Zeckenbiss juckt - ist das normal?

Einleitung

Zecken sind Parasiten, die weltweit vorkommen. Sie ernähren sich von dem Blut der Wirbeltiere, darunter dem Blut des Menschen (=Wirt). Sie bevorzugen es warm und feucht und sind vor allem in der Zeit von Februar bis Oktober aktiv. Je nach Temperatur kann sich die Zeckensaison verschieben. Sie finden sich vor allem an Waldrändern oder in Gärten im hohen Gras und in Büschen.
Es gibt viele verschiedene Zeckenarten. Viele von ihnen sind für die Übertragung von Krankheitserregern verantwortlich. Die Krankheitserreger werden beim Saugvorgang über den Speichel der Zecke in die Wunde abgegeben. Zu den häufigsten von Zecken übertragenen Krankheiten zählen die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME). Beide Krankheiten werden vor allem durch die Zeckenart Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) übertragen.

Ursachen für einen juckenden Zeckenstich

Beim Zeckenstich  werden von der Zecke verschiedene Speichelproteine in die Wunde eingebracht, die eine Entzündungsreaktion der Einstichstelle verhindern und eine Betäubung der Wunde bewirken sollen. Dies führt dazu, dass man einen Zeckenstich häufig erst spät oder gar nicht bemerkt. 

Ein juckender Zeckenstich ist ein Warnsignal und kann verschiedene Ursachen haben. Zum einen kann eine Infektion der Wunde mit Bakterien zu Juckreiz führen, zum anderen kann eine allergische Reaktion auf die Speichelproteine der Zecke die Ursache sein. In jedem Falle sollte ein juckender Zeckenstich von einem Arzt angeschaut und beurteilt werden.

An diesen Symptomen erkenne ich, dass mein Zeckenstich gefährlich ist

Bei jedem Zeckenstich  besteht das Risiko einer Übertragung von Krankheitserregern. Die Zecke sollte also in jedem Falle so schnell wie möglich aus der Haut entfernt werden. Es ist wichtig, dass die Zecke hierbei vollständig entfernt und dabei nicht gequetscht wird. 

Gefährlich wird ein Zeckenstich dann, wenn die Erreger der Borreliose oder FSME übertragen werden. Es besteht allerdings bei einem Zeckenstich generell kein Grund zur Panik, da nur ca. 4% aller Zecken eine der beiden Krankheiten übertragen.

Allgemeine Zeichen einer Infektion

Generell sollte bei Schmerzen, Rötung oder Schwellung der Wunde eine Abklärung durch den Arzt erfolgen. Diese Symptome treten generell bei Entzündungsreaktionen auf und können ein Hinweis auf eine Infektion oder allergische Reaktion sein.

Lesen Sie mehr zum Thema unter:Entzündeter Zeckenbiss - was sollte man tun?

Hinweise für eine Infektion mit Borreliose-Erregern

Borreliose ist die häufigste von Zecken übertragene Erkrankung. Zecken mit Borreliose-Erregern (Bakterium Borrelia burgdorferi) finden sich in ganz Deutschland. Bei etwa der Hälfte der Infizierten Personen bildet sich nach einigen Tagen bis Wochen um die Einstichstelle ein sichkreisförmig ausbreitender Hautausschlag mit zentraler Abblassung (Wanderröte, Erythema migrans). In manchen Fällen tritt zusätzlich Juckreiz auf. Schmerzen sind eher selten. Weitere Symptome können sein:

Wird eine Infektion mit Borreliose-Erregern nicht erkannt und behandelt, kann es im weiteren Verlauf zum Befall des Nervensystems mit Lähmungen der Gesichtsmuskulatur (Fazialisparese) oder der Extremitäten kommen.

Mehr zum Thema finden Sie hier:Wie kann man Borreliose erkennen?

Hinweise für eine Infektion mit dem FSME-Virus

Der von der Zecke übertragene FSME-Erreger ist das FSME-Virus. Zecken mit FSME-Erregern finden sich vor allem in Süddeutschland

In den meisten Fällen verläuft eine Infektion mit dem FSME-Virus ohne Symptome. Nur in 10% der Fälle kommt es zu Beginn der Infektion zu grippeähnlichen Symptomen. Im weiteren Verlauf können neurologische Ausfälle, Fieber und Zeichen einer Meningoencephalitis auftreten.

Mehr zum Krankheitsbild der Frühsommerlichen-Meningoencephalitis finden Sie hier:FSME

Borreliose

Krankheitsverlauf

Man unterscheidet im Krankheitsverlauf der Borreliose 3 verschiedene Stadien:

Stadium 1 (lokale Frühmanifestation mit einer Inkubationszeit von 5-29 Tagen)

  • Erythema migrans 
  • Unwohlsein
  • Abgeschlagenheit
  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Lymphknotenschwellung

Stadium 2 (frühe disseminierte Infektion mit einer Inkubationszeit von Wochen bis Monaten)

  • Akute Neuroborreliose (Befall des Nervensystems mit Paresen verschiedener Muskeln, z.B. Fazialisparese und Meningitiszeichen)
  • Herzmuskelentzündung

Stadium 3 (späte disseminierte Infektion mit einer Inkubationszeit von Monaten bis Jahren)

  • Gelenkentzündungen mit Gelenkschwellung
  • Hautveränderungen v.a. an den Streckseiten der Extremitäten (Acrodermatitis chronica atrophicans)
  • Chronische Neuroborreliose mit voranschreitender Hirnentzündung (Encephalitis/Encephalomyelitis)

Nur bei 50% der Betroffenen tritt zu Beginn ein Erythema migrans auf (eindeutiger Hinweis auf Borreliose). Nicht jedes Stadium muss durchlaufen werden, es können auch Stadien übersprungen werden.

Lesen Sie mehr zu den Symptomen der Borreliose auf der folgenden Seite:Symptome der Borreliose

Behandlung

Bei der Borreliose handelt es sich um eine bakterielle Infektion und kann daher mithilfe eines Antibiotikums gut behandelt werden. Antibiotikum der Wahl ist Doxycyclin, welches über zwei Wochen eingenommen werden muss. Je früher die Therapie erfolgt, desto besser ist die Prognose. Häufig kommt es zur kompletten Rückbildung der Beschwerden. Liegen bereits neurologische Ausfälle vor, können trotz Therapie Paresen verbleiben.

Mehr dazu finden Sie hier:Behandlung der Borreliose

Prognose

Das Erythema migrans kann entweder von selbst oder im Rahmen einer antibakteriellen Therapie wieder verschwinden. Das Verschwinden des Hautausschlags muss kein Zeichen von Heilung sein. Die Infektion kann sich trotzdem im Körper ausgebreitet haben (disseminierte Form der Borreliose), dies ist jedoch nur sehr selten der Fall.
Eine Therapie zu Beginn einer Infektion führt häufig zur Ausheilung der Borreliose. Die Prognose ist daher gut.
Hat sich die Borreliose unbemerkt bereits auf das Nervensystem ausgebreitet, kann sich die Therapie schwieriger gestalten und eine vollständige Heilung nicht immer erreicht werden.

FSME

Krankheitsverlauf

Bei einer Infektion mit dem FSME-Virus weisen 90% der Personen keine Symptome auf.
In nur 10% der Fälle kommt es nach ca. 7-14 Tagen Inkubationszeit zu grippeähnlichen Symptomen. Nach einem darauffolgendem fieberfreiem Intervall kommt es meist zu einem erneuten Fieberanstieg mit Zeichen einer Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute (Meningoenzephalitis).

Mehr zum Krankheitsverlauf finden Sie hier:FSME

Behandlung

Eine Infektion mit dem FSME-Virus kann nur symptomatisch mit Schmerzmitteln und fiebersenkenden Medikamenten behandelt werden (Ibuprofen oder Paracetamol). Im Gegensatz zur Lyme-Borreliose kann man sich jedoch mithilfe einer FSME-Impfung vor einer Erkrankung schützen.

Lesen Sie hier mehr über die FSME-Impfung:Impfung gegen FSME

Prognose

In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung ohne Komplikationen und heilt folgenlos aus.
Je nach Schwere der Symptome und vor allem bei Beteiligung aller Hirnstrukturen (Hirnhäute, Hirnsubstanz und ggf. Rückenmark) kann es sein, dass Symptome wie Kopfschmerzen, Lähmungen, etc. länger anhalten oder auf Dauer bestehen bleiben. In sehr seltenen Fällen kann FSME einen tödlichen Verlauf nehmen (in ca.1% der Fälle).

Mehr dazu finden Sie hier:FSME

Einer Infektion mit Krankheitserregern durch Zecken vorbeugen

Wenn man sich während der Zeckensaison viel in Gebieten aufhält, in denen Zecken vorkommen, sollte man sich mit folgenden Maßnahmen versuchen vor Zeckenstichen zu schützen:

  • Insektensprays
  • Bedeckung der Haut
  • Vermeiden von Waldspaziergängen

Sollte eine Zecke bereits zugebissen haben, sollte diese umgehend entfernt werden. Dies mindert das Risiko einer Übertragung von Krankheitserregern (Je länger die Zecke saugt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Erregern). Es sollte dabei darauf geachtet werden, dass die Zecke vollständig entfernt und dabei nicht gequetscht wird.

Lesen Sie mehr zum Thema:Zeckenbiss

Was tun bei Juckreiz?

Bei Juckreiz der Einstichstelle sollte das Kratzen am besten unterlassen werden. Hierdurch kann sich die Einstichstelle weiter entzünden und weitere Keime können in die Wunde gelangen. Kühlende Cremes oder Salben und Kühlpacks können den Juckreiz vorübergehend mildern.

Ein juckender Zeckenstich ist immer ein Warnzeichen und sollte vom Arzt abgeklärt werden.

Salben

Generell können kühlende und entzündungshemmende Salben den Juckreiz mindern. Der Juckreiz sollte jedoch frühzeitig vom Arzt abgeklärt werden, da im Falle einer Borreliose schnellstmöglich eine Therapie mit Doxycyclin begonnen werden sollte. Handelt es sich um eine Abwehrreaktion des Körpers, können entzündungshemmende Salben den Juckreiz stoppen.

Hausmittel

  • Kühlpacks
  • Eiswürfel
  • Spitzwegerich (Zerstoßen und Aufbringen der Blätter auf die betroffene Hautstelle kann den Juckreiz lindern)
  • Zwiebel auf die juckende Haut aufbringen (wirkt antibakteriell und antiseptisch)
  • Essig (kann das Eindringen weiterer Keime verhindern, erst nach Entfernen der Zecke aufbringen)

Zeckenstich juckt nach längerer Zeit wieder - kann das ein Hinweis auf Borreliose sein?

Borreliose hat eine relativ lange Inkubationszeit. Das heißt, es kann eine lange Zeit vergehen, bis die ersten Symptome der Erkrankung auftreten. Eines der häufigsten Erstsymptome ist das Erythema migrans (Wanderröte), welches mit Juckreiz einhergehen kann, aber nicht muss. Es kann also sein, dass ein Zeckenstich bzw. die Haut erst nach mehreren Wochen anfängt zu jucken. Charakteristisch für das Erythema migrans ist  eine ringförmige Rötung um die Einstichstelle. Wenn Ihnen solche Hautveränderungen auffallen, sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden.

Mehr zum Thema:Hautausschlag nach einem Zeckenbiss

Weiterführende Informationen

Folgende Themen können weiterhin für Sie von Interesse sein:

    Autor: Dr. Nikolas Gumpert
    Veröffentlicht: 31.07.2019 - Letzte Änderung: 11.08.2021
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