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Symptome von Borreliose

Eine Lyme-Borreliose verläuft im klassischen Fall in mehreren Stadien:

Symptome des Stadium 1: (Hautphase)

nach Tagen bis Wochen tritt in der Mehrzahl der Borreliose Fälle (ca . 60-80%) um die Bissstelle herum ein Hautausschlag auf, an welchem man meistens eine beginnende Borreliose erkennen kann.
Man bezeichnet ihn als Erythema chronicum migrans. Zu Beginn der Borreliose nur als ein kleiner roter Fleck oder Erhabenheit zu sehen, entwickelt sich das Erythema chronicum migrans innerhalb mehrerer Tage zu einer ca. 5-15 cm großen ringförmigen Rötung, wobei oft beobachtet wird, dass es zentral zur Abblassung kommt.

Man nennt dies Ringphänomen. Dass es nicht bei allen Patienten mit Borreliose zu einer lokalen Hautreaktion kommt, erklärt man sich durch vier verschiedene Unterarten der Borrelia burgdorferi.

Wanderröte

Vorweg ist es wichtig zu sagen, dass nicht jeder Zeckenstich eine Borreliose-Infektion auslöst.

Nur in 1,5-6% der Fälle erfolgt eine Übertragung des Bakteriums von der Zecke auf den Menschen und nur in weiteren 0,3 – 1,4% erkrankt die Person auch tatsächlich an Borreliose, laut dem Robert–Koch Institut.

Darüber hinaus ist nicht jede Zecke ein Wirt für die Borrelien.
Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion hängt von der Dauer des Stichs ab, da die Zecken das Bakterium erst am Ende des Saug-Akts auf den Menschen übertragen.

Wenn die Infektion aber stattgefunden hat ist die Wanderröte das frühste Symptom (Stadium 1), das nach einem Zeckenbiss auftritt.
Es macht sich zirka 3 bis 16 Tage nach der Infektion bemerkbar.

Zunächst bildet sich ein roter Ring um die Stichstelle, der sich langsam zentrifugal ausbreitet und einen immer größeren Bereich betrifft.

Die Wanderröte wird von weiteren unspezifischen Symptomen begleitet, wie sie auch bei einer Grippe auftreten können: Fieber und Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Müdigkeit, Übelkeit, Rücken- und Gelenkschmerzen.

Da leicht eine Verwechselung mit einer Sommergrippe vorliegen kann, ist es wichtig den Zeckenstich im Verlauf zu beobachten, damit die Hautveränderung rechtzeitig und schnell auffällt.

Lesen Sie hierzu auch unsere Artikel 

Es empfiehlt sich nach einem Stich mit Kugelschreiber die Begrenzungen der Rötung nachzufahren und zu beobachten ob sich die Rötung in diesem Bereich wieder zurückbildet oder weiter ausbreitet.

Allerdings kommt es nicht in allen Fällen zu dem Auftreten der Wanderröte – trotzdem kann eine Borrelien-Infektion vorliegen.
Das bedeutet also, dass die Abwesenheit einer Wanderröte die Erkrankung nicht ausschließt.

Die Infektion wird dann erst in einem späteren Stadium entdeckt, wenn sie sich schon im Körper ausgebreitet und die Organe infiltriert hat.
In diesem zweiten Stadium der Krankheit löst der Erreger Entzündungen der Organe aus: Hirnhautentzündungen (Meningitis), Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) und Gelenkschmerzen.

(Weiterführende Informationen finden Sie unter "Hautausschlag nach Zeckenbiss")

Manchmal kann es auch zur Ausbildung bläulich derber Hautknoten mit mehreren Zentimetern Durchmesser kommen = Lymphadenosis cutis benigna

Begleitend zu den Hauterscheinungen können Symptome wie leichtes Fieber, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen auftreten.

Dieses erste Stadium kann über einen Zeitraum von durchschnittlich sechs Monaten andauern und sich dann ohne Behandlung zurückbilden.
Bei unklarem Befund können verschiedene diagnostische Maßnahmen dabei helfen die Verdachtsdiagnose "Borreliose" zu bestätigen. Lesen sie hierzu Borreliose Test.

Symptome des Stadium 2: (Ausbreitungsphase)

Wochen bis Monate nach dem erfolgten Zeckenbiss kommt es zu einer Ausbreitung des Borreliose - Erregers im ganzen Körper mit schweren grippeähnlichen Symptomen, wie z.B. hohem Fieber, starken Kopf- und Gliederschmerzen und Meningismus (Hirnhautentzündung). In dieser Phase der Borreliose treten bei 50% der Patienten über den gesamten Körper verteilte Erythma-migrans-Herde auf (migrare lat. für wandern, deshalb auch Wanderröte genannt).

Weitere 80% der Patienten mit Borreliose entwickeln eine Meningo-Radikulitis, also eine Entzündung der Nervenwurzeln (Bujadoux-Bannwarth-Syndrom), die sehr schmerzhaft ist und mit neurologischen Ausfällen (z.B. dem Verlust der Sensibilität bestimmter Hautareale) einhergeht.
Dies kann zur Verwechslung z.B. mit einem Bandscheibenvorfall führen. Als wesentlich selteneres, wohl aber bekannteres Symptom kann eine Facialisparese (teilweise Gesichtslähmung) auftreten. Der Nervus facialis innerviert die Gesichtsmuskulatur. Wird er geschädigt, kann sich das u.a. in einem hängenden Mundwinkel oder der Unfähigkeit die Stirn zu runzeln zeigen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Fazialisparese

Lesen Sie mehr zum Thema der Neuroborreliose auf unserer Seite An diesen Symptomen erkennt man eine Neuroborreliose.

Weiterhin kann es bei der Borreliose zu einer wandernden Arthritis (Gelenkentzündung, besonders vom Kniegelenk) oder einer Karditis (Herzentzündung) kommen, die bis zur Herzschwäche (Herzinsuffizienz) führen kann.

Symptome des Stadium 3 (chronische Phase)

Weitere Monate bis Jahre nach der Infektion, kann es zum Auftreten verschiedener Organstörungen kommen. Dieses Stadium zeigt regionale Unterschiede. Während es in den USA in diesem Stadium häufiger zur Ausbildung einer Lyme-Arthritis kommt, herrschen in Europe die neurologischen Erkrankungen und Hauterscheinungen vor.

Die Lyme-Arthritis befällt vorwiegend die großen Gelenke, meist ist nur ein oder sind nur wenige Gelenke betroffen. Oft lässt sich ein ständiger wechselhafter Verlauf beobachten, mit völlig beschwerdefreien Intervallen.

An neurologischen Symptomen können Hörverlust, verstärkte Müdigkeit, Polyneuropathien (Erkrankung mehrerer Körpernerven, die die Peripherie (Arme, Beine) des Körpers versorgen) sowie Enzephalomyelitis (Entzündung des Gehirns und des Rückenmarkes) auftreten.

An der Haut kann sich eine sogenannte Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA) ausbilden (auch Morbus Herxheimer genannt). Bei der ACA handelt es sich um eine Atrophie (Geweberückbildung) der Haut, die sich dadurch blau-braun verfärbt und dünn wie „Pergament- oder Zigarettenpapier“ wird.

In allen Stadien der Borreliose kann es auch ohne Therapie zu einer Spontanheilung kommen, außerdem können die Zeiträume zwischen den Stadien und deren Dauer erheblich variieren.

Symptome nach Jahren

Das dritte Stadium der Erkrankung wird erst nach Monaten oder Jahren erreicht.

In dem meisten Fällen äußern sich die Beschwerden dann in Gelenkentzündungen (Arthritis), die durch die Besiedlung der Gelenke mit den Borrelien hervorgerufen werden.

Häufig betroffen ist das Kniegelenk.
Die Entzündung im Knie verursacht Schmerzen, die sich unter Bewegung verschlimmern. Zudem ist eine Schwellung, Überwärmung und Rötung der Haut in der Gelenkregion bemerkbar.

Im Verlauf wird der Knorpel im Gelenk durch die Entzündung zerstört und das Gelenk wird zunehmend steifer.

Weiterhin kann auch das Herz von der Borrelieninfektion betroffen sein, wenn die Herzmuskelentzündung in den vorangeschrittenen Stadien die Herzleistung oder den Rhythmus nachhaltig beschädigt hat.
Es kann zu Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen kommen.

Selten ist das Gehirn auch nach Jahren noch betroffen. Falls das Gehirn nachhaltig geschädigt ist nimmt die kognitive Leistungsfähigkeit ab.
Des Weiteren können die Lähmungen aus dem 2. Stadium weiter bestehen.

Symptome Kind/Kleinkind

Besonders Kinder ziehen sich beim Spielen in Wald und auf Wiesen häufig Zeckenstiche zu.
Deshalb sollten Kinder besonders gründlich nach dem Spielen auf Zeckenstiche untersucht werden.

Die Borreliose-Infektion äußert sich bei Kindern mit ähnlichen Symptomen wie bei Erwachsenen.
Zunächst tritt auch die Wanderröte auf, allerdings meistens ohne weitere Symptome.

Bei Kindern treten im zweiten Stadium besonders häufig Erkrankungen des Nervensystems, also eine Neuroborreliose, auf.
Häufig ist der Nerv betroffen, der die Gesichtsmuskeln versorgt.
Das bedeutet, dass die Gesichtsmuskulatur gelähmt (Fazialisparese) sein kann - ein Symptom kann also das Herabhängen einer Gesichtshälfte sein.

Darüber hinaus treten Hirnhautentzündungen (Meningitis) auch bei Kindern auf. Die Fazialisparese und die Meningitis sind bei Kindern häufig selbstlimitierende Erkrankungen mit gutartigen Verläufen.

Gelenkbeschwerden oder der Befall des Herzmuskels sind bei Kindern eher seltene Komplikationen einer Borrelien-Infektion.

Im dritten Stadium treten auch bei Kindern nach Jahren am häufigsten Arthritiden (Gelenkentzündungen) auf, ähnlich wie bei den Erwachsenen.

Wie bei Schwangeren darf auch bei Kindern unter 10 Jahren nicht das Antibiotikum Doxycyclin zum Einsatz kommen, sondern man muss auf Amoxicillin oder Cefuroxim zurück gereifen.

Symptome trotz Antibiotika

Bestehen die Beschwerden trotz antibiotischer Therapie weiter, kann zunächst durch ein Präparatwechsel versucht werden die Symptome in den Griff zu bekommen, also ein anderes Antibiotikum verschrieben werden.

Allerdings ist eine Antibiotikatherapie von zwei bis vier Wochen meist ausreichend und auch bei anhaltenden Symptomen hat eine längere Therapie meistens keinen Zusatznutzen gebracht.

Trotz Eliminierung des Erregers durch die antibiotische Therapie können die Symptome noch etwas länger weiter bestehen.

Sollten diese Beschwerden allerdings für einen längeren Zeitraum weiter bestehen, so spricht das gegen das Vorliegen einer chronischen Borreliose und die Folgezustände der Infektion sollten symptomatisch behandelt werden.

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    Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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