Ursachen eines HWS-Syndroms

Die Ursachen des HWS-Syndroms

Das HWS Syndrom ist ein Symptomenkomplex, der durch die verschiedensten Ursachen ausgelöst werden kann und somit eigentlich ein Sammelbegriff für das Erscheinungsbild vieler unterschiedlicher Krankheiten ist.

Am häufigsten ist ein HWS Syndrom bedingt durch ein Problem, das von der Halswirbelsäule ausgeht. Eine besonders große Rolle spielen hierbei die sogenannten Wirbelsäulenblockierungen, worunter man eine segmentale funktionelle Störung der gelenkigen Verbindungen zwischen den einzelnen Wirbeln versteht.


Welche Ursachen für das HWS-Syndrom in Frage kommen, hängt auch vom zeitlichen Verlauf der Symptome ab:

  • Unerwartetes Auftreten der Symptome (akutes HWS-Syndrom) spricht eher für plötzliche Überbeanspruchung der Halswirbelsäule wie bei einem Verkehrsunfall („Schleudertrauma“), starker ungewohnter Belastung oder ähnlichen Bewegungsabläufen.
  • Das anhaltende (= chronische) HWS-Syndrom ist oftmals auf andere länger andauernde Belastungen oder Prozesse zurückzuführen.

Häufigste Ursache für ein chronisches HWS-Syndrom ist die Abnutzung und Veränderung der Bandscheiben, der dazugehörigen Knorpel und der Wirbelkörper durch die dauerhaften Belastungen, denen die Wirbelsäule im alltäglichen Leben ausgesetzt ist. Die natürliche Alterung führt dazu, dass die Bandscheiben Flüssigkeit verlieren und dadurch schmaler werden. Zudem schwindet die Knorpelschicht zwischen Bandscheibe und Wirbelkörpern immer mehr, bis schließlich die Funktion der Bandscheibe als „Stoßdämpfer“ nicht mehr aufrechterhalten werden kann.
Da die Bandscheibe den Raum zwischen zwei Wirbeln nun nicht mehr ausreichend ausfüllen kann, die Wirbelsäule jedoch trotzdem den alltäglichen Belastungen stand halten muss, beginnt der Körper damit, an die Wirbel „anzubauen“ und knöcherne Ausläufer (= Osteophyten) zu bilden. Die Kraft kann somit auf mehr Fläche übertragen werden, was die Last jeden einzelnen Wirbelstückes vermindert. Dies geschieht auf Kosten der Beweglichkeit, die durch diese zusätzlichen Knochenteile natürlich stark eingeschränkt wird. Wenn die Ausläufer an den Wirbeln kontinuierlich wachsen ist es irgendwann unausweichlich, dass die neu gebildeten Fortsätze benachbarter Wirbel aufeinander treffen, was sich dann in den bewegungsabhängigen Schmerzen bemerkbar macht. Bewegungsabhängig deshalb, da die Fortsätze durch Drehung in den Wirbelkörpern bei Drehung des Körpers unterschiedlich stark aufeinander treffen.
Diese durch Flüssigkeitsverlust schmaleren Bandscheiben entstehen bei jedem Menschen. Jedoch bekommt nicht jeder Mensch mit schmalen Bandscheiben ein HWS-Syndrom. Bei den Betroffenen kommen oft noch andere Faktoren hinzu, die die Belastung weiter steigern. Hierzu gehören klassischerweise einseitige Bewegungen oder schlechte Körperhaltung bei Computertätigkeit.

Die schmerzhafte Reibung der Knochenausläufer bleibt jedoch nicht die einzige Folge dieser Veränderungen in der Wirbelsäulenarchitektur.
In der Summe ist der Raum zwischen den Wirbeln also von zunehmend weniger Bandscheibe, dafür mehr Knochen ausgefüllt um den Belastungen trotz fehlendem Bandscheibenpuffer standzuhalten. Der Raum zwischen den Wirbelkörpern ist jedoch ungemein wichtig, denn genau in diese Zwischenwirbelräumen ziehen immer zwischen zwei benachbarten Wirbelkörpern die einzelnen Nervenwurzeln durch einen knöchernen Kanal (= Foramen intervertebrale) aus der Wirbelsäule um von dort aus in den Körper zu ziehen und um dort Funktionen wie Muskelkontraktionen und Berührungsempfindlichkeit zu steuern. Das mangelnde Platzangebot führt dazu, dass dieser Raum zu eng wird und Knochenteile auf diese Nerven drücken können. Diese reagieren auf diesen Druck mit Gefühlsstörungen in den Armen und/oder Händen bis hin zu starken Schmerzen. Treten Taubheitsgefühle, Kribbeln, Schmerzen oder Kraftlosigkeit der Arme auf sollten die Betroffenen unbedingt einen Arzt aufsuchen, da dies Zeichen für ernste Schäden an den Nerven sind, die dringend behandelt werden müssen um dauerhafte Einbußen zu vermeiden.

Ein ähnlicher Mechanismus mit Einengung der austretenden Nerven ist beim Bandscheibenvorfall der HWS zu finden. Hier führt die Verschiebung von Bandscheibenanteilen zu Platzproblemen im Nervenkanal und es kommt genauso wie bei der degenerativen (= abnutzungsbedingten) Form zum Einklemmen des Nervs und den oben genannten Symptomen.

Außerdem kann ein HWS Syndrom durch Ursachen wie Missbildungen zustande kommen. Da gibt es zum einen die angeborenen Störungen wie Spina bifida und zum anderen erworbene Wachstumsstörungen wie die Skoliose (eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule). Auch Entzündungen können für ein HWS Syndrom verantwortlich sein, wobei dies hier keinen Unterschied macht, ob es sich um eine generalisierte entzündliche Erkrankung wie zum Beispiel eine aus dem rheumatischen Formenkreis handelt oder eine akute Infektion, oft durch Tuberkulose-Bakterien oder Staphylokokken.

Bei unklarer Ursache sollten immer ausgeschlossen werden: Tumoren, rheumatische Erkrankungen (z.B. Morbus Bechterew), Nervenentzündungen (z.B. durch Bakterien), Stoffwechselerkrankungen (z.B. Osteoporose) oder Fehlhaltungen (z.B. Skoliose oder Fehlbildungen bei der kindlichen Entwicklung). Auch eine Befragung bezüglich früherer Unfälle und Verletzungen kann wichtige Hinweise geben. Hierbei lassen sich oft Hinweise auf das bekannte „Schleudertraumas“ finden, welches durch extremes vornüber und nach hinten beugen (Auffahrunfall) ausgelöst wird. Diese Bewegungen können auch Muskelverspannungen, Bandverletzungen oder Bandscheibenverletzungen zur Folge haben, die dann zum akuten HWS-Syndrom führen.

Zuletzt sei noch der seltene Fall genannt, dass ein HWS prinzipiell auch einmal im Rahmen einer Wirbelsäulenoperation durch einen Arzt verursacht werden kann.

Psychische Ursachen vom HWS-Syndrom

Das Schulter-Nacken-Syndrom (HWS-Syndrom) kann auch als eine Art fehlgeleitete Antwort auf große seelische Spannungen verstanden werden.

Schmerzen im Bereich der Hals-Nacken-Region können auch Menschen entwickeln, die unter starkem Stress stehen. Sie sind oft innerlich sehr angespannt, was dazu führen kann, dass sich Verspannungen im Rücken und vor allem im Schulterbereich bilden. Auch andere psychische Belastungen, wie Sorge oder Trauer können Muskelverspannungen und Rückenschmerzen auslösen.

Personen mit viel Stress, Sorgen oder innerer Anspannung sind mit ihrer Aufmerksamkeit im Kopf. Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur. So kann beispielsweise Stress im Rahmen eines verantwortungsvollen Jobs, die Sorge oder Trauer innerhalb der Familie zu Überlastung führen.
Wenn keine Ruhephasen mehr gefunden werden können und Betroffene nicht der Spannung entgehen, können sie in dieser Haltung „erstarren“.

Eine stressbedingte Dauerspannung der Schulter- und Nackenmuskulatur im als Ursache eines HWS-Syndroms bewirkt im Laufe der Zeit Verhärtungen im Gewebe, Durchblutungsstörungen in der Muskulatur. Damit wird Druck auf die Nerven, Muskeln und Sehnen erzeugt, was die Beweglichkeit blockiert. Im schlimmsten Fall können sich daraus entzündliche Prozesse entwickeln.

Im Rahmen einer ärztlichen Behandlung der seelischen Ursachen eines HWS-Syndroms sollten psychische Belastungen offen angesprochen werden. Folgende Fragen können Hinweise auf die tieferen psychosomatischen Ursachen der Symptome geben:

  • Bin ich erstarrt in meiner Sicht auf das Leben?
  • Überlaste ich mich?
  • Muss ich alles alleine „schultern"?
  • Habe ich das Gefühl, mir sitzt etwas oder jemand im Nacken, dem ich es nur recht machen muss und dann hört es auf?
  • Aber wann ist das - und hört es je auf?
Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.04.2017
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