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Borreliose erkennen

Allgemeines

Sie wird meist von Zecken übertragen und kann im Spätstadium tödlich enden. Die Rede ist von Borreliose.

Die in der nördlichen Hemisphäre, und damit auch in Deutschland häufigste Form der Borreliose ist die Lyme-Borreliose, die erstmals im Ort Lyme im amerikanischen Connecticut beschrieben wurde.
Laut Robert Koch Institut (RKI) sind in Deutschland rund 6-35% der Zecken mit Borrelien befallen. Es besteht ein Süd-Nord Gefälle, wobei in Bayern die meisten infektiösen Zecken leben.
Bei einem Zeckenbiss durch eine infizierte Zecke kommt es in rund 2-6% der Fälle zu einer Infektion mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi.

Äußerlich erkennbar wird die Borreliose erst im Spätstadium, da es zu diesem Zeitpunkt zu einer sogenannten Akrodermatitis chronica athropica (kurz AKA) kommt, die als beweisend gilt. Es handelt sich dabei um eine chronische Hautentzündung.
Zuvor kann es auch in früheren Stadien schon zu einer „Wanderröte“, einem Hautausschlag der nach einem Zeckenbiss auftritt kommen, die allerdings oftmals mit einer allergischen Reaktion verwechselt wird, und auch oft gar nicht auftritt.

Untersuchungen zeigen gar, dass die Wanderröte in nur gut einem Viertel der Fälle auftritt.

Eine äußerliche Erkennung ist daher relativ schwierig, und meist erst im Spätstadium möglich.

Abhilfe schaffen Blutuntersuchungen mittels Borrelien-Serologie.
Dazu werden etwaige, vom Körper gebildete Antikörper gegen Borrelien gemessen.

Es muss also eine Immunreaktion des Körpers gegen die Borreliose vorliegen, da der Nachweis sonst negativ ist.
Dies kann bedeuten, dass der Patient nicht infiziert ist, oder aber, dass sein Körper schlicht (noch) nicht auf die Borrelien reagiert hat.

Dies kann vor allem im Frühstadium (Stadium 1) der Fall sein, wenn der Erreger sich noch nicht über die Bissstelle hinweg verbreitet hat. Im Stadium 2, dem Streuungsstadium gelingt ein Erregernachweis in 70-90% der Fälle.

In jedem Fall ist der Nachweis nicht einfach, und meist relativ kosten- und arbeitsintensiv, weswegen er nicht routinemäßig durchgeführt wird. In begründeten Fällen ist eine serologische Untersuchung natürlich unabdingbar.

Symptome erkennen

Wie bereits angedeutet, unterteilt man die Borreliose – Infektion in drei verschiedene Stadien:

Erstens, das Frühstadium. Dieses bezeichnet die Zeit unmittelbar nach dem Zeckenstich.
Nach einer Inkubationszeit von 5-29 Tagen kann es zu einer lokalen Reaktion der Haut, der sogenannten Wanderröte kommen.

Sie hat keine spezifische Form, oder Ausprägung, was eine Diagnose erschwert.
Die Wanderröte kann jucken, und imponiert wie ein ca. handgroßer Hautausschlag um den Zeckenbiss herum.
Sie kann aber auch gänzlich ausbleiben. In diesem Stadium lässt sich die Borreliose noch gut mit Antibiotika behandeln, allerdings wird das Stadium meist verpasst, zumal auch die Wanderröte oft nach ein bis zwei Wochen wieder verschwindet.

Zusätzlich kann es zu Kopfschmerzen, Fieber, und allgemeinem Krankheitsgefühl kommen.

Im Zweitstadium, dem Streuungsstadium, verbreitet sich der Erreger von der zuerst noch örtlich begrenzten Region um den Zeckenbiss, auf den restlichen Körper.

Dieses Stadium tritt in der Regel nach 4-16 Wochen nach dem Zeckenbiss auf. Wie schon in Stadium eins kommt es zu grippeähnlichen Symptomen, allgemeinen Krankheitsgefühl und Fieber.
Typisch für dieses Stadium sind starke Schweißausbrüche, und der Befall innerer Organe: Die Borreliose breitet sich immer weiter aus.

Im dritten Stadium, dem Spätstadium chronifizieren die Symptome.
Typisch sind der Befall des Nervensystems, mit Lähmungen, vornehmlich im Gesicht (sogenannte „Facialisparese“). Dieser Befall des Nervensystems wird auch als Neuroborreliose bezeichnet.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Fazialisparese

Ihn kennzeichnen Meningitis – also eine Hirnhautentzündung, Polyneuropathie – der Niedergang von Nervenbahnen, und eine Entzündung des Hirns (sog. Enzephalitis).
Ausführliche Informationen zur Hirn- und Nervenbeteiligung finden Sie auch auf unserer Seite: An diesen Symptomen erkennt man eine Neuroborreliose.

Neben der Neuroborreliose kommt es bei der chronischen Borreliose typischerweise auch zur Lyme-Arthritis. Diese ist – benannt nach der Lyme-Borreliose - eine Arthritis auf der Basis einer Borreliose.
Die Lyme-Arthritis kann in jedem Gelenk auftreten, manifestiert sich jedoch vorzugsweise im Kniegelenk.

Für das chronische Stadium ist auch typisch, dass sich Phasen der Beschwerdefreiheit mit Krankheitsphasen abwechseln.

Manche Symptome, wie die Akrodermatitis chronica athropicans (oft abgekürzt mit AKA)treten oft erst nach Jahren auf. Dabei handelt es sich um eine chronisch rezidivierende Hauterkrankung im Zuge der Borreliose.

Lesen Sie mehr zum Thema: Borreliose Symptome

Diagnose

Wie kann man nun also eine chronische Borreliose erkennen?

Wie in den anderen Stadien auch, stützt sich die Diagnose der chronischen Borreliose auf zwei Säulen: Auf der einen Seite steht die klinische Untersuchung, mit den vielfältigen Symptomen die eine Borreliose im Endstadium auslösen kann.
Dies können sein: Meningitis, Neuroborreliose, Arthritis - vor allem begrenzt auf ein Kniegelenk, und wiederkehrender Hautausschlag.

Da diese Symptome auch in Verbindung mit anderen Erkrankungen stehen können, ist zur abschließenden Diagnosestellung eine Untersuchung des Blutes unerlässlich.

Dies bildet die zweite Säule der Diagnostik. Der Nachweis der Borreliose ist allerdings nicht ganz unaufwändig, und gelingt nicht immer.

So können Borreliosetests vor allem in den Frühstadien der Erkrankung nur zu gut 50% die Borrelieninfektion erkennen.
Grund hierfür ist, dass die serologischen Tests nur die Antikörper gegen die Borrelien ausmachen können. Sind diese noch nicht vorhanden – zum Beispiel, weil sich die Infektion noch nicht ausgebreitet hat, so schlagen auch die Bluttests nicht an.

In den Spätstadien sind die serologischen Blutuntersuchungen zwar sehr genau.
Allerdings werden sie recht selten veranlasst, da die Symptome meist auch im chronischen Stadium relativ unspezifisch sind, und eine serologische Untersuchung im Verhältnis nicht gerade billig ist.

Natürlich wird nicht an der Gesundheit des Patienten gespart, allerdings vermeidet man teure Tests „ins Blaue hinein“. Zuvor versucht man häufigere Erkrankungen auszuschließen. Diese können von der FSME über Tumore bis hin zu Systemerkrankungen weit gefächert sein.

Prophylaxe der Borreliose

Die Prophylaxe einer Borreliose besteht maßgeblich darin, Zeckenbisse zu vermeiden.

Da die Lyme-Borreliose in Deutschland hauptsächlich über Zecken übertragen wird, bildet die Vermeidung dieser eine sinnvolle Maßnahme.
Zwar wurden vereinzelt auch Fälle dokumentiert, bei der eine Übertragung durch Stechmücken oder Bremsen stattgefunden hat, allerdings ist die Durchseuchungsrate von Stechmücken in Deutschland lange nicht so hoch wie die der Zecken.
Gegen Zecken hilft lange Kleidung, die die Haut weitestgehend bedeckt.
Bei Picknick im Wald oder auf Wiesen sollte stets eine Sitzdecke verwendet werden, und ein direktes Sitzen auf dem Waldboden vermieden werden.

Eine Impfung gegen Borrelien ist zurzeit (Stand 2015) noch nicht möglich.
Es existieren zwar klinische Studien, die auf eine baldige Einführung eines Impfstoffes hoffen lassen, jedoch wird es bis zur Zulassung noch einige Jahre dauern.
Bis dahin ist vor allem in Gebieten mit hohem Zeckenaufkommen erhöhte Vorsicht geboten.

Eine detaillierte Übersicht zum Zeckenaufkommen bietet das RKI (Robert Koch Institut) auf seiner Homepage.
Davon sind besonders Bayern und Baden-Württemberg betroffen.

Im Falle eines Zeckenstiches sollte die Zecke langsam und kontrolliert entfernt werden.
Sie sollte dabei möglichst in Kopfnähe, sprich unmittelbar an der Haut gepackt werden. Dadurch verhindert man ein Steckenbleiben des Kopfes in der Haut.

Ruckartige und schnelle Bewegungen sollten vermieden werden, ebenso Versuche, die Zecke mit Hausmitteln zu betäuben, um sie danach zu entfernen.

Am besten eignet sich zur Entfernung eine sogenannte Zeckenzange, die sowohl im Tierhandel, als auch in der Apotheke erhältlich ist.

Weitere Informationen zum Thema Borreliose erkennen

Weitere Informationen rund um das Thema Borreliose finden Sie unter:

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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