhaut und daraus resultierenden (teilweise unwiederbringlichen) Sehstörungen.

Wie wird ein Papillenödem diagnostiziert?

Das Papillenödem kann vom Augenarzt auf verschiedene Art und Weise festgestellt werden. Typischerweise kommt zunächst eine Anamnese, bei der die betroffene Person die entsprechenden Beschwerden (Sehstörung, Kopfschmerzen) äußert. Anschließend wird eine sogenannte Ophthalmoskopie durchgeführt. Dabei kann mit einem speziellen Augenspiegel der Augenhintergrund (samt Netzhaut und Papille) vergrößert betrachtet werden. Eine Stauungspapille kann in einer solchen Untersuchung diagnostiziert werden.
Außerdem sind auch bildgebende Verfahren für eine Diagnose geeignet. So kann beispielsweise ein Ultraschall des Augapfels gemacht werden. Doch auch Schnittbildgebungsverfahren wie das CT oder das MRT sind für eine Diagnostik des Papillenödems prinzipiell geeignet.

MRT des Auges

Bei der Magnetresonanztomographie handelt es sich um ein Schnittbildgebungsverfahren. Beim MRT des Auges wird speziell die Augenregion untersucht, sodass man hinterher ein dreidimensionales Bild des Auges rekonstruieren kann. Dadurch lassen sich selbst kleine Veränderungen am Auge feststellen. Besonders das MRT ist als Bildgebungsverfahren für das Auge gut geeignet, da man bei dieser Untersuchung die verschiedenen weichen Gewebearten des Auges gut unterscheiden kann. Daher kann man in einem MRT erkennen, ob die Papille des untersuchten Auges geschwollen ist. Außerdem kann bei Einlagerungen von Flüssigkeit auch eine Veränderung der Konsistenz im MRT wahrgenommen werden. Typischerweise stellt sich das Pupillenödem im MRT in einer anderen Helligkeitsstufe als das umliegende Gewebe dar.

Einseitiges versus beidseitiges Papillenödem

Ein Papillenödem kann grundsätzlich entweder auf beiden Augen gleichzeitig oder nur auf einem Auge auftreten.

Kommt es zu einem beidseitigen Papillenödem, liegen der Erkrankung meist zentrale Ursachen zugrunde. So kann beispielsweise ein erhöhter Hirndruck zu einer Stauungspapille führen. Dabei entsteht innerhalb des Schädels aufgrund verschiedener Erkrankungen ein erhöhter Druck. Dieser Druck kann aufgrund des harten Schädelknochens nur an wenigen Stellen entweichen. Ein typischer Ort dafür sind die Papillen im Auge, hier wird der Eingang des Sehnervs wortwörtlich durch den Druck im Schädel in die Augenhöhle hineingepresst. Je nach Höhe des Hirndrucks kann ein Papillenödem daher stärker oder schwächer ausfallen. Mögliche Gründe für einen erhöhten Hirndruck, der ein beidseitiges Pupillenödem macht, sind Traumata des Schädels, Hirntumoren oder auch eine Entzündung des Gehirns und/oder der Hirnhäute.

Kommt es dagegen nur zu einem einseitigen Pupillenödem, ist meist die Durchblutung der betroffenen Seite gestört. Dies kann viele verschiedene Gründe haben. So sind Erkrankungen wie ein Bluthochdruck, Diabetes mellitus (Blutzuckerkrankheit) oder auch entzündliche Veränderungen der Gefäße (wie beispielsweise die Arteriitis temporalis) mögliche Ursachen für eine gestörte Durchblutung. In der Folge kann ein Pupillenödem ausgelöst werden. Typischerweise treten die Beschwerden bei diesen zugrundeliegenden Erkrankungen zunächst nur an einem Auge auf. Meist kommt es jedoch wenig später auch zu einem Befall des zweiten Auges, da die Gefäße an beiden Augen von diesen Grunderkrankungen betroffen sind. Eine konsequente Therapie der Risikofaktoren (Diabetestherapie, Senkung des Blutdrucks, etc.) kann jedoch eine Erkrankung des zweiten Auges verhindern und die Beschwerden am betroffenen Auge lindern.

Begleitende Symptome

Bei einem Papillenödem kommt es im Normalfall zu zwei begleitenden Symptomen. Durch die Schwellung der Papille und damit auch des Sehnervs ist das Sehvermögen gestört. Typischerweise klagen betroffene Personen darüber, dass sie nur noch verschwommen auf dem betroffenen Auge sehen können. Außerdem treten im Zusammenhang mit dem Papillenödem häufig Kopfschmerzen auf. Der Grund dafür sind der meist ursächlich erhöhte Hirndruck, der zusätzlich auch die Kopfschmerzen auslöst.

Sehstörungen

Sehstörungen können durch ein Papillenödem ausgelöst werden. Durch die Ausdehnung des Gewebes an der Stelle der Papille durch die Einlagerung von Flüssigkeit kann auch das umliegende Gewebe und damit die Netzhaut beeinflusst werden. Kommt es zu leichten Formveränderungen wie beispielsweise einer Flüssigkeitseinlagerung auch um die Papille herum, wird die Netzhaut verschoben. Dies kann zu einer verzerrten Wahrnehmung von Bildern führen.
Zudem können auch andere wichtige Strukturen des Sehapparates Schaden nehmen. Sind beispielsweise die Rezeptoren und Nervenzellen betroffen, die wichtige Informationen über das Licht, welches ins Auge fällt, an das Gehirn weiterleiten, so kann sogar eine Blindheit durch das Papillenödem entstehen. Gegebenenfalls sind auch nur einzelne Anteile des Gesichtsfeldes von den Sehstörungen durch das Papillenödem betroffen.

Hirndruck

Von einem erhöhten Hirndruck spricht man, wenn der Druck im Schädel selbst erhöht ist. Dies kann durch eine Schwellung des Hirns entstehen, häufig sind jedoch auch die Kammern, in denen das Hirnwasser (Liquor) produziert wird, an der Entstehung des hohen Hirndrucks beteiligt. Auch ein Wachstum von Gewebe wie beispielsweise durch einen Tumor kann den Druck im Inneren des Schädels erhöhen und so zu einem Hirndruck führen. Da der Kopf durch den Schädel nahezu rundum abgeschlossen ist, kann der Druck dem Kopf nur an wenigen Stellen entweichen. Eine dieser Stellen ist der Durchtrittsort des Sehnervs durch den Schädelknochen in die Augenhöhle. Durch einen erhöhten Hirndruck kann zusätzliches Gewebe oder der Sehnerv durch diese Lücke gedrückt werden, wodurch ein Papillenödem hervorgerufen werden kann.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Erhöhter Hirndruck

Wie wird ein Papillenödem behandelt?

Die Therapie des Papillenödems ist sehr stark von der Ursache der Erkrankung abhängig.
So können Durchblutungsstörungen häufig durch einen erhöhten Blutdruck im gesamten Körper zurückzuführen sein. Die Therapie besteht daher aus einer Verringerung des Blutdrucks, sodass die Behandlung im gesamten Körper und nicht unmittelbar am Auge geschieht.
Tritt das Papillenödem dagegen infolge einer rheumatisch-entzündlichen Erkrankung der Gefäße auf, wird eine Behandlung angestrebt, die das zugrundeliegende rheumatische Krankheitsgeschehen therapiert. Häufig werden dazu Medikamente benötigt, die das Immunsystem des Körpers etwas herunterregulieren.
Bei Ursachen im Schädelinneren, die den Hirndruck erhöhen und so ein Papillenödem hervorrufen, muss ebenfalls die zugrundeliegende Erkrankung behandelt werden. So kann beispielsweise ein Hirnödem medikamentös therapiert werden.
Bildet der Körper zu viel Hirnwasser, sodass sich dieses aufstaut, kann gegebenenfalls auch ein kleiner Schlauch (sogenannte Liquordrainage) eingebracht werden, der das Hirnwasser ableitet und so den Druck senkt.
Liegt die Ursache des Papillenödems im Auge selbst, können ebenfalls medikamentöse Therapien angewandt werden. Aber auch operative Therapien kommen je nach genau zugrundeliegender Ursache infrage.

Wie lange dauert ein Papillenödem an?

Wie lange ein Papillenödem vorliegt, ist sehr stark von der zugrundeliegenden Erkrankung abhängig. Viele Ursachen wie beispielsweise ein erhöhter Hirndruck können in einigen Fällen schnell therapiert werden. Nach der erfolgreichen Behandlung verschwindet das Papillenödem sehr schnell von selbst. Andere Ursachen dagegen (z.B. ein erhöhter Blutdruck) sind chronische Erkrankungen, die zwar medikamentös eingestellt und verbessert werden können. Jedoch sind sie nicht vollständig therapierbar, sodass die Gefahr der Entstehung eines Pupillenödems weiterhin bestehen bleibt.

Weiterführende Informationen

Nähere Information zu diesem Thema finden Sie unter:

Eine Übersicht aller Themen der Augenheilkunde finden Sie unter: Augenheilkunde A-Z.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 06.03.2020 - Letzte Änderung: 04.01.2022
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