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Wachstumsschub

Definition

Unter einem Wachstumsschub versteht man einen deutlichen Anstieg der Wachstumsgeschwindigkeit, meist bezogen auf die Zunahme der Körpergröße pro Zeiteinheit. Aber auch das Körpergewicht und der Kopfumfang sind wichtig für die Beurteilung des Wachstums bei Kindern. Beim Menschen finden die Wachstumsschübe meist bevorzugt zu bestimmten Lebensabschnitten statt. So wachsen Babies unmittelbar nach der Geburt am schnellsten und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 15 Jahren in relativ kurzer Zeit besonders schnell. Bei Mädchen setzt der Wachstumsschub in der Regel etwa zwei Jahre vor den Jungen ein, ist meist aber weniger ausgeprägt.

Das Wachstum von Kindern und Jugendlichen wird vom Arzt mithilfe sogenannter Perzentilen nach der Körpergrößenbestimmung dokumentiert und verglichen. Darauf ist die durchschnittliche Körpergröße oder das Körpergewicht einer gleichaltrigen Kohorte aufgetragen und vereinfacht somit die Beurteilung im jeweiligen Einzelfall.

Weicht die Körpergröße stark von der Norm ab, könnte eine Wachstumstörung vorliegen.

Ursachen

Beim menschlichen Wachstum sind vor allem Wachstumshormone wie das Somatotropin von entscheidender Bedeutung. Ein Mangel an diesen Hormonen führt zu Minderwuchs, ein Überschuss hingegen zu Riesenwuchs. Somatotropin wird in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) gebildet und kann durch verschiedene Stimuli sowohl vermehrt als auch vermindert freigesetzt werden. Eine vermehrte Freisetzung von Somatotropin aus der Drüse kann durch Fehlen von Energiesubstraten, durch Sport oder Fasten, eiweißreicher Kost, psychischem Stress oder Fieber verursacht werden. Wohingegen Somatostatin, ein hemmendes Hormon, die Freisetzung von Somatotropin herabsetzt.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Wachstumshormone

Physiologischerweise wird während des Schlafes am meisten Somatotropin in der Hypophyse gebildet.

Das Lebensalter mit der höchsten Produktion dieses Hormons ist die Pubertät, da die dort vermehrt gebildeten Geschlechtshormone wie Estrogene und Androgene wiederum die Freisetzung von Wachstumshormonen stimulieren.

Symptome

Insgesamt lassen sich die großen Wachstumsschübe in drei Phasen einteilen: die bei Babies, im Kleinkindalter und in der Pubertät.

In den ersten beiden Lebensjahren machen Babies etwa acht Wachstumsschübe durch. Dies wird auch als die erste Phase der Wachstumsschübe zusammengefasst und die Kinder wachsen während dieser Zeit am schnellsten in Ihrem ganzen Leben. Durchschnittlich etwa 43 Zentimeter pro Jahr, danach von Jahr zu Jahr etwas weniger. Die Wachstumsschübe in dieser Zeit dauern in der Regel etwa eine Woche und kommen in ein- bis zweimonatigen Abständen vor. Meist erfolgt dann sowohl ein körperlicher als auch ein geistiger Entwicklungsschub. Dabei spielt auch das Nervenwachstum eine wichtige Rolle, was von der Kinder oft als verwirrend und störend empfunden wird. Dies spiegelt sich auch im Verhalten wieder. Die Kinder sind in dieser Phase meist quengelig und anstrengender als sonst. Sie können nicht so gut schlafen und suchen vermehrt den ständigen Kontakt zu Ihren Bezugspersonen. Sie sind anhänglicher und die Stimmung sehr wechselhaft. Oft kriegen Babies während eines Wachstumsschubs auch vermehrt Hunger und müssen öfter gestillt werden als sonst.

Die zweite große Wachstumsphase beginnt ab dem dritten Lebensjahr und dauert bis zur Pubertät. In dieser Zeit wachsen Kinder zwar stetig weiter, starke Wachstumsschübe jedoch sind eher ungewöhnlich. Im Durchschnitt beträgt der Körperlängenzuwachs in dieser Phase etwa fünf bis sechs Zentimeter pro Jahr.

Die dritte und letzte Wachstumsphase ist in der Pubertät und beginnt bei Mädchen etwas früher als bei Jungen, in der Regel etwa zwei Jahre davor. Dieser Wachstumsschub wird auch als „puberaler Wachstumsschub“ bezeichnet. Bei Mädchen tritt er meist mit 13 Jahren ein und ab diesem Zeitpunkt wachsen sie noch durchschnittlich 15 bis 20 Zentimeter. Jungs wachsen ab dem 14. Lebensjahr meist noch etwa 20 bis 25 Zentimeter.

Durchschnittlich also etwa sieben bis neun Zentimeter pro Jahr. Mit dem Ende der Pubertät ist meist auch die endgültige Körpergröße erreicht. Bei Mädchen ist dies um das 15., bei Jungs um das 17. Lebensjahr. Außer der äußerlich sichtbaren Veränderung der Körpergröße können während einem Wachstumsschub auch Knochen- oder Gelenkschmerzen in Form von Wachstumsschmerzen auftreten. Auch vermehrter Appetit und Müdigkeit sind möglich.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Wachstumsschmerzen

An diesen Symptomen erkennt man einen Wachstumsschub

Ist ein Baby im Wachstumsschub, zeigt es in der Regel typische Verhaltensweisen, an denen sich eine Zunahme im Wachstum erkennen lässt. So kann es sein, dass das Kind weniger oder in kürzeren Intervallen schläft, als im Regelfall. Besonders auffällig und mit den kürzeren Schlafphasen verbunden, ist die Steigerung des Appetits. Kleinkinder und Säuglinge sind in Wachstumsphasen oft anhänglicher und müssen mehr weinen. In der Pubertät kann sich ein Wachstumsschub durch vermehrtes Schlafen zeigen und Wachstumsschmerzen in Beinen oder Armen.

Kommt es bei einem Wachstumsschub zu Fieber?

Fieber bei Wachstumsschüben ist eher ungewöhnlich und hat in den meisten Fällen eine andere Ursache. Bei Kindern kann es aus vielen manchmal unerkennbaren Gründen zu Fieber kommen. Ab 37,5°C spricht man von erhöhter Temperatur und ab 38°C von Fieber. Es zeigt die natürliche Abwehrreaktion des Körpers auf Keime und ist vor allem während der Entwicklung ein wichtiger Teil der Ausbildung des Immunsystems.

Grundsätzlich muss Fieber nicht sofort vom Arzt abgeklärt oder behandelt werden. Jedoch ist es ratsam bei Nichtansprechen auf Fiebersenkung, hohem Fieber über 39°C,  Fieberkrämpfen oder starkem Krankheitsgefühl einen Kinderarzt aufzusuchen. Als Fiebersenkung empfiehlt sich Paracetamol, was in Absprache mit dem Arzt und angepasst an das Gewicht des Kindes gegeben werden kann.

Kommt es während des Wachstumsschubs zu Kreislaufproblemen?

Während eines Wachstumsschubes kann es besonders im Zusammenhang mit der Pubertät zu Kreislaufproblemen kommen. Eine Synkope (kurzfristige Bewusstlosigkeit) findet statt, wenn es zu einer plötzlichen Minderdurchblutung des Gehirns kommt. 

Ursächlich dafür ist die noch stattfindende Adaption von Blutvolumen und Blutdruck zum Längenwachstums mit zusätzlichen Triggerfaktoren wie Menstruation, langem Stehen, zu geringer Trinkmenge oder Unterzuckerung. Auch wenn sich in den meisten Fällen keine besorgniserregenden Gründe für die Synkopen feststellen lassen, sollten Krankheiten, wie Herzprobleme ausgeschlossen werden.

Wachstumsschmerzen

Wachstumsschmerzen treten oft in starken Wachstumsphasen in der Entwicklung eines Kindes auf. Charakteristisch sind das nächtliche Auftreten und die Lokalisation in den Beinen, was oft mit dem Gefühl eines nächtlichen Wadenkrampfs verglichen wird. Nach wenigen Minuten verschwinden die Schmerzen jedoch schnell wieder.

Viele Kinder empfinden Massage, Wärme und Zuwendung bei einem akuten Schmerz als erleichternd. Treten diese Schmerzen häufig auf, sollte man das Gespräch mit einem Kinderarzt suchen, da auch andere Erkrankungen solche Schmerzen auslösen können und eventuell behandelt werden sollten bzw. können. Eine Ursache für die Entstehung von Wachstumsschmerzen ist bisher noch nicht gefunden worden, da normales Wachstum eigentlich keinen Schmerz verursacht.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Wachstumsschmerzen

Kommt es bei einem Wachstumsschub auch zu Wachstumsschmerzen?

Bei manchen Kindern kann es während eines Wachstumsschubes zu Wachstumsschmerzen kommen. Diese Schmerzen treten charakteristischerweise zwischen dem späten Nachmittag und Abend auf, vereinzelt wachen Kinder auch nachts von den Schmerzen auf.
Tatsächlich ist diese Schmerzform eine der häufigsten bei Kindern. Typisch schmerzen die Muskeln der Waden und Oberschenkel, nicht die Gelenke.

Bei Begleiterscheinungen wie hohem Fieber, Hautausschlägen oder starken Schmerzen tagsüber liegt wahrscheinlich eine andere Ursache vor und es ist ratsam, einen Kinderarzt aufzusuchen.
Auch wenn die Schmerzen über einen längeren Zeitraum auftreten und das Kind ungewöhnlich schlapp ist, muss weitere Diagnostik erfolgen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Schmerzen während des Wachstums

Wachstumsschub beim Baby

Neugeborene erleben vor allem im ersten Lebensjahr viele Wachstumsschübe. Diese werden in der Regel in acht verschiedene Wachstumsphasen unterteilt. Die Dauer eines Schubes kann hierbei sehr unterschiedlich sein, von 3 Tagen bis zu 4 Wochen. In der Regel gehen diese Wachstumsphasen bei Babys nicht nur mit Größenwachstum, sondern auch mit motorischen und geistigen Errungenschaften und bestimmten Verhaltensmustern zusammen.

Wie im ersten Wachstumsschub ein hohes Verlangen nach Nähe zur Mutter herrscht und das Kind anfängt, die Mutter am Geruch zu erkennen, ist ein ausgeprägtes ‚‚Fremdeln‘‘ für die zweite Phase charakteristisch. Die dritte Phase ist geprägt durch einen größeren Appetit auf Milch oder das langsame Einstellen von Ritualen, wie dem Mittagsschlaf. Zwischen dem dritten und vierten Lebensmonat beginnt in der Regel die vierte Wachstumsphase, in der das Baby oft sehr schnell wächst und unruhige Nächte an der Tagesordnung stehen.

Die nächste Phase ist vor allem vom Zugewinn von motorischen Fähigkeiten, wie dem selbstständigen Drehen und ersten Krabbelübungen geprägt. Zudem finden die ersten Bemühungen zum Sprechen statt, auch wenn es anfangs eher einzelne Silben sind. Am Ende der sechsten Phase (circa 9 Monat) können die meisten Babys nun krabbeln. Doch auch ein gewisses Verständnis für die Reaktion der Eltern stellt sich nun beim Neugeborenen ein. Klare Signale wie ‚‚Ja‘‘ oder ‚‚Nein‘‘ werden nun langsam verstanden.

Oft können Babys nach dem siebten Wachstumsschub ihr erstes Wort sprechen. Diese Phase geht jedoch auch oft mit Wutanfällen einher. Am Ende der achten Phase können viele Babys nun langsam gehen, doch stellt sich hier auch oft ein erneutes Fremdeln ein.
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Die Wachstumsphasen von Babys nochmal auf einen Blick:

  • Phase 1: Ab der 5. Woche lächeln Babys und sind aufmerksamer. Sie brauchen vor allem häufig Muttermilch und körperliche Nähe.
  • Phase 2: Ab der 8. Woche fremdeln Babys und entwickeln die Fähigkeit zum Farbsehen. Die Kinder können jetzt mit Spielzeugen beruhigt werden.
  • Phase 3: Ab dem 3. Monat werden die Babys schneller hungrig und sind öfter weinerlich. Sie sollten langsam an Rituale gewöhnt werden.
  • Phase 4: Zwischen dem 3. und 4. Monat werden die Nächte der Kinder unruhiger, Geduld und körperliche Nähe können hier helfen.
  • Phase 5: Zwischen dem 6. und 7. Monat beginnen die Kinder mit dem Krabbeln und Drehen und starten die ersten Sprechversuche. In dieser Phase ist die Ermutigung der Kinder besonders wichtig.
  • Phase 6: Ab dem 9. Monat sprechen die Kinder erste Sätze und und bewegen sich immer mehr selbstständig. Klare Regeln sollten bereits jetzt eingeführt werden.
  • Phase 7: Ab dem 11. Monat verbessern Babys ihre motorischen Fähigkeiten noch weiter, viel Spielzeug ist eine gute Beschäftigung und es können auch bereits Aufgaben übertragen werden.
  • Phase 8: Zwischen dem 13. und 14. Monat werden die Kinder immer launischer, die Trotzphase beginnt. Auch hier sind Geduld und vor allem klare Grenzen hilfreich.

Wachstumsschub beim Kleinkind

Die verschiedenen Wachstumsphasen folgen bei Kleinkindern keiner genauen Reihenfolge mehr, wie es bei Neugeborenen der Fall ist. Die einzelnen Phasen haben jedoch ebenfalls markante Veränderungen im Verhalten des Kindes, doch ist die Reihenfolge von Kind zu Kind unterschiedlich.

Beeinflusst wird die Entwicklung ebenfalls von äußeren Einflüssen, wie dem Vorhandensein von größeren Geschwistern, ob das Kind in einer Kita ist und der Beziehung zu den Eltern. Die Trotzphase ist für viele Eltern sehr anstrengend. Das Kind ignoriert oft stur die Eltern und reagiert meist auf Wörter wie ‚‚Nein‘‘ mit Trotz und Wut. Hierbei geht es darum, dass das Kind versucht seine eigenen Grenzen zu finden und eigene Bedürfnisse durchzusetzen.

Erfahren Sie hier mehr zum Thema: Trotzphase

Im Gegensatz hierzu sehnen sich Kinder in der anhänglichen Phase oft nach einer engen Beziehung zu den Eltern. Dies ist die Zeit, in der Kinder nachts zu den Eltern kommen und im Elternbett schlafen wollen. Diese Phase wird von vielen Eltern als sehr harmonisch wahrgenommen.

Während der Abkapselung wollen Kinder Dinge auch einmal alleine ohne die Eltern unternehmen. Hier wird das Selbstbewusstsein des Kindes gestärkt und es beginnt langsam soziale Kontakte im Kindergarten zu knüpfen. Doch auch eine Phase des starken körperlichen Wachstums lässt nicht lange auf sich warten. Diese ist für viele Kinder auch mit Schmerzen verbunden. Diese treten vor allem nachts auf und verschwinden oft nach einigen Minuten wieder. Werden die Schmerzen zu stark, sollte man die Rücksprache mit einem Kinderarzt in Erwägung ziehen.

Wachstumsschub in der Pubertät

Die Pubertät tritt bei Mädchen in der Regel im Alter von 10 Jahren ein, bei Jungen erst zwei Jahre später. Diese Phase ist geprägt von starken körperlichen als auch psychischen Veränderungen der Kinder. Im Mittelpunkt der körperlichen Veränderung stehen vor allem die vollständige Entwicklung der Geschlechtsorgane und das Größenwachstum.

Mehr zum Thema finden Sie unter: Pubertät

So fängt bei Mädchen das Brustwachstum an und nach einer gewissen Zeit setzen die regelmäßigen Blutungen ein, die ein Zeichen für Geschlechtsreife sind. Zudem bemerken Mädchen ab hier die ersten Anzeichen von Scharmbehaarung.

Bei Jungen bilden sich zunächst die Hoden weiter aus und werden größer. Dieser Prozess geht mit dem Wachstum des Penis einher. Mit ca. 13 Jahren fängt der Körper nun an, Spermien zu produzieren. Zudem kommen Jungen in dieser Zeit in den Stimmbruch und es fängt langsam der Bartwuchs an.

Mädchen und Jungen zeigen zudem ein ausgeprägtes Größenwachstum von ca. 10-12 cm pro Jahr, der Zeitpunkt kann jedoch stark variieren. Im Fokus der psychischen Veränderungen stehen vor allem die Ausbildung der eigenen Persönlichkeit, das Abgrenzen zur Familie und eine reflektiertere Betrachtung des eigenen Verhaltens und dessen Folgen.

Wann kommt es zum pubertären Wachstumsschub bei Mädchen?

Bei Mädchen kommt es nach dem Eintritt in die Pubertät im durchschnittlichen Alter von circa 13 Jahren zum letzten großen Wachstumsschub. Das ist ungefähr zwei Jahre vor dem pubertären Wachstumsschub der Jungen. Während der Pubertät werden vermehrt die Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron ausgeschüttet, was auch zur Anregung der Produktion einiger Wachstumshormone führt. Somit findet gleichzeitig ein Längenwachstum und die Weiterentwicklung der Geschlechtsorgane statt. Zwei Jahre nachdem die erste Periode eingesetzt hat, kommt es bei den meisten Mädchen zum Ende des Wachstums.

Wann kommt es zum pubertären Wachstumsschub bei Jungen?

Jungen können in ihrem letzten Wachstumsschub in der Pubertät noch einmal 15 bis 20 cm wachsen. Im Alter von 11-14 (manchmal auch später) Jahren können Jungen in die Pubertät kommen und durchschnittlich zwei Jahre nach Eintritt kommt es dann zum Wachstumsschub. Wie bei den Mädchen ist auch bei Jungen der Geschlechtshormonzyklus mit dem der Wachstumshormone verbunden, sodass es während der Ausreifung der Geschlechtsorgane parallel zum Längenwachstum kommt. 

Therapie

Wachstumsschübe sind in der Regel biologisch vorprogrammiert und notwendig für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Es kann in manchen Fällen jedoch sein, dass diese nicht regelrecht verlaufen, entweder zu stark oder zu schwach ausgeprägt sind und gegebenenfalls mit weiteren Komplikationen einhergehen können. Diese bedürfen unter Umständen einer gezielten Therapie.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Wachstumsstörung

Während des puberalen Wachstumsschubs nimmt die seitliche Krümmung der Wirbelsäule (Skoliose) am stärksten zu. Verläuft diese Phase also ungleichmäßig oder besonders schnell kann es zu einem Ungleichgewicht kommen und dadurch Rückenschmerzen verursachen. Ist die Skoliose stark ausgeprägt und das Wachstum noch nicht abgeschlossen, kann beispielsweise Physiotherapie und das Tragen eines Korsetts notwendig sein. In sehr extremen Fällen muss unter Umständen die Wirbelsäule sogar operativ aufgerichtet werden.

Auch X- und O- Beine treten bei Kleinkindern relativ häufig auf. Kurz nach Laufbeginn ist eine X- Beinstellung sogar der Normalbefund. Dies korrigiert sich in der Regel von alleine bis zum sechsten Lebensjahr und bedarf keiner weiteren Therapie. Zeigt sich jedoch keine Spontankorrektur oder nimmt die Schiefstellung sogar zu, sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen stattfinden. Wird die Beinfehlstellung nämlich im vorpubertären Wachstum korrigiert, kann diese relativ einfach in einem kleinen operativen Eingriff begradigt werden. Ist das Wachstum hingegen abgeschlossen, bedarf es meist mehreren ausgedehnten Eingriffen.

Auch ein krankhafter Minderwuchs (Kleinwuchs) oder Großwuchs (Hochwuchs) ist bei Kindern und Jugendlichen denkbar. Davon spricht man, wenn das Kind zu den drei Prozent Kleinsten beziehungsweise Größten unter den Gleichaltrigen zählt. Grund hierfür kann ein Mangel oder Überschuss an Wachstumshormonen sein, was man medikamentös behandeln kann. Zum Einen existieren künstlich hergestellte Wachstumshormonpräparate, die bei einer verminderter Produktion durch den Körper dabei helfen können, trotzdem ein relativ normales Größenwachstum zu erreichen. Dies kann zum Beispiel im Rahmen einer Schilddrüsenunterfunktion, einer verzögert einsetzenden Pubertät oder anderen chronischen Erkrankungen der Fall sein. Zum Anderen kann extrem schnelles Wachstum durch Medikamente gebremst werden. Dies ist manchmal notwendig, wenn eine sehr große Körpergröße zu erwarten ist und die Wachstumsschübe so rasant verlaufen, dass sie zusätzliche Beschwerden hervorrufen. Beispielsweise kann man dadurch der Entstehung einer Skoliose vorbeugen oder deren Ausprägung vermindern, was Betroffenen ansonsten oft lebenslang Rückenbeschwerden bereitet.

Ein Überschuss an Wachstumshormonen ist außerdem bei einem Tumor der Hirnanhangsdrüse denkbar. Sowohl Klein- als auch Hochwuchs können aber auch erblich bedingt sein und müssen daher im Einzelfall genau abgeklärt werden. Bei der medikamentösen Therapie handelt es nämlich um einen Eingriff in den Hormonhaushalt und sollte daher nur durch ärztliche Anordnung und unter strenger Kontrolle durchgeführt werden.

Wie lange dauert ein Wachstumsschub?

Säuglinge wachsen im ersten Jahr sehr viel und durchlaufen mehrere Wachstumsschübe. Im Regelfall dauert ein Wachstumsschub nur einige Tage an.

Natürlich lässt sich dies nicht pauschalisieren. Manchmal ist es auch schwierig zu differenzieren zwischen einem Wachstumsschub und dem Vorgang des Zahnens bei Kleinkindern, vor allem wenn diese Phasen ineinander übergehen. Nach dieser ersten großen Wachstumsphase mit Längenzunahme in Schüben wachsen die Kinder dann stetig ca. 5 cm pro Jahr bis sie die nächste markante Wachstumsphase erreichen.

Gibt es wirklich 8 Wachstumsschübe?

Wissenschaftlich zwar noch nicht erklärt, aber den Beobachtungen vieler Eltern gemeinsam ist, dass viele Säuglinge 8 markante Wachstumsschübe in den ersten zwei Lebensjahren durchleben. Oft sind diese Phasen der gesteigerten Zunahme des Längenwachstums und eventuell vermehrtem Appetit zeitgleich mit den sogenannten Meilensteinen der Entwicklung. Diese beschreiben wichtige Entwicklungsschritte im Bereich Motorik, Sprache und sozialem Verhalten. Auch diese sind nicht selten von bestimmten Verhaltensweisen begleitet, wie zum Beispiel vermehrtem Weinen, Sturheit oder Fremdeln.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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