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Neuroborreliose - Was ist das?

Einleitung

Bei der Neuroborreliose handelt es sich um eine Form der Borreliose, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi ausgelöst wird. Das Bakterium wird im europäischen Raum am häufigsten durch Zeckenbisse auf den Menschen übertragen.
Am häufigsten äußert sich eine Borreliose durch die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans), einem Hautausschlag nach einem Zeckenbiss, die Hälfte der Patienten mit einer Borreliose entwickelt jedoch auch eine Neuroborreliose.

Dabei können sowohl eine Hirnhautentzündung (Meningitis) als auch diverse andere neurologische Beschwerden auftreten.

Ursachen

Die Neuroborreliose wird durch eine Infektion mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht. Die Erreger gelangen im europäischen Raum am häufigsten durch einen Zeckenbiss in den Körper des Patienten. Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist der Hauptüberträger des Bakteriums. Im Gegensatz zur Frühsommermeningoenzephalitis (FSME), die ebenfalls durch Zeckenbisse ausgelöst werden kann und deren Hochrisikogebiet sich auf Süddeutschland konzentriert, ist die Borreliose in ganz Deutschland verbreitet.

Die Übertragung der Borrelien von der Zecke auf den Menschen beginnt frühestens sechs Stunden nach dem Biss des Tieres.

Je länger die Zecke am Patienten verbleibt, desto höher ist das Risiko, dass Borrelien übertragen wurden. Zudem kommt es bei unsachgemäßer Entfernung der Zecke häufig zu einer Übertragung der Erreger, zum Beispiel wenn die Zecke bei der Entfernung ausgequetscht wird.

Symptome einer Neuroborreliose

Die Neuroborreliose entwickelt sich meist erst nach einigen Wochen bis Monaten nach einer Infektion mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi.
Bis zu 95% der Fälle äußern sich durch eine Hirnhautentzündung (Meningitis). Der Betroffene leidet dabei häufig unter Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit. Auch Nervenwurzeln können von dem Entzündungsprozess betroffen sein, was sich durch Lähmungen, Sensibilitätsstörungen und Schmerzen äußern kann.
Nicht selten kommt es zu einer ein- oder beidseitigen Gesichtslähmung, wenn der Gesichtsnerv betroffen ist (Fazialisparese).

Meist kommt es zu einer Rückbildung der Symptome innerhalb eines halben Jahres. Bei den restlichen 5-10% der Patienten entzünden sich nicht nur Hirnhäute und Nervenwurzeln, sondern auch Gehirn und Rückenmark. Betroffene Patienten entwickeln zum Beispiel Gangstörungen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, epileptische Anfälle, Inkontinenz, Halluzinationen, Sprech- und Hörschwierigkeiten, extreme Müdigkeit oder anderweitige psychische Symptome. Häufig sind Konzentration und Merkfähigkeit eingeschränkt. Verwandten oder Bekannten der Patienten fällt an diesen manchmal eine Wesensveränderung auf.
Verläufe, bei denen das Gehirn direkt betroffen ist, sind in der Regel langwieriger als bei alleiniger Beteiligung der Hirnhäute.

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Diagnostik

Der wichtigste Hinweis auf eine mögliche Neuroborreliose ist ein vergangener Zeckenbiss.
Wird der Arzt über einen solche informiert und weist der Patient typische Symptome für eine Neuroborreliose auf, so kann zur Sicherung der Diagnose Nervenwasser (Liquor) entnommen werden.

Dazu wird eine Kanüle zwischen den Fortsätzen der Wirbelkörper am Rücken in den Spinalkanal eingeführt und etwas Liquor abgelassen. Dieser kann dann im Labor untersucht werden.

Bei einer Neuroborreliose findet man im Liquor typischerweise vermehrt weiße Blutkörperchen, die die Infektion bekämpfen.
Auch findet sich ein erhöhter Spiegel an Antikörpern gegen den Erreger im Nervenwasser. In manchen Fällen kann es schwierig sein, eine Neuroborreliose sicher zu diagnostizieren, da insbesondere in frühen Stadien oftmals keine Entzündungswerte im Nervenwasser festzustellen sind.

Bis die Produktion von Antikörper einsetzt, kann es ebenfalls eine Weile dauern. Um anderweitige Ursachen für die Beschwerden des Patienten auszuschließen, wird oftmals auch eine Bildgebung angefordert (zum Beispiel CT, MRT vom Gehirn). Bei Befall des Gehirns selbst lassen sich in der Bildgebung außerdem häufig der multiplen Sklerose ähnliche Läsionen beobachten.

Liquor / Liquordiagnostik

Als Liquor wird das Nervenwasser bezeichnet, das das Gehirn und das Rückenmark umgibt. Bei einer Neuroborreliose findet man im Liquor häufig Hinweise auf die Infektion, beispielsweise eine erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen, ein erhöhter Spiegel Antikörper gegen den Erreger Borrelia burgdorferi sowie manchmal erhöhte Eiweißspiegel.
Gerade wenn der Antikörperspiegel im Liquor höher ist, als im Blut, ist das ein Hinweis auf eine Neuroborreliose.
Das Nervenwasser wird im Rahmen einer Lumbalpunktion für die Liquordiagnostik gewonnen.

Besonders im Frühstadium der Erkrankung können die Veränderungen des Liquors jedoch auch fehlen, sodass auf die Liquoruntersuchung / Liquordiagnostik bezüglich der Diagnosestellung nicht zu 100% Verlass ist.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Liquordiagnostik

MRT vom Gehirn

Bei der Neuroborreliose lassen sich in der Magnetresonanztomographie (MRT vom Gehirn) mitunter Veränderungen nachweisen.

So zeigen sich bei Befall des Gehirns oft Schäden in der weißen Substanz des Gehirns, die ähnlich aussehen können wie bei der multiplen Sklerose (MS).
Wenn vorwiegend die Hirnhäute betroffen sind (Meningitis), so kann dort in der Bildgebung eine Anreicherung von Kontrastmittel beobachtet werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: MRT vom Gehirn

Therapie

Da es sich bei der Neuroborreliose um eine bakterielle Infektionskrankheit handelt, wird diese mit Antibiotika therapiert.
Geeignete Präparate sind Penicilline, Cephalosporine und Doxycyclin. Die medikamentöse Behandlung dauert in der Regel etwa drei Wochen.

Bei schweren Formen, insbesondere wenn auch das Gehirn auch betroffen war, kann es jedoch auch zu bleibenden Schäden kommen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Behandlung der Borreliose

Prognose / Heilung

Die Prognose und die Chancen einer Heilung bei der Neuroborreliose hängen vom Schweregrad des Krankheitsbildes ab.
Bei einer Form, die lediglich die Hirnhäute betrifft, ist die Prognose bei rechtzeitiger antibiotischer Therapie insgesamt gut.

Ist auch das Gehirn befallen, kommt es häufiger zu bleibenden Schäden, beispielsweise in Form von Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühlen.
Wird die Erkrankung zu spät oder nicht erkannt, kann sich ein chronischer Verlauf entwickeln, der sich auch schubförmig manifestieren kann.

Prophylaxe

Im Gegensatz zur Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) gibt es gegen die Borreliose keine Impfung. Demnach kann man sich auch gegen die Neuroborreliose nicht ärztlich schützen lassen.

Die wichtigste Prophylaxe konzentriert sich also auf die Vermeidung von Zeckenbissen. Beim Aufenthalt in der freien Natur sollte man daher am besten lange Kleidung und geschlossene Schuhe tragen.

Die meisten Zecken befinden sich in Bodennähe im Gras oder auf Büschen und werden dort im Vorbeigehen vom Patienten abgestreift. Helle Kleidung kann dabei helfen, die dunklen Zecken schneller zu entdecken. Nach einem Tag in der freien Natur sollte man sich zeitnah am ganzen Körper auf Zecken untersuchen.
Je schneller eine Zecke entfernt wird, desto geringer das Risiko einer Übertragung von Erregern. Auch wenn bereits einmal eine Borrelien-Infektion durchgemacht wurde, besteht im Anschluss keine Immunität.

Lesen Sie mehr zum Thema: Zeckenbiss

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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