Ringelröteln in der Schwangerschaft

Einleitung

Ringelröteln ist eine an sich harmlose und in der Bevölkerung häufig vorkommende Krankheit. Gefährlich werden kann sie jedoch für das ungeborene Kind in der Schwangerschaft. Steckt sich eine schwangere Frau mit dem Parvovirus B19 an, dem Erreger der Ringelröteln, so wird die Erkrankung in jedem dritten Fall über die Placenta an das Kind weitergegeben werden und kann dort Schaden verursachen. Das Virus befällt Vorstufen der roten Blutkörperchen und kann so eine Blutarmut beim Baby verursachen. Durch eine Blutuntersuchung kann der Arzt feststellen, ob schon einmal im Leben eine Infektion mit Ringelröteln durchgemacht wurde. Ist dies der Fall, so bedeutet das lebenslange Immunität gegen den Virus.

So Gefährlich ist Ringelröteln in der Schwangerschaft

im 1. Schwangerschaftsdrittel

Das erste Schwangerschaftsdrittel ist gleichzusetzen mit den ersten drei Schwangerschaftsmonaten. Während der ersten Schwangerschaftswochen wissen viele werdende Mütter noch nichts von der Schwangerschaft und treffen daher noch keine vermehrten Vorkehrungen oder Vorsichtsmaßnahmen. Im ersten Schwangerschaftsdrittel ist die Infektion mit Ringelröteln leider mit einer erhöhten Rate an Fehlgeburten verbunden. Man hat herausgefunden, dass in 30% der Infektion einer Schwangeren, die Krankheit an das ungeborene Kind weitergegeben wird. Ungefähr 10% dieser Kinder, die von sich mit dem Virus der Ringelröteln während der Schwangerschaft anstecken, versterben bevor sie geboren werden.

im 2. Schwangerschaftsdrittel

Das zweite Schwangerschaftsdrittel bezieht sich auf Monat 4-6 und kommt es in dieser Zeit zu einer Infektion der schwangeren Frau mit Ringelröteln, so kann das im schlimmsten Fall Schaden nehmen am ungeborenen Kind. Vor allem in dieser Zeit fürchtet man die Komplikationen einer Anämie, die das Virus beim Kind auslösen kann. Dies bewirkt im schlimmsten Fall einen Hydrops fetalis, einer gefährlichen Flüssigkeitsansammlung in den Hohlräumen des Körpers des Babys. Auch kann es zu einer Herzentzündung mit Schwächung des Herzens kommen.

im 3. Schwangerschaftsdrittel

Das dritte und somit letzte Schwangerschaftsdrittel ist in der Zeit vom 7-9 Schwangerschaftsmonat. Frauen, die in dieser Zeit erkranken, müssen keine Schädigung bei ihrem Kind befürchten. Grundsätzlich kann es zur Verlangsamung des Wachstums beim Kind kommen, Missbildungen sind allerdings nicht beschrieben. 95% der Komplikationen treten in den 12 Wochen nach der Infektion des Kindes auf.

Wie ansteckend ist Ringelröteln für eine Schwangere?

In Deutschland sind ungefähr 70% der Erwachsenen in ihrem Leben einmal an Ringelröteln erkrankt gewesen. Das zeigt, wie leicht man sich mit dem Virus anstecken kann. Schwangere sind durch die Vorgänge im Körper im Vergleich zur Normalbevölkerung eher anfälliger für die Erreger in ihrer Umgebung. Der Verlauf einer Infektion mit Ringelröteln zeichnet sich aus durch den Beginn mit der Ansteckung, dann einer symptomfreien Inkubationszeit (so nennt man die Zeit von Ansteckung bis Ausbruch einer Krankheit), darauf folgt eine Zeit mit möglicherweise Fieber, einem schlechten Allgemeinzustand und Grippesymptomatik bis dann der charakteristische Hautausschlag auftritt. Ist der Hautausschlag sichtbar, ist die Krankheit nicht mehr ansteckend. Nach einer durchgemachten Infektion ist man gegen das Virus immun für den Rest des Lebens. Schwangere, die in ihrem Leben noch nicht mit Ringelröteln infiziert waren, haben also ein großes Potential, sich mit Ringelröteln anzustecken, falls Krankheitsfälle in ihrer näheren Umgebung vorkommen.

Wie schütze ich mich vor einer Ansteckung?

Der Virus der Ringelröteln wird über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch weitergegeben, also durch Sprechen, Niesen oder Husten. Die Ansteckungsgefahr kann minimiert werden, wenn man darauf achtet, sich regelmäßig die Hände zu waschen, beim Husten und Niesen die Ellenbeuge vor den Mund zu halten und die Hände mit Desinfektionsmittel einzureiben. Die Wahrscheinlichkeit sich mit Ringelröteln zu infizieren, ist in Gemeinschaftseinrichtung mit vielen Kindern, also sollte man sich im Falle einer Schwangerschaft davon fernhalten. Vor Ringelröteln kann man sich nicht mit einer Impfung schützen.

Beschäftigungsverbot

Für manche Schwangere wird ein Beschäftigungsverbot erteilt, damit sie auf ihrem Arbeitsplatz nicht unnötig zum Beispiel dem Erreger der Ringelröteln ausgesetzt sind. Das hat mit dem Risiko für das ungeborene Baby zu tun, das sich bei einer Infektion der Mutter ebenfalls anstecken und Schaden nehmen kann. Nach einer Infektion besteht lebenslanger Schutz gegen die Krankheit. Kam es bei der werdenden Mutter jedoch nie zu einer Ringelröteln-Infektion, so spricht man von einer seronegativen Schwangeren. Seronegativ bezieht sich auf das Blutserum (Sero), dass negativ getestet wurde auf Antikörper gegen den Virus. Wer also beruflich mit vielen Kindern zu tun hat und seronegativ ist, bekommt für die gesamte Dauer der Schwangerschaft ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen.

Schnelltest

Einen Schnelltest, um festzustellen, ob eine schwangere Frau an Ringelröteln erkrankt ist, gibt es in dem Sinne nicht. Je nach Blutuntersuchung wartet man wenige Tage bis Wochen auf das Ergebnis. Einmal kann man für die Blutarmut charakteristische Blutparameter feststellen. Dann kann man das Blut auf Antikörper gegen den Ringelröteln Virus untersuchen. Diese sind am höchsten nach 2-3 Wochen nach der Infektion. Außerdem ist es möglich den Virus selbst im Blut und Knochenmark der Schwangeren oder auch im Fruchtwasser zu detektieren.

Therapie

Ursächlich gibt es noch keine Therapie gegen den Pravovirus-B19, der die Ringelröteln verursacht. Abhängig von der Symptomatik und deren Ausprägung ist das Ziel, die Beschwerden zu lindern. Bei Fieber sollte auf genügend Trinkmenge geachtet werden. Körperliche Schonung trägt ebenfalls zur Besserung des Zustandes bei. Kommt es während Entwicklung des Hautausschlages zu Juckreiz, so können Hausmittel oder Produkte, wie Fenistil-Creme verwendet werden.
Es müssen engmaschige Kontrollen durch Ultraschalluntersuchungen vom Gynäkologen durchgeführt werden. Über eine Doppler-Ultraschalluntersuchung, die den Fluss in den Placenta-Blutgefäßen überprüft, kann man eine Blutarmut beim Kind erkennen. Bei Auffälligkeiten wird dann der Hämoglobinwert des Kindes im Blut untersucht. Liegt dieser unter einem bestimmten Wert, so muss als Therapie dem Kind eine Bluttransfusion über die Nabelschnurvene zugeführt werden. Auch sollten die werdenden Mütter auf Veränderung in der Bewegungsaktivität des Kindes achten. Unablässlich ist also die regelmäßige Kontrolle durch Gynäkologen und Schonung der Mutter einzuhalten.

Informieren Sie sich hier rund um das Thema:Ringelröteln.

Dauer

Die Krankheitsdauer der Ringelröteln bei der schwangeren Frau unterscheidet sich nicht von der Normalbevölkerung. Vom Zeitpunkt der Infektion sind es ungefähr 4-14 Tage bis die Erkrankung ausbricht. Der Hautausschlag verbleibt in der Regel für eine Woche, kann aber wiederholt auftreten in den Wochen danach. Kommt es zu Gelenkbeschwerden, so halten diese meist 3-4 Wochen an. Wird der Virus über die Placenta auf das ungeborene Kind übertragen, dauert es ungefähr 8-12 Wochen bis die Komplikationen beim Baby auftreten.

Prognose

Die Prognose der Auswirkung von Ringelröteln in der Schwangerschaft auf das ungeborene Kind ist abhängig vom Zeitpunkt der Infektion und der Schwangerschaftswoche. Kommt es im ersten Schwangerschaftsdrittel zur Infektion der Mutter, so ist das Risiko einer Fehlgeburt in dieser Zeit bei ungefähr 2%. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel erkranken 10% der Babys am Hydrops fetalis, bei dem es zu Wassereinlagerungen in den Hohlräumen des Kindes kommt. Im dritten Schwangerschaftsdrittel ist die Gefahr von Komplikationen durch Infektion mit dem Virus sehr gering.

An welchen Symptomen erkenne ich, dass ich als Schwangere Ringelröteln habe?

Bei Kindern finden sich häufig typische Krankheitsverläufe von Ringelröteln, bei Erwachsenen und vor allem Schwangeren kann die Symptomatik allerdings variieren. Charakteristisch bei Kindern sind die roten Wangen, der Hautausschlag, der sich girlandenartig über Stamm und Extremitäten ausbreitet.
Dieser bleibt jedoch häufig bei Erwachsenen aus. In den meisten Fällen kommt es zu Abgeschlagenheit, erhöhten Temperaturen, Gelenkschmerzen und -schwellungen. Auch andere unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen oder geschwollene Lymphknoten können sich zeigen. Ist die Abgeschlagenheit mit Blässe und Kurzatmigkeit kombiniert, so kann das ein Anzeichen für Blutarmut sein. Dies kann durch eine Blutabnahme mit Untersuchung des Hämoglobins und der roten Blutkörperchen bestätigt werden. Da die Symptome insgesamt sehr unterschiedlich in der Ausprägung sein können, müssen Labortests unternommen werden, um im Falle einer Infektion angemessene Kontrolluntersuchungen durchzuführen. Hatte eine Person zu einem früheren Zeitpunkt negative Testergebnisse für Antikörper gegen den Ringelröteln-Virus im Blut und zeigt bei einer späteren Untersuchung jedoch positive Antikörper-Tests, so ist der Fachbegriff dafür „Serokonversion“ – die Umkehrung des Antikörper-Zustandes im Blutserum.

Letztlich beweisend für die Diagnose ist entweder der Antikörper-Test im Blut der Schwangeren oder des Kindes oder die Bestimmung der Viruslast im Blut, Knochenmark oder Fruchtwasser.

Mehr hierzu auf unserer SeiteAn diesen Symptomen erkenne man Ringelröteln

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 07.11.2018 - Letzte Änderung: 11.08.2021
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