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Wie dünn darf man sein?

Einleitung

Wie dünn ein Mensch sein darf, hängt ganz von seinem körperlichen Bau, seinem Alter und seinem gesundheitlichen Zustand ab. In unserer Gesellschaft hat sich ein Schönheitsbild entwickelt, das vor allem eine sehr schlanke Körperform idealisiert. Vor allem junge Frauen sehen sich teilweise gezwungen, diesem Ideal zu entsprechen und achten deshalb sehr auf ihr Körpergewicht. Allerdings kann nicht nur Übergewicht gesundheitsschädlich sein, auch Untergewicht wird ab einem bestimmten Maß gefährlich. Die abgemagerte Figur wird dabei von Berufsgruppen aus der Modebranche und anderen Berühmtheiten gefördert. Die Vorbildfunktion fällt unter den Tisch und schädigt somit viele Jugendliche, die gerade jetzt, in ihrer Pubertät, darauf achten sollten, sich ausreichend und ausgewogen zu ernähren.

BMI

In der Medizin hat sich eine Messgröße etabliert, die eine Einteilung in Untergewichtige, Normalgewichtige und Übergewichtige zulässt – der BMI. Der BMI, ausgesprochen der Body-Mass-Index, wird aus der Körpergröße und dem Körpergewicht berechnet und lässt sich größtenteils auf die Normalbevölkerung anwenden. Das Körpergewicht in Kilogramm wird dabei durch die mit sich selbst multiplizierte Körperlänge in Metern geteilt:

BMI = Körpergewicht (in kg) ÷ Körperlänge (in m) x Körperlänge (in m)

Ein normaler BMI liegt zwischen 18,5 und 25, das wäre zum Beispiel ein 1,70m großer Mensch mit einem Körpergewicht von 65kg (BMI = 22,5). Ein ernstes Untergewicht besteht ab einem BMI von 17 abwärts. Für unser Beispiel würde das bedeuten, dass die 1,70m große Person nicht mal 50kg wiegen würde. Das ist eindeutig zu dünn und gesundheitsschädlich – egal wie schlank der Körper natürlicher Weise gebaut ist.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Body-Mass-Index

Ästhetik

Das Thema Ästhetik im Bezug auf Schlankheit ist schwierig, weil es sich hierbei um eine subjektive Empfindung handelt – um etwas, das verschiedene Menschen und verschiedene Kulturen, unterschiedlich bewerten. In den Industriestaaten, in denen das Wohlstands- Niveau relativ hoch ist, wird eine dünne Figur einer dickeren vorgezogen. In anderen Ländern, in denen die Versorgungssituation nicht optimal ist, gelten ein paar Pfund mehr auf den Rippen als schön. Das ästhetische Ideal hat sich im Laufe der Zeit sehr gewandelt, wobei die Vorbildfunktion der im Rampenlicht stehenden Personen, vor allem der Frauen, immer wichtiger wurde. Es gilt: je dünner, desto besser. Auch wenn das gesundheitlich gesehen falsch ist, eifern viele Menschen solchen Berühmtheiten nach und lassen sich damit auf einen sehr ungesunden Lebensstil ein.

Magersucht

Als Magersucht (Anorexia nervosa) bezeichnet man eine psychische Erkrankung, die mit einer Essstörung einhergeht. Die Betroffenen, meist Mädchen und junge Frauen, nehmen ihren Körper als zu dick wahr (Körperschemastörung) und versuchen krankhaft ihr Körpergewicht zu kontrollieren. Mit einer Verschmälerung der Nahrungsmenge auf ein Minimum und teilweise extrem viel Sport verringern sie somit ihr Körpergewicht dramatisch. Ihre Gedanken kreisen ständig um das Essen und ihr Gewicht.

Zu der Magersucht kann sich außerdem noch das Krankheitsbild der Bulimie hinzufügen, welches durch systematisches Erbrechen nach der Nahrungsaufnahme charakterisiert ist. Neben der Unterversorgung des Körpers, die diesen enorm schwächt, kann es im Rahmen einer Magersucht außerdem zu schweren Herzfehlern und Störungen des Hormonhaushalts kommen.
Die Therapie einer Essstörung, die in der Regel bereits im Jugendalter in einer kinder-und jugendpsychiatrischen Einrichtung durchgeführt wird, gestaltet sich zum Teil sehr schwierig. Oftmals müssen die Patienten erst dazu gebracht werden, Krankheitseinsicht zu zeigen. Eine Zwangsernährung mit Hilfe einer Magensonde ist keine Seltenheit. Es bedarf fast immer einer Langzeittherapie, bevor wirklich von einer Heilung gesprochen werden kann. Die Ergebnisse sind jedoch gut. Die meisten Patienten sind im jungen Erwachsenenalter nicht mehr von der Erkrankung betroffen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter Magersucht

Übergang in eine Essstörung

Der Drang an Körpergewicht zu verlieren kann bei einem vorherigen Übergewicht ganz normal sein. Die Person fühlt sich in ihrem Körper nicht wohl und möchte deshalb ein paar Kilogramm verlieren. Bis zum Normalgewicht, welches anhand des BMI ausgerechnet werden kann, ist eine Gewichtsreduktion vollkommen legitim und gesundheitlich sogar wünschenswert. Geht die Gewichtsabnahme jedoch auch nach Erreichen des Normalgewichts weiter oder hat eine normalgewichtige Person den Drang viel Gewicht zu verlieren, so könnte eventuell eine Essstörung vorliegen.

Der krankhafte Prozess beginnt meist mit einer detaillierten Auflistung aller konsumierten Lebensmittel, wodurch eine genaue Übersicht der aufgenommenen Kalorien möglich wird. Mahlzeiten in Gesellschaft werden vermehrt abgelehnt, oftmals nur davon geredet, dass gegessen wurde. Die Patienten, die man bereits als solche bezeichnen kann, verzichten bewusst auf „Dickmacher“. Anfangs wird die besorgniserregende Entwicklung besonders von nahestehenden Personen nicht bemerkt. Die Patienten empfinden sich dabei in der Regel nicht als zu dünn, weshalb nur die wenigstens Personen, die von einer Essstörung betroffen sind, eigenständig Hilfe suchen und sich in eine Therapie gegen ihre Essstörung begeben. Der Übergang von einer Diät in eine massive Essstörung passiert schleichend, jedoch haben die Personen meist bereits vorher eine verschobene Selbstwahrnehmung.

Lesen Sie mehr zum Thema unter Essstörung

Ab welchem BMI treten gesundheitsschädigende Folgen auf?

Ab welchem BMI die ersten gesundheitsschädigenden Folgen auftreten, hängt zum Teil vom Körperbau des Betroffenen ab. Ein stabil und muskulös gebauter Körper kann mehr Gewichtsverlust wegstecken, als eine zierliche Person, die sowieso schon ein geringes Startgewicht besitzt. Ab einem BMI von unter 18 muss damit gerechnet werden, dass Gesundheitsschäden auftreten. Genaue Grenzwerte, bei denen bestimmte Systeme ihrer Funktion nicht mehr regelhaft nachgehen können, lassen sich nicht bestimmen. Ab dem Grenz-BMI muss mit Herzschäden, Hormonstörungen und anderen organischen, als auch psychiatrischen Folgeerkrankungen gerechnet werden. Aus diesem Grund sollte eine betroffene Person umgehend mit einer Therapie der Essstörung beginnen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter Therapie Essstörung

Folgen eines zu niedrigen BMI

Durch einen sehr niedrigen BMI kommt es zu umfassenden Gesundheitsschäden. Direkte Reaktionen auf das geringe Körpergewicht sind Schwindel, Ohnmachtsanfälle, und ständiges Frieren. Der Körper versucht letzteres durch sogenannte Lanugohaare auszugleichen – ein haariger Flaum, der auf dem Rücken, auf den Armen und im Gesicht wächst. Durch das verminderte Gewicht nimmt auch die Blutmenge, die im Körper zirkuliert, ab. Der Blutdruck sinkt, das Herz schlägt langsamer und es können sich gefährliche Herzrhythmusstörungen entwickeln, die im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod führen können. Der Elektrolyt- und Zuckerhaushalt wird gestört, was wiederum verschiedenste Störungen verursachen kann. Die Anzahl der Blutzellen nimmt ab – es kommt zu Erschöpfungszuständen, Infektneigung und Gerinnungsstörungen.

Das Hormonsystem wird massiv gestört, was vor allem auf die Geschlechtshormone Einfluss nimmt. Frauen bekommen ihre Periode nicht mehr, Männer verlieren die Lust auf Sex und leiden unter Errektionsstörungen. Besteht der niedrige BMI während dem Jugendalter, wie es in der Regel der Fall ist, kann es zu einer Verzögerung der Pubertät und zu einer vorzeitigen Beendigung des Größenwachstums kommen. Durch die mangelhafte Nährstoffsituation leidet auch das Knochengerüst. Es kommt unter Personen mit sehr geringem BMI schneller zu Osteoporose. Die Knochen verlieren an Dichte und brechen deswegen schneller. Durch die verminderte Nahrungsaufnahme kann es auch zu Magen-Darm-Symptome wie Krämpfen, Übelkeit und Verstopfung kommen. Neben der Osteoporose ist die Niereninsuffizienz eine Folge, die dem Patienten das ganze Leben erhalten bleibt.

Außer den körperlichen Folgen, die ein zu geringer BMI verursachen kann, bestehen auch häufig psychische Symptome. Die Patienten stehen unter ständigem emotionalen Stress, den sie sich einerseits selbst machen, andererseits von außerhalb erfahren. Das kann nicht nur zu Depressionen, sondern auch zu lebensmüden Gedanken führen. Die Selbstmordrate unter Menschen mit einer Essstörung ist im Vergleich zur Normalbevölkerung erhöht.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 14.11.2018
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