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Zeckenbiss in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaft bleibt man leider von Zeckenbissen nicht unbedingt verschont. Zecken befinden sich meist im hohen Gras oder Wäldern und warten auf warmblütige Säugetiere – in diesem Fall den Menschen –, an dem sie sich festbeißen können.

Mit ihren Kieferklauen ritzt die Zecke die Haut der Betroffenen an und versenkt dann ihren Stachel (Hypostom) in der Wunde. Bevor sie mit der Nahrungsaufnahme, nämlich dem Blutsaugen beginnt, gibt die Zecke mit ihrem Speichel verschiedene Sekrete in die Wunde ab. Danach beginnt sie mit dem Blutsaugen. Zeckenbisse sind in der Schwangerschaft besonders gefürchtet von werdenden Müttern, da allgemein bekannt ist, dass Zecken gewisse Krankheiten wie Borreliose oder FSME übertragen können.

Wie gefährlich ist das für mein Baby?

Viele werdende Mütter fürchten sich vor Zeckenstichen in der Schwangerschaft. Der Grund dafür ist die Angst vor den Infektionskrankheiten, die Zecken übertragen können. In unseren Breitengraden sind das vor allem die Borreliose und die Frühsommermeningoenzephalitis (kurz: FSME). Wie groß die Gefahr für das ungeborene Kind ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Je länger sich die Zecke am Körper befindet und Blut saugen kann, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit für die Übertragung von Krankheiten auf die Mutter. Vor allem die Borreliose ist gefürchtet, da gegen sie, anders als bei der FSME, keine Schutzimpfung vorhanden ist. Zudem ist die Übertragung der FSME sehr viel unwahrscheinlicher als einer Borreliose. Das liegt einerseits daran, dass nur in bestimmten Gebieten Deutschlands Zecken leben, die das FSME-Virus tragen, andererseits, liegt die Übertragungswahrscheinlichkeit im Allgemeinen bei 30%. Nicht jeder Stich führt also zu einer Infektion.

Es gilt mittlerweile als gesichert, dass die Borreliose durch den Mutterkuchen (Plazenta) auf das ungeborene Kind übertragen werden kann. Wie hoch das Risiko dafür ist, lässt sich aber nicht genau sagen. Insgesamt wird es zwar als sehr gering eingeschätzt, bei einer Übertragung drohen jedoch mitunter schwere Fehlbildungen beim Kind. Am häufigsten sind Auffälligkeiten des Herzens, Nervensystems, Bewegungsapparates und der Haut. Auch Leberfehlbildungen sind bekannt.

Da Schädigungen beim Kind also nicht ausgeschlossen werden können, besteht bei einem Zeckenbiss in der Schwangerschaft rascher Handlungsbedarf.

Borreliose

Die Borreliose stellt die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit in Europa dar. Eine Übertragung auf das Kind ist zwar nur sehr selten, sie ist aber prinzipiell möglich. Es ist daher wichtig, die Zecke so schnell wie möglich zu entfernen. Man kann die Zecke selbst mit einer geeigneten Zange aus der Apotheke entfernen oder einen Arzt aufsuchen, der die Zecke fachgerecht entfernt. Diese Maßnahme ist die wichtigste, um einer Infektion und einer Schädigung des Kindes durch Borreliose vorzubeugen.

Sollten bereits Anzeichen für eine Übertragung der Borreliose zu sehen sein, in Form einer roten Hautveränderung um die Einstichstelle herum (Erythema migrans), beginnt der Arzt mit einer sofortigen Antibiotikatherapie. Diese ist nicht als Prophylaxe anzusehen, sondern als Therapie gegen die Infektion. Die ringförmige Hautrötung tritt frühestens sieben Tage nach dem Stich auf. Eine leichte Rötung direkt nach dem Einstich der Zecke ist noch kein Anzeichen für eine Borreliose. In der Schwangerschaft wird das Antibiotikum Amoxicillin zur Therapie empfohlen. Weiterhin kann eine Therapie mit Cefuroxim oder Penicillin durchgeführt werden.

Bei einer Infektion mit einer Borreliose in der Frühschwangerschaft erfolgt zusätzlich zur Antibiotikatherapie eine differenzierte Ultraschalluntersuchung, um Fehlbildungen beim Kind zu erkennen. Außerdem sollte nach der Geburt Nabelschnurblut für weitere Untersuchungen abgenommen werden. Sollten Auffälligkeiten beim Neugeborenen zu finden sein, wird weiterhin eine Untersuchung des Mutterkuchens empfohlen. Bei Unsicherheit können im 6.-7. Lebensmonat weitere Blutuntersuchungen beim Kind durchgeführt werden. Sollten sich hier keine Antikörper gegen den Borreliose-Erreger finden, ist die Übertragung während der Schwangerschaft ausgeschlossen. Insgesamt ist eine Übertragung auf das Neugeborene und eine Schädigung durch eine Borreliose sehr selten und unwahrscheinlich, wenn die werdende Mutter schnell behandelt wird.

FSME

FSME ist eine Entzündung der Hirnhäute und des Hirngewebes durch Viren, die von Zecken übertragen werden. In Deutschland besteht nur in bestimmten Regionen – vor allem in Bayern und Baden-Württemberg - ein erhöhtes Risiko für eine Übertragung von FSME.

Für FSME existiert eine Schutzimpfung, die man durchführen sollte, wenn man in Gebieten mit einem hohen Risiko für eine Übertragung lebt. Auch als Schwangere darf man sich impfen lassen, wenn man in einem Hochrisikogebiet lebt.

In der Schwangerschaft ist das Risiko für eine Infektion mit FSME insgesamt eher als gering einzuschätzen. Darüber hinaus verläuft die Erkrankung bei 90% der Infizierten asymptomatisch. FSME wird in der Regel nicht auf das ungeborene Kind übertragen. Sollte es zu einer symptomatischen Erkrankung der Schwangeren kommen, existiert unglücklicherweise keine heilende Therapie. Der Verlauf der Erkrankung, die jedoch meistens von selbst ausheilt, muss abgewartet werden. Lediglich der Einsatz von fiebersenkenden Medikamenten und Schmerzmitteln ist möglich.

Ursachen für Zeckenbisse

Menschliches Blut bildet eine Nahrungsquelle für Zecken, daher stechen sie auch zu. Die Schwangerschaft geht nicht mit einem erhöhten Risiko für einen Zeckenstich einher. Spaziergänge in Feldern, hohen Gräsern oder im Wald bergen ein besonders hohes Risiko für einen Zeckenstich. Dort befinden sich Zecken an Grashalmen und warten auf ein Tier oder einen Menschen, der den Grashalm streift. Mit ihren Sinnesorganen nehmen sie Erschütterungen, Körperwärme und Duftstoffe wahr. Saisonal besteht je nach Region ein erhöhtes Risiko für einen Zeckenstich. Daher sollte man, insbesondere in sogenannten Endemiegebieten, Acht geben. Schützen kann man sich durch festes Schuhwerk und lange Socken. Auch lange Hosen helfen, sich vor einem Zeckenstich zu schützen.

Diagnose

Die Diagnose eines Zeckenstiches fällt nicht besonders schwer. Meistens befindet sich die Zecke noch am Körper und ist mit bloßem Auge sichtbar. In der Schwangerschaft sollte die Zecke, so schnell wie möglich, entfernt werden. Wenn Sie die Zecke selbst entfernen, bewahren Sie diese in einem Glas auf. Möglicherweise wird sie für weitere Untersuchungen gebraucht.

Nach der Entfernung der Zecke führt der Arzt möglicherweise eine Blutentnahme durch, um Antikörper gegen Erreger festzustellen, die die Zecke überträgt. Da die Antikörper mitunter erst verzögert gebildet werden – nach etwa 2 bis 3 Wochen – muss die Blutentnahme meist nach 6 Wochen wiederholt werden.

Im Vordergrund steht erst einmal die körperliche Untersuchung der Schwangeren. Der Arzt schaut sich die Umgebung des Zeckenstichs an. Dort lässt sich bei etwa 50% der Borreliose-Infektionen die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans) feststellen. Es handelt sich dabei um eine rote Hautveränderung, die sich ringförmig um den Zeckenstich ausbreitet. Diese tritt jedoch frühestens 7 Tage nach der Infektion auf.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Hautausschlag nach einem Zeckenbiss

Beim Verdacht auf eine Übertragung in der Frühschwangerschaft werden zusätzliche Ultraschalluntersuchungen durchgeführt, um Schädigungen des Kindes aufzufinden. Sollte der Verdacht weiterhin bestehen, wird nach der Geburt Blut aus der Nabelschnur entnommen und weiter untersucht.

begleitende Symptome

Zeckenstiche führen nicht immer zu Beschwerden und verlaufen meistens symptomlos. Der Stich als solcher ist nicht schmerzhaft und wird meist erst bei einer gezielten Suche nach der Zecke bemerkt. Da der Zeckenstich zur Übertagung von Infektionen führen kann, sind begleitende Symptome jedoch möglich.

Die Übertagung einer Borreliose verläuft meist zunächst asymptomatisch. Nach einigen Tagen tritt jedoch bei 50% der Betroffenen die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans auf). Gelegentlich wird die Wanderröte von einem leichten Juckreiz begleitet. Nur in sehr seltenen Fällen sind Begleitsymptome wie Fieber, Unwohlsein, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit vorhanden. Spätere Stadien der Borreliose werden erst nach Monaten symptomatisch und können daher nicht als Begleitsymptome eines Zeckenstichs aufgefasst werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Symptome der Borreliose

Eine Infektion mit FSME in der Schwangerschaft verläuft in über 90% der Fälle komplett asymptomatisch. In sehr seltenen Fällen kann es 2 bis 4 Wochen nach dem Zeckenstich zu Fieber und grippeähnlichen Symptomen kommen. Typisch ist ein anschließendes fieberfreies Intervall mit einem darauffolgenden erneuten Anstieg. Diesen Verlauf bezeichnet man als biphasisch.

Was tun bei einem Zeckenbiss in der Schwangerschaft?

Zunächst einmal sollte man versuchen, dass es erst gar nicht zum Stich kommt oder man diesen schnellst möglich entdeckt. Nach einem Spaziergang im Wald, Feld oder hohen Gras sollte man also – vor allem in der Schwangerschaft – gründlich nach Zecken am Körper suchen. Insbesondere, wenn man in Hochrisikogebieten lebt, ist eine aufmerksame Suche empfehlenswert. So lassen sich Zecken schnell auffinden und bleiben nicht unbemerkt am Körper. Je länger die Zecke nämlich Zeit hat, zu saugen, desto höher ist das Risiko für eine Infektion.

Nach dem Auffinden der Zecke sollte diese, so schnell wie möglich, entfernt werden. Entfernen Sie die Zecke nur mit einer geeigneten Zange aus der Apotheke und vermeiden Sie es diese zu quetschen oder zu drücken. Danach ist eine Reinigung der Einstichstelle mit Desinfektionsmittel empfehlenswert. Nach der Entfernung der Zecke sollten Sie einen Arzt aufsuchen und sich untersuchen lassen. Bei einem Verdacht auf eine Übertragung von Borrelien erfolgt eine sofortige Antibiotikatherapie mit Amoxicillin.

Wann brauche ich Antibiotika?

Eine Antibiotikatherapie nach einem Zeckenstich ist dann notwendig, wenn der Verdacht auf eine Borreliose bei der Schwangeren besteht. Dieser ergibt sich durch Hinweise in der Blutuntersuchung oder der körperlichen Untersuchung. Ein Anzeichen ist die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans). Da jedoch nur in 50% der Borreliose-Infektion solch ein Hautzeichen zu sehen ist, lässt sich eine Borreliose dadurch nicht sicher ausschließen oder bestätigen. Bei einem erhöhten Risiko für eine Borreliose wird auch ohne klinische Zeichen eine Therapie mit Amoxicillin durchgeführt. Die Entscheidung ist bei jeder schwangeren Frau individuell zu treffen.

Um eine Risikoeinschätzung vornehmen zu können, kann in manchen Fällen eine Untersuchung der Zecke erfolgen. Es kann so festgestellt werden, ob die Zecke Borrelien in sich trägt oder nicht. In der Realität wird diese Untersuchung jedoch nur sehr selten durchgeführt, da sie nur selten sinnvoll ist. Weiterhin wird die Anhaftdauer der Zecke zur Beurteilung des Risikos herangezogen. Sollte die Zecke innerhalb weniger Minuten oder Stunden entfernt werden, ist das Übertragungsrisiko sehr gering. Dieses ist in der Regel erst ab einer Anhaftdauer von 6 bis 24 Stunden erhöht.

Prognose

In der Regel besteht durch einen Zeckenstich nur ein geringes Risiko für eine Schädigung von Mutter und Kind in der Schwangerschaft. Gefürchtet ist vor allem eine Infektion des ungeborenen Kindes mit einer Borreliose. Bei einer raschen Behandlung der Mutter mit Antibiotika geht das Risiko für Schädigungen des Kindes jedoch gegen Null. Daher sollte bei einem Zeckenstich in der Schwangerschaft zunächst Ruhe bewahrt werden. Ein rasches Entfernen der Zecke und eine Antibiotikatherapie – bei einer Borreliose – verhindern Schäden des Kindes und der Mutter zuverlässig.

Weiterführende Informationen

Weitere interessante Informationen rund um das Thema Zeckenbiss in der Schwangerschaft finden Sie unter:

 

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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