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Eiweiß im Urin in der Schwangerschaft

Einleitung

Normalerweise wird kein Eiweiß mit dem Urin ausgeschieden. In der Schwangerschaft ist eine kleine Menge an Eiweiß im Urin jedoch nichts Ungewöhnliches. Es kann jedoch auch immer sein, dass gravierendere Ursachen dahinter stecken. Deshalb sollte ein Arzt aufgesucht werden. Eiweiß im Urin in der Schwangerschaft kann nämlich Hinweis auf eine Infektion der Harnwege sein.

Treten zusätzlich noch andere Symptome wie Bluthochdruck und Flüssigkeitsansammlungen in den Armen und Beinen auf, dann droht wahrscheinlich eine Schwangerschaftsvergiftung (Gestose). Dies ist ein absoluter Notfall. Die Patientin sollte sofort in einem Krankenhaus behandelt werden.

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Wann ist das Auftreten von Eiweiß im Urin krankhaft?

Bei einer gesunden nicht-schwangeren Frau mit normaler Nierenfunktion findet sich in der Urinuntersuchung meist kein Eiweiß. Wird aber Eiweiß im Urin nachgewiesen spricht man in der medizinischen Fachsprache von einer Proteinurie. Aber auch bei nicht-Schwangeren deutet Eiweiß im Urin nicht immer auf eine krankhafte Veränderung hin. Man spricht von einer benignen Proteinurie, wenn es sich nur um eine kleine Menge Eiweiß handelt.

Im Rahmen einer Schwangerschaft ist eine Eiweißausscheidung im Urin sogar eher häufig und auch hier gilt, dass sie meistens harmlos ist. Sie treten nach emotionalem Stress, Unterkühlung oder körperlicher Anstrengung auf. Es gibt jedoch einen Grenzwert von < 150mg pro Tag. Wird mehr als 150 mg Eiweiß nachgewiesen, spricht dies für einen überwachungswürdigen Befund. Das heißt die Frau sollte einen Frauenarzt aufsuchen. Man sollte eine Urinkultur anlegen um eine Harnwegsinfektion auszuschließen. Der Blutdruck muss gemessen werden. Es muss überprüft werden ob andere Hinweise auf eine Schwangerschaftsvergiftung (Gestose) vorliegen. Sollte sich der Verdacht auf eine Gestose (z.B. eine Präeklampsie) erhärten, muss die Frau sofort stationär ins Krankenhaus eingewiesen werden. Falls es keine Hinweise auf eine schwerwiegende Erkrankung gibt, dann sollte man die Urinuntersuchung zeitnah wiederholen. Eine Kontrolle des Urinbefunds ist dann ausreichend.

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Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf ist oft sehr unterschiedlich je nach Ursache. In den meisten Fällen geht die Eiweißausscheidung im Urin nach dem Ende der Schwangerschaft auch wieder zurück. Bei Infekten verschwindet die Eiweißausscheidung auch während der Schwangerschaft nach Behandlung des Harnwegsinfekts. In den seltensten Fällen steckt eine bedrohliche Erkrankung wie eine Schwangerschaftsvergiftung dahinter.

Dauer/Prognose

Eiweiß im Urin bei Schwangeren ist nichts Ungewöhnliches, wenn es sich um geringe Mengen handelt. Es muss nicht behandelt werden und verschwindet meist im Verlauf der Schwangerschaft oder nach Ende der Schwangerschaft von selbst wieder. Wirklich selten stecken Erkrankungen dahinter, die zu einem Eiweißverlust über die Niere führen, diese sollte man dann natürlich entsprechend behandeln.

Ursachen

Auch junge nicht schwangere Menschen können Eiweiß im Urin ausscheiden. Meist sind vermehrt körperliche Aktivität, emotionaler Stress oder eine leichte Unterkühlung die Ursache. In der Schwangerschaft ist ein minimaler Eiweißverlust durch die Nieren jedoch häufiger. Dies liegt daran, dass die Durchblutung der Nieren deutlich zunimmt, dies führt auch zu einer Steigerung der Filtrationsrate. Dadurch gelangt erst mal mehr Eiweiß in den Primärharn. Nicht alles kann dann später im Rahmen der Rückresorption wieder aufgenommen werden. So bleiben vor allem kleine Eiweißmoleküle im Urin und werden über die Blase ausgeschieden. Dies ist im Rahmen der Schwangerschaft physiologisch, also ganz normal.

Ist der Eiweißgehalt diskret erhöht kann dies durch Fieber verursacht werden. Auch eine Entzündung der Harnwege (Blasenentzündung, Nierenbeckenentzündung) kann die Ursache sein. Des Weiteren ist es möglich, dass ein Schwangerschaftsdiabetes vorliegt. Die schwerwiegendste Erkrankung, die sich durch Eiweiß im Urin verbergen kann, ist eine Schwangerschaftsvergiftung. Sie geht jedoch immer auch mit anderen Symptomen einher.

Auch interessant: Schwangerschaftsdiabetes oder Plazentainsuffizienz

Eiweiß im Urin durch zu wenig trinken

Grundsätzlich ist es vor allem für Schwangere wichtig auf eine ausreichende Trinkmenge von 2-3 Litern pro Tag zu achten. In der Schwangerschaft ist es nichts Ungewöhnliches, dass geringe Mengen an Eiweiß im Urin ausgeschieden werden. Trinkt die Schwangere nicht ausreichend, dann ist der Urin oft konzentrierter. Daher nimmt auch die Eiweißkonzentration zu. Dies ist letztlich harmlos und nicht besorgniserregend. Man sollte das Flüssigkeitsdefizit jedoch beheben und den Urin in den nächsten Tagen erneut auf Eiweiß testen.

An diesen Symptomen erkenne ich Eiweiß im Urin

Es gibt nicht immer irgendwelche Symptome anhand derer man erkennen könnte, dass man Eiweiß im Urin hat. Deshalb untersucht der Frauenarzt auch regelmäßig routinemäßig den Urin von Schwangeren. Zum einen möchte man natürlich bakterielle Infekte ausschließen, zum anderen sucht man auch nach erhöhtem Eiweißgehalt. Ein Hinweis für die Schwangere kann sein, dass ihr Urin morgens stärker schäumt, dies spricht oft für eine Eiweißausscheidung. Dies ist jedoch kein eindeutig beweisendes Kriterium. Kommt es durch die Eiweißausscheidung im Urin zu einem deutlicheren Eiweißverlust, dann treten eventuell schon Symptome auf. Es können sich beispielsweise Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen entwickeln. Dann sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

Ergänzende Informationen hier: Ursache von Ödemen 

Wassereinlagerungen/Ödeme als Symptom

Die allermeisten Frauen lagern im Laufe ihrer Schwangerschaft Wasser in den Armen und/oder Beinen ein. Dies entwickelt sich aufgrund der hormonellen Konstellation. Auch die Tatsache, dass das Blutvolumen steigt und somit der Druck auf die Blutgefäßwände, die demzufolge Flüssigkeit ins Gewebe durchlassen. Dies ist zwar für die meisten Frauen sehr unangenehm und lästig. Derartige Wasseransammlungen sind jedoch nicht gefährlich.

Im Unterschied dazu kann sich durch die übermäßige Eiweißausscheidung mit dem Urin ein Eiweißmangel entwickeln. Dieser führt dann zu Eiweißmangelödemen, dies ist deutlich gefährlicher. Die Ödeme können auch Hinweis auf eine Schwangerschaftsvergiftung sein, vor allem wenn der Blutdruck noch zusätzlich erhöht ist. Dies kann der Laie aber nicht unterscheiden. Es sind immer weitere Tests notwendig.

Weitere Informationen finden Sie hier: Ödeme in der Schwangerschaft

Kann Eiweiß im Urin ein Schwangerschaftsanzeichen sein?

Eiweiß im Urin ist kein typisches Schwangerschaftsanzeichen. Kommt jedoch bei Schwangeren häufiger vor und kann damit schon ein Hinweis auf eine bestehende Schwangerschaft sein. Es kann jedoch auch bei Nicht-Schwangeren nach vermehrter körperlicher Aktivität oder emotionalem Stress auftreten.

Kommen weitere typischere Schwangerschaftsanzeichen hinzu unterstützt die Tatsache, dass Eiweiß im Urin ausgeschieden wird die Tatsache, dass eine Schwangerschaft vorliegt. Typische Schwangerschaftsanzeichen sind das Ausbleiben der Regelblutung, Morgenübelkeit, Heißhunger, Ziehen in den Brüsten und Weiteres.

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Diagnose

In der Schwangerschaft wird der Urin regelmäßig vom Frauenarzt untersucht. Auch weil man ausschließen will, dass Bakterien die Harnwege besiedeln und dort Infektionen auslösen. Mit einem Standard-Urinteststreifen lässt sich auch Eiweiß im Urin gut nachweisen. Ab einem Gehalt von mehr als 8mg/dl ist das Ergebnis positiv. Der Urinstreifentest reagiert jedoch hauptsächlich auf Albumin. Möchte man es genauer wissen, ob man Eiweiß im Urin ausscheidet sollte man einen 24 Stunden Sammelurin untersuchen lassen. Ein Hinweis für die Schwangere kann sein, dass ihr Urin morgens stärker schäumt, dies spricht oft für eine Eiweißausscheidung.

Wichtige Informationen finden Sie auch unter: Untersuchungen in der Schwangerschaft

Therapie

Eiweiß im Urin in der Schwangerschaft muss in den meisten Fällen gar nicht behandelt werden, da es sich bei geringen Mengen Eiweiß nicht um eine Erkrankung handelt. 

Man sollte jedoch ausschließen, dass andere behandlungsbedürftige Erkrankungen dahinterstecken. Dies kann beispielsweise eine Infektion der Harnwege sein, diese müsste auch in der Schwangerschaft antibiotisch behandelt werden. Zum anderen gibt es Schwangerschaftsvergiftungen (Gestosen) wie die Präeklampsie, die mit erhöhtem Blutdruck, Eiweißausscheidung im Urin und Wassereinlagerungen in den Beinen einhergeht. Dies ist jedoch die Ausnahme.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 08.04.2019
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