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Hilfe im Umgang mit einem Schreibaby

Definition: Was ist ein Schreikind?

Ein Schreikind bzw. ein Schreibaby fällt durch besonders häufiges und anhaltendes Schreien auf. Dabei sprechen Ärzte von einem Schreikind, wenn ein Kind an mindestens drei Tagen pro Woche mindestens drei Stunden schreit und dieses Verhalten bereits mehr als drei Wochen anhält.

Dabei ist das Schreien in den ersten drei Lebensmonaten besonders intensiv. In dieser Zeit aber wird das Schreien als besonders schrill empfunden. Oftmals ballen die Baby ihre Hände zusammen, krümmen ihren Rücken in Richtung Hohlkreuz und ziehen die Beine an. Die Anstrengung sieht man dem Kind an - meist wird das Gesicht dunkelrot. Dennoch schaffen sie es in der Regel nicht, tagsüber Ruhe zu finden und schlafen somit meist nur etwa eine halbe Stunde.

Was sind die Ursachen für ein Schreibaby?

Die Ursache in dieser Sensibilität konnte bisher noch nicht abschließend geklärt werden. Eine Untersuchung zeigte allerdings, dass das Rauchen während der Schwangerschaft - wie bei so vielen Erkrankungen - ein erhöhtes Risiko darstellt. Außerdem wird diskutiert, ob psychische Belastungen der Mutter während der Schwangerschaft darauf einen Einfluss nehmen.

In den letzten Jahren hat sich herausgestellt, dass die Ursache bei den meisten Kindern nicht in den Drei-Monats-Koliken liegen, sondern durch eine Schwierigkeit bei der Verarbeitung von Umweltreizen verursacht wird. Maximal zehn Prozent der Kinder leiden unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie etwa der gegenüber Kuh- oder Sojamilch. Häufig wird auch ohne Nahrungsmittelunverträglichkeit ein Blähbauch bei den Schreibabys sichtbar, der meist dadurch begründet wird, dass die Kinder beim Schreien Luft schlucken.

Man Geht davon aus, dass Schreikinder mit den neuen Sinnesreizen überfordert sind und sich stressen. Andere Kinder finden bald einen Weg, ihre Aufmerksamkeit zu steuern und bei einer solchen Überforderung abzuschalten oder zu schlafen. Außerdem können sie sich durch das Nuckeln am Finger oder am Schnuller selbst wirkungsvoll beruhigen.

Ein Schreibaby hat dabei große Schwierigkeiten. Durch ihre aufgeweckte und aufmerksame Art nehmen sie vermehrt an ihrer Umwelt teil und konzentrieren sich zu stark auf das Geschehen um sie herum.

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Stress in der Schwangerschaft

Stress in der Schwangerschaft wird als ein möglicher verursachender Faktor für Schreibabys angesehen. Dabei spielen in erster Linie starke seelische Belastungen eine Rolle. Auch könnte der Zigarettenkonsum während der Schwangerschaft eine Ursache dafür sein.

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Der letztendlich verursachende Faktor ist zurzeit noch nicht abschließend geklärt, man kann allerdings davon ausgehen, dass Stress in der Schwangerschaft wohl ein Teil des verursachenden Gefüges darstellt. Künftige Studien werden die Ursachen noch etwas genauer erforschen müssen.

Diagnose

Zunächst sollte während einer ausführlichen Diagnosefindung eine körperliche Ursache für das Schreien ausgeschlossen werden. Dazu zählen:

  • Allergien
  • Schmerzen
  • Infektionen
  • organische Erkrankungen. 

Konnte hierzu kein auffälliges Untersuchungsergebnis gefunden werden, ergibt sich die Diagnose eines Schreibabys aus der Schilderung der Eltern des Kindes. Berichten diese, dass ihr Baby an mindestens drei von 7 Tagen der Woche über drei Stunden schreit - und das bereits seit über drei Wochen so anhält, sprechen die Ärzte und Hebammen von einem Schreikind. Dabei wird das Schreien als besonders schrill und intensiv wahrgenommen. Die Kinder schreien in ihren ersten drei Lebensmonaten besonders stark.

Wie kann man sein Schreibaby am besten beruhigen?

Schreibabys regieren auf Umweltreize besonders empfindlich und ihnen gelingt es häufig nicht, ihre Aufmerksamkeit zu steuern und gegebenenfalls bei Überforderung abzuschalten. Daher geht es bei einem Schreikind darum, die Flut der Reize einzudämmen und einen möglichst regelmäßigen Tagesablauf zu gestalten.

Dabei gibt es leider kein Patentrezept, welches jedes Schreikind zur Ruhe bringt. Das Einhalten von annährend festen Zeiten für die Nahrungsaufnahme, Spiel- und Kuschelzeiten, das Schlafen und viel Weiteres hat sich allerdings häufig als beruhigend auf das Kind erwiesen. Alle ein- bis eineinhalb Stunden sollte das Baby eine Ruhepause einlegen.

Zusätzlich können feste Rituale dem Kind helfen, in den Schlaf zu finden. So kann ein immer gleiches Schlaflied das Einschlafen erleichtern. Überfordern Sie ihr Kind möglichst nicht. Wendet es den Kopf ab, während Sie versuchen, dem Kind etwas zu zeigen, so ist es wahrscheinlich bereits müde und überfordert und kann bis dahin noch leicht zur Ruhe gebracht werden. Viele Eltern berichten auch, dass es hilfreich ist, das Kind eine Weile herumzutragen oder sich still neben das Kind zu legen, um es durch die eigene Ruhe positiv zu beeinflussen. Die körperliche Nähe beruhigt das Kind sehr oft. Betroffene Eltern sollten soweit möglich ruhig und gelassen bleiben. Stress und Nervosität beunruhigen das Kind oft zusätzlich, was einen Teufelskreis in Gang bringen kann.

Kann eine Schreiambulanz helfen?

Eine Schrei-Ambulanz leistet eine professionelle Hilfe im Umgang mit dem Kind. Häufig sind diese Ambulanzen an Kinderarztpraxen, Kliniken und andere Beratungsstellen angegliedert. Die Therapeuten einer solchen Einrichtung zeigen den betroffenen Eltern auf, wann das Kind überfordert ist und wie Sie mit ihm spielen und kommunizieren können, ohne es dabei zu überfordern. Die Kinder lernen dabei ihre Selbstregulation zu entwickeln und zu stärken, während die Eltern ihre Stärke und Ressourcen wiederfinden und Schuldgefühle sowie Unsicherheiten überwinden.

Die Eltern von Schreibabys sollten nicht zögern, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Einige Ambulanzen sprechen von Erfolgsquoten von bis zu 90 Prozent innerhalb von durchschnittlich vier Terminen, wobei 45 Prozent der Patienten vollständig therapiert werden konnten und 44 Prozent eine deutliche Stabilisierung erfahren haben.

Begleitende Symptome

Häufig fällt bei den Schreibabys ein geblähter Bauch auf. Dieses Symptom wurde bis vor einigen Jahren als Ursache des Schreiens angesehen. Man sprach von den „Drei-Monats-Koliken“, die den Kindern zu schaffen machen und ihnen Schmerzen bereiten. Jedoch fanden Wissenschaftler heraus, dass es sich hierbei weniger um die Ursachen des Schreiens handelt und mehr um ein begleitendes Symptom, das die Schreibabys entwickeln. Der geblähte Bauch entsteht durch das vermehrte Schlucken von Luft während dem Schreien.

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Häufig lässt sich zudem ein herabgesetzter Appetit des Kindes in dieser Phase verzeichnen. Nur sehr wenige Kinder leiden zusätzlich unter einer Erkrankung des Verdauungstraktes. Hierzu zählen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie gegen Kuh- und Sojamilch, und Entzündungen der Speiseröhre durch zum Beispiel Sodbrennen.

Wie lange kann ein Schreibaby am Stück schreien?

Säuglinge schreien besonders ausdauernd und laut, ohne dabei rasch zu ermüden oder heiser zu werden. Gerade Schreibabys können mit dieser Schreitechnik oft über Stunden schreien, ohne eine Pause einlegen zu müssen.

Es ist daher schwierig, eine maximale Dauer anzugeben, aber es wurde schon von Kindern berichtet, die zehn und mehr Stunden durchweg brüllten. Dieser andauernde Zustand kann äußerst belastend und fordernd für die Eltern sein. Es empfiehlt sich daher, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, bevor Sie völlig überfordert und aus ihrer eigenen Anspannung heraus die Kinder schütteln oder alleine schreien lassen.

Bis zu welchem Monat schreit das Baby?

Schreibabys beginnen häufig um die zweite Lebenswoche mit den Schreiattacken und enden damit meist mit Beginn des vierten Lebensmonats. In einzelnen Fällen endet die Phase als Schreikind erst mit dem Ende des ersten halben Jahres oder noch etwas später. Einige Eltern berichten, dass das Schreien vom einen auf den anderen Tag aufhört.

Was können die Eltern gegen die Überforderung machen?

In dieser Situation als Elternteil gelassen zu bleiben, fällt oftmals nicht leicht. Betroffene Eltern sollten sich daher Hilfe suchen, noch bevor sie völlig überfordert sind. Großeltern oder Freunde können sie vielleicht zeitweise entlasten und ihnen so die Möglichkeit geben, wieder zu sich zu kommen. Auch können Hebammen eine entlastende Hilfe sein, die den Eltern Ratschläge geben können.

Sollten die Eltern von Schreibabys zeitweise an ihre eigenen Grenzen stoßen, sollten diese kurz den Raum verlassen, um ein wenig zur Ruhe zu kommen. Auf keinen Fall sollte das Kind über längere Zeit unbeaufsichtigt Brüllen gelassen oder sogar geschüttelt werden.

Betroffene Eltern können sich in einer Schrei-Ambulanz professionelle Hilfe suchen, die zusammen mit den Eltern Strategien entwickeln, um mit der Situation gut umgehen zu können. Dort erlernen die Säuglinge, ihre natürliche Selbstregulation zu entwickeln und die Eltern, ihr Kind nicht zu überfordern und es im richtigen Moment zu beruhigen.

Kann Osteopathie helfen?

Die Osteopathie kann einen Beitrag dazu leisten, dass Schreikinder sich besser und schneller entspannen können. Osteopathen sprechen dabei von möglichen Blockaden, die den Kindern Schmerzen und Unwohlsein bereiten. Ein Osteopath versucht, diese Blockaden zu lösen um dem Kind eine Entspannung zu verschaffen. Sicherlich ist die Osteopathie nicht für jedes Kind die alleinige Hilfe in dieser Situation. Daher wird empfohlen, der Osteopathie eine Chance zu geben um zu erfahren, ob sie hierbei dem Einzelnen hilfreich ist.

Homöopathie

Die Homöopathie konnte bisher in keiner Studie als wirkungsvolle Therapie bewiesen werden. Daher sollte man vorsichtig sein, wessen Meinung man Gehör schenkt. Allerdings wurden den homöopathischen Mitteln auch keine erheblichen Nebenwirkungen nachgewiesen, sodass jeder selbst die Homöopathie für sich ausprobieren kann, ohne Gefahren fürchten zu müssen. Die Homöopathie empfiehlt für Schreibabys Chamomilla, Colocynthis oder Lycopodium, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wie ist die langfristige Entwicklung von Schreibabys?

Einige Studien konnten einen Zusammenhang zwischen Schreikindern und Verhaltensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter aufweisen. Das heißt man geht davon aus, dass mehr Kinder sozial auffällig werden, die ein Schreibaby waren, als solche, die es nicht waren. Sie sprechen häufig auch später noch sensibler auf ihre Umwelt und deren Reize an als unauffällige Säuglinge, was sich in ADHS, Angstzuständen, Depressionen oder auch Aggressionen äußern kann.

Daher sollten die Probleme von Babys, ganz besonders von Schreikindern, ernst genommen werden. Schrei-Ambulanzen und –Sprechstunden können hierbei eine bedeutende Hilfe darstellen, die in 90 Prozent der Fälle einen deutlichen Erfolg vorweisen können.

Lesen Sie mehr dazu: Die Phasen der frühkindlichen Entwicklung

Unterscheidet sich die Intelligenz von Schreibabys?

Diese Frage konnte bisher nicht abschließend geklärt werden. Häufig wird angenommen, dass Schreikinder sensibler auf Reize aus ihrer Umwelt reagieren, aber genauso auch schnell eine Überforderung diesen gegenüber verspüren. Sie sind schnell und einfach geistig zu erregen, brauchen aber umso länger, bis sie sich wieder in einer geistigen Entspannung befinden.

Was können die Spätfolgen bei einem Schreibaby sein?

Es wird davon ausgegangen, dass Schreikinder auch später häufiger zu Verhaltensauffälligkeiten neigen als andere. Sie zeigen häufiger aggressives und destruktives Verhalten sowie Aufmerksamkeitsdefizite. Daher sollten die Probleme der Kinder ernst genommen werden. Hilfe kann hierbei eine Schreiambulanz bieten, die fast allen Kindern und Eltern eine erhebliche Erleichterung verschaffen kann. Aber natürlich werden nicht alle ehemaligen Schreikinder sozial auffällig oder problematisch. Etwa 60 Prozent der Kinder entwickeln sich ganz normal.

Erfahren Sie mehr zu diesem Thema unter: Wie erkennt man Verhaltensauffälligkeiten beim Baby?

Welchen Zusammenhang mit ADHS gibt es?

Das „Aufmerksamkeitsdefizit-und-Hyperaktivitäts-Syndrom“, was in den letzten Jahren vermehrt in aller Munde ist, stellt eine Form der Verhaltensauffälligkeiten dar. Auch zwischen dem Auftreten von ADHS und dem erheblichen Schreien als Schreikind besteht ein Zusammenhang, der in Studien nachgewiesen werden konnte.

Schon Schreikinder haben erhebliche Probleme darin, dass sich selbst herunter zu regulieren oder abzuschalten. Sie sprechen äußerst sensibel auf allerlei Reize aus ihrer Umgebung an, gelangen aber auch genauso schnell in eine Überforderung und brauchen recht lange, um abzuschalten. Daher sollte Schreibabys schon frühzeitig zum Beispiel mittels der Einführung eines geregelten Tagesablaufes oder dem Besuch in einer Schreiambulanz geholfen werden. 

Mehr Informationen finden Sie hier: Die Diagnose von ADHS

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.12.2018
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