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Appetitlosigkeit

Definition

Appetitlosigkeit oder Inappetenz bedeutet, dass die Lust auf Essen nicht vorhanden ist. Wenn dies über mehrere Tage anhält, spricht man von einer Anorexie.
Nahezu jeder Mensch kennt das Gefühl von Appetitlosigkeit. Wenn diese nur kurzzeitig anhält, ist das häufig ein Zeichen von Anspannung oder einem Infekt im Körper. Aber auch schwerwiegende Erkrankungen können zum Verlust des Appetits führen.

Der Appetit wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Er ist im Gegensatz zum Hunger ein psychisches Signal und kein körperliches. Viele Hormone und andere Botenstoffe sind im Gehirn für die Entstehung von Hunger und Appetit zuständig. Beim Anblick von leckerem Essen oder bei dessen Duft signalisieren diese dem Körper das Signal „Appetit“. Als Folge läuft uns das Wasser im Munde zusammen. Appetit kann auch dann vorhanden sein, wenn nicht das körperliche Bedürfnis nach Essen, also kein Hunger, vorhanden ist.


Ursachen

Viele verschiedene Ursachen können zur Appetitlosigkeit führen. Häufig sind liegen psychische Probleme oder Stress zugrunde. Im Rahmen einer Depression tritt oftmals der Verlust des Appetits auf. Auch Migräneanfälle können hierzu führen.

Besonders ältere Menschen leiden häufig unter Appetitlosigkeit. Dies liegt daran, dass die Sinneseindrücke, wie Schmecken und Riechen mit dem Alter abnehmen und somit die Lust am Essen vergeht. Auch die Einsamkeit kann als psychischer Stressfaktor zum Verlust des Appetits führen. Das kann gefährlich werden, wenn nicht darauf geachtet wird, dass sie trotzdem genügend Nahrung zu sich nehmen.

Darüber hinaus gibt es viele körperliche Ursachen, die mit Appetitlosigkeit einhergehen. Magen-Darm-Erkrankungen sind ein häufiger Grund dafür. Ein gewöhnlicher Magen-Darm-Infekt oder eine Lebensmittelvergiftung sind oft der Auslöser. Aber auch Entzündungen der Magenschleimhaut (Gastritis) oder Magengeschwüre (Ulcus) des Magen-Darm-Traktes können zur Inappetenz führen, genauso wie chronisch entzündliche Erkrankungen, zum Beispiel Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Auch wenn andere Organe des Bauchraums erkrankt sind, kann dies eine Appetitlosigkeit verursachen. Erkrankungen der Leber, der Niere, Entzündungen von Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse und Blinddarmentzündungen gehören dazu.

Neben den Magen-Darm-Erkrankungen können jedoch auch viele andere Erkrankungen zum Verlust des Appetits führen. Ein grippaler Infekt geht oftmals mit der Abnahme des Appetits einher, da das allgemeine Wohlbefinden stark eingeschränkt ist. Bei einer Mandelentzündungen oder anderen Entzündungen im Mund- und Rachenraum verspürt der Patient in der Regel auch keinen Appetit, da das Essen mit Schmerzen verbunden ist. Nahezu jeder Infekt des Körpers kann, muss aber nicht, zu Appetitlosigkeit führen. Bei Kindern sind vorwiegend Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken der Auslöser.
Auch die Herzinsuffizienz und andere Erkrankungen des Herzens können mit Appetitlosigkeit einhergehen.

Ein weiterer Ursachenkomplex sind die Stoffwechselstörungen, die eine Inappetenz verursachen können. Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Unterfunktionen von Hirnanhangsdrüse oder Schilddrüse oder eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen gehören zu den möglichen Ursachen. Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten können Grund einer Inappetenz sein.

Darüber hinaus kann der Appetit auch durch äußere Einflüsse beeinträchtigt werden, etwa durch Drogen- oder Alkoholabhängigkeit oder durch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten. Besonders durch Chemotherapie wird oft der Appetit vermindert.

Insgesamt lässt sich sagen, dass jede Erkrankung, besonders wenn sie einen chronischen Verlauf hat oder mit chronischen Schmerzen einhergeht, den Appetit aufgrund der starken psychischen Belastung verringern kann.
Geht die Appetitlosigkeit mit einem hohen Gewichtsverlust einher, hat der Betroffene zusätzlich Fieber und Nachtschweiß, so kann dies ein Hinweis auf eine bösartige Erkrankung sein und es sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Auch während der Schwangerschaft kann Inappetenz auftreten. Hier betrifft diese jedoch vorwiegend bestimmte Nahrungsmittel oder Gerichte.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Wie dünn darf man sein?

Ursachen an der Schilddrüse

Die Schilddrüse produziert Hormone, die wesentlich für die Regulation der Stoffwechselvorgänge im menschlichen Körper verantwortlich sind. Sie beeinflussen die Energiebereitstellung. Wenn nun eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose), vorliegt, so funktioniert dieser Regulationsmechanismus nicht mehr richtig und es kommt zu körperlichen Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion, die sich vor allem in Schwäche und Müdigkeit äußern. Auch die Herzfrequenz und der Blutdruck sind erniedrigt. Appetitlosigkeit und Frieren gehören ebenfalls zu den Symptomen.

Wenn eine anhaltende Appetitlosigkeit in Verbindung mit einem dieser Symptome auftritt, so sollte ein Arzt aufgesucht werden und die Funktion der Schilddrüse überprüft werden. Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion können Autoimmunerkrankungen oder Jodmangel sein.
Auch eine akute Entzündung der Schilddrüse kann Appetitlosigkeit als ein mögliches Symptom aufweisen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter unserer Hauptseite zu Erkrankungen der Schilddrüse

Symptome

Symptom einer chronischen Appetitlosigkeit ist vor allem der Gewichtsverlust. Auch Erbrechen oder der Ekel vor bestimmten Nahrungsmitteln kann begleitend hinzukommen. Die Appetitlosigkeit kann selbst als Symptom verschiedener Erkrankungen angesehen werden, wie zum Beispiel Symptom einer psychischen Störung oder Symptom einer Magen-Darm-Erkrankung.

Appetitlosigkeit und Müdigkeit

Appetitlosigkeit kann schnell zu allgemeiner Müdigkeit führen. Wenn der Körper aufgrund mangelnder Ernährung nicht genügend Nährstoffe bekommt, fühlt man sich schnell abgeschlagen und energielos.

Oftmals kommen Appetitlosigkeit und Müdigkeit als gemeinsame Symptome verschiedener Erkrankungen vor. Dies ist nahezu bei allen Infekten des Körpers der Fall, wie zum Beispiel bei einem grippalen Infekt. Das allgemeine Wohlbefinden ist gemindert und der Betroffene fühlt sich schlapp und hat auch keinen Appetit.

Darüber hinaus können die beiden Symptome auch auf eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) hinweisen.

Diagnose

Wenn ein Patient mit andauernder Appetitlosigkeit zum Arzt kommt, so ist der erste Schritt der Diagnosestellung nach einem ausführlichen Gespräch die körperliche Untersuchung. Neben der Messung von Temperatur, Blutdruck und Herzfrequenz werden auch die inneren Organe untersucht. Ein EKG, eine Ultraschalluntersuchung und eine Blutuntersuchung können notwendig sein, um die Ursache herauszufinden. Auch eine Urin- und eine Stuhlprobe geben oft Aufschluss darüber.

Es ist wichtig, dem Arzt eventuell bestehende Vorerkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes mellitus oder Herzerkrankungen mitzuteilen und ihn darüber zu informieren, welche Medikamente regelmäßig eingenommen werden.

Wird keine organische Ursache gefunden, so sollte sich der Patient bei einem Psychologen oder einem Psychotherapeuten vorstellen um eventuell bestehende psychisch bedingte Ursachen zu erkennen.

Therapie

Die Behandlung der Appetitlosigkeit richtet sich nach der Ursache. Wenn im Rahmen der Untersuchung eine Magen-Darm-Erkrankung, ein grippaler Infekt oder aber eine organische Ursache gefunden werden, so müssen diese behandelt werden und führen in der Regel dazu, dass sich der Appetit wieder normalisiert. Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit muss dauerhaft eine spezielle Diät eingehalten werden und dann sollte der Appetit wiederkehren.

Bei äußeren Einflüssen, die ursächlich für die Inappetenz sind, sollten diese gemieden werden. Verzicht auf Rauchen und Alkoholkonsum beziehungsweise das Absetzen bestimmter Medikamente sollte in Erwägung gezogen werden. Die Medikamente dürfen jedoch auf keinen Fall selbst abgesetzt werden. Dies muss mit dem Arzt abgesprochen werden.

In der Regel gilt bei Appetitlosigkeit ohne organische Ursache, das Essverhalten zu normalisieren. Es ist wichtig, sich genügend Zeit zum Essen zu nehmen und bestenfalls mehrere kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen.

Wenn dies nicht hilft, gibt es verschieden Medikamente, die den Appetit anregen sollen. Diese enthalten oft Gestagene. Das sind Hormone, die das Hungergefühl anregen sollen. Aber auch einige pflanzliche Mittel sollen helfen, den Appetit wieder anzuregen. Hierzu zählen die Rinde des Condurango-Baums, Wermut und Angelikawurzel. Diese sollen als Tees zubereitet helfen, ein normales Essverhalten wiederherzustellen.

Appetitlosigkeit beim Kind

Beim Kind ist die Appetitlosigkeit häufig das erste Zeichen, wenn sich eine Erkrankung anbahnt. Wichtig ist hier, dass eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme gewährleistet ist. Die Eltern sollten auf weitere Zeichen achten und wenn Begleitsymptome hinzukommen, einen Kinderarzt aufsuchen. Auch wenn eine Gewichtsabnahme hinzukommt, sollte dies dem Kinderarzt mitgeteilt werden.

Bei Kindern ist der Nahrungsbedarf sehr stark abhängig von ihrem Energieverbrauch. Hat das Kind an einem Tag nicht den üblichen Appetit, kann dies einfach an wenig Bewegung liegen oder daran, dass es viel Süßigkeiten zwischen den Mahlzeiten gegessen hat.

Ein weiterer Grund für den Verlust des Appetits können belastende Ereignisse sein. Ärger im Kindergarten oder in der Schule oder Veränderungen im alltäglichen Leben führen häufig dazu, dass das Kind die Nahrungsaufnahme verweigert. Auch Umstellungen in der Ernährung, zum Beispiel die Umstellung von Breikost auf feste Nahrung oder der Übergang zum selbstständigen Essen können zu einer vorübergehenden Inappetenz führen. Außerdem ist das Zahnen ein häufiger Grund für eine Abnahme des Appetits.

Auch bei Kindern kann eine Schilddrüsenerkrankung zu einem Appetitsverlust führen. Hier kommen Müdigkeit und Lustlosigkeit als Begleitsymptome hinzu. Eine Blutuntersuchung durch den Arzt kann die Diagnose sichern.

Appetitlosigkeit beim Baby

Eine vorübergehende Appetitlosigkeit bei Babys ist in der Regel harmlos und kann mal vorkommen. Genau wie bei Erwachsenen kann der Appetit mal größer und mal kleiner sein. Hält dieser Zustand jedoch über längere Zeit an und das Baby will nicht trinken, so sollten die Ursachen geklärt werden. Eine regelmäßige Gewichtskontrolle ist sehr wichtig.

Eine häufige Ursache ist das Zahnen beim Baby. Da dies zu Schmerzen und zu Unzufriedenheit führt, verweigert das Baby die Nahrungsaufnahme. Auch, wenn sich ein Magen-Darm-Infekt anbahnt, ist der Appetit vermindert. Ebenso kann psychischer Stress beim Baby zu einer Inappetenz führen. Die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit zum Beispiel kann eine mögliche Ursache sein, genau wie eine unruhige Umgebung beim Stillen. Die Mutter sollte darauf achten, eine Atmosphäre mit ausreichend Ruhe beim Stillen zu schaffen und sie sollte sicher gehen, dass die Nahrungsverweigerung nicht an einer falschen Stilltechnik liegt.
Auch eine verminderte Milchproduktion der Mutter kann die Ursache sein, weshalb das Baby nicht gerne und vor allem nicht ausreichend trinken will.

Um Sicherzustellen, dass das Baby trotz Appetitlosigkeit genügend Flüssigkeit zu sich nimmt, sollte es häufiger als gewöhnlich an die Brust angelegt werden. Zudem helfen die regelmäßigen löffelweisen Gaben von Wasser oder Tee, das Kind vor einem Flüssigkeitsmangel zu schützen und eventuelle Beschwerden aufgrund eines Magen-Darm-Infektes zu lindern.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Probleme in der Stillzeit beim Kind

Weitere Informationen

Eine Übersicht aller Themen der Psychiatrie finden Sie unter: Psychiatrie A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.07.2018
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